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Pflanzenwelt => Obst-Forum => Thema gestartet von: b-hoernchen am 06. November 2017, 11:28:52

Titel: Apfelsorten aus Süd- und Westeuropa
Beitrag von: b-hoernchen am 06. November 2017, 11:28:52
... könnten im Zuge des Klimawandels auch für Deutschland interessant werden.
Baumaux (Frankreich) hat immer wieder welche im Angebot und ich habe mir vor ein paar Jahren mal ein paar besorgt, die heuer die ersten Früchte abgeliefert haben.

Die möchte ich hier demnächst vorstellen - aber es steht vielleicht noch der eine oder andere Baum in Reichweite von Forumsmitgliedern herum, der es auch wert wäre, bekannt gemacht zu werden. Dazu möchte ich herzlichst einladen!

LG
b-hoernchen
Titel: Re: Apfelsorten aus Süd- und Westeuropa
Beitrag von: Mediterraneus am 06. November 2017, 11:44:12
Viele uns bekannte Apfelsorten kommen ja aus Westeuropa (England, Frankreich) z.B. Goldparmäne (=Reine des Reinettes) oder Blenheimer (Woodstock Pippin).

Die Schmankerln aus dem Baumaux-Katalog hab ich aber auch schon gesehen, Fenchel und Anisapfel und sowas. Spannend  :D
Titel: Re: Apfelsorten aus Süd- und Westeuropa
Beitrag von: Sternrenette am 06. November 2017, 13:16:37
Fenouillet gris?  :P

Der Garten ist doch jetzt schon zu klein :'(

Die Goldrenette von Blenheim ist ein sehr guter Apfel - wenn der Baum dann mal trägt ::) evtl würde ihm ein wärmeres Klima gut bekommen.
Titel: Re: Apfelsorten aus Süd- und Westeuropa
Beitrag von: Mediterraneus am 06. November 2017, 13:20:17
Fenouillet gris?  :P



Exactement!  :D
Der klingt doch gut. Hat mich sehr gejuckt, ist aber auf schwachwachsend veredelt. Das wäre ein recht teurer Edelreisspender bei mir.
Titel: Re: Apfelsorten aus Süd- und Westeuropa
Beitrag von: Sternrenette am 06. November 2017, 13:43:12
Mir würde der durchaus taugen, allerdings käme ich auch mit einem Edelreis klar. Ich kann aber zu schlecht französisch um danach zu fragen. Und hier (Ritthaler?, Reiserschnittgarten) gibts den vermutlich nicht.
Titel: Re: Apfelsorten aus Süd- und Westeuropa
Beitrag von: Mediterraneus am 06. November 2017, 13:46:18
Mir würde der durchaus taugen, allerdings käme ich auch mit einem Edelreis klar. Ich kann aber zu schlecht französisch um danach zu fragen. Und hier (Ritthaler?, Reiserschnittgarten) gibts den vermutlich nicht.

Vielleicht unter "Grauer Fenchelapfel" ? Oder  "Anisapfel" ?
Titel: Re: Apfelsorten aus Süd- und Westeuropa
Beitrag von: b-hoernchen am 06. November 2017, 17:04:19
Vielleicht gibt's Edelreiser bald von mir... - dieses Jahr eher noch nicht, ich sollte mir erst mal selber ein paar "Sicherungskopien" machen, weil die Originalbäume auf dieser verflixt kragenfäuleanfälligen MM106 Unterlage daher kamen.
Titel: Re: Apfelsorten aus Süd- und Westeuropa
Beitrag von: b-hoernchen am 10. November 2017, 18:38:41
Den Anfang macht "Limoncella", eine Apfelsorte aus Italien, den Abruzzen, wenn ich mich recht erinnere, aus der Maiella.

Der Baum steht auf MM111, wächst ordentlich aber nicht übermäßig, eher dicht bestückt mit Ästen die basisnah einen guten Abgangswinkel aufweisen, dann aber nach oben streben.
Laub ist bis Ende Oktober gesund, allenfalls ein paar kleinere braune Felcken, die mich an die Blattfleckenkrankheit bei Quitten erinnern, waren aufgetaucht, aber nicht problematisch. In der Nähe stehende Quitten A - Unterlagen waren sehr stark befallen.
Nach zwei oder drei Früchten, die letztes Jahr verfrüht fielen, hat er dieses Jahr seinen ersten "richtigen" Ertrag abgeliefert:

https://imgur.com/a/OPB16

https://imgur.com/6qJW2Y8

https://imgur.com/d9QGncC

https://imgur.com/hsPEFi3

https://imgur.com/6OcI0ch

https://imgur.com/v8YeBMd

Die Äpfel halten mittelprächtig am Baum. Im Oktober stellte sich eine deutliche Tendenz zu fallen ein, sie wurden gegen Mitte Oktober geerntet.

