Hallo, Susanne und Raphaela,
... Was mich aber wirklich abgeschreckt hat, ist der "Namenklau", der in den letzten Jahren praktiziert wurde. Ich verstehe es auch einfach nicht - was ist denn nun toll daran, eine Rose 'Moonlight' zu nennen, wenn Lambert und Pemberton unter dem Namen bereits 100 beziehungsweise 91 Jahre früher bessere Rosen unter dem Namen auf den Markt gebracht haben?
Den Namensklau finde ich auch unappetitlich. Und kann mich der wohlwollenden Deutung, es handele sich dabei nur um Fantasielosigkeit, nicht anschließen. Man merkt die trittbrettfahrerische Absicht, und die verstimmt (jedenfalls mich): Man sucht den guten Ruf einer alten Sorte – nicht aus eigenem Hause, also fremde Federn! – zu nutzen, um ein eigenes, neues Produkt in den Markt zu drücken

. Diese Strategie finde ich umso ärgerlicher, weil die Firma sie nicht nötig hätte; einige Züchtungen, die Kordes im Lauf der Jahrzehnte herausgebracht hat, gehören schließlich mit Fug und Recht zu den "Weltrosen".
Natürlich hat die Familie Kordes sehr viele tolle Rosen gezüchtet. Einige der Allerschönsten aber nicht nur aus dem Programm geworfen, sondern nicht mal ein einziges Referenzexemplar davon im eigenen Schaugarten belassen. …
Ja, ein Jammer. Und Indiz für schlechte Unternehmenskultur, wenn Kordes nicht mal die eigene Firmengeschichte und deren Höhepunkte dokumentiert und pflegt. Ist auch als Marketing-Strategie kurzsichtig, weil die ausschließliche Vermarktung des aktuellen Sortiments Rosen zu unpersönlicher Handelsware, zu bloßen modischen Saisonartikeln macht. Das sind sie zwar auch, aber eben nicht nur. Rosen sind oft mit Gefühlen und Erinnerungen verknüpft: Diese Sorte durfte man als Kind im Garten der Lieblingsoma pflücken, jene wuchs entlang des Schulwegs, und man hat von einem jugendlichen Verehrer Blümlein geklaut gekriegt – solche Alltagsgeschichtchen sind schöne (nostalgische) Gründe, sich später genau diese oder jene Rose in den eigenen Garten zu holen. Geht aber nicht, wenn die Sorten verschwunden sind. Und Leute, die "gibt’s nicht mehr" zu hören bekommen, werden bei "nehmen Sie die Neuen" abwinken. Denn an diesen Neuen hängt nichts, keine Emotion, keine Geschichte(n). Bei Kordes gibt's dabei mitunter noch Spezial-Ärgernisse. Beispiel: Vor einer Weile habe ich mal recherchiert nach der Kordes-Polyantha 'Goldmarie' aus den 1950er Jahren, die ich in guter Erinnerung hatte. Ergebnis: Der Züchter hat die Sorte für "erloschen" erklärt und überdies unter gleichem Namen eine völlig andere, ziemlich quietschfarbige Rose auf den Markt gebracht. Namens-Vampirismus also auch hausintern

…
Raphaela hat geschrieben: Die allermeisten Minuspunkte … gab es aber für den Aufruf an die Kunden, doch alle fünf bis sieben Jahre ihre kompletten Rosen rauszuwerfen und durch "bessere, neue" zu ersetzen

...
Blanker Blödsinn – Rosenzüchter müssten's besser wissen. Müssten wissen, dass sowas Rosenfreunde ums Beste brächte, nämlich um die Pracht einer etablierten, "erwachsenen" Pflanze. Dieser vermeintlich verkaufsfördernde Rat ist marketingtechnisch strohdumm, denn so gewöhnt man Leuten die Zuneigung zu Rosen ab. Jedenfalls in Gärten wie meinem: In dessen schwerem Boden braucht jede Rose drei, vier, manchmal sogar fünf Jahre zum Einwachsen – müsste ich mir diese Micker- und Päppel-Phase wieder und wieder antun, hätte ich längst keine einzige Rose mehr

. Boykott wäre trotzdem nicht mein Ding. Ich wähle Rosen danach aus, ob sie mir gefallen. Und auch ich pflanze dabei alte und moderne Sorten fröhlich neben- und durcheinander

– es muss halt nur
für mich passen, für niemanden sonst. Ergo habe ich auch ein paar Kordes-Rosen:- 'Crimson Glory' (1935): wunderbare Farbe, traumhafter Duft, wächst gesund und gut;- 'Erfurt' (1939): apartes Farbspiel, guter Duft, schöner Strauch;- 'Flammentanz' (1955): war schon da, als wir den Garten übernahmen, und bleibt: unkaputtbarer Kletterer, wüchsig, gesund, blütenreich, mit toller Fernwirkung und angenehmem Duft;- 'Westerland' (1960): macht sich hervorragend im Feuerfarbenbeet, robust, blühfreudig, duftend;- 'Königin der Rosen' (1964): duftet vorzüglich, aber die Knallfarbe ist schwierig – aber egal, die Rose mickert eh seit Jahren;- 'Sympathie' (1964): sehr schön, wenn sie denn mal blüht – tut sie aber selten, ist hier ein staksiger Kümmerling und daher in den Hintergrund verbannt;- 'Friesia' (1973): um des Duftes willen gepflanzt, aber wg. Mickerei ein Totalflop. 'Dortmund' (1950) wird demnächst noch dazukommen. Und auch die eine oder andere Polyantha, 'Lilli Marleen' (1959) etwa und/ oder 'Minna' (1930) oder 'Magenta' (1954). Tja, lauter ältere Kordes-Sorten. Was immer noch nicht heißt, dass ich die neueren Züchtungen der Firma boykottiere – sie gefallen mir bloß nicht

…Schöne GrüßeQuerkopf