Ich denke, beide Seiten haben recht. In Bezug auf die Pollennutzung ist die Asiatische Mörtelbiene gegenüber heimischen Wildbienen tatsächlich weitgehend indifferent; hier stellt die Honigbiene eine weitaus größere Nahrungskonkurrenz dar. Dennoch ist das Problem der Nistplatzkonkurrenz nicht von der Hand zu weisen – insbesondere, wenn die Art mangels Alternativen bereits belegte Gänge früher fliegender Wildbienen räumt. Das ist sicher für den "Besitzer" kein schöner Anblick und neben den Bienen werden auch deren Parasiten getötet. Da viele dieser "Mitbewohner" selbst gefährdet sind, ist ihr Tod doppelt beklagenswert und zudem vollkommen "zwecklos".
Während man im eigenen Garten gezielt neue Nisthilfen anbieten kann, fehlt diese Steuerung in der freien Natur. Letztlich stellt sich die Frage, welche Ressource der limitierende Faktor ist: Nistplätze oder Nahrung. Da nur wenige heimische Wildbienen derart große Durchmesser nutzen und diese Arten derzeit nicht massiv gefährdet sind, droht vermutlich keine Ausrottung, aber potenziell eine Dezimierung eigentlich noch häufiger Arten, zumindest im städtischen Kontext, da dort vermutlich in den Parks diese Bäume stehen.
Sorgen bereitet mir jedoch das Zusammenspiel mit dem Klimawandel: Wenn Hummelpopulationen zunehmend geschwächt werden, sinkt die Effizienz der Bestäubung im Frühjahr. In diesem instabilen Gefüge sind häufige Mauerbienen – die potenziellen ‚Opfer‘ der Mörtelbiene – wichtige Stabilisatoren für das Ökosystem. Mangelhafte Bestäubung schwächt langfristig die Resilienz von Wildpflanzen und gefährdet ihren Bestand. Dennoch dürfte der Einfluss einer einzelnen Art allein kaum ausreichen, um ein solches Szenario auszulösen.
Ich stimme Chica also zu, dass die Artenvielfalt durch die Bindung an den Japanischen Schnurbaum kaum gefährdet wird. Dennoch sollte man bei der Anpflanzung dieser Bäume Maß halten, um den Besiedlungsdruck auf die Nistplätze heimischer "Großbienen" nicht unnötig zu erhöhen.
Ich finde es auch faszinierend, wie eine solche Art mit einer doch recht engen Bindung an eine ausländische Pflanze es geschafft hat, sich hier zu etablieren. Es wäre aber langfristig auch denkbar, dass die Art in Stresssituationen beginnt, andere Pollenquellen zu nutzen – manchmal ist die Evolution schneller, als man denkt. Interessant ist auch, inwiefern sich die heimische Fauna auf die Art einstellen wird, beispielsweise parasitierende Wespenarten, gibt es dazu schon Infos?

- Rotschwarze Wespenbiene
Die Rotschwarze Wespenbiene lebt als sogenannter „Kuckuck“, der seine Eier heimlich in die Nester von Sandbienen (vor allem der Zweifarbigen Sandbiene) legt, wo die Larve dann den fremden Proviant frisst. Man trifft sie von März bis August in zwei Generationen an Waldrändern, auf Magerrasen oder in naturnahen Gärten an – eben überall dort, wo auch ihre Wirtsbienen nisten. Optisch besticht sie durch ihren fast haarlosen, rot-schwarzen Körper, mit dem sie eine Wespe imitiert, um Fressfeinde abzuschrecken. Da sie selbst keinen Pollen für den Nachwuchs sammeln muss, besitzt sie keine Transportbürsten an den Beinen und wirkt dadurch sehr zierlich und „wespenhaft“.

- Rotschwarze Wespenbiene
Ihr Wirt war ebenfalls nicht weit entfernt und labte sich an derselben Pflanze.

- Andrena spec.
Ich vermute, dass es sich tatsächlich um Andrena bicolor handelt – den Hauptwirt der Rotschwarzen Wespenbiene. Da ich mir jedoch nicht ganz sicher bin, bleibe ich bei der allgemeineren Bezeichnung Andrena spec.