Moin,
freut mich das ihr es auch so spannend findet. Ich habe bei diesem Thema in den letzten Jahren so viel kennengelernt und so vieles was ich gerne mal ausprobieren würde, das es eigentlich "nur" besonders an Platz, und Geld bzw. Zeit hadert ...
@cydorian: Ja, erwartbar ist es leider... Da Potenzial für Zufallssämlinge die brauchbar sind ist leider dadurch in den letzten Jahrzehnten noch sehr viel geringer geworden. Ich denke auch das die Zieräpfel durch die vielen Blüten deutlich mehr Pollen haben als die anderen Kultursorten. Neben den eher triploiden Sorten etc.
Ich habe tatsächlich noch ein paar Zufallssämlinge die hier ganz gut reinpassen würden, die habe ich 2020 oder 2021 auf einen Baum veredelt, ich weiß es grade nicht auswendig, es sind meine ich 6 Stück von denen 5 bisher getragen haben. Sie wachsen an einer stillgelegten Bahnstrecke auf einem Stück von rund 3-3,5km um Witzenhausen und sind rund 30-40 Jahre alt, nicht geschnitten und "natürlicher Konkurrenz" ausgesetzt. Einer wächst in der Randbepflanzung von einem Teich eher buschförmig, da er alle paar Jahre auf die Wurzel "auf Stock" zurückgeschnitten wird. Alle sind recht robust, und von den Früchten nicht besonders hervorragend.
Einer ist recht früh, glockenförmig und nicht auf den Bildern mit drauf.
Das hier ist ein kleiner, sehr fester und saftiger Apfel mit deutlich herber Note, wahrscheinlich super für Apfelsaft, wenn er deutlich größer wäre. Wahrscheinlich sehr ertragreich.
Der Apfel ähnelt deutlich einer Goldparmäne und stammt wahrscheinlich von dieser ab, der Mutterbaum war schon recht groß und alt. Auf dem Originalbaum haben die Früchte eine herbe Beinote gehabt, dieses Jahr auf einem Hochstamm waren sie ziemlich gut!
Das ist ein extrem fruchbarer mittelfrüher Apfel mit recht lockerem Fleisch, ohne besonderen Geschmack, vielleicht gut für die Verwertung für einen intensive Anbau auf starke Unterlagen.
Das ist der Teichapfel, der hat ein paar Jahre an einem starken Ast gebraucht und mal eine Blüte bzw. einen Apfel zu produzieren. Ich will den Ast dieses Jahr entfernen da er mir zu tief hängt, die Frcht war aber ziemlich gut und ich werde ihn denke ich mal auf einen Sämling veredeln.
@Wild Obst: Frei aufgeblüte Sorten können sehr gut für Sämlinge geeignet sein, wenn halbwegs geeignete Vatersorten in der Nähe stehen

. Bis jetzt habe ich auch nur frei aufgeblühtes ausgesät. Künstliche Bstäubung ist grundsätzlich nicht schwer. Man muss die Blüten nur vor bis nach der Blüte einpacken und halt wenn sie sich geöffnet haben bestäuben.
@Mainsand: Ich finde die Zieräpfel auch durchaus interessant, es gibt aber so vieles was auch interessant bzw. irgendwie interessanter und wichtiger für mich erscheint, sodass ich die wahrscheinlich nicht groß weiterverfolgen werde. Vielleicht würde ich mal so eine Kreuzung wie du meinst machen, mit was großfrüchtigen wie Kaiser Alexander. Den Zieräpfel und Zierapfelsämlinge von denen ich weiß das sie nichts großes sind habe ich tatsächlich die Blüten im letzten Frühjahr abgeschnitten, um zu verhindern das sie meine frei abgeblühten Samen zu sehr beeinflussen.
