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Re:Jugendstil und Staudenverwendung

Verfasst: 5. Feb 2011, 19:02
von Zwiebeltom
Ich hab da ein Bild von heinrich Vogeler vor Augen, der Eingangsbereich seiner Villa- und da sieht man einiges von dem Garten rundherum. Vielleicht mal Bilder aus der Zeit durchsehen?
Dieses Bild hatte ich auch gleich vor meinem geistigen Auge. Es heißt Sommerabend.Ich bin sicher, dass man auf Gemälden und Plakaten aus der Zeit sicher noch einiges mehr finden wird. Alte Kataloge von Pflanzenanbietern dieser Zeit sind bestimmt noch in Archiven aufzutreiben oder bei Firmen, die heute noch bestehen.

Re:Jugendstil und Staudenverwendung

Verfasst: 5. Feb 2011, 19:29
von troll13
Ich denke auch, dass zumindest im deutschsprachigen Raum zur Jugendstilblütezeit nur weniges an Stauden vorhanden war, im Gegensatz zu England. Nur hatte der Jugendstil dort nicht seine typische Ausprägung.
Ganz so klein kann das Staudensortiment um 1900 in Deutschland nicht gewesen sein.Allein in einem Reprint von Eduard Schmidtlein "Die Bürgerliche Gartenkunst", Stuttgart 1852 werden schon deutlich über 100 verschiedene Staudenarten (einschl. Zwiebeln) aufgeführt.Seit 1885 gab es die Staudengärtnerei Goos & Koenemann, die eine große Anzahl von Züchtungen hervorgebracht hat. Gibt es von dieser Gärtnerei keine alten Kataloge?

Re:Jugendstil und Staudenverwendung

Verfasst: 5. Feb 2011, 20:35
von Querkopf
Hallo, Freitagsfish,
wenn man sich die bildende kunst dieser epoche ansieht (auch die plakatkunst!), findet man ja eine fülle von pflanzendarstellungen. dabei gibt es offenbar gewisse vorlieben, wie z.b. iris. ... ich würde mich am ehesten in der kunst- und kunsthistorischen literatur der zeit umsehen, als nach spezieller gartenliteratur zu suchen. ...
so würde ich auch drangehen. Und ich würde die künstlerischen Produkte selber, die ja Pflanzendarstellungen satt enthalten, daraufhin anschauen, welche Pflanzen besonders häufig auftauchen. Iris hast du als Lieblingspflanze ja schon genannt. Ginkgo ist eine weitere. Auch Wein oder Veilchen sind oft dargestellt. @Sarastro: Ein Blick nach Frankreich lohnt sich zu deiner Fragestellung ebenfalls. Da hieß der Jugendstil "Art nouveau". Ein wichtiger Ort dieser Strömung war das lothringische Nancy mit seiner Glasmanufaktur, geführt von den Gebrüdern Auguste und Antonin Daum und gestalterisch geprägt von Künstlern der "École de Nancy", z. B. Emile Gallé oder René Lalique - wenn man mal eine Bildersuche mit diesen Namen startet, kommt eine überwältigende Vielfalt von Pflanzenmotiven. Und die dürfte Bezug haben zur Gartenwirklichkeit der Zeit. Noch eine Spur in Richtung Pflanzenverwendung, ebenfalls Nancy: Dort hatten Victor Lemoine (1823-1911) und sein Sohn Émile (1862-1942) ihren Gartenbaubetrieb. Beide waren grandiose Pflanzenzüchter: Päonien, Flieder, Hortensien, Fuchsien, etc. - was sie auf den Markt gebracht haben, dürfte das Bild der "Jugendstil"-Gärten auch mitgeprägt haben. Ein bisschen später, aber noch aus Jugendstil-Impulsen heraus geboren, kamen dann die ersten "Gartenstadt"-Konzepte in D... Schöne GrüßeQuerkopf

Re:Jugendstil und Staudenverwendung

Verfasst: 5. Feb 2011, 20:42
von troll13

Re:Jugendstil und Staudenverwendung

Verfasst: 5. Feb 2011, 20:49
von Querkopf
Nachtrag: Gerade eben gefunden - bisher wusste ich nicht, dass Victor Lemoine, der Pflanzenzüchtungskünstler, und Emile Gallé, der Glaskünstler des Jugendstils, in engerer Beziehung zueinander standen. Taten sie aber, sagt der o.g. Link: Sie waren befreundet, Gallé war Generalsekretär der Gartenkultur-Gesellschaft (!) und trug redaktionelle Verantwortung für deren "Bulletin". Hier, aber auch woanders, gibt es wunderbare Beispiele für Gallé-Pflanzenmotive. Schöne GrüßeQuerkopf

Re:Jugendstil und Staudenverwendung

Verfasst: 5. Feb 2011, 20:50
von ManuimGarten
Nancy! Ja, genau dort ist dieses Jugendstilmuseum, von dem ich anfangs sprach.Danke Querkopf, mein Gehirn... grmbl, grmbl...Interessant fand ich auch, dass die Jugendstilgebäude in Wien eher spielerisch-leicht gestaltet sind. In Nancy war die Pflanzendarstellung und Umsetzung in Architektur und Einrichtung wesentlich bedrohlicher. Es gibt offenbar unterschiedliche Ausformungen des Jugendstils.

