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News: "Das Leben ist kein Ponyschlecken"  (Zwiebeltom)
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News: "Das Leben ist kein Ponyschlecken"  (Zwiebeltom)

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Autor Thema: Wieviel naturnah ist menschenfern?  (Gelesen 49738 mal)

enigma

  • Gast
Re:Wieviel naturnah ist menschenfern?
« Antwort #510 am: 12. Dezember 2013, 13:14:04 »

Hm - hast du mal ein paar konkrete Beispiele solcher störbedürftiger Arten, die aber nicht erst mit dem Menschen eingewandert sind?
« Letzte Änderung: 12. Dezember 2013, 13:14:17 von Bristlecone »
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Mediterraneus

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Re:Wieviel naturnah ist menschenfern?
« Antwort #511 am: 12. Dezember 2013, 13:19:13 »

Das wächst nicht nur dort, sondern an fast jedem schattigen Bächlein. Es hat die mangelnde Pflege des Lebensraumes genutzt und alles besiedelt. Als die Wiesen noch gemäht wurden, hatte das Springkraut keine Chance.
Ich vermute auch mal, es schmeckt den Weidetieren nicht besonders.

Wir bräuchten dringendst Naturschützer, die das im Sommer ausreißen. :(

Ersetze Pflege durch Bewirtschaftung, dann wird daraus wieder ein Schuh !

Entstanden ist das Tal in seiner heutigen Form durch die Bewirtschaftung, weil die Bewirtschafter einen Nutzen daraus gezogen haben.
Wie man sieht ist die Natur kein statisch statischer Zustand. Sie geht weiter. Also zukünftig Stangenwald -> dann auch kein bzw. kaum Springkraut mehr, aber halt auch kaum noch Supmffarn & Co. Vielleicht verschwinden auch noch mehr Arten.

Pflege eher bei der Landschaft, Klima und Boden angepassten Biotopen, Bewirtschaftung eher bei den Kulturlandschaften, welche ursprünglich gar nicht so typisch für die Region sind.
Dieses Tal wurde bewirtschaftet, stimmt. Sonst wäre von offener Landschaft keine Spur mehr und im Wald unterm Laubdach konnte Mensch halt nicht gut überleben.


Wenn man der Natur ihren Lauf lässt, was viele ja vorschlagen, geht halt etwas einmaliges verloren. Die Wahrscheinlichkeit, dass man dadurch wiederum etwas einmaliges erhält, ist nicht sehr groß, denke ich.

Wenn man so denkt, dürfte man im Prinzip seinen Hund auch nicht füttern oder den Vogel im Käfig. Wenn man der Natur ihren Lauf lässt, verrecken sie halt. Und so ist das auch mit vielen Lebensräumen.
« Letzte Änderung: 12. Dezember 2013, 13:32:02 von Mediterraneus »
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Re:Wieviel naturnah ist menschenfern?
« Antwort #512 am: 12. Dezember 2013, 13:38:07 »

Noch ein paar Anmerkungen zu Hecken und Feldgehölzen.

Feldgehölze haben eine komplett andere Struktur und benötigen im vergleich zu Hecken über noch längere Zeiträume keiner "Pflege".

Sind nicht viele Feldgehölze aus länger nicht gepflegten Hecken entstanden?

Hier wurden mal vor vielen Jahren vom Bund Naturschutz Hecken gepflanzt. Mit Heckenrose, Weißdorn, Schlehe, Holunder und Co.
Untenrum richtig schön dicht, Zuflucht für viele Tiere.
Mit der Zeit gingen darin Bäume auf, Eichen, Vogelkirschen, Robinie. Diese Bäume wurden größer und überwuchsen die ursprüngliche Hecke.
Diese Hecken sind nun unten nicht mehr dicht, es sind Alleen von Feldgehölzen geworden.
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Re:Wieviel naturnah ist menschenfern?
« Antwort #513 am: 12. Dezember 2013, 13:45:06 »

Das Anstauen ist natürlich gaaaanz natürlich.
Es handelt sich dort also um einen künstlichen, menschengeschaffenen Lebensraum.
Wie beispielsweise auch bei der Lüneburger Heide.....

Exakt.

