Das muss dir doch nicht leid tun.
Es ist nicht nur Zucker Suchstoff Nr.1. Zu Zucker gehören auch die Kohlenhydrate, Mehrfachzucker wie Stärke (Nudeln, Reis, Brot), auch Einfachzucker wie Fructose (Apfel, Banane, Orangensaft) Saccharose aus der Zuckerrübe oder Zuckerrohr ist nur ein kleiner Teil des bei normaler Ernährung aufgenommenen Zuckers. Man könnte das also etwas `runder´ betrachten, wenn man den Suchstoff Nr. 1 und damit bedingte Erkrankungen wie hohe Cholesterinwerte in den Griff bekommen möchte.
Wenn einer auf seinem Gaming-Stuhl festgewachsen ist und am Tag 4 Liter Cola trinkt, wüsste ich nicht, warum die Bauern dafür herhalten sollen. Weil die zahlen dafür, auch wenns nur gefühlte 4% Anbaufläche sind, es ist mehr, was da dranhängt.
Der Pfälzische Rübenverband schreibt zu dem Thema `der Staat nimmt sich´:
Ein Hektar Zuckerrüben brachte im vergangenen Jahr fast 15 Tonnen Zucker. Ginge dieser Zucker komplett in Getränke, nähme der Staat dafür rechnerisch über 66.000 Euro Steuer ein. Der Landwirt muss dagegen mit 2.000 bis 3.000 Euro je Hektar alle seine Kosten decken. Der Staat würde sich also an jedem Hektar Zuckerproduktion, der in Getränke geht, mehr als das Zwanzigfache dessen nehmen, was der Bauer daran für seine gesamte Arbeit einnimmt. „In diesem Jahr verdienen die meisten Landwirte am Rübenanbau nichts. Der Staat würde trotzdem verdienen, und zwar ohne Ende“, so Lang.
Diese Meinung kann man teilen oder nicht, es verdeutlicht aber, wo Wertschöpfung da ist bzw wo nicht. Und nochmal, es gibt noch ein einzige Zuckerfabrik in RLP, und die steht auf der Kippe. Da hängen nicht nur die direkten Arbeitsplätze dran. Verschwindet diese Wertschöpfung aus der Region, wächst Mais als Folge, wie bei den gerodeten Weinbergen. Da hat auch die Touristikbranche kein Interesse dran.
Wegen der 80 Wirkstoffe die weggefallen sind, die waren eh nicht alle in Rüben zugelassen, das ist die allgemeine Floskel. Es geht bei Rüben auch nicht um Cercospora, die sowohl in der konventionellen als auch Biorübe mit Kupfer (wie vor 100 Jahren, hach wie modern) behandelt wird, mit mäßigen Erfolgen. Es geht um die Ausbreitung der Schilf-Glasflügelzikade, weil die sich die letzten Jahre neue Wirtspflanzen erschlossen hat. Übrigens auch beim Gemüse, auch da steht einiges auf der Kippe. Weil seit Jahren kein neuer Insektizidwirkstoff zugelassen wurde in Europa, weil man nicht wissenschaftlich basiert beurteilt, sondern die Stoffe schon raus sind, wenn es eine theoretische Gefahr geben könnte. Man steht also ohne was da, hilflos wie im Mittelalter, als die Kirche bei einer Mißernte sagte, man habe zu wenig gebetet und zu wenig Steuern bezahlt.
Die Schilf-Glasflügelzikade ist übrigens auch mit ein Grund, warum ich die Rüben anbauen wollte. Sehen, ob sie da ist, ob Kartoffeln, Möhren, Rhabarber, Zwiebeln usw in den nächsten Jahren im Garten noch gehen. Da ist die Fangpflanze schlechthin anbauen naheliegend, wenn man sie sehen möchte. Mit bunten Klebefallen kann man sie nicht locken.
Morgen soll es hier Windstill werden, da werde ich mal mit der ersten Testcharge Zuckerextraktion anfangen, mal bisschen den Prozess ausarbeiten. Ist ja nicht ganz ohne, heiß und etwas zähflüssig filtrieren usw., auch Kristalle isolieren, ich hoffe das geht ohne Wasserstrahlpumpe und Vakuum.