Re:Jugendstil und Staudenverwendung

Verfasst: 5. Feb 2011, 21:14
von SouthernBelle
Zu Liebermann und seinem Garten gabs mal ne Ausstellung in der Hamburger Kunsthalle und dazu einen Katalog. In GB heisst die entsprechende Richtung Arts and Crafts und der National Trust hat in 2010 einen Garten dieser Bewegung (den von William Morris???) erworben/restauriert/wiedereroeffnet. Die machen sowas ja immer buchstabengetreu...Es gab einen Artikel dazu in der Mitgliederpostille(?).

Re:Jugendstil und Staudenverwendung

Verfasst: 6. Feb 2011, 00:35
von oile
Im Bröhan-Museum in Berlin gibt es einige Geschirrservices mit floralem Dekor - wunderschön! Es sind teilweise ganz bekannte Blumen abgebildet: Iris, Lilien, Mohn, Seerosen, Blumen aus dem Bauerngarten - nicht zu vergessen "japanisch" anmutende Pflanzen, die waren damals auch in Mode ;) .

Re:Jugendstil und Staudenverwendung

Verfasst: 6. Feb 2011, 09:50
von sarastro
Nancy! Ja, genau dort ist dieses Jugendstilmuseum, von dem ich anfangs sprach.Danke Querkopf, mein Gehirn... grmbl, grmbl...Interessant fand ich auch, dass die Jugendstilgebäude in Wien eher spielerisch-leicht gestaltet sind. In Nancy war die Pflanzendarstellung und Umsetzung in Architektur und Einrichtung wesentlich bedrohlicher. Es gibt offenbar unterschiedliche Ausformungen des Jugendstils.
Mit Sicherheit. Man braucht sich nur die trutzigen, überladenen Häuser in Katalonien ansehen (Modernismo), im Vergleich zu den Wiener Gebäuden, die leichter und pflanzenmotivverspielter sind. Was ich mich allerdings nach euren lebhaften Ausführungen frage: Kann man aufgrund von Pflanzenmotiven auf Geschirr bzw. Pflanzenkatalogen von Goos & Koenemann und Lemoine schließen, dass diese auch entsprechend verwendet wurden? Einzelportraits besagen mir noch nichts aus über deren Verwendung in ästhetischer Kombination. Darum wären Pflanzpläne oder zumindest Gemälde oder Bilder aussagekräftiger.

Re:Jugendstil und Staudenverwendung

Verfasst: 6. Feb 2011, 10:30
von mookse
Ich weiß nicht, ob es im Jugendstil eine eigene Gartenkultur gegeben hat. Aber ich habe eben mal bei Klimt nachgesehen und war ganz erstaunt, wieviel Gartenbilder er gemalt hat, wohl mehrheitlich Bauerngärten. Aber immerhin wird deutlich, wie sehr die dekorativen Elemente in seinen Gemälden durch eben diese Gartenansichten inspiriert worden sein müssen. Und man sieht, was in dieser Zeit in den Gärten so wuchs.12345

Re:Jugendstil und Staudenverwendung

Verfasst: 6. Feb 2011, 10:37
von oile
Das passt ja zu meinem Eindruck, dass viele bauerngartentypische Elemente Verwendung fanden, v.a. solche, die formale Elemente umspielen können. Interessant die Birken im letzten Bild. Das wiederum erinnert mich stark an den Garten der Villa Liebermann.

Re:Jugendstil und Staudenverwendung

Verfasst: 6. Feb 2011, 14:32
von SouthernBelle
In dem Liebermann-Katalog gabs Teile der Korrespondenz der Tochter mit dem Planer und Listen von Pflanzen bzw Hinweise auf die Lieferbetriebe, hoechst interessant!

Re:Jugendstil und Staudenverwendung

Verfasst: 6. Feb 2011, 16:19
von sarastro
Her damit! ;D Dann hat man wenigstens einen Anhaltspunkt.

Re:Jugendstil und Staudenverwendung

Verfasst: 6. Feb 2011, 18:17
von SouthernBelle
Her damit! ;D Dann hat man wenigstens einen Anhaltspunkt.
Na hier: Ich guck da nochmal rein, ob diese Listen einigermassen kurze Abschnitte sind, dann kriegste die von mir. Ich erinnere mich, dass ich das beim Lesen alles sehr ansprechend fand

Re:Jugendstil und Staudenverwendung

Verfasst: 6. Feb 2011, 19:22
von sarastro
Her damit! ;D Dann hat man wenigstens einen Anhaltspunkt.
Na hier: Ich guck da nochmal rein, ob diese Listen einigermassen kurze Abschnitte sind, dann kriegste die von mir. Ich erinnere mich, dass ich das beim Lesen alles sehr ansprechend fandHerzlichen Dank, Southern Belle!!