Willkommen, Gast. Bitte loggen sie sich ein oder registrieren sie sich.
News: "Das Leben ist kein Ponyschlecken"  (Zwiebeltom)
Willkommen, Gast. Bitte loggen sie sich ein oder registrieren sie sich.
01. Juli 2021, 09:34:06
Erweiterte Suche  
News: "Das Leben ist kein Ponyschlecken"  (Zwiebeltom)

Neuigkeiten:

|30|1|Heute morgen klopfte es an die Schlafzimmertür, der Sohn kam rein, legte die Enkelin zu uns ins Beet  (Anonymes Zitat von den Gartenmenschen)

Seiten: 1 ... 32 33 [34] 35 36 ... 49   nach unten

Autor Thema: Wieviel naturnah ist menschenfern?  (Gelesen 49738 mal)

enigma

  • Gast
Re:Wieviel naturnah ist menschenfern?
« Antwort #495 am: 12. Dezember 2013, 11:33:06 »

@Tara: Warum nicht?

Es zeigt sich dabei ein interessanter Zusammenhang: In weitestgehend noch unberührten oder naturnah gebliebenen Lebensräumen dringen Neophyten dauerhaft kaum oder gar nicht ein, schon gar nicht als "agressive Neophyten".

Die Robinie z.B. hält sich nicht in Waldgesellschaften, sondern an lichten Säumen und Halbtrockenrasen, also an gestörten Stellen, die nur durch dauerhafte Eingriffe des Menschen erhalten bleiben.

Ähnliches gilt für Ailanthus, Buddleja, Drüsiges Springkraut, Topinambur, Staudenknöterich und so manch anderen Neophyten.

 
« Letzte Änderung: 12. Dezember 2013, 11:33:52 von Bristlecone »
Gespeichert

Mediterraneus

  • Master Member
  • *****
  • Offline Offline
  • Beiträge: 23580
  • Spessart: Wald, Main und Wein (310m ü.NN/7a)
Re:Wieviel naturnah ist menschenfern?
« Antwort #496 am: 12. Dezember 2013, 11:37:29 »

Das zeigt, wie empfindlich manche Lebensräume sind.

Dichten Wald wachsen zu lassen, wäre für mich hier auch keine Lösung. Dann hätt ich halt kein Springkraut, dafür halt Wald. Den hab ich zur Genüge.

Feuerfalter und Sumpffarn wären dann weg. Und das ist ja das Erhaltenswerte. Zumindest empfinden das viele so.
« Letzte Änderung: 12. Dezember 2013, 11:38:15 von Mediterraneus »
Gespeichert
LG aus dem südlichen Main-Viereck
Mediterraneus

Andere haben schließlich auch irgendeine Ahnung

enigma

  • Gast
Re:Wieviel naturnah ist menschenfern?
« Antwort #497 am: 12. Dezember 2013, 11:40:51 »

Dr Sumpffarn kam in Mitteleuropa ja ursprünglich vor, ohne Zutun des Menschen.
Ob das für den Falter auch zutrifft, weiß ich nicht.

Der Farn würde sich jedenfalls an geeigneten Stellen auch ohne Zutuin des Menschen halten können. Nur dürfte es solche natürlichen Standorte "dank" des nivellierenden Einflusses der heutigen Landschaftsnutzung viel weniger geben als früher.

Womit wir bei der Renaturierung geeigneter Flächen wären.
Gespeichert

Günther

  • Gast
Re:Wieviel naturnah ist menschenfern?
« Antwort #498 am: 12. Dezember 2013, 11:43:28 »

Alles, was einem nicht in den Kram paßt, gehört zu den pösen Neophyten.
Oder: Was vor 99 Jahren noch nicht da war, ist schlecht, was länger als 100 Jahre da ist, ist schützens- und erhaltenswert.
Liebe Leute, die "Natur" ist kein statischer Zustand, sie ändert sich laufend, und menschliche Eingriffe, egal, in welcher Richtung, sind selten positiv.
Gespeichert

Mediterraneus

  • Master Member
  • *****
  • Offline Offline
  • Beiträge: 23580
  • Spessart: Wald, Main und Wein (310m ü.NN/7a)
Re:Wieviel naturnah ist menschenfern?
« Antwort #499 am: 12. Dezember 2013, 11:48:07 »

Das Hafenlohrtal ist in seiner Nutzung ziemlich einzigartig. Die Hafenlohr wurde teilweise angestaut, um die Wiesen zu bewässern. Dadurch hat sich ein in Bayern einzigartiger Lebensraum entwickelt.

Teilweise kommen Arten vor, die es sonst nicht mehr gibt. Raubfliege glaub ich und irgendwelche Insekten und Pilze, die ich aber auch nicht kenne.

