rohir hat geschrieben: ↑28. Aug 2025, 21:15
Wenn ihr euch zwischrn Pastilière und Osborn Prolific entscheiden müsstet, welche würdet ihr wählen und warum?
Osborn kenne ich nicht, aber ich teile gerne mal meine Gedanken als "Feigenanfänger".
Ein guter Einstieg ist folgender Link:
https://www.lwg.bayern.de/gartenbau/obs ... /index.php
Warum ist der Link so interessant? Weil die Landesanstalt unter Freilandbedingungen getestet hat, welche Feigensorte die beste Quantität / Qualität an Früchten bringt. Die Untersuchung läuft seit 2017. Eines der Ergebnisse: In 5 Jahren hat LdA 27 kg Ertrag gebracht und Pastiliere 4,9kg (RdB hat 15kg gebracht).
Jetzt ist es leider so, das Feigen sehr Standortabhängig sind. Mein Standort ist nicht der schlechteste: Winter bis -10 Grad, Sommer heiß und trocken, mehrere Wochen > 30 Grad. Allerdings hat meine ausgepflanzte RdB in 4 Jahren keine 10 oder 15 kg bebracht, sondern 0,5 kg. Warum ist das so? Im 1. Jahr hatte sie keine Früchte. Im 2. Jahr ca. 10 Stück. Im 3. Jahr hat der Spätfrost alles zerstört. Im 4. Jahr (jetzt) hat sie ca. 25 Früchte in der Größe Haselnuß-Walnus. Ich schiebe die Ertragsschwäche auf den sehr schweren Boden (nur Lehm) den ich habe. Die Pflanze ist jetzt circa 1m mal 1m. Im Vergleich zu zB Stachelbeeren oder Aprikose empfinde ich die Ertragskraft der RdB als sehr schwach. Aber vielleicht wird es in den nächsten 5 Jahren noch besser.
Die Zeiträume bei Feigen sind halt anders, als bei zb Tomaten. Da kann man jedes Jahr neue Sorten ausprobieren. Bei Feigen dauert es 5 Jahre bis man sich eine Meinung bilden kann. Und an dieser Stelle hat die Landesanstalt das ganze ja schon protokolliert.
Daraus folgt meine Empfehlung:
-Starte mit mehreren Pflanzen gleichzeitig. Im Topf. Überwintere sie die ersten jahre irgendwo: Keller, Schuppen, Bau einen Verschlag aus Dachlatten oder Ähnliches
-Die Töpfe sollten >40 Liter sein, in den Topf musst du eine 10cm Drainageschicht aus zb Lava einfüllen
-Nimm anerkannte und gut verfügbare Sorten (zB private Sammler, ebay Kleinanzeigen)
- Nimm folgende Sorten, in folgender Reihenfolge. Grund: Guter Ertrag, guter Geschmack, gute Frostbeständigkeit: Longue de Aout (höchster Ertrag), Negronne (gut geeigenet als Hausbaum, wächst nicht zu schnell, kann zwei Ernten bringen, guter Geschmack), Ronde de Bordeaux (guter Geschmack, kann aber nach mehreren Jahren sehr groß werden, 4-5m), Desert King (nur wenn es im Winter nicht zu kalt wird, soll zuverlässig Brebas liefern und lässt sich aufgrund ihres aufrechten Wuchses gut im Garten unterbringen), Pastiliere (hat vielleicht den besten Geschmack, aber ich würde sie nicht als Ertragsfeige, sondern eher als Luxus- oder Spaßfeige bezeichnen, wenn man schon 1 bis 2 Sorten hat, die den "Feigenhunger" decken. Viele haben Probleme mit ihr, es muss wohl alles passen: viele Sonnenstunden, kein Wind, guter Boden, gleichmäßige Bodenfeuchte.)
Gute Sorten sollen auch Campaniere und Michurinska (Green) sein.
Von den 5 bis 7 Sorten die du dann mehrere Jahre in Töpfen betreut hast, würde ich die, die dir am besten gefallen haben ins Freiland auspflanzen. Und denke dran, ein Feigenbaum wird nach mehreren Jahren ein FeigenBAUM (also locker 3 -4m in Höhe und Durchmesser).
P.S.: Ich denke auch viel über Pastiliere nach, ob ich sie mir irgendwann hole. Auch habe ich darüber nachgedacht, ob man diese Sorte irgendwie verbessern kann. Bei anderen Obstsorten ist es so, dass diese mit einer speziellen Unterlage veredelt also gepfropft werden. So gibt es bei Aprikosen Unterlagen für sandig-trockene Böden, oder für schwere-lehmige Böden. Man könnte also Pastiliere auf einer stark-wüchsigen Sorte veredeln...