Hyla hat geschrieben: ↑10. Dez 2025, 17:39Ein Bekannter schwört aber auf seinen selbst produzierten Kompost und knallt jedes Jahr richtig gut drauf. Nach allem hier gelesenen wahrscheinlich komplett überdüngt und deshalb wächst nichts richtig.
Wenn das ironisch gemeint ist hat das seine Berechtigung und wenns nicht ironisch gemeint war auch.
Das ist ja das doofe und der Grund, warum da keiner über Jahrzehnte mal mit dem Thema aufgeräumt hat. Ist komplizierter.
Also viel Kompost (mehr als 3 Liter pro Quadratmeter) hat erstmal zur Folge, dass man am Gemüse oder den Stauden nichts oder kaum was sieht. Da ist Kali, Magnesium und vor allem Phosphor (im Überangebot), aber die Wirkung von denen sieht man nicht an den Pflanzen. Was man aber erahnen kann, ist wenn der Kompost und damit der Kohlenstoff im Frühjahr erstmal für Bakterienwachstum sorgt, sich da so gar kein freier Stickstoff an die Pflanzenwurzel traut. Weil nur den freien Stickstoff sieht man, wächst was oder nicht. Durch Mikroorganismen gebundener Stickstoff hat keine Wirkung auf die Pflanze, nicht verfügbar.
Kompost hat leider den Nachteil, erstmal so gut wie keinen N zu liefern. Der Kompost-Stickstoff wird über Jahre freigesetzt, etwa die Hälfte vom enthaltenen ist wirklich Pflanzenverfügbar, die andere Hälfte verpufft. Im ersten Jahr nach der Gabe sind das gerade mal 4% vom enthaltenen N. Das sieht niemand, viel zu wenig. Man düngt also, weil welche sagen man könne/müsse das, und man sieht aber nichts davon.
Und so düngt man mehr, weil es tut sich ja nichts. C/N-Verhältnis, weit und eng, wir erinnern uns, freier N. Man gibt mit immer mehr Kohlestoff durch den Kompost rein, verschiebt C/N. Man gibt immer mehr von dem was man nicht sieht, muss ja stimmen was gesagt wurde, tuts aber nicht, und damit gibt man auch die extrem hohen Mengen Phosphor, die man ja nicht sieht.
Soweit aus Sicht des Anwenders also alles ok. Bis dann mal die Umweltschützer kommen und fragen, wo denn der ganze Phosphor in den eutrophierten Gewässern herkommt. Ja, durch Starkregen und den Phosphorreichen Schlamm spülts in die Kanalisation usw und am Schluss stirbt deswegen die Ostsee, Algenblüte und so. Das ist dann der Punkt, wo man mal drüber nachdenken könnte.
Hat man dann 20 oder 30 Jahre lang Kompost gegeben, jedes Jahr so die gut doppelte oder vierfache Menge von der Empfehlung, also eher einen 10 Liter Eimer pro Quadratmeter, hat man mit den Jahren auch irgendwann den Humusgehalt vom Boden auf 8 oder 12% erhöht. Und da dreht sichs dann irgendwann mit dem freien Stickstoff. Weil man ja auch die Mikroorganismen im Boden daraufhin selektiert hat. Und da wird dann mit jedem % Humus x g Stickstoff frei. Unkontrolliert, je nach Witterung. Da gabs manche Bodenproben mit über 50g freien Stickstoff pro Quadratmeter (300g Blaukorn, absurd hoch). Das reicht für 3 mal Blumenkohl bzw der kann das in einem Jahr noch nicht mal aufnehmen. Da gibts sozusagen die Überschüsse im Herbst, die noch für 5 Jahre Salat reichen würden. Geht über Winter aber ins Grundwasser, also nix mit ins nächste Jahr nehmen. Auch daran (Nitrat) stirbt die Ostsee ein bisschen, aber nicht so schlimm wie beim Phosphor.
Sieht der Hobbygärtner aber immer noch nicht, nicht an den Pflanzen.
Düngt halt weiter mit Kompost, weil soll ja wachsen.
Tuts aber immer noch nicht, weil Kompost kein echter Stickstoffdünger ist, sondern Mehrnährstoffgrunddünger und deshalb auch irgendwann der Salzschaden kommt. Phosphor 40 fach überdosiert, Stickstoff je nach Jahreszeit und Wetter im Mangel, gerade im Frühjahr, wenn es wachsen soll, dann fehlt er, weil Boden kalt, im Herbst, wenn er nicht mehr gebraucht wird, im Übermaß vorhanden, weil Boden ist warm und feucht. Dann pH-Wert zu hoch, Spurennährstoffe im Mangel von der Verfügbarkeit her, Zink und ähnliches was der Kompost halt auch mitbringt aber im krassen Übermaß, kurz, alles nicht rund.
Früher hat man gesagt man macht fruchtbare Böden, die Pflanzenwachstum ermöglichen, auch über Jahre. Bodenfruchtbarkeit usw.
Und dann kam das mit der Eutrophierung, der Überdüngung, und deswegen sollte man da langsam wieder Abstand davon gewinnen und nicht den Boden düngen, sondern die Pflanzen, und diese Bedarfsgerecht ernähren, nicht mästen.
Kompost kann dazu beitragen, aber wenn man Wachstum an den Pflanzen sehen möchte, Kompost maßvoll verwenden und fürs Auge mit Stickstoffdüngern ergänzen.