Nachlesen kann man das auf der Seite des Bundnaturschutzes.
Gespeichert
LG aus dem südlichen Main-Viereck
Mediterraneus

Andere haben schließlich auch irgendeine Ahnung

Günther

  • Gast
Re:Wieviel naturnah ist menschenfern?
« Antwort #500 am: 12. Dezember 2013, 11:52:21 »

Das Anstauen ist natürlich gaaaanz natürlich.
Es handelt sich dort also um einen künstlichen, menschengeschaffenen Lebensraum.
Wie beispielsweise auch bei der Lüneburger Heide.....
Gespeichert

Tara

  • Master Member
  • *****
  • Offline Offline
  • Beiträge: 5497
Re:Wieviel naturnah ist menschenfern?
« Antwort #501 am: 12. Dezember 2013, 12:03:17 »

Es handelt sich dort also um einen künstlichen, menschengeschaffenen Lebensraum.

Das ist ganz richtig. Erst Abholzung, dann Beweidung und Bewässerung haben das Hafenlohrtal mit seiner großen Artenvielfalt geschaffen. Die schon durch das Pflanzen von Stangenwald gefährdet war.
Gespeichert
Die Sprache kann der letzte Hort der Freiheit sein. (Heinrich Böll)

uliginosa

  • Master Member
  • *****
  • Offline Offline
  • Beiträge: 7556
  • Carpe diem!
Re:Wieviel naturnah ist menschenfern?
« Antwort #502 am: 12. Dezember 2013, 12:12:10 »

Das Anstauen ist natürlich gaaaanz natürlich.
Es handelt sich dort also um einen künstlichen, menschengeschaffenen Lebensraum.
Wie beispielsweise auch bei der Lüneburger Heide.....

Natürlich ist anstauen natürlich!* Dazu braucht es nur ein vitales Biberpärchen. ;D
Die sorgen dann auch dafür, dass die Bäume dezimiert werden. Gründlich.
*das gilt allerdings nur in Höhen vielleicht bis 1-2m, nicht für hohe Staudämme.

Menschen müssen nicht immer alles alleine machen, in der Landschaftsgestaltung. Es gibt schon noch andere, die mittun, manchmal ganz ohne unser Hilfe (und ohne unser Einverständnis!)

Das mit der Lüneburger Heide hätte auch nie geklappt ohne die Schafe - die natürlich vor dem Wolf geschützt werden müssen. (was dann wieder die Aufgabe der Menschen ist)
« Letzte Änderung: 12. Dezember 2013, 12:16:16 von uliginosa »
Gespeichert
Viele Grüße aus dem Trockengebiet, Uli

uliginosa

  • Master Member
  • *****
  • Offline Offline
  • Beiträge: 7556
  • Carpe diem!
Re:Wieviel naturnah ist menschenfern?
« Antwort #503 am: 12. Dezember 2013, 12:14:46 »

Den Sumpffarn (Thelypteris palustris) kenne ich v.a. aus Erlenbruchwäldern - da braucht er auch keine menschliche Hilfe zum überleben. ::)
Gespeichert
Viele Grüße aus dem Trockengebiet, Uli

andreasNB

  • Master Member
  • *****
  • Offline Offline
  • Beiträge: 2255
  • Ich liebe dieses Forum!
Re:Wieviel naturnah ist menschenfern?
« Antwort #504 am: 12. Dezember 2013, 12:34:11 »

Das wächst nicht nur dort, sondern an fast jedem schattigen Bächlein. Es hat die mangelnde Pflege des Lebensraumes genutzt und alles besiedelt. Als die Wiesen noch gemäht wurden, hatte das Springkraut keine Chance.
Ich vermute auch mal, es schmeckt den Weidetieren nicht besonders.

Wir bräuchten dringendst Naturschützer, die das im Sommer ausreißen. :(

Ersetze Pflege durch Bewirtschaftung, dann wird daraus wieder ein Schuh !

Entstanden ist das Tal in seiner heutigen Form durch die Bewirtschaftung, weil die Bewirtschafter einen Nutzen daraus gezogen haben.
Wie man sieht ist die Natur kein statisch statischer Zustand. Sie geht weiter. Also zukünftig Stangenwald -> dann auch kein bzw. kaum Springkraut mehr, aber halt auch kaum noch Supmffarn & Co. Vielleicht verschwinden auch noch mehr Arten.
Wenn man es also in seinem vermeintlich optimalen Zustand - da ja nur nach menschlichen Ermessen bzw. der Naturliebhaber/-schützer so bewertet - erhalten mag, muß eine entsprechende Bewirtschaftung gefunden werden, welche auch einen wirtschaftl. Nutzen hat.
Da schließt sich dann der Kreis wieder.

