Re:Was zählt alles zu Wildstauden?
Verfasst: 14. Feb 2009, 16:48
Ist das ne Fangfrage?Schlussfrage: Warum müssen Teile der heimischen Flora "sauber" bleiben?
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Ist das ne Fangfrage?Schlussfrage: Warum müssen Teile der heimischen Flora "sauber" bleiben?
…bedient sich der Umkehrung dieser Argumention. Etwa so: unsere Kultur ist offen für den Wandel durch Einflüsse von außen, also soll es auch unsere Flora sein. Das finde ich zwar plakativ aber fachlich ebenso wenig fundiert.Die Skepsis der ökologischen Wissenschaften gegenüber der Einbürgerung gebietsfremder Arten erklärt sich aber aus praktischer Erfahrung und nicht aus (rechten) Ideologien. Befürchtet wird die Störung des Artengefüges bestimmter Lebensräume und das damit verbundene partielle Aussterben ihrer Arten. Hierzu gibt es genügend Beispiele.Arten- und Biotopschutz ist seit vielen Jahrzehnten Konsens in unserer Gesellschaft, wenn auch nicht selten Verlierer bei Interessenkonflikten. Er ist in zahlreichen Gesetzen festgeschrieben. Für manch einen mag er seine Wurzeln im „Konservativen“ haben. Wichtiger dürften jedoch die moralische Motivation sein (Respekt vor den Mitbewohnern unserer Erde) aber auch pragmatische Überlegungen (Ökonomische Grundlage der Bevölkerung).Die gelegentlich geäußerte Auffassung, dass das Artengefüge der Lebensräume schon immer im Fluss war, Arten entstanden und vergingen, einwanderten und wieder verschwanden, auch schon vor dem Menschen und dass somit auch die heutigen Veränderungen der Floren und Faunen kein nennenswerter Anlass zur Sorge sein, ist zwar bestechend , doch lässt die unterschiedlichen Zeitdimensionen völlig außer Acht. So ist die nacheiszeitliche Wiederbesiedlung der Britischen Inseln beim besten Willen nicht mit den Veränderungen zu vergleichen, denen die Kulturlandschaft der letzten 100 Jahre unterlag.Dass der Neophyten/Neozoenproblematik innerhalb der Naturschutzthemen machmal zuviel Raum eingeräumt wird, ist allerdings richtig. Die direkte Lebensraumzerstörung durch intensive Landwirtschaft oder durch Überbauung sind wahrscheinlich bis heute die dringlicheren Themen.Wenn wir Einwanderer aus anderen Ländern begrüßen und sie als eine Bereicherung unserer Kultur empfinden sollen, warum dann nicht auch bei Flora und Fauna?
in die gleiche Richtung führt auch eine Argumentation gegen "Ansalbungen", die ich entweder hier, bei Planten oder in den Neoflora-Foren gelesen habe und sehr schlüssig finde. Verkürzt und vereinfacht:Trägt man "gebietsfremde" Pflanzen/ Tiere in die freie Landschaft ein oder Exemplare "gebietsheimischer" Organismen, die von anderswoher stammen, dann wird sich im Laufe der Generationen das Erbgut beider Seiten mischen. Dabei kann es passieren, dass Gene der "Original"-Flora oder -Fauna im Lauf der Zeit völlig untergehen; der Genpool der betreffenden Arten wird also ärmer, die genetische Vielfalt reduziert. Und das kann sich u. U. fatal auswirken für die Überlebensfähigkeit der Art insgesamt. Denn je reicher der Genpool, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass einzelne Individuen einer Art gegen neu aufkommende Krankheiten, Schadorganismen oder abiotische Stressfaktoren Widerstandskräfte entwickeln und so die Art vor dem Untergang bewahren. Es geht also nicht um "Reinheit", sondern um Vielfalt. Wie weit Wildpflanzen von derartigen Verarmungen des Genpools bereits betroffen sind, weiß ich als Nicht-Fachfrau nicht (kann mich aber gut an Biologen-Donnerwetter gegen z. B. Garten-Akeleien erinnern, durch deren Ausbreitungsdrang "echt-wilde"... Die Skepsis der ökologischen Wissenschaften gegenüber der Einbürgerung gebietsfremder Arten erklärt sich aber aus praktischer Erfahrung und nicht aus (rechten) Ideologien. Befürchtet wird die Störung des Artengefüges bestimmter Lebensräume und das damit verbundene partielle Aussterben ihrer Arten. ...
