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Was zählt alles zu Wildstauden?

Verfasst: 13. Feb 2009, 08:47
von sarastro
Nachdem selbst unter Kollegen der Begriff "Wildstaude" offenbar immer noch nicht eindeutig geklärt ist, möchte ich dieses Thema einmal wieder zur Diskussion stellen. Vor vielen Jahren hielt ich einen Vortrag bei den Wädenswiler Staudentagen in der Schweiz über "Wildstauden aus aller Welt in den Gärten" und wurde von einigen Ultranaturapostel angegriffen, ich würde den Begriff "Wildstauden" fehlinterpretieren und hätte das gefälligst zu unterlassen. Ich ließ mich nicht beirren und konterte, dass züchterisch nicht verbesserte Eupatorium, Polygonatum und Astern aus Nordamerika, sowie Tricyrtis aus Japan sehr wohl als Wildstauden zu gelten haben, zumal ihr Einsatzbereich den der "Einheimischen" überschneidet.Zu Wildstauden dürfen nicht allein die Einheimischen gelten, zumal der Begriff Einheimisch von vorne herein sehr vage und unsicher ist. Wo fängt man hier an? Wie seht ihr das?Vielleicht ist es sinnvoller, über solche Themen zu diskutieren wie über Moderatoren quer durch die Nacht... ::) ;D

Re:Was zählt alles zu Wildstauden?

Verfasst: 13. Feb 2009, 08:51
von Staudo
Im gängigen Sprachgebrauch versteht man unter einer Wildstaude durchaus eine heimische Art , die nicht züchterisch bearbeitet wurde.Sind Cassian Schmidts Präriepflanzungen, die nahezu vollständig aus Amerikanern und Asiaten bestehen Wildstaudenpflanzungen?

Re:Was zählt alles zu Wildstauden?

Verfasst: 13. Feb 2009, 08:51
von Gart
Als naiver Kunde denke ich bei einer Wildstaudengärtneri auch an eine, die in der Gegend wild vorkommende Stauden kultiviert und anbietet. Das ist aber keine Folge meines logischen Denkens, sondern des Marketings solcher Betriebe, die nicht selten biozertifiziert sind und sich nachhaltig geben. Logisch gedacht sind Wildstauden aber auch solche, die andernorts wild vorkommen und nicht gezüchtet sind.

Re:Was zählt alles zu Wildstauden?

Verfasst: 13. Feb 2009, 08:54
von fars
Da "Wildstauden" wie auch "Wildpflanzen" keine geschützten Begriffe sind, darf wohl jeder das darunter subsumieren, was er meint, so lange es sich um die Stammformen dieser Pflanzen handelt.

Re:Was zählt alles zu Wildstauden?

Verfasst: 13. Feb 2009, 08:56
von sarastro
Jawohl, Cassians Pflanzungen würde ich sehr wohl als eine reine Wildstaudenpflanzung sehen! Mit nur heimischen Stauden würde ich lediglich einen Lebensbereich der Natur der Umgebung kopieren, was in den meisten Fällen misslingt und was im Übrigen mit Gartenkultur nur noch bedingt zu tun hat. Züchterisch nicht verbesserte, heimische Wildarten zählen selbstverständlich ebenfalls zum Begriff "Wildstauden".Und dann wäre ja noch die Frage "Wo fängt heimisch an"? Vor der Haustüre, im Schweizer Jura oder dem Brocken, oder zählt das Wattenmeer auch noch zum Heimischen?Biozertifiziert können auch Betriebe sein, die Züchtungen kultivieren. Zumindest hast du ins Schwarze getroffen, Gart. Wir meinen dieselben zwei! ;D

Re:Was zählt alles zu Wildstauden?

Verfasst: 13. Feb 2009, 09:00
von MD9
Ich meine das alles was es in der freien Natur an Pflanzen gibt, auch Natur hybriden. Natürlich keine Züchtungen oder Selektionen von Menschen Hand die wieder ausgewildert sind, quasi geflüchtet.

Re:Was zählt alles zu Wildstauden?

Verfasst: 13. Feb 2009, 09:27
von tiarello
Man sollte meiner Ansicht nach unbedingt auf einer Differenzierung beharren: heimische Wildstauden, nordamerikanische Wildstauden etc. Schon allein wegen der Heile-Welt-Phantasien, die gelegentlich auf den Bergriff „Wildstauden“ projeziert werden.Und Wildstauden als „züchterisch nicht bearbeitete Stauden“ zu definieren reicht doch eigentlich aus.Übrigens: Nicht alles was einen Sortennamen trägt ist keine Wildstaude. ;D

Re:Was zählt alles zu Wildstauden?

