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Re: Naturgarten, Wildgarten, Biogarten oder Biodiversitätsgarten?
Verfasst: 6. Jul 2026, 11:27
von Chica
Nachtrag zum Wochenende in Raddusch mit der Spreeakademie und vielen Wissbegierigen. Es war einfach toll, vor allem die menschlichen Begegnungen. Ich habe einige neue Kontakte im Smartphone

. Zwei meiner Freundinnen haben mich begleitet. Am Vormittag gab es einen Vortrag von Suse von der
Gärtnerei Wildblüten. Die junge Frau ist einfach pfiffig und lustig ist: Sie hat das gleiche Problem wie ich, ihr fallen oft die deutschen Namen der Pflanzen nicht ein

. Sie hatte zusammen mit einer Kollegin gleich einige Stiegen Pflanzen mitgebracht, die man sofort erwerben konnte. Meine Vorbestellung lag fein sortiert in einer Kiste bereit. Sehr professionell und sehr zu empfehlen im Raum Berlin und Brandenburg! Mir waren die Mädels ja schon vor ein paar Jahren auf dem Staudenmarkt in Berlin aufgefallen.
Danach Pause zum Quasseln und bunte, vegane Schnittchen oder war das vegetarisch? Der dunkelrote Aufstrich war mein Leckerli.

Re: Naturgarten, Wildgarten, Biogarten oder Biodiversitätsgarten?
Verfasst: 6. Jul 2026, 11:44
von Chica
Nach dem Essen war ich mit meinem Vortrag dran. Die Stimmung war so locker, dass Christine von der Spreeakademie meinte: " Ich hoffe schon, dass du das ernsthaft nimmst mit dem Vortrag." Tu ich, ganz sicher

. Ein großer Teil der Zuhörer war auch vor zwei Wochen mit bei mir im Garten, von daher hatte ich schon persönliche Unterstützer gefunden und einmal Nummern getauscht, bevor ich den ersten Satz sagte. Eine meiner Freundinnen, die beruflich nicht mehr so eingespannt ist, hatte ein Gerippe an PowerPoint vorbereitet an dem ich mich entlang hangeln konnte. Man ufert sonst so schnell aus

. Ich habe mit 9 Folien 35 Minuten Redezeit zusammengebracht am Ende und alle waren begeistert und die Gastgeber zufrieden. Könnte ich wiederholen, war keine Anstrengung

, hat mir auch Spaß gemacht.
Noch ein paar Eindrücke vom Lerngarten Raddusch.
Gerd der Gärtner stellte sein Reich vor. Ein "Totalbiotop mit schmalen Pfanden" wäre hier ja von Anfang an nicht in Frage gekommen. Was für ein netter Seitenhieb

. Man müsse auch nicht alle Arten genau kennen, vor allem die Insekten nicht und könne trotzdem viel erreichen. Nun ja, mit ein bisschen weniger Natura.db

und ein bisschen mehr floraweb.de und wildbienen.info könnten aus den 5 vorhandenen Tagfalterarten wohl auch 15 werden wie bei mir am gleichen Tag. Noch dazu, da der Garten von Wildnis umgeben ist und nicht von konventioneller Landwirtschaft wie meiner. Suse und ich haben da unabhängig voneinander Anstöße gegeben

.
Alles in allem - einfach toll und neue Energie für mehrere Tage...
Re: Naturgarten, Wildgarten, Biogarten oder Biodiversitätsgarten?
Verfasst: 6. Jul 2026, 11:45
von Chica
Ach, wen es interessiert, Mathias hat schon etwas geschrieben zu vorletzter Woche auf der Website der Spreeakademie

.
Re: Naturgarten, Wildgarten, Biogarten oder Biodiversitätsgarten?
Verfasst: 6. Jul 2026, 11:47
von Staudo
Chica hat geschrieben: ↑6. Jul 2026, 11:27
Sie hat das gleiche Problem wie ich, ihr fallen oft die deutschen Namen der Pflanzen nicht ein

.
Was mit helio heißt, hat irgendetwas mit Sonne zu tun, pratensis mit Wiese, palustris mit Sumpf und sylvaticus mit Wald.

