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Drüsiges Springkraut und andere Neophyten (Gelesen 9554 mal)

Einjährige, Zweijährige, mehrjährige Stauden, Farne, Gräser, Zwiebelpflanzen ...

Moderatoren: Nina, Phalaina, AndreasR

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Mari1234
Beiträge: 195
Registriert: 21. Mai 2008, 11:05

Re:Drüsiges Springkraut und andere Neophyten

Mari1234 » Antwort #30 am:

Herzlichen Dank für die detaillierten Beschreibungen und die Bestandsaufnahmen.Wie haltet Ihr aber den Umgang mit den Neophyten im eigenen Garten?!Sommerflieder habe ich mehrere, auch die Goldrute hat sich an einer Stelle angesiedelt.Entfernen, oder nicht?!Vielleicht noch eine blöde Frage: Wie steht Ihr "emotional" zu den Einwanderern? Ärgert Ihr euch über Springkrautbestände? Mari
max.
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Registriert: 20. Apr 2005, 15:42

Re:Drüsiges Springkraut und andere Neophyten

max. » Antwort #31 am:

nein. mir gefällt die pflanze. ich habe auch den eindruck, daß sie in den rhein-auwäldern seit einigen jahren eher zurückgeht als zunimmt.das gleiche gilt für den riesenbärenklau, zumindest in meiner gegend.dafür sehe ich immer häufiger echinops ritro an straßenböschungen, eine pflanze die ich nur von bäuerlichen gärten meiner kindheit kenne.alle drei genannten pflanzen werden übrigens eifrigst von "einheimischen" insekten beflogen.
thegardener

Re:Drüsiges Springkraut und andere Neophyten

thegardener » Antwort #32 am:

Ich bin mit dem drüsigen Springkraut großgeworden und habe sogar eine im Garten. Früher standen die an der Einfahrt zum Hof und waren so ziemlich das einzige was die Hühner nicht gefressen haben. Die Bestände blieben allerdings konstant, ausgebreitet hat sich das Zeug dort nicht. Hier hat mein Nachbar ( Profigehölzgärtner) das Zeug vor seinem Garten angepflanzt und ich finde es nicht wirklich schlimm die Keimlinge im Frühjahr aus den Beeten zu zupfen, da gibt es schlimmeres Unkraut. Wenn ich irgendwo schnell Schatten brauche bleibt halt auch mal eine stehen. Allerdings kann sich vom Garten nichts in die Natur verbreiten, es sind ja überall Häuser rundherum und Kilometer bis zur nächsten natürlichen Fläche. Und dort müssten sie erst durch die verwilderten Geranium magnificum (?) durchwachsen die dort ganze Wiesenstreifen belegen. Bedenklicher finde ich Solidago und Ambrosia, die sind hier im Umland sehr invasiv. Buddleia steht hier als Sämlingspflanze entlang der S-Bahndämme auf Schotter und am Anfang hatte ich auch Sämlinge von irgendwo im Garten. Die putze ich nach der Blüte aus und gut ist. Der angesprochene Acer hat echte Pesttendenzen , ebenso wie einige Traubenkirschen die mittlerweile hier überall im Wald zu finden sind. Am Rande: Acer negudo wurde hier vor ein paar Jahren im Rahmen einer Renaturierung aufgeforstet ::) und eingedrahtet. Letztes Jahr hat es endlich ein zuständiger Mensch gemerkt und Draht samt Acer entfernt, jetzt ist dort wieder Brache :-\ .@ Henning: die Agakröte wurde auch als Schädlingsbekämpfer nach Australien eingeführt und frisst sich durch den Kontinent. Das ist also eine heikle Sache und langfristige Folgen sind vorher gar nicht absehbar. Wenn es nicht direkte Schäden gibt können immmer noch Krankheiten oder Parasiten auf die jeweils einheimischen Tiere übertragen werden. ( ich denke zum Beispiel an Krebspest , die ja die leckeren eingeführten amerikanischen Krebse nicht tötet). In England gelten doch auch Rhododendren als gefährlich weil sie sich gebietsweise wüst vermehren, oder?
pumpot
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Re:Drüsiges Springkraut und andere Neophyten

pumpot » Antwort #33 am:

Wie steht Ihr "emotional" zu den Einwanderern? Ärgert Ihr euch über Springkrautbestände?
Eher ärger ich mich über die gelbe Pest - Goldrute. Wer weiß welche aggressiven Neophyten wir in Zukunft noch aus Amerika dank der propagierten Präriegärten zu erwarten haben. Da sollte schleunigst nen Riegel vorgeschoben werden. Wer idyllische Blumenwiesen haben will, sollte auf unbedenkliche heimische Arten umschwenken. Da gibts genug die ähnliche Aspekte erzeugen. Aber damit läßt sich nicht groß posen...
plantaholic
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fars
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Re:Drüsiges Springkraut und andere Neophyten

fars » Antwort #34 am:

Ich finde Springkraut nur vereinzelt schön und mag keine massierten Bestände. Aus meinem Garten habe ich es verbannt, weil ich den Geruch nicht mag.
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Henning
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Re:Drüsiges Springkraut und andere Neophyten

Henning » Antwort #35 am:

Hallo the gardenerDu hast natürlich Recht mit Deinem Hinweis auf die Agakröte , aber das habe ich doch auch schon gesagt
Es gibt dabei allerdings das Problem, daß mit dem Einführen der Fressfeinde andere noch größere Schäden entstehen.
Eine hysterische Reaktion: "Schützt die einheimische Flora" finde ich nicht gut. Veränderungen sind nun mal.Die menschlichen Eingriffe (Genmanipulation) finde ich viel problematischer.Gruß Henning
Querkopf
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Saartal, WHZ 7b, 245m ü. NN, toniger Lehmboden

Re:Drüsiges Springkraut und andere Neophyten

Querkopf » Antwort #36 am:

Hallo, Mari,
... Vielleicht noch eine blöde Frage: Wie steht Ihr "emotional" zu den Einwanderern? Ärgert Ihr euch über Springkrautbestände? ...
natürlich ärgere ich mich schwarz, wenn ich auf den Knien oder beinahe bäuchlings durch schwer zugängliche Gartenstellen robben muss, um derlei Bestände zu jäten (musste ich vor zwei, drei Wochen, weil mir von irgendwoher Impatiens parviflora zugeflogen war und etliche Quadratmeter am Zaun zu bedecken begann). Aber wie schon in #22 geschrieben: Mein Ärger über die Einwanderer ist nicht größer oder kleiner als der über invasives heimisches Zeuchs - "Bestände" mag und dulde ich im Garten nicht, egal von was. @Henning:
Henning hat geschrieben:... Eine hysterische Reaktion: "Schützt die einheimische Flora" finde ich nicht gut. Veränderungen sind nun mal. ...
klar, dass es stets Veränderungen gibt, auf die man ohne Hysterie schauen sollte. Dennoch: Landschaftsprägende "Charakter"-Pflanzengesellschaften gehören m. E. unbedingt geschützt. Zumal darin häufig rare, konkurrenzschwache Gewächse vorkommen, die gegen invasive Neophyten schlichtweg keine Chance haben. Prunus serotina-Dominanzbestände statt Magerwiesen und Heiden, Acer negundo- und/oder Impatiens glandulifera-Flächen statt artenreicher Auenflora - das muss, nein: das soll und darf nun wirklich nicht sein >:(... @Pumpot:Buddleja davidii ist nicht nur in England problematisch. Sie wird es allmählich auch - Susanne hat Impressionen dazu geschildert - in D, insbesondere in milden Klimazonen. Ihre Ausbreitung z. B. auf Industriebrachen (davon gibt es mittlerweile ja viele, und der Brache-Zustand bleibt mangels Neunutzung der Areale lange erhalten...), an Bahnlinien und Straßen macht schon nachdenklich. Nachdenklich stimmt mich auch, dass unsere in Sachen Ökologie sonst nicht gar so sensiblen ::) französischen Nachbarn Buddleja-Alarm gegeben haben: In Lothringen, bei mir um die Ecke, gilt Schmetterlingsflieder seit einer Weile (noch nicht lange) als Problempflanze. Buddleja-Sämlinge finde ich auch im Garten äußerst lästig: Sie kommen in den unmöglichsten Ecken, Ritzen, Fugen hoch, sind dort beinahe unjätbar und zeigen zähesten Überlebenswillen. Ich habe mir deshalb angewöhnt, Abgeblühtes an meinem (einzigen) Strauch früh und konsequent abzuschneiden und nicht via Kompost zu entsorgen. Das hilft mir im Garten und nützt hoffentlich auch darüber hinaus. Schöne GrüßeQuerkopf
"Eine Gruppe von ökologischen Hühnern beschloss, jenes Huhn zu verbannen, das goldene Eier legte, weil Gold nicht biologisch abbaubar sei." Aus: Luigi Malerba, "Die nachdenklichen Hühner", Nr. 137

"Wer für alles offen ist, kann nicht ganz dicht sein." (NICHT von Kurt Tucholsky)
sarastro

Re:Drüsiges Springkraut und andere Neophyten

sarastro » Antwort #37 am:

Pumpot hat es schon angedeutet. Genau das ist es, wogegen ich auch seit dem Entstehen der Präriegarteneuphorie Sturm laufe. Wir sollten uns hüten, Präriegärten zu propagieren, welche aus aggressiven Stauden bestehen, die sich schnell zu Neophyten entwickeln. Aber das wollen manche der Herren einfach nicht wahrhaben und hören nicht, propagieren weiterhin Stauden der Prärie aus Samen. Monarden, Solidago, Helianthus usw., die alles andere als steril sind.Auch Datisca cannabina könnte zum Neophyt werden.
Pimpinella
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Re:Drüsiges Springkraut und andere Neophyten

Pimpinella » Antwort #38 am:

Ich habe gerade über tatihous Eselsdistel-Angebot im Grünen Brett nachgedacht und nachgegoogelt und dabei herausgefunden, dass diese schöne Distel in Nordamerika ein aggressiver Neophyt ist. Dass so manche Pflanze am flaschen Ort zum Monster werden kann, finde ich zwar als Gärtner und Landschaftsliebhaber bedenklich, aber rein intellektuell ist es ungeheuer faszinierend und beglückend. Und ich denke mir wieder einmal, wie schön es wäre, wenn einer ein richtig toll aufgemachtes gescheites Buch über Unkraut schreiben würde.
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Knusperhäuschen
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Re:Drüsiges Springkraut und andere Neophyten

Knusperhäuschen » Antwort #39 am:

Hier im Taunus macht sich neben den eingewanderten Springkräutern auch der von Sarastro genannte Lysichiton americanus breit:(als ich die Fotos machte, wußte ich gar nicht, um was es sich da handelt, es kam mir nur unbekannt vor)lysichiton americanus
Warum bin ich eigentlich gerade nicht im Garten?
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Dicentra
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Re:Drüsiges Springkraut und andere Neophyten

Dicentra » Antwort #40 am:

Seitdem ich begonnen habe nachzulesen, was es mit den Neophyten auf sich hat, komme ich aus dem Staunen nicht mehr heraus. Der Garten ist ja - etwas übertrieben - regelrecht voll davon! Jetzt suche ich mir schon Listen zusammen, die überhaupt mal einheimische Pflanzen enthalten. Natürlich sind nicht alle Neulinge "schlecht", aber ich werde künftig bewusster nach Einheimischen suchen.Mit dem Sommerflieder mache ich es nun ebenso wie einige andere hier: Verblühtes wird sofort entfernt und entsorgt.LG Dicentra
Es gibt nichts Beruhigenderes als eine schnurrende Katze.
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altrosa
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Re:Drüsiges Springkraut und andere Neophyten

altrosa » Antwort #41 am:

In unserer Gegend (Zürichsee) ist der Kirschlorbeer ein widerwärtiger Neophyt. In Gärten vielfach verwendet, wandert er nun in die landschaftlich wertvollen Bachtobel ein und verdrängt einheimische Arten wie Seidelbast. Die Hanfpalme wird vermutlich bald folgen.
mickeymuc
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Re:Drüsiges Springkraut und andere Neophyten

mickeymuc » Antwort #42 am:

Bei uns in südbayern ist es neben Solidago (katastrophal) vor allem Reynoutria japonica, die sich überall ausbreitet. Hin und wieder schneide ich Bestände runter, man sieht schon daß sie im Folgejahr etwas schwächer dastehen, aber los wird mans ie so bestimmt nicht. Im Gegensatz zu anderern Neophyten bietet diese Pflanze m.E. auch der Tierwelt nichts, ich kennen jedenfalls kein Tier das diese Pflanzen frisst.Schon schlimm, aber Gift spritzen, wie dies wohl in Schottland gemacht wurde, halte ich auch für keine gute Lösung.Grüße !Michael
Viele Grüße aus dem Ermstal !
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Henning
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Re:Drüsiges Springkraut und andere Neophyten

Henning » Antwort #43 am:

wenn einer ein richtig toll aufgemachtes gescheites Buch über Unkraut schreiben würde.
UN krautwas ist das ? - Entfremdung von der Natur ?Gruß Henning
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altrosa
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Re:Drüsiges Springkraut und andere Neophyten

altrosa » Antwort #44 am:

und was ist Natur? Beikraut oder Wildpflanze sind zwar "politisch korrekt", aber wenn je das Wort Unkraut richtig ist, dann bei den Neophyten, die, in ihrer Heimat unauffällig, in neuer Umgebung, ohne Frassfeinde zur echten Bedrohung der einheimischen Flora werden können.
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