Verfasst: 13. Feb 2009, 09:29
von wallu
Und dann wäre ja noch die Frage "Wo fängt heimisch an"? Vor der Haustüre, im Schweizer Jura oder dem Brocken, oder zählt das Wattenmeer auch noch zum Heimischen?
Das ist die wohl am schwersten zu beantwortende Frage. Wobei es nicht nur um die geographische Eingrenzung geht, sondern auch um die zeitliche. Zählt zu den heimischen nur, was schon vor der letzten Eiszeit hier wuchs, oder seit den Römern, dem Mittelalter, seit Erfindung der Dampfmaschine (die Eisenbahnlinien z.B. haben die Einbürgerung diverser Arten sehr gefördert)? Ich glaube, die Grenzen sind (wie so oft) fließend, und ein Sammler "heimischer" Stauden muß seine Grenzen selber ziehen.....

Re:Was zählt alles zu Wildstauden?

Verfasst: 13. Feb 2009, 09:33
von bristlecone
Und Wildstauden als "züchterisch nicht bearbeitete Stauden"; zu definieren reicht doch eigentlich aus.
Wobei "züchterisch" dann bedeutet: planvoll, mit einer bestimmten Absicht.Wenn ich Wildstauden vermehre, nehme ich eine Auslese vor: Ich selektiere Pflanzen, die sich unter den gegebenen Bedingungen am besten durchsetzen, während z. B. blühschwache Exemplare oder solche, die schlechter Samen ansetzen oder weniger Ableger bilden oder sich schlechter teilen lassen als andere Exemplare derselben Art, mit der Zeit in meinem "Wildpflanzenpool" seltener werden und u. U. ganz verschwinden.

Re:Was zählt alles zu Wildstauden?

Verfasst: 13. Feb 2009, 09:39
von tiarello
Wenn ich Wildstauden vermehre, nehme ich eine Auslese vor: Ich selektiere Pflanzen, die sich unter den gegebenen Bedingungen am besten durchsetzen, während z. B. blühschwache Exemplare oder solche, die schlechter Samen ansetzen oder weniger Ableger bilden oder sich schlechter teilen lassen als andere Exemplare derselben Art, mit der Zeit in meinem "Wildpflanzenpool" seltener werden und u. U. ganz verschwinden.
Was zur Folge hat, dass genaugenommen jede Wildstaude nach eine paar Generationen Gartenkultur keine mehr ist... ;D

Re:Was zählt alles zu Wildstauden?

Verfasst: 13. Feb 2009, 09:42
von fars
Wenn ich Wildstauden vermehre, nehme ich eine Auslese vor: Ich selektiere Pflanzen, die sich unter den gegebenen Bedingungen am besten durchsetzen, während z. B. blühschwache Exemplare oder solche, die schlechter Samen ansetzen oder weniger Ableger bilden oder sich schlechter teilen lassen als andere Exemplare derselben Art, mit der Zeit in meinem "Wildpflanzenpool" seltener werden und u. U. ganz verschwinden.
Was zur Folge hat, dass genaugenommen jede Wildstaude nach eine paar Generationen Gartenkultur keine mehr ist... ;D
Etwas anderes tut die Natur in Prinzip ja auch nicht (Evolution).

Re:Was zählt alles zu Wildstauden?

Verfasst: 13. Feb 2009, 09:43
von sarastro
Leider oder zum Glück geschieht dies in einer Gärtnerei ganz automatisch, es sei denn, man vermehrt nur generativ und man verwendet ausschließlich autochtones Samenmaterial. Selbst wenn von Salvia nemorosa (der Samen ursprünglich aus Ostungarn stammend) später in der Gärtnerei immer und immer wieder Samen abgenommen wird, verändert sich mit der Zeit der Charakter der Pflanze, da sie sich bekanntlich der neuen Umgebung auch genetisch anpasst und der Evolution unterworfen ist. Womit wir bei Darwin angelangt wären.

Re:Was zählt alles zu Wildstauden?

Verfasst: 13. Feb 2009, 09:45
von fars
Und weiter noch: Davon ausgehend verändert sich auch die heimische Wildstaude.

Re:Was zählt alles zu Wildstauden?

Verfasst: 13. Feb 2009, 09:47
von sarastro
Tiarello, sie ist zwar keine reine Wildstaude mehr, aber sie besitzt auf ewige Zeiten immer noch den Charakter einer Wildstaude. Und dies besitzen auch andere Stauden, vom vegetativ vermehrte Buschwindröschen bis hin zur Solidago, die sich aussät wie die Pest, aber durch Unwissenheit ihres Staudengärtners trotzdem durch Teilung vermehrt wird.

Re:Was zählt alles zu Wildstauden?

Verfasst: 13. Feb 2009, 09:53
von bristlecone
@ sarastro: Das passt doch gut: Es ist ja auch Darwinjahr! Mir gefällt tiarellos Definition von Wildstauden als "züchterisch nicht bearbeiteten Stauden" gut.Damit ist die Abgrenzung zu den züchterisch = bewusst und planvoll (mehr oder weniger ;)) entstandenen Sorten ziemlich klar.Dass manche dass als Etikettenschwindel auffassen mögen, weil es dann nicht bloß um heimische Pflanzen geht, würde mich nicht weiter stören. Wenn es um heimische Pflanzen geht, kann man ja von "einheimischen Wildstauden" sprechen. Wobei sich dann die von wallu angesprochene Frage auftut, seit wann heimisch?