Damit du verstehst was ich mit den interessantern Sorten meine hier mal ein paar Fruchtbeispiele aus dem Jahr 2024:
Lawfam aus Triesdorf; 2023 veredelt, scheint sehr fruchtbar zu sein, scheint verwandt mit McIntosh, nicht direkt mit Fameuse (wie im Namen steckt). Aromatisch beerig-fruchtig, leicht süß, harte Schale, Fruchtfleisch eher mürbe aber saftig, ich finde ihn lecker. 3 Früchte ohne Faulen oder Schorf.
Wunder aus Repten aus Triesdorf 2023; Boikenapfel x unbekannt. Für mich eine Entdeckung des Jahres. Insgesamt ziemlich ähnlich Boiken, sehr lagerfähig eine Frucht liegt noch unbeeindruckt im Keller obwohl die meisten anderen Sorten schon versagen, erfrischend säuerlich fest. Nicht ähnlich zu Delicious wie in einer älteren Beschreibung. Mal sehen wie die Früchte die nächsten Jahre so aussehen!
Französische Edelrenette aus der DGO, 2021 vom Julius Kühn Institut erhalten, 2023 auf den Baum veredelt. "Die" Urmutter der meisten heutigen Tafelobstsorten. Früchte eher klein, leicht aber durchgängig berostet, sehr aromatisch, eher fest, mittel schorfanfällig.
Kaiser Alexander 2024 aus dem Reisermuttergarten Bonn: 2 Erstlingsfrüchte aus frisch veredelten Edelreisern, beide Reiser sind gut gewachsen, dewegen habe ich die Früchte belassen. Eine der Gründersorten der meisten nicht-triploiden großfrüchtigen Apfelsorte. Beide Früchte sind sortentypisch gefault, die eine recht früh, die andere konnte ich probieren, Geschmack super.
Roter Gartetaler, als Baum 2022 bekommen, hat 2024 2 Erstlingsfrüchte getragen: Recht klein, Geschmack gut, sonst nicht super aber auch nicht schlecht für rotfleischige Sorten, Züchtungswürdig.
Signe Tillisch vor Jahren mal an einen Busch auf M26 veredelt; London Pepping x Kaiser Alexander; Trotz beschriebener Anfälligkeit bei mir ziemlich robust, ertragreich, guter Geschmack. Muss lang geschnitten werden (fruchtet nicht so gut an 1 jährigen Holz bzw. dort an den Triebspitzen), die Früchte waren 2024 teils sehr früh dran. Ich mag die Sorte.
Helios habe ich mir 2022 (?) auf Empfehlung von Carina Pfeffer veredelt, dieses Jahr die ersten Früchte. Sie hatten zwar ein paar Frostschäden, auch physikalisch was braune Stellen im Fruchtfleisch verursacht hat. Trotzdem definitiv die leckerste bzw. aromatischste Frühsorte 2024.
Ludivics Rosenapfel aus 2022 von Bannier; Zufallssämling aus Holler, Weiswampach, Luxemburg um 1960 entstanden, 2003 erwähnt (Quelle DGO-Website). Nach Fingerprint Stark Earliest x James Grieve. Bannier und andere empfehlen die Sorte, deswegen habe ich sie mir veredelt. Sehr frühe, leckere Äpfel, robust, großfrüchtig, scheint eine super Sorte zu sein.
Vermutlich Allegro, die Früchte im Internet sehen zu rot und zu kugelig aus im Vergleich, leider findet man zu solchen Sorten wenig pomologisch aussägekräftiges im Internet. Veredlet 2022, viele, schöne Früchte die allerdings leider recht stark von Apfelwickler und Wespen sowie Hornissen verspeist oder geschädigt wurden was die extensive Eignung schmälert. Geschmacklich ganz gut, recht knackig und saftig modern in der Konsistenz.
Ich habe tatsächlich auch schon Kreuzungen vorgenommen die halbwegs erfolgreich ein paar Samen hervorgebracht haben. Dieses Jahr habe ich aber nur Samen ausgesät bei denen auch was schiefgehen darf bzw. mit denen ich nochmal die Stratifikation in Erde (Maulwurfshügel auf Sandstein) neu ausprobieren möchte und da ich nicht genau weiß wie viel Platz ich die nächsten Jahre haben werde und deswegen vielleicht hart aussortieren muss. Es kann gut sein das ich nächstes Frühjahr noch ein paar Interessante Kreuzungen machen kann. Helios x Ludivics Rosenapfel wäre z.B. interessant.
Hier mal die Sorten die ich vor kurzem in die Stratifikation gegeben habe, welche also so 2031 die ersten Früchte bekommen könnten; Der Plan ist sie beim keimen entweder direkt in die Beete oder erstmal einzeln in Töpfe/Saatplatten zu geben. Mein Ziel sind generell Sämlinge, welche die guten Eigenschaften der Muttersorten erhalten und sich darüber hinaus robust gegen die verschiedensten Schaderreger oder Wettereinflüsse zeigen. Z.B. eine robuste Blüte haben, nicht empfindlich gegen Schorf, Mehltau und Krebs sind. Ein guter Ertrag und Geschmack sind natürlich weitere Ziele. Dabei will ich die Vielfalt erhalten, vermehren und bessere und Sorten ziehen die gut unter moderne Umständen funktionieren. Und Spaß dabei haben, neues entdecken

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Samen von meinen Bäumen; In meinem Bestand sind hauptsächlich moderne, "schorfresistente" Sorten, auch rotfleischig, neben besonders in 2024 mehr älteren Sorten aus allen möglichen Sammlungen und ein paar Sämlingen.
Circe 2022, um zu gucken ob sich die Keimrate unterscheidet; Ziel: Bessere rotfleischige Sorten, mehr Vielfalt
Circe 2024; Ziel: Robustere, bessere rotfleischige Sorten, mehr Vielfalt
Lollipop 2024; Ziel; Stärkerer Wuchs und größere Früchte als die Muttersorte, stabile Robustheit, rotfleischige Vielfalt
Liberty 2024: Ziel: Robuste Sorten mit moderenem Einfluss, Vielfalt, Lagerfähigkeit
Allegro 2024: Ziel: Weniger Insektenanfällige Nackommen
Französische Edelrenette 2024: Ziel; Robustere Nachkommen, größere Früchte mit guten Eigenschaften der Mutter.
Kleiner Brünnerling 2024: Ziel; Kombination aus Robustheit und modernem Geschmack eventueller Vatersorten, größere Früchte.
Helios 2024: Ziel; Aroma der Muttersorte, Vielfalt im frühen Bereich, Lagerfähigkeit
Bionda Bella 2024: Ziel; Kombi von modernen Eigenschaften mit für extensiven Anbau wichtigen Eigenschaften
Goldrush 2024: Ziel; Kombi von modernen Eigenschaften mit für extensiven Anbau wichtigen Eigenschaften
Luidivics Rosenapfel 2024: Ziel; Gute Eigenschaften der Muttersorte erweitern, Vielfalt im frühen Bereich
Freiherr von Hallberg 2024: Ziel; Gutes modernes Aroma mit Robustheit kombinieren
Signe Tillisch 2024: Ziel; Mehr Robustheit, etwas kleinere Früchte, Vielfalt
Kleiner Langstiel 2024; Größere Früchte mit Robustheit und gutem Geschmack der Muttersorte
Von anderen Obstwiesen mit gemischten Sorten:
Rewena 2023; Ziel: Stabilere Robustheit und eventuell besserer Geschmack zusammen mit Ertrag usw. von Rewena.
Gascoynes Scharlachroter 2023; Ziel: Mehr Robustheit und weniger Fäulnis mit gutem Geschmack und Fruchtgröße der Muttersorte.
Unbekannte alte Tafelbirne 2023: Ziel; Guten Geschmack und Lagerfähigkeit der Muttersorte mit stärkeren, gesunden Wuchs kombinieren
Herrenhäuser Winterchrist 2024: Robuste Birnensorten, Vielfalt
LG