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Re:Was zählt alles zu Wildstauden?
Verfasst: 18. Feb 2009, 09:15
von uliginosa
Axelluther, das mit den Herbivoren wußte ich eigentlich, es ist schon klar, dass nicht nur und nicht zuerst die Menschen mit ihren Haustieren den Wald dezimiert haben, aber die meisten Wiesenpflanzen wachsen auf eigentlich waldfähigen Standorten und sind darauf angewiesen, dass jemand, egal ob mit vier oder mit zwei Beinen, wild oder domestiziert, den Wald zurückdrängt.Andererseits führt die großflächge industrielle Landbewirtschaftung der letzten 50 Jahre, verbunden mit dem Brachfallen unrentabler Flächen zu einem erheblichen Rückgang zahlreicher Arten.Die autonome Art der Landschaftsgestaltung durch die Biber - vergleichbar mit der des Menschen - beeindruckt mich sehr, kein Wunder, dass sie als Konkurrenten bekämpft wurden ... Ja, Pearl, in anderen Kontinenten gibt es noch Naturlandschaft zu schützen, in Mitteleuropa ist alles schon genutzt worden.
Re:Was zählt alles zu Wildstauden?
Verfasst: 18. Feb 2009, 12:59
von pearl
aber die meisten Wiesenpflanzen wachsen auf eigentlich waldfähigen Standorten
eine witzige Wendung!
Re:Was zählt alles zu Wildstauden?
Verfasst: 18. Feb 2009, 15:27
von uliginosa
Re:Was zählt alles zu Wildstauden?
Verfasst: 18. Feb 2009, 20:15
von lerchenzorn
... und bleiben damt Wildstauden, weil aus wilden Hainen, Rainen, Weiden, Säumen, Triften, Schlägen, Bänken, Ufern, Rissen, Rutschennaja, usw.
Re:Was zählt alles zu Wildstauden?
Verfasst: 18. Feb 2009, 20:18
von lerchenzorn
Die Evolution war totgesagt. Sie gedeiht aber, wo sie die Totsager nicht gesucht haben: Krankenhäuser, chemisch trainierte Äcker ... . Ein Hoch auf die Resistenzen? Muss uns nicht wirklich freuen.
Re:Was zählt alles zu Wildstauden?
Verfasst: 19. Jul 2009, 23:16
von lerchenzorn
Dieser Tage zwei zweifellose Wildstauden auf Wiesen - die Färberscharte manchmal auch in lichten Eichenwäldern der Urstromtäler:
Im Garten sind sie Lückenfüller, keine Dreh- und Angelpunkte. Trotzdem liebenswert.
Re:Was zählt alles zu Wildstauden?
Verfasst: 19. Jul 2009, 23:55
von raiSCH
Ich finde die Diskussion höchst interessant, auch wenn ich mangels Spezialkenntnissen nicht alle Einzelheiten verfolgen kann.Meine eigene (naive) Erfahrung sagt mir, dass bei uns überall Wald war (und wieder wachsen würde), außer an Standorten, wo er eben nicht wachsen kann (Moore - wo gibt es die noch?), Hochgebirge u. ä.: Ich denke da nur an meine jährlichen Bekämpfungsmaßnahmen gegen Eschen, Ahorne, Fichten usw.; selbst auf Hausdächern, in Straßenfugen und Bahndämmen kann man Baumsämlinge finden (eine fantastische Vorstellung: unsere jetzigen Megastädte-Wolkenkratzer in 100 Jahren überwuchert von Urwäldern...).Wiesen mit ihren Pflanzen waren wohl immer eine Übergangsphase (z. B. nach einem Windbruch oder einem Waldbrand) oder eben eine von Großtieren (wie Menschen) künstlich eine Zeitlang freigehaltene Fläche.Die Sache mit der Co-Evolution habe ich nicht ganz verstanden - wo findet man Literatur?
Re:Was zählt alles zu Wildstauden?
Verfasst: 20. Jul 2009, 00:16
von Shamaa
Um meinen Teich hat sich der Blutweiderich angesiedelt, mittlerweile übernimmt er die Herrschaft, nur an Feligonde hat er sich noch nicht herangetraut. Ich glaube, diesmal muß ich ein bißchen jäten, so schön er auch ist!

Re:Was zählt alles zu Wildstauden?
Verfasst: 20. Jul 2009, 00:26
von pearl
Die Sache mit der Co-Evolution habe ich nicht ganz verstanden - wo findet man Literatur?