Damit driftest du in eine völlig andere Richtung, wie auch Querkopfs oder Pearls Beiträge inzwischen zeigen. Das ist und war nicht die Intention dieses Threads.In der bisherigen Diskussion ging es nicht um eine Arten- oder Biotop(zer)störung durch bewusste Eingriffe in die Natur und Vernichtung von Lebensraum oder "Ansalbung" (wer hat das eigentlich als Erster in die Diskussion eingebracht?), sondern lediglich um die Frage, inwieweit wir die heimische Flora/Fauna beeinflussen und verändern durch importierte Kulturpflanzen (man denke hierbei auch mal an die zum Pflanzenschutz eingeschleppten Insekten).Diese florale "Unschuld" haben wir doch bereits seit Jahrhunderten verloren. Und niemand, selbst nicht Botanische Gärten, legt sich in dieser Hinsicht irgendwelche Beschränkungen auf, wenn man mal von einigen wenigen "gefährlichen" Pflanzen absieht.Wenn also der Stolz jedes BoGas seine Artenvielfalt und seine mannigfachen Scheinbiotope sind, warum soll es dann nicht auch die Freude eines jeden Gärtners sein.Und wenn immer wieder die Akelei als warnendes Beispiel für Gen-Verarmung angeführt wird (das Forumsmitglied Grasmuck hatte, so weit ich mich erinnere, in dieser Richtung auch schon mal etwas ausgeführt), so kann man dem wohl auch die zunehmende Florenvielfalt gegenüberstellen. Dabei muss man nicht unbedingt Impatiens glandulifera nennen, sondern eher vielleicht Viola odorata, Cymbalaria muralis oder Oenothera.Aber auch bei diesem Aspekt geht es im Rahmen der ursprünglichen Diskussion wiederum nicht um Genmanipulationen oder bewusste Züchterische Selektion von Zier- und Nutzpflanzen.Arten- und Biotopschutz ist seit vielen Jahrzehnten Konsens in unserer Gesellschaft, wenn auch nicht selten Verlierer bei Interessenkonflikten. Er ist in zahlreichen Gesetzen festgeschrieben. Für manch einen mag er seine Wurzeln im „Konservativen“ haben. Wichtiger dürften jedoch die moralische Motivation sein (Respekt vor den Mitbewohnern unserer Erde) aber auch pragmatische Überlegungen (Ökonomische Grundlage der Bevölkerung).
… habe ich als aber als Legitimation zur freien Gestaltung der Flora in der freien Landschaft verstanden. Quasi freie Einbürgerung von Arten in die freie Landschaft nach ästhetischen oder was für Gesichtspunkten auch immer. Das wiederum fände ich völlig inakzeptabel und mit dem Biotop- und Artenschutz nicht zu vereinbaren. Deshalb meine Ausführungen zu diesem Thema.Um es abschließend noch einmal klarzustellen: Die Folgen des Einbürgerns gebietsfremder Arten in die freie Landschaft sind nur schwer vorhersagbar und können dem Naturschutz entgegenlaufen. Deshalbsind Ansalbungen gesetzlich reglementiert und sollten es meiner Meinung auch bleiben. Die Diskussion darüber sollte den Fachbezug nie verlieren und sich nicht von Xenophobie, aber ebenso wenig von einer fatalistischen Laissez-Faire-Haltung leiten lassen.Die Kultur gebietsfremder Arten in Gärten ist dagegen ganz anders zu beurteilen. Ich halte sie für sehr wünschenswert und will jedenfalls nicht darauf verzichten.@ Querkopf : Schön, dass du diesen Link gesetzt hast. Er bietet wirklich gute Grundlageninformationen und das eben ohne ins Plakative abzugleiten. Die Diskussion des Neofloren-Forums ist natürlich nicht ganz frei davon.Und um jetzt endlich wieder zu Ausgangsthema zurückzukehren. Mein Interesse gilt u. a. auch den Wildarten, z. T. auch den heimischen. Liegt wohl am ehesten daran, dass ich mich besonders gerne an zurückhaltender Schönheit erfreue (z. B. Melica nutans, Campanula rapunculus, Sanicula europaea).Wenn wir Einwanderer aus anderen Ländern begrüßen und sie als eine Bereicherung unserer Kultur empfinden sollen, warum dann nicht auch bei Flora und Fauna?
Dann hast du mich missverstanden.Mir ging es tatsächlich nur um die ungewollten Gartenflüchtlinge bzw. eine von diesen ausgehende Beeinflussung der einheimischen Flora. Wieder ungewollt, aber nicht verhinderbar.Deinen Beitrag...… habe ich als aber als Legitimation zur freien Gestaltung der Flora in der freien Landschaft verstanden.Wenn wir Einwanderer aus anderen Ländern begrüßen und sie als eine Bereicherung unserer Kultur empfinden sollen, warum dann nicht auch bei Flora und Fauna?