Genauso menschengemacht wie z.B. die Almen, Weinberge, Streuobstwiesen, Magerrasen....
Kulturlandschaft ist menschengeschaffen und oft einmalig.
Darum gehts hier ja die ganze Zeit.
Lass ich sowas den Bach runtergehen, oder erhalt ichs.
« Letzte Änderung: 12. Dezember 2013, 13:46:10 von Mediterraneus »
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Re:Wieviel naturnah ist menschenfern?
« Antwort #514 am: 12. Dezember 2013, 14:16:27 »

Hier mal ein paar Beispiele zu unterschiedlichen Kulturlandschaften aus Unterfranken:

www.arche.bayern.de/naturatlas/unterfranken.htm

dort gibts noch ein paar Bilder dazu:

www.arche.bayern.de/regional/mainspessart/index.htm

Da ist das Hafenlohrtal drin (im Westen) und z.B. auch der Grainberg (beides im Landkreis MSP). Diese Lebensräume mit Pflanze und Tier sind alle massivst gefährdet durch einfaches "Laufenlassen der Natur"

Wenn man dort auf "Schutzgebietskarte des Landkreises" klickt, sieht man die flächenmäßigen Anteile von Naturschutzgebieten im Verhältnis zur Gesamtfläche.

Das kann man dort auch für ganz Bayern anschauen. Eine tolle Seite, finde ich :D
« Letzte Änderung: 12. Dezember 2013, 14:57:06 von Mediterraneus »
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lerchenzorn

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Re:Wieviel naturnah ist menschenfern?
« Antwort #515 am: 12. Dezember 2013, 14:19:46 »

Hm - hast du mal ein paar konkrete Beispiele solcher störbedürftiger Arten, die aber nicht erst mit dem Menschen eingewandert sind?
Ich schreib hier nur ein paar wenige auf. ich vermute, es ist sogar die Mehrheit der heimischen höheren Pflanzen. Es sind sicher auch sehr viele Tiere.

Die klassische "Naturschutz-Orchidee" Breitblättriges Knabenkraut (Dactylorhiza majalis)
Sand-Grasnelke (Armeria elongata)
Niedrige Schwarzwurzel (Scorzonera humilis)
Wiesen-Küchenschelle (Pulsatilla pratensis)
Graue Skabiose (Scabiosa canescens), Deutschlands "National"-Blume schlechthin.

Schon klar, dass die prähistorisch auf eine enge Standortkulisse begrenzt waren und bis ca. 1800 enorm an Boden gewonnen hatten. Die Dichte und Vernetzung ihrer Nischen war aber in "natürlichen" Lebensräumen vermutlich über sehr große Zeiträume wesentlich stärker ausgeprägt. Jetzt sind diese Arten auf ein Maß weit unterhalb aller jemals denkbaren Zustände geschrumpft und für mich ist nichts erkennbar, was ihnen in Lebensräumen auf die Beine helfen könnte, die einfach nur sich selbst überlassen bleiben.

Viele Arten unter den Grabwespen, Wegwespen, Sandbienen, Laufkäfer, Heuschrecken, Spinnen und und und. Die kommen manchmal mit sehr kleinen, von Störung geprägtenHabitaten zurecht, die sie prähistorisch in viel größerer Dichte vorgefunden haben dürften als gegenwärtig.
« Letzte Änderung: 12. Dezember 2013, 14:21:07 von lerchenzorn »
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Eva

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Re:Wieviel naturnah ist menschenfern?
« Antwort #516 am: 12. Dezember 2013, 14:26:34 »

Hm - hast du mal ein paar konkrete Beispiele solcher störbedürftiger Arten, die aber nicht erst mit dem Menschen eingewandert sind?

Ich würde meinen, zumindest alles, was gängigerweise unter "Pionierpflanze" fällt.
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lerchenzorn

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Re:Wieviel naturnah ist menschenfern?
« Antwort #517 am: 12. Dezember 2013, 14:27:38 »

Ich streue in der nächsten Zeit immer mal ein paar Zitate ein, die sich bei J. Radkau finden ("Natur und Macht").
Bei manchen lohnt es, Euch raten zu lassen, aus welcher Zeit und Gegend sie jeweils stammen. Hab ganz schön gestaunt, zum Teil ;)

"Wie lange noch, und es wird keinen See mehr geben, der nicht von den Giebeln Eurer Landhäuser überragt wird."
« Letzte Änderung: 12. Dezember 2013, 14:29:03 von lerchenzorn »
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Re:Wieviel naturnah ist menschenfern?
« Antwort #518 am: 12. Dezember 2013, 14:32:37 »

Ich streue in der nächsten Zeit immer mal ein paar Zitate ein, die sich bei J. Radkau finden ("Natur und Macht").
Bei manchen lohnt es, Euch raten zu lassen, aus welcher Zeit und Gegend sie jeweils stammen. Hab ganz schön gestaunt, zum Teil ;)

"Wie lange noch, und es wird keinen See mehr geben, der nicht von den Giebeln Eurer Landhäuser überragt wird."