Die Farn- und Blütenpflanzen Baden Württembergs der Band 7 über Gräser. Unter insidern "die schwarzen Bücher" genannt. Coevolution von Gräsern mit weidenden Großtieren, jahrtausendelang vor den Menschen und weidendem Vieh und den Menschen. Die Weidewirtschaft hat in der Jungsteinzeit die Landschaften sehr verändert. Die Waldweide und die auf gerodeten Flächen. Coevolution bedeutet, dass sich nicht nur die Gräser entwickelt haben, sondern wir haben uns und die anderen Großtiere haben sich auch an die Gräser und den Möglichkeiten der Nahrungsgewinnung angepasst.Der Gedanke, dass wir durch Gräser genetisch geprägt worden sind und dass wir uns genetisch entwickelt haben durch unseren Fleischkonsum, den vertreten nicht nur Biologen, sondern auch ganz moderne Ethnologen und Anthropologen.Eine nette Broschüre habe ich gerade ausgeliehen. Pflanzenspuren. Die Ergebnisse von Pollenanalysen am Niederrhein und die Darstellung der Landschaften in den verschiedenen Phasen menschlicher Besiedelung seit der Jungsteinzeit.
Re:Was zählt alles zu Wildstauden?
Verfasst: 20. Jul 2009, 00:31
von pearl
Dieser Tage zwei zweifellose Wildstauden auf Wiesen - die Färberscharte manchmal auch in lichten Eichenwäldern der Urstromtäler:
die ich vermutlich auch in meinem Wiesengarten habe. Sie blüht jetzt im Juli und hört erst bei Frost auf. Sie ist schwer zu jäten, wenn das mal sein muss. Sie ist manchmal heller und machmal dunkler bis blauviolett. Ist sie das?Urstromtäler. Ist die Havel das?Der Neckar? Keine Ahnung.
Re:Was zählt alles zu Wildstauden?
Verfasst: 20. Jul 2009, 00:31
von raiSCH
Coevolution bedeutet, dass sich nicht nur die Gräser entwickelt haben, sondern wir haben uns und die anderen Großtiere haben sich auch an die Gräser und den Möglichkeiten der Nahrungsgewinnung angepasst.Der Gedanke, dass wir durch Gräser genetisch geprägt worden sind und dass wir uns genetisch entwickelt haben durch unseren Fleischkonsum, den vertreten nicht nur Biologen, sondern auch ganz moderne Ethnologen und Anthropologen.
Vielen Dank!Die in den Zitaten genannten Gedanken (bzw. Fakten?) finde ich sehr bemerkenswert. Die Theorie der Co-Evolution ist (nicht nur im Darwin-Jahr) eigentlich höchst logisch.
Re:Was zählt alles zu Wildstauden?
Verfasst: 20. Jul 2009, 09:39
von oile
Urstromtäler. Ist die Havel das?Der Neckar? Keine Ahnung.
Nö, weder Havel noch Neckar sind Urstromtäler, sondern Flüsse

.
Urstromtal .
Re:Was zählt alles zu Wildstauden?
Verfasst: 21. Jul 2009, 01:02
von pearl
na, oile ich meine ja das Ende vom Lied eines Urstromtales.
Re:Was zählt alles zu Wildstauden?
Verfasst: 21. Jul 2009, 19:05
von lerchenzorn
die Färberscharte manchmal auch in lichten Eichenwäldern der Urstromtäler
die ich vermutlich auch in meinem Wiesengarten habe. Sie blüht jetzt im Juli und hört erst bei Frost auf. Sie ist schwer zu jäten, wenn das mal sein muss. Sie ist manchmal heller und machmal dunkler bis blauviolett. Ist sie das?Urstromtäler. Ist die Havel das?Der Neckar? Keine Ahnung.
Bin mir nicht sicher, ob Serratula tinctoria bei Dir im Garten stehen kann:
http://www.floraweb.de/MAP/scripts/esri ... axnr=27048. In Süd- und Mitteldeutschland benimmt sie sich zum Teil ganz anders als bei uns. Geht auf Muschelkalkhänge und andere Trockenrasen. Hier ist sie nur in wechselfeuchten Niederungen zu finden. Merkwürdig ist, dass sie in Brandenburg ihre größten Vorkommen in den von salzhaltigen Grundwässern beeinflussten Niederungen hat. Vielleicht liegt es aber auch am Kalk, der dort fast immer mit dazu kommt.oile: Die Havelniederung ist in Teilen schon eine alte Schmelzwasserbahn, wenn auch kein eigentliches Urstromtal. Tonlagerstätten aus nacheiszeitlichen Flussablagerungen sind jedenfalls reichlich vorhanden. Der Neckar wohl kaum, weil er jenseits der Vereisungs- und Schmelzwassergebiete liegt.
Re:Was zählt alles zu Wildstauden?
Verfasst: 21. Jul 2009, 22:33
von pearl
danke!