Sorry, wenn ich nochmal vom Thema etwas abschweife.Leider ist "die freie Landschaft" in den letzten Jahrzehnten dank zunehmend effektiver und intensiver Landwirtschaft immer artenärmer geworden. Man denke nur an inzwischen fast ausgestorbene Ackerunkräuter (Consolida etc.) oder an Pflanzen von Magerrasen. Im Schwarzwald, und sicher nicht nur dort, verschwinden artenreiche Wiesenpflanzengesellschaften, da sie sich dank üppiger Gülledüngung in sattgrüne artenarme Löwenzahnwiesen verwandeln. Gibt schöne Bilder für die Hochglanzprospekte der Tourismusverbände, aber ökologische Wüsten.Die allermeisten Pflanzen sind bei uns ausgestorben, weil ihre Standorte vernichtet oder so verändert wurden, dass sie dort durch andere heimische! Pflanzen verdrängt wurden.Für das immer wieder vorgebrachte Argument, dass heimische Pflanzen durch Neophyten verschwinden, hätte ich gerne mehr Beispiele als Reynoutria und Impatiens glandulifera.Dass nicht heimische Pflanzen absichtlich in die freie Landschaft ausgebracht werden, um sie zu "verschönern" oder zu "bereichern", dürfte nach wie vor die Ausnahme sein. Eher geschieht das durch die Landwirtschaft, wenn neue Kulturpflanzen(sorten) ausgebracht werden, oder beim Straßenbau zur anschließenden Begrünung der freien Flächen durch Saatgutmischungen.Vielleicht noch mal zu den Begriffen: Flora und Flora eine Gebietes bezeichnet in der ökologischen Wissenschaft nur die wildvorkommenden, nicht kultivierten Organismen. Nutz- und Zierpflanzen sind ausgeschlossen. Entsprechend ist der Bezugsraum bei der (ernstzunehmenden) Neophyten/Neozoendiskussion immer die freie Landschaft, nicht aber der Garten.
Weitere Beispiele: Solidago canadensis und giganteaPrunus serotinaRobinia pseudoacaciaSyringa vulgarisPopulus x canadensisDass die heimischen Arten völlig verschwinden kann in den meisten Fällen zwar nicht gesagt werden, aber ihre Lebensräume werden auch durch diese Arten doch teilweise erheblich eingeschränkt.Zu Robinie und Flieder: Die wurden um die Jahrhundertwende (19./20.) auf Porphyrkuppen und kleinen Kohlehalden hier in der Gegend tatsächlich zur Verschönerung eingebracht. Die Magerrasenarten, die sonst dort artenreiche Gesellschaften bilden, werden, besonders durch die stickstofffixierende Robinie, die Holunder, Brennnesseln, Geum urbanum u.ä. mit sich bringt, nachhaltig verdrängt. Die heimische Schwarzpappel ist inzwischen auf der Roten Liste, weil durch die Hybridisierungen mit den eingeführten Pappeln kaum noch reinrassiger Jungwuchs nachkommt. Die Goldruten breiten sich hier auf Brachen und halbruderalen Flächen massiv aus, so dass zartere Arten sich gar nicht erst ansiedeln können.Aber sonst hast du natürlich in allen Punkten recht, bristlecone: Artenreiche Wiesengesellschaften werden entweder durch Düngung und Intenisvierung zerstört oder auf kleinen Flächen und in Hanglagen, wo die Bewirtschaftung nicht mehr lohnt durch Verbrachung.Die allermeisten Pflanzen sind bei uns ausgestorben, weil ihre Standorte vernichtet oder so verändert wurden, dass sie dort durch andere heimische! Pflanzen verdrängt wurden.Für das immer wieder vorgebrachte Argument, dass heimische Pflanzen durch Neophyten verschwinden, hätte ich gerne mehr Beispiele als Reynoutria und Impatiens glandulifera.Dass nicht heimische Pflanzen absichtlich in die freie Landschaft ausgebracht werden, um sie zu "verschönern" oder zu "bereichern", dürfte nach wie vor die Ausnahme sein. Eher geschieht das durch die Landwirtschaft, wenn neue Kulturpflanzen(sorten) ausgebracht werden, oder beim Straßenbau zur anschließenden Begrünung der freien Flächen durch Saatgutmischungen.