Seite 1 von 2
Streuobswiese Untersaat
Verfasst: 9. Apr 2021, 09:30
von freiestiftung
hallo aus Münster,
haben eine 80 Jahre alte Obstwiese bereinigt.
Neue Bäume von alten Sorten (20) gepflanzt und suchen nun eine Untersaat für die Fläche - ca 1 ha.
Wer kann mit Empfehlungen weiterhelfen.
Derzeit haben wir noch ca 100 Veredlungsunterlagen zur Verfügung und können einige abgeben.
Bitte melden.
Es handelt sich um Bittenfelder Sämlinge - geeignet für Halbstamm.
Gruß
Re: Streuobswiese Untersaat
Verfasst: 9. Apr 2021, 09:38
von cydorian
Es gibt eigene Saatgutmischungen für Obstwiesen, sind allerdings nicht ganz billig. Fündig wirst du z.B. bei Rieger-Hofmann und Saaten Zeller. Sortiert nach Regionen.
Und viel Erfolg mit der Obstwiese. Das Problem ist da weniger die Wiederanlage, aber sehr oft die Pflege über die Jahre.
Re: Streuobswiese Untersaat
Verfasst: 9. Apr 2021, 10:29
von Talkrabb
Ihr benötigt sog. Regio Saatgut aus dem Ursprungsgebiet 2 (= UG 2; insofern die Wiese in Münster liegt). Sonst lauft ihr Gefahr mit BNatSchG § 40 Abs. 4 in Konflikt zu geraten.
Die sog. "Grundmischung" ist für Streuobstwiesen geeignet. Anbieter: Rieger Hoffmann, BSV Saaten, Saaten Zeller etc.. Pflege als zweischürige Mähwiese mit Abräumen des Mähguts. Eine angepasste Düngung ist in der Regel förderlich. Siehe hierzu
Empfehlungen zu Erhalt und Management von Extensiv- und Biotopgrünland
Re: Streuobswiese Untersaat
Verfasst: 9. Apr 2021, 10:41
von Rib-2BW
https://www.gesetze-im-internet.de/bnatschg_2009/__40.html
haben wir nicht ein späteres Datum als den 01.03.2020? Oder verstehe ich da was falsch?
Re: Streuobswiese Untersaat
Verfasst: 9. Apr 2021, 10:41
von cydorian
Das ist nicht nur Gefahr, sondern seit letztem Jahr ein Bruch von §40 BNatSchG und klar verboten. Aber es steht sowieso überall bei allen zertifiziertem Saatgutanbietern. Diese Anbieter bauen ohnehin schon seit vielen Jahren auf Regionalsaatgut, das ist ihr Geschäftsmodell.
Re: Streuobswiese Untersaat
Verfasst: 9. Apr 2021, 10:49
von Floris
Und was ist mit Punkt 1 der Ausnahmen?
Die Einsaat einer Streuobstwiese ist landwirtschaftliche Tätigkeit, unabhängig davon, ob der Ausführende Landwirt ist oder nicht.
Re: Streuobswiese Untersaat
Verfasst: 9. Apr 2021, 10:52
von Staudo
Ich habe bei den beiden von mir betreuten Streuobstwiesen überhaupt nichts eingesät. Das wird von allein grün. Anfangs kommen einjährige Kräuter, nach zwei bis drei Jahren setzen sich immer mehr Gras und Zweikeimblättrige aus dem vorhandenen Samenreservoir durch. Gemäht wird im Juli und im September.
Re: Streuobswiese Untersaat
Verfasst: 9. Apr 2021, 10:59
von Rib-2BW
Aber wie kann ein Gesetz sich selbst brechen? Es wird eher von höher stehenden Gesetzen gebrochen.
hat sich erledigt. ich habe Den Gesetzestext so verstanden, dass gebietsfremde Mischungen bis zum 01.03.2020 eine Genehmigung brauchen. Es ist umgekehrt.
Re: Streuobswiese Untersaat
Verfasst: 9. Apr 2021, 11:25
von cydorian
Natürlich muss man nichts einsäen. Irgendwas wächst immer und mit den Jahren bilden sich stabile Pflanzengesellschaften aus. Manchmal ist es aber sinnvoll, z.B. für die Vorzeige-Obstwiese der Gemeinde oder irgendein Umweltschutzprojekt, das man auch herzeigen können will. Auf einem Teil einer meiner Wiesen habe ich das auch gemacht, Saatgut war von einem der bereits genannten Anbieter. Sieht gut aus, ist stabil bei normaler Pflege.
Die grösste Vielfalt, inhaltlich und optisch herrscht jedoch auf einer Wiese, bei der die fachkundige Pflege auch beim Vorbesitzer nie lange Unterbrechnungen erlebte. Das ist ein einmaliges Paradies geblieben, wie es das im weitern Umkreis überhaupt nicht mehr gibt und es keine Einsaat erreichen kann.
Re: Streuobswiese Untersaat
Verfasst: 9. Apr 2021, 11:44
von Floris
alles richtig, ich glaube aber nicht, dass es verboten ist, eine "normale" Grünlandmischung anzusäen.
Re: Streuobswiese Untersaat
Verfasst: 9. Apr 2021, 11:47
von Rib-2BW
Wenn der Gesetzestext von "Gebietsfremd" spricht, dann sollte es irgendwo gesetzlich definiert worden sein. Hat jemand dazu eine Quelle?
Re: Streuobswiese Untersaat
Verfasst: 9. Apr 2021, 11:50
von Artessa
Ich habe vor 8 Jahren das Regiosaatgut der Firma Zeller auf die neu angelegte Streuobstwiese per Hand über ca. 2000 qm ausgesät. Ich war und bin damit sehr zufrieden. Gemäht wird 2 mal im Jahr, gedüngt gar nicht. Es soll ja eine Magerwiese entstehen. Im Bereich der Baumscheibe habe ich den jungen Bäumen bis jetzt in 2 Jahren etwas Dünger spendiert und jedes Jahr Sonnenblumen gepflanzt, weil der Boden sehr lehmhaltig und durch die vorherige Landwirtschaft auch verdichtet war.
Das würde ich selber bei entsprechendem Bedarf auch wiederholen. Eine Streuobstwiese anzulegen, habe ich jahrelang als Vision gehegt. Erst ein entscheidendes Schlüsselerlebnis brauchte ich offensichtlich für die Umsetzung.
Gruß und gutes Gelingen,
artessa
Foto v. Mai 2014 - 1 Jahr nach Aussaat
Re: Streuobswiese Untersaat
Verfasst: 9. Apr 2021, 11:58
von Artessa
August 2014
Re: Streuobswiese Untersaat
Verfasst: 9. Apr 2021, 12:02
von Artessa
Juni 2015 -kurz vor dem Mähen
Re: Streuobswiese Untersaat
Verfasst: 9. Apr 2021, 12:53
von Talkrabb
Floris hat geschrieben: ↑9. Apr 2021, 11:44alles richtig, ich glaube aber nicht, dass es verboten ist, eine "normale" Grünlandmischung anzusäen.
Bis zum 01.03.2020 war das so. Seitdem ist das nicht mehr so. Beim Ackerfutterbau (wird nach kurzer Zeit wieder umgebrochen) sieht das anders aus.
Grundsätzlich funktioniert auch eine Selbstbegrünung. Bis das angestrebte Ziel ("Blumenwiese") erreicht wird, dauert es aber häufig eine gewisse Zeit mit im Zweifel unschönen Zwischenstadien (heißt=kurzzeitige Dominanz einzelner Unkräuter). Wenn man schnell ein gutes und für den Menschen gefälliges Ergebnis möchte ist der Weg über die Ansaat sinnvoll.
@ Artessa
Sieht toll aus!