Ich versuche mir im Zweifelsfall die Namen rückwärts zu übersetzen.
Re: Naturgarten, Wildgarten, Biogarten oder Biodiversitätsgarten?
Verfasst: 6. Jul 2026, 11:54
von Chica
Danke

und dann noch: longifolia: langblättrig

Re: Naturgarten, Wildgarten, Biogarten oder Biodiversitätsgarten?
Verfasst: 6. Jul 2026, 11:56
von Chica
Pieris napi habe ich dann mittendrin gegoogelt: irgendein Weißling

Es war lustig, sag ich doch

.
Re: Naturgarten, Wildgarten, Biogarten oder Biodiversitätsgarten?
Verfasst: 13. Jul 2026, 10:53
von Chica
Biodiversitätsvegetation hier (damit keiner bei den Gartenimpressionen einen Herzkaspar kriegt

) und eine weitere Libellenart:
Calopteryx virgo, die Blauflügel-Prachtlibelle.
@Staudo
Was sich hier im heißen, ungegossenen, trockenen Sand wirklich bewährt hat ist
Scabiosa ochroluca und
Veronica teuchrium 'Kapitän' oder war es die andere blaue Sorte, die ich aus Uebigau mitnahm? Beide versamen sich fröhlich in den Einfahrtbeeten, so liebe ich das. Ich habe in jedem Jahr
Melitaea cinxia, den Wegerich-Scheckenfalter, der u. a.
Veronica teucrium frisst hier.
Es funktioniert eben wirklich mit dem "Tiere pflanzen". Beide Pflanzen stehen selbstverständlich in Westrichs Pollenliste.
btw. der Thread gehört ins Atelier, so wie ich ihn ursprünglich angelegt hatte. Er hat mit "Natur und Umwelt erleben und schützen" nichts zu tun. Es geht um eine Gartenform wie "Asiatischer Garten", "Englischer Garten" "Französischer Garten", "Bauerngarten" usw..
Re: Naturgarten, Wildgarten, Biogarten oder Biodiversitätsgarten?
Verfasst: 26. Jul 2026, 12:04
von polluxverde
..... wenn die Idee des Naturgartens etwas überinterpretiert wird ....
Re: Naturgarten, Wildgarten, Biogarten oder Biodiversitätsgarten?
Verfasst: 26. Jul 2026, 12:14
von thuja thujon
Das ist Naturbelassen und kein Garten.
Re: Naturgarten, Wildgarten, Biogarten oder Biodiversitätsgarten?
Verfasst: 26. Jul 2026, 12:18
von polluxverde
btw. der Thread gehört ins Atelier, so wie ich ihn ursprünglich angelegt hatte. Er hat mit "Natur und Umwelt erleben und schützen" nichts zu tun. Es geht um eine Gartenform wie "Asiatischer Garten", "Englischer Garten" "Französischer Garten", "Bauerngarten" usw..
Darüber ließe sich trefflich streiten -- ein natürlich interpretierter Gartenraum mit Rücksichtnahme auf Wildstauden, Insekten, heimische Fauna u. Flora usw. ist gelebter und praktizierter Umwelt- u. Naturschutz und hat daher unter der Überschrift
" Natur u. Umwelt erleben u. Schützen " seine definitive Berechtigung -- wobei je nach Sicht- u- Herangehensweise Schnittmenge zu
vielen anderen Threads sind, also " Naturgärten usw ... " natürlich auch im Atelier gut aufgehoben wäre.
Re: Naturgarten, Wildgarten, Biogarten oder Biodiversitätsgarten?
Verfasst: 26. Jul 2026, 13:53
von Chica
Nein, ich bestehe darauf, dass das was ich hier pflege ein Garten ist! Das Ganze hat nur ein anderes Konzept als ein konventioneller aber das hat ein asiatischer auch. Mein Garten von über 2.000 qm plus Pachtwiese, macht mindestens genauso viel Arbeit, wie ein konventioneller. Ich habe allein im Frühjahr hier 20 Gartenabfallsäcke Wiesenschnitt herausgeholt, mit dem Laserschwert gesenst. Vielleicht macht alles sogar noch mehr Arbeit, denn man lässt ja relativ viel zuerst einmal wachsen, die Gräser versamen sich in die Beete und Wildpflanzen müssen auch strikt selektiert werden. Es gibt Pflanzen, die man nicht haben will. Man muss Blackboxing strikt lenken, sonst ist Chaos. Für die Ruderalpflanzen braucht man jedes Jahr offenen Boden, sonst ist die weg. Ich habe unzählige Beete, in der Einfahrt 3, die große Gehölzfläche, ein Blackbox-Hang 28 m lang, Höhe schräg 2 Meter, alles mit Stahlkanten eingefasst, 4 ehemals konventionelle Beete, 2 ehemalige Gemüsebeete, der Saum. Das wird alles ganz klassisch entkrautet im Frühjahr, wie jedes Blumenbeet. Wenn ich hier nachlasse habe ich fix Wald

. Naturgarten ist nicht einfach wachsen lassen und faulenzen. Das ist ein Trugschluss!
Die Einfahrtwiese, gegenüber der Gehölzpflanzung, enthält unzählige initial gepflanzte, selbst herangezogene Wildpflanzen, wird im Herbst gemäht, da
Crocus tommasinianus. Die wunderbaren
Scabiosa ochroleuca entstammen alle einem einzigen Töpfchen von Staudo

.
Pollux, tust Du mir einen Gefallen und schaust einmal im Saum, ob das bei mir auch
Knautia dipsacifolia ist, die ich damals von pearl bekommen hatte? Deine sieht auch so aus. Die sind toll, weil sie erst jetzt blühen

.
Re: Naturgarten, Wildgarten, Biogarten oder Biodiversitätsgarten?
Verfasst: 26. Jul 2026, 13:59
von Chica
Eins der Einfahrtbeete mit
Argynnis paphia , alles ungegossene Trockenkünstler

.

Re: Naturgarten, Wildgarten, Biogarten oder Biodiversitätsgarten?
Verfasst: 26. Jul 2026, 15:05
von polluxverde
Deine im Gehölzsaum / Wildpflanzen gezeigte Pflanze, chica, ist mit Sicherheit eine Waldwitwenblume, siehe auch dort.
Das eben gezeigte Bild # 116 mit Karde, Glockenblume, wilder Möhre, Gräsern usw ist phantastisch und zeigt die ganze natürliche Schönheit der heimischen Wildpflanzenpalette --- und ist damit Zeugnis Deiner gärtnerischen und ökologischen Grundhaltung . Deinem
Garten zugrunde liegt ein klarer gestalterischer Leitgedanke ( insektenfreundlich ), aber mit Sicherheit spielen auch optisch-
ästhetische Ansprüche an das Gartenbild eine Rolle ( wie die wunderbaren Bilder der Säume usw zeigen ).
Und ja : ein Biodiversitätsgarten / Biogarten / Naturgarten / bedeutet mindestens genauso viel wenn nicht mehr Arbeit im Vergleich zB zu einem kuk - Garten.
Unseren Garten hier würde ich als Mischung aus Wald-/ Stauden-/ Bio-/ Nutzgarten bezeichnen, mit wechselnden Schwerpunkten.
Re: Naturgarten, Wildgarten, Biogarten oder Biodiversitätsgarten?
Verfasst: 26. Jul 2026, 15:54
von Floris
Chica hat geschrieben: ↑26. Jul 2026, 13:53
ich bestehe darauf, dass das was ich hier pflege ein Garten ist! ... Vielleicht macht alles sogar noch mehr Arbeit, denn ...Es gibt Pflanzen, die man nicht haben will. Man muss Blackboxing strikt lenken, sonst ist Chaos. ...D. h. Naturgarten ist nicht einfach wachsen lassen und faulenzen. Das ist ein Trugschluss!
Schön, dass du das so deutlich darstellst.
Ich war letztens auf einer Gartenführung einer professionellen Gartenplanerin für Naturgärten. Viele interessante Aspekte, aber die Aussage, dass man sich als Gartenbesitzer vor allem von dem Kontrollwahn lösen und die Natur einfach mal machen lassen soll, fand ich bedenklich.
So ein Naturgarten ist die Komprimierung von natürlichen Vorbildern auf kleiner Fläche. Gerade wenn die Pflanzen Ausläufer machen, Samen bilden oder sich jedes Jahr neu aussäen, muss ich sehr dahinter her sein, dass das, was ich an Pflanzen- und Strukturvielfalt möchte, erhalten bleibt.
Und wenns auch noch irgendwie "schön" aussehen soll, machts doppelt Arbeit.
Wäre es einfach, sähen wohl mehr Gärten so aus.
Re: Naturgarten, Wildgarten, Biogarten oder Biodiversitätsgarten?
Verfasst: 26. Jul 2026, 16:16
von hobab
Wenn man einfach machen lässt, ist in ein paar Jahren entweder Calamagrostis epigejos, Brombeerenbestand oder Wald. Naturgärten kann man eher mit japanischen Gärten vergleichen, die im Grunde idealisierte Darstellungen weniger Postkartenmotive (ok., Postkarten gab es da noch nicht..) sind. Also auf hier übertragen, beispielsweise einer Wald- oder Almwiese, wie man sie als Kind erlebt hat. In der Regel also Kulturlandschaften, die ohne Beweidung oder Mahd nicht existieren würden.