Ja, einfach mal probieren, dann sammelt man am meisten Erfahrungen. Also die einen etwas früher raus, die anderen später, nachher Unterscheide angucken usw.
Zu der Platte am 16.8.
Links die können schon raus, vom Wurzelbild her müssten sie sogar. Mitte, da sind noch ein paar tage Luft. Rechts die sidn schon drüber, nicht nur ein bisschen sondern schon ein paar Tage. Liegt aber auch an der recht kleinen Topfgröße in der Platte.
Die Gemüsejungpflanzen haben nach dem keimen eine Jugendphase, in der sie sich versuchen zu etablieren. Also Seitenverzweigungen an der Keimwurzel bilden, neue Blätter entwickeln und so langsam `altern´, in die Pupertät kommen. Wenn der Wurzelapparat mal etwas etabliert ist, wachsen in kurzer Zeit mehr Zentimeter Wurzel als das am Anfang war. Dann sieht man oben eine recht stürmige Phase mit schneller Massenentwicklung.
Was im Blumentopf passiert: wenn die Wurzelspitze an die Wand kommt, kann die Wurzel nicht weiterwachsen, sondern muss die Richtung ändern oder sich sogar verzweigen, falls die Wurzelspitze beim anstoßen wegen zB Überhitzung durch direkte Sonneneinstrahlung gestorben ist. Das kostet Energie und Zeit, und wenn die Zeit nicht genutzt wird, um weiter Blattapparat aufzubauen, dann passiert oben auch nicht viel. Es kommt also zur Wuchsdepression, im Vergleich zu einer ungehinderten Wurzelentwicklung.
Leider kommt dann noch dazu, dass die Platzsituation im Topf ja nicht besser wird und sowas auch nicht mit Dünger auszugleichen ist.
Und wenn eine Wurzelspitze einmal irgendwo angestoßen ist und sich umpolen musste, merkt sich das eine Pflanze recht lange und wächst über längere Zeit deutlich weniger. Das ist dann auch die Gelegenheit, warum die anderen, schlechter entwickelten Exemplare überholen konnten.
Und wenn so eine Wuchsdepressionsphase zusammen fällt mit der Phase, wo sie so richtig stürmisch mit Ertragsentwicklung anfangen wollen, dann ist der Effekt um so stärker.
Deswegen ist das mit den kleinen 150er Quickpotplatten so eine nicht ganz einfache Spezialgeschichte. Man muss früher raus bzw das Zeitfenster, wo man noch optimale Pflanzenentwicklung nach dem auspflanzen und 3 Tage anwachsen hat, ist recht kurz. Damit hat man weniger Flexibilität, wenn es um schnellwachsende Gemüsearten geht, weil sie irgendwann raus
müssen.
Ich nutze diese Topfgröße gerne weil sie wenig Platz braucht, also viele Pflanzen auf wenig Raum unterkommen. Bevorzugt aber für sich langsam entwickelnde Arten wie zB Zwiebeln. Oder auch Paprika, die dann aber sehr früh pikiert werden müssen, und den Zeitpunkt sieht man nicht am ersten sich entwickelnden Blatt nach den Keimblättern, sondern nur an der Wurzelkrümmung unten. Und ansonsten hat man es eben im Gefühl, wenn man die Sorte kennt, die Temperaturen der letzten 5 Tage noch im Kopf hat und die Pflanzen jeden Tag sieht.
Was immer ein Thema ist: wie stabil ist der Erdballen, wenn es aus den Töpfen geht? Ich nutze nur Substratmischungen, die auch hinterher stabil sind, ich also auch ohne Topf kurze Strecken transportieren kann bzw sie nach dem pflanzen auch etwas höher stabil stehen können. Dann wird auch beim späteren Einregnen/Angießen nichts erodiert, wo es nicht sein soll. Man muss das Substrat auch mit dem richtigen Fingerdruck andrücken, je nach Pflanze und deren Wurzelsystem und wie hinterher verfahren wird, es liegt also nicht nur am Substrat alleine.
Hier mal Zwiebeln in den Töpfen bei mir. Wie du siehst mit weniger Wurzelwerk und noch nicht so schlimm verästelt. Das kann man auch mit etwas mehr Dünger im Substrat erreichen, wenn man oben zB. schon ein Blatt mehr haben möchte beim auspflanzen.