Bezahlung von Pflege oder ehrenamtliche Arbeit hat beides seine Vorteile, ist aber immer nur ein Tropfen auf den heißen Stein (prozentual auf die Fläche bezogen) und im Grunde auch nur für kurze Zeit umsetzbar.
Gespeichert

andreasNB

  • Master Member
  • *****
  • Offline Offline
  • Beiträge: 2255
  • Ich liebe dieses Forum!
Re:Wieviel naturnah ist menschenfern?
« Antwort #505 am: 12. Dezember 2013, 12:40:43 »

Noch ein paar Anmerkungen zu Hecken und Feldgehölzen.

Der Pflegeaufwand wird wohl in den meisten Fällen überschätzt, meiner Meinung nach. Bei entsprechender Zugänglichkeit sollten maschinell Hackschnitzel erzeugt werden können.
Feldgehölze haben eine komplett andere Struktur und benötigen im vergleich zu Hecken über noch längere Zeiträume keiner "Pflege".
Große Bäume als Überhälter waren vermutlich vielerorts in Hecken normal. Zum Beispiel als Markierung von Grenzen oder zur Nutzung als Bau- und Brennmaterial.
Es bedarf also keines Idealbildes einer Hecke. Von beiden Seiten ;)
Eine der Nutzung gerecht werdende Anlage von H+FG schadet keinesfalls dem Landwirt. Er muß halt damit genauso umzugehen lernen, wie er es mit seiner Feldfrucht auch tut.

Brachen und einzelne Flächen aus der Bewirtschaftung zu nehmen kann sogar Vorteile für den Landwirt haben.
Auf Kuppen kann der Ertrag wegen Trockenheit und dem abschwemmen von Humus/Lehm sinken, wohingegen am Fuß der Hügel feuchte Senken entstehen. In diesen sinkt auch der Ertrag weil im Frühjahr z.B. das Wintergetreide absäuft.
Die Bewirtschaftung beider Flächen muß er aber mit Arbeitszeit, Dünger, Saatgut, Sprit, Abnutzung der Maschinen etc. bezahlen.
Nimmt er solche Flächen also aus der Bewirtschaftung und verbindet sie im Idealfall noch so das er mit seinen Maschinen nicht ewig um sie herum gurken muß, haben beide Seiten - Landwirt und Naturschutz - einen Vorteil daraus.
Gespeichert

uliginosa

  • Master Member
  • *****
  • Offline Offline
  • Beiträge: 7556
  • Carpe diem!
Re:Wieviel naturnah ist menschenfern?
« Antwort #506 am: 12. Dezember 2013, 12:44:30 »

Seit das Tal bewuchsfrei gehalten wird

Das ist bisher leider nur in einem sehr kurzen Stück des Hafenlohrtales der Fall. Der Rest ist heute bis zum Anschlag überwuchert vom Drüsigen Springkraut. :-X


Bewuchsfrei ??? du meinst nicht kahl, vegetationslos sondern, dass die Vegetation kurz gehalten wird, durch Mahd oder eben Beweidung. 8)

Auf Wiesen oder Weiden ist das Drüsige Springkraut kein Problem - es breitet sich entlang der Gewässerufer aus, wo es durch die natürlichen! Wasserstandsschwankungen immer wieder zu vegetationslosen Flächen kommt, die dann im Frühjahr schnell von Springkrautkeimlingen besetzt werden. Die heimischen Schalmmflurarten können da offensichtlich nicht mithalten.
Gespeichert
Viele Grüße aus dem Trockengebiet, Uli

lerchenzorn

  • Master Member
  • *****
  • Online Online
  • Beiträge: 14075
  • Berliner Umland Klimazone 7a (wohl eher 6b)
Re:Wieviel naturnah ist menschenfern?
« Antwort #507 am: 12. Dezember 2013, 12:53:53 »

Tschuldigung. Darf ich zwischendurch noch mal allgemein? Nur gaaaanz kurz

Wenn die Gesellschaft ... andere Ziele als das Unternehmen hat, wie z.B. eine reich strukturierte Landschaft, kann sie diese Leistung direkt bezahlen.

Kann sie? Wovon und durch wen?
Wieviel Promille eines Landeshaushaltes wollen wir der Sache zugestehen? Wer oder wie viele sorgen für die qualifizierte, zielgenaue Ausgabe der Mittel? Wer sichert die Flächen für diesen Zweck, am besten frei von Zwang für den Eigentümer oder Pächter?
(eine Lanze für den Bauern brechend: Um die Herde Kühe am Leben zu halten, braucht´s etwas mehr, als sie mal schnell auf die 100 ha zu jagen ;-))

Ich erwarte aber nicht das sich hier grundlegend in den nächsten Jahrzehnten etwas ändert.
Ich fürchte, es wird sich was ändern. Es werden mehr Landwirte als Dienstleister von landbesitzenden Kapitalanlage-Gesellschaften tätig sein. Dass sie mit denen so über gute Praxis verhandeln können, wie heute mit Naturschutzbehörden, bezweifle ich. Aber sie werden von ihren neuen Herren (vermutlich) besser bezahlt.

Wenn ich jetzt garstig wäre, würde ich jetzt sagen, der Schulterschluss zwischen Bristlecones Beiträgen und denen von Lerchenzorn ist geschaffen.
Wieso garstig? Hab ich irgendwo Gier erwähnt? (etwa verschleiert? :o)

Das Grundproblem des Lobbyismus, das Amur nennt, ist real. Das Problem der "Gegner" moderner Landwirtschaft: nun ja ::). Die Kompliziertheit der ökologischen Programme kommt zum guten Teil aus den formalen und technischen Anforderungen, um die Maßnahmen kalkulierbar und kontrollierbar zu machen. Gerade die Naturschutz-Stellen (Ämter und Verbände) hätten gern mehr Spielraum in der direkten Zusammenarbeit mit den Landwirten. Geht aber nicht. Zum anderen Teil müssen die Maßnahmen inhaltlich differenziert werden - kompliziert aus der Sicht des "normalen" Nutzers, um die empfindlicheren Arten und Lebensräume auch nur annähernd erhalten zu können. (Ein heute "normales" Landwirtschaftsgerät, eine "normale" Anwendung von Düngemitteln und Agrochemikalien, die ganze "normale" Ausrüstung des Landwirtes lässt bei heute "normaler" systematischer Anwendung eben nur noch ein sehr begrenztes Spektrum von Tieren und Pflanzen am Leben. Das ist einfach so und ein Programm, das ein davon deutlich abweichendes Ergebnis erreichen soll, muss zwangsläufig Zumutungen enthalten. Sonst taugt es nicht.)

Ich finde es nicht unmodern, seinen Betrieb mit möglichst geringem Aufwand=Input und mit einfacher Reproduktion des natürlichen, standörtlichen Leistungsvermögens zu gestalten. Dazu braucht es vermutlich eine gewisse Grundeinstellung und eine Mindestausstattung mit geeigneten Flächen Für den Lebensraum kann erstaunlich viel dabei herauskommen. Es geht mit Bio und geht ohne Bio (Von Moor will ich gar nicht schreiben, nicht mit Torf und nicht mit Dieter ;D ).
« Letzte Änderung: 12. Dezember 2013, 13:10:28 von lerchenzorn »
Gespeichert

Mediterraneus

  • Master Member
  • *****
  • Offline Offline
  • Beiträge: 23580
  • Spessart: Wald, Main und Wein (310m ü.NN/7a)
Re:Wieviel naturnah ist menschenfern?
« Antwort #508 am: 12. Dezember 2013, 13:01:39 »

Seit das Tal bewuchsfrei gehalten wird

Das ist bisher leider nur in einem sehr kurzen Stück des Hafenlohrtales der Fall. Der Rest ist heute bis zum Anschlag überwuchert vom Drüsigen Springkraut. :-X


Bewuchsfrei ??? du meinst nicht kahl, vegetationslos sondern, dass die Vegetation kurz gehalten wird, durch Mahd oder eben Beweidung. 8)


Baumbewuchsfrei. Bzw. regelmäßig gemäht. Ja, das meinte ich.
Gespeichert
LG aus dem südlichen Main-Viereck
Mediterraneus

Andere haben schließlich auch irgendeine Ahnung

lerchenzorn

  • Master Member
  • *****
  • Online Online
  • Beiträge: 14075
  • Berliner Umland Klimazone 7a (wohl eher 6b)
Re:Wieviel naturnah ist menschenfern?
« Antwort #509 am: 12. Dezember 2013, 13:07:56 »

In weitestgehend noch unberührten oder naturnah gebliebenen Lebensräumen dringen Neophyten dauerhaft kaum oder gar nicht ein, schon gar nicht als "agressive Neophyten".

Es sind nur so viele mitteleuropäische Arten - definitiv nicht mit dem Menschen eingewanderte - ausgesprochen störungsbedürftig, um überlebens- und ausbreitungsfähige Populationen bilden zu können. Wie geht man damit um?
Gespeichert
Seiten: 1 ... 32 33 [34] 35 36 ... 49   nach oben
 

Garten-pur.de Nutzungsbedingungen | Impressum | Datenschutzerklärung

Forum Garten-pur | Powered by SMF, Simple Machines
© 2001-2015 garten-pur. All Rights Reserved.
Garten-pur.de