Das ist zumindest einiges älter, als man denkt. Vermut ich mal. Was antikes? Griechen, Römer?
« Letzte Änderung: 12. Dezember 2013, 14:33:18 von Mediterraneus »
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Re:Wieviel naturnah ist menschenfern?
« Antwort #519 am: 12. Dezember 2013, 14:43:12 »

Sehr gut :)

Seneca, im alten Rom
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Re:Wieviel naturnah ist menschenfern?
« Antwort #520 am: 12. Dezember 2013, 14:45:16 »

Sehr gut :)

Seneca, im alten Rom

Aha, die alten Meister der Kulturlandschaft. Die haben uns das ja miteingebrockt, die Römer ;)
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Günther

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Re:Wieviel naturnah ist menschenfern?
« Antwort #521 am: 12. Dezember 2013, 15:15:41 »

Viele "Naturlandschaften" sind halt einmal nur mehr oder minder kurzlebig.
Beispielsweise der Großteil der Ruderalflora (und -Fauna). Gibt's wo eine Schottergrube, einen Straßenanschnitt, auch einen größeren Hanganriß udgl., dann entsteht dort gerne eine oft hochinteressante Lebensgemeinschaft, oft mit seltenen Individuen. Die kann man nur mühsam künstlich erhalten oder man läßt das natürlich weiterentwickeln. Dann verschwindet halt einiges.
Es ist sinnlos, zu jammern, daß die gelbblaukarierte Ohrenpfeifkröte, die einst Bombentrichter bevölkert hat ::) ;D, verschwindet, weil dort eben doch gebaut wird.
Und wenn in dem bewußten Tal - wo m.W. kein Biberpärchen angestaut hat - seltene Farne und Falter gedeihen, die vorher möglicherweise nicht dort waren - von irgendeiner Quelle müssen die ja hergekommen sein....
So manche schöne "Naturlandschaft" voll mit Raritäten ist nicht viel "natürlicher" als z.B. die Mainau.
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Re:Wieviel naturnah ist menschenfern?
« Antwort #522 am: 12. Dezember 2013, 15:29:19 »

Im Gegensatz zu Ruderalstandorten sind einige Kulturlandschaften durchaus langlebig, wenn man sie nur leicht unterstützt (Mähen z.b.).

Es gibt Obstwiesen mit 200 jährigen Bäumen, eine einzigartige Lebensgemeinschaft, wo beispielsweise der Ortolan dauerhaft heimisch ist. Solch ein Lebensraum ist mit geringer Bewirtschaftung dauerhaft stabil.

Mainau würd ich nicht damit vergleichen. Mainau ist bei mir eher in der Kategorie "Garten" oder "Park" zu finden. Homosapiens dürften dort die häufigsten Vögel sein ;D

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Günther

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Re:Wieviel naturnah ist menschenfern?
« Antwort #523 am: 12. Dezember 2013, 15:46:21 »

Im Gegensatz zu Ruderalstandorten sind einige Kulturlandschaften durchaus langlebig, wenn man sie nur leicht unterstützt (Mähen z.b.).


Tja, wo ist die Grenze des "leichten Unterstützens"?
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Re:Wieviel naturnah ist menschenfern?
« Antwort #524 am: 12. Dezember 2013, 15:49:53 »

Im Gegensatz zu Ruderalstandorten sind einige Kulturlandschaften durchaus langlebig, wenn man sie nur leicht unterstützt (Mähen z.b.).


Tja, wo ist die Grenze des "leichten Unterstützens"?

Ja, auch darum geht es.
Und kann das Unterstützen die Landwirtschaft übernehmen und wie und mit welchen Förderungen, müssen das ein paar private Aussteiger übernehmen oder ist es Sache des Naturschutzes?
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