Sie sind klein, stark konisch, mit einer Haut, die sich ähnlich Golden Delicious anfühlt; relativ festfleischig, feinzellig nicht sehr saftig, mit einem eigenen Aroma, das zwar etwas Zitrusnoten aufweisen mag, aber so richtig "zitronig" ist er nicht. Das Aroma erinnert mich fast etwas an das, was kleine Mostbirnen hierzulande manchmal haben - der Apfel ist aber nicht "birnig".

Also, Aroma hat er, nicht schlecht, aber kein "must have" für mich. Nicht direkt "hantig", aber es spritzt kein Saft, er "flutscht" nicht so, wie andere Sorten. Aufgrund seiner relativen Trockenheit ist er im Mund nicht der pure Genuss - also als Tafelapfel mit Fragezeichen.

Tja, was macht man mit den kleinen "Wuzerln"? Weiß jemand, wozu solche Äpfel dien(t)en?


P.S. Weiß jemand, wie man bei imgur zu Vorschaubildern kommt?
Titel: Re: Apfelsorten aus Süd- und Westeuropa
Beitrag von: Roeschen1 am 10. November 2017, 18:44:41
Als ich die Bilder sah, dachte ich sofort an den Glockenapfel,
der sieht genauso aus, manche sagen auch Zitronenapfel wegen seines Geschmackes zu ihm.
Und Limoncello ist ein Zitronenlikör.
Der Glockenapfel neigt zu Vorerntefruchtfall.
Es ist ein Tafel- und Backapfel, er ist genußreif Januar bis April. Das Fruchtfleisch ist weiß und anfangs wenig saftig, säuerlich.
Der Baum bildet senkrecht stehende Triebe.
Titel: Re: Apfelsorten aus Süd- und Westeuropa
Beitrag von: Tara2 am 10. November 2017, 19:35:34
Ich dachte vom aussehen her auch an den "Schweizer Winterglockenapfel" der sieht genauso aus!
Titel: Re: Apfelsorten aus Süd- und Westeuropa
Beitrag von: Sternrenette am 10. November 2017, 19:39:46
Mein Glockenapfel hat sonnenseits rote Bäckle, und richtig gut und erntereif ist er nach dem ersten Frost, also eher Ende Oktober/November.
Titel: Re: Apfelsorten aus Süd- und Westeuropa
Beitrag von: thuja thujon am 10. November 2017, 19:49:19
Tja, was macht man mit den kleinen "Wuzerln"? Weiß jemand, wozu solche Äpfel dien(t)en?
Ich stelle mal die Frage in den Raum, ob die wirklich ausgereift waren, auf die nötige Wärmesumme/Sonnenstunden gekommen sind. Gabs einen direkten Vergleich der selben Sorte aus dem Anbau im eigentlichen Verbreitungsgebiet?

Im Zuge des Klimawandels interessante Sorten: ich teste hier gerade Utwiller Spätlauber wegen der milden Winter und früsommerlichen Frühjahre, wegen der vielen Krankheiten bei denen spezifische Resistenzen nichts bringen eher physikalisch robuste Sorten wie etwa Steinkeil.

Titel: Re: Apfelsorten aus Süd- und Westeuropa
Beitrag von: b-hoernchen am 10. November 2017, 20:15:06
Der Apfel erinnert in der Tat äußerlich an einen kleinen Schweizer Winterglockenapfel, auch die dichte Konsistenz des Fruchtfleisches - wobei der Winterglockenapfel vor allem saurer und auch eher saftiger als der Limoncella ist.
Insgesamt sind das vom Geschmack deutlich unterschiedliche Sorten.

Der Limoncella ist süßer, aber nicht aufdringlich süß - ich tippe mal auf ziemlich reif, nach jetzt wohl drei Wochen Lagerung im Haus. Ich habe mir das Datum nicht gemerkt, ich düfte ihn um den 20. Oktober geerntet haben. Er musste runter, hätte nicht mehr viel länger am Baum gehalten, wäre Fallobst geworden.

Was tun mit dem Baum? Umveredeln oder ganz rauswerfen? Also einen ganzen Baum mit diesen Wuzerln brauch' ich nicht. Schad wäre es um die gute MM111 - Wurzel. Was mir vorschwebt, wäre ein Sammelbaum für "Zitronenäpfel". Wenn ich verifizierte Reiser von Herzogin Olga, Holsteiner Zitronenapfel, Winterzitronenapfel bekommen könnte... - der Limoncella kann Edelreiser liefern, habe den bereits mehrfach auf schwache bis mittlelstarke Unterlagen veredelt.
Titel: Re: Apfelsorten aus Süd- und Westeuropa
Beitrag von: JörgHSK am 10. November 2017, 20:53:36
Winterzitronenapfel hab ich den echten,
Titel: Re: Apfelsorten aus Süd- und Westeuropa
Beitrag von: b-hoernchen am 10. November 2017, 20:55:59
Als nächstes Pomme "Fenouillet Gris" - kam Fühjahr 2016 auf MM106 zu mir.

Hier ein Bild vom heutigen Tage:
https://imgur.com/s8hSVnm

Die einzige Erstlingsfrucht hängt noch am Baum; sie hat sich erst im Laufe des Oktobers von grün nach gelb umgefärbt.

Eigentlich habe ich die ganze Zeit darauf gewartet, dass er eine rote Grundfarbe mit Berostung bekommt, so wie im Katalog abgebildet:
https://imgur.com/KyTDn3t

Dabei heißt es im Text: Aschfarben grau auf gelbem Grund... .

Der Baum hat eine lange Vegetationsperiode, ist noch vollständig grün, gesunde Blätter, völlig gesund, keine Marssonina.
Titel: Re: Apfelsorten aus Süd- und Westeuropa
Beitrag von: Roeschen1 am 10. November 2017, 20:58:55
Mein Glockenapfel hat sonnenseits rote Bäckle, und richtig gut und erntereif ist er nach dem ersten Frost, also eher Ende Oktober/November.
Hier sind die einfach nur gelb und die Fruchtgröße ist sehr unterschiedlich. Meine 3 Glockenäpfel habe ich schon gegessen, sonst könnte ich sie dir zeigen.
Ich habe noch ein Exemplar vom weißen Glockenapfel gefunden.
Titel: Re: Apfelsorten aus Süd- und Westeuropa
Beitrag von: b-hoernchen am 10. November 2017, 21:01:11
Winterzitronenapfel hab ich den echten,

Hast pm... .
Titel: Re: Apfelsorten aus Süd- und Westeuropa
Beitrag von: b-hoernchen am 10. November 2017, 21:39:13
Court Pendu Gris (seit 2016 bei mir) und Patte de Loup (seit 2015):

Beide auf MM106, mit langer Vegetationsperiode, die Früchte auf den Fotos unten wurden Anfang November geerntet, ein paar Äpfel des Patte des Loup hängen noch. Letzterer ist ein etwas schwächer wachsender Baum mit lockerer Verzweigung und guten Astabgangswinkeln, nur ein bisschen Korrektur durch Herunterbinden.

Der Court Pendu Gris wächst stärker, steiler stehende Äste, die einzige Erstlingsfrucht ist auf den Fotos unten der große APfel, die beiden kleineren sind jeweils vom Patte de Loup:

https://imgur.com/a/9VpFT

https://imgur.com/nhbD3zj

https://imgur.com/a/bSvUy

https://imgur.com/Hpc0bnP

Die Blessuren auf den Früchten stammen vom Hagel.

Beide Bäume sind sehr gesund,keine Probleme mit Marssonina.

Der Patte de Loup ist einer der spätblühendsten Apfelbäume, blüht lange und etwa gleichzeitig mit dem Rheinischen Winterrambur.
Titel: Re: Apfelsorten aus Süd- und Westeuropa
Beitrag von: cydorian am 10. November 2017, 22:22:58
Der graue Kurzstiel (Court Pendu Gris) hat an die 50 Namen, wurde in ganz Europa angebaut, soll aus Holland stammen, schon 1600 erwähnt, die Anderen die du neu hast auch. Kannst du auch in Deutschland kaufen, Baumgartner hat ihn z.B. (wenn die Sorte echt ist :-)

Vielleicht der einzige kleine Gewinn durch Marssonnia Coronaria, dass nun auch solche alten Sorten wieder im Privatgarten zu Ehren kommen. Erwarte aber nicht zu viel vom Geschmack, diese klingenden Namen waren auch früher schon mehr Marketing wie unterscheidbare Geschmacksrichtungen.

Vom Zitronen bzw. Winterzitronenapfel hatten wir es schon öfter. Es gibt rund zehn verschiedene Zitronenäpfel, alle echt :-)
Titel: Re: Apfelsorten aus Süd- und Westeuropa
Beitrag von: Selene10 am 11. November 2017, 20:48:43
Den Anfang macht "Limoncella", eine Apfelsorte aus Italien, den Abruzzen, wenn ich mich recht erinnere, aus der Maiella.

Die Äpfel halten mittelprächtig am Baum. Im Oktober stellte sich eine deutliche Tendenz zu fallen ein, sie wurden gegen Mitte Oktober geerntet.

Sie sind klein, stark konisch, mit einer Haut, die sich ähnlich Golden Delicious anfühlt; relativ festfleischig, feinzellig nicht sehr saftig, mit einem eigenen Aroma, das zwar etwas Zitrusnoten aufweisen mag, aber so richtig "zitronig" ist er nicht. Das Aroma erinnert mich fast etwas an das, was kleine Mostbirnen hierzulande manchmal haben - der Apfel ist aber nicht "birnig".

Also, Aroma hat er, nicht schlecht, aber kein "must have" für mich. Nicht direkt "hantig", aber es spritzt kein Saft, er "flutscht" nicht so, wie andere Sorten. Aufgrund seiner relativen Trockenheit ist er im Mund nicht der pure Genuss - also als Tafelapfel mit Fragezeichen.


In diesem Herbst bin ich auf der Suche nach alten Apfelsorten gewesen und dabei auch auf die "limoncella" gestossen. Es war nicht leicht, jemanden zu finden, der uns die Äpfel kosten ließ - heuer soll ein ganz schlechtes Apfeljahr gewesen sein. Am Ende konnten wir etwa fünf alte Apfelsorten kosten, darunter auch die "limoncella" oder "limoncella napoletana" oder "mela limone" - wurde laut Beschreibung eines Züchters am Gardasee früher in Sizilien und Kampanien angebaut. Auch in Umbrien ist dieser Apfel unter dem Namen "limonella" bekannt.
Ich habe  der limoncella den Vorzug gegeben, sehr aromatisch und charakteristisch, kaum säuerlich.
Ein weiterer Kandidat ist "Rosso nobile" oder "Edelroter" oder "Rouge Noble" oder "Triangelapfel": auch dieser hat mir gut geschmeckt. Die Sorte stammt angeblich aus dem Meraner Becken und wurde ab 1800 bis Ende des Zweiten Weltkriegs in Südtirol und im Trentino angebaut. Der Apfel hat einen ausgewogenen süß-säuerlichen Geschmack.

(OT: Ich möchte diese beiden Sorten wurzelnackt auf M111  pflanzen, der Lieferant am Gardasee sagte mir aber, dass er zur Zeit nur Containerware zur Verfügung habe und dass wurzelnackte Pflanzen erst im Frühjahr zu haben seien. Ich versteh das nicht ganz, ich dachte Obstbäume seien im Herbst zu pflanzen und am besten wurzelnackt?)
Titel: Re: Apfelsorten aus Süd- und Westeuropa
Beitrag von: b-hoernchen am 11. November 2017, 20:57:28
Sieh da, ein Fan vom Limoncella!
Da muss ich doch gleich selber einen essen.
Ist der gezeigte Apfel der gleiche, den du haben möchtest - klein, glockenförmig?

Ich habe bereits Kopien vom Limoncella gemacht, ich glaube auch auf MM111 - müsste nachschauen.
Willst du meinen haben?

Edit: Sehe gerade nach: 2015 einen auf M9 gesetzt - Nr. 37;
                                    2016 zwei auf Bittenfelder Sämling gesetzt Nr. 78 und 79;
Ich dachte, ich hätte auch mal einen auf MM111 gemacht, das war vielleicht noch, bevor ich Nummern vergeben habe... . Hm - müsste mal im Garten nachschauen... .

Mampf, mampf - ja er hat so ein charakteristisches Aroma...  wie würdest du das beschreiben?
Titel: Re: Apfelsorten aus Süd- und Westeuropa
Beitrag von: Selene10 am 11. November 2017, 21:35:29
b-hoernchen, ja es ist der von dir gezeigte Apfel, klein und glockenförmig.


Hm, schwierig den Geschmack wirklich zu beschreiben, zumal ich keinen "limoncella" mehr zum kosten habe. Jedenfalls mit keiner der im Handel  üblichen Sorten zu vergleichen.
Mir ist wichtig, dass die Apfelbäume gesund sind und nicht allzu groß werden. Natürlich sollten sie auch Früchte produzieren, die mir schmecken, wobei es nicht sein muss, dass mir der Saft aus den Mundwinkeln tropft. Und die Bäume müssen nicht unbedingt einen regelmäßigen Ertrag bringen, auch die Größe der Früchte ist mir egal. Der limoncella erfüllt diese Voraussetzungen, soweit ich bisher in Erfahrung bringen konnte und von dir jetzt auch bestätigt finde.
Titel: Re: Apfelsorten aus Süd- und Westeuropa
Beitrag von: b-hoernchen am 12. November 2017, 17:37:36
Habe heute den Limoncella auf MM111 im Garten wieder gefunden, war eine meiner ersten Veredlungen, daher noch nicht durchnumeriert.
Der Baum ist jetzt gut 2 m hoch - du kannst ihn haben, wenn du willst (gegen Versandkostenerstattung) - ich müsste ihn aber deutlich zurückschneiden. Raus muss er sowieso!
Titel: Re: Apfelsorten aus Süd- und Westeuropa
Beitrag von: Selene10 am 12. November 2017, 22:57:59
Danke, ich melde mich bei dir.
Titel: Re: Apfelsorten aus Süd- und Westeuropa
Beitrag von: b-hoernchen am 16. November 2017, 17:59:46
Heute einen "Patte de Loup" verkostet, geerntet vor ca. 1 Woche:

Eigentlich sind die Früchte immer noch hart, aber nach dem fetten Fisch heute zu Mittag überkam mich einfach die Lust auf einen Lederapfel. Zuerst musste eine Kasseler Renette dranglauben, ebenfalls ein kleiner berosteter Apfel von der Bauernwiese - ein belangloser, säuerlicher Apfel ohne besonderes Aroma, relativ trocken.

Dann der Patte de Loup: Eigentlich war der noch ziemlich hart und hätte weiter lagern dürfen, aber nichtsdestotrotz hineingebissen: Ein knackiger Apfel, feinzellig, saftig - und wumms! - da war es das Besondere, das Aroma! Ist das Litschiaroma? Ja, ja und nein, natürlich ist es ein Apfel, aber Litschi kommt trotzdem ganz gut hin. Ich wüsste jetzt keine diesem Aroma verwandte Beschreibung, die besser wäre. Und das vor dem Hintergrund dieser Saftigkeit und  einer sehr ausgewogenen Süß-Säuerlichkeit - ein exotisches Geschmacks-Erlebnis, nur dass Litschis nicht so knackig sind. Bei Lubera stünde der Schieber wohl in der Mitte oder sogar ein bisschen Richtung "sauer" verschoben; eine sehr angenehme Säure, die wunderbar mit dem Zucker und dem Aroma harmoniert; nicht so beißend, wie Zabergäu frisch vom Baum manchmal schmeckt. Und wenn ich ehrlich bin, mag ich Zabergäu frisch vom Baum noch am liebsten, danach wird er mir zu trocken, zu ledrig.

Also, der Patte de Loup schmeckt mir besser als Zabergäu, er ist kultivierter in der Säure, hat Süße, ist knackig - gibt den Saft aber gut frei - der bislang beste Lederapfel, den ich kenne und vielleicht eine der besten "alten" Apfelsorten überhaupt.
Dazu kommt die bislang makellose Gesundheit des Baums, keine Anfälligkeit für Marssonina, die außergewöhnlich späte Blüte (ein Riesenplus bei Spätfrösten) - "une pomme de luxe" schreibt Baumaux, das unterschreib' ich - der Baum kriegt eine 100%ige Empfehlung von b-hoernchen!

Ein Wermutstropfen bleibt vielleicht das kleine Kaliber der Früchte - trotz der MM106 - Unterlage.
Titel: Re: Apfelsorten aus Süd- und Westeuropa
Beitrag von: cydorian am 16. November 2017, 21:22:41
Da sieht man, wie warm es geworden ist. Die Sorte wurde früher als grösstenteils ungeeignet bezeichnet, sie reife in Deutschland nicht aus. Die französischen Baumschulen schreiben heute etwas von 10-14 Tagen nach Golden und schon Golden wurde für 2/3 Deutschlands nicht empfohlen, weil er zu spät reift.

Wenn du mal genug hast, teste die Lagerfähigkeit. Da steht was von "bis Januar", in CA-Lager Februar. Das schreckt mich auch etwas, recht kurz wenns bloss ein Weihnachtsapfel wäre.

Die Kassler Renette ist übrigens ein prima Apfel für trockenen Boden.
Titel: Re: Apfelsorten aus Süd- und Westeuropa
Beitrag von: b-hoernchen am 17. November 2017, 20:31:00
Bei der Kasseler Renette gibt's es doch auch eine "Große"-? Die Äpfel von meiner (laut Etikett keine "Große" Kaseler R.) sind zumindest klein... .

Zurück zum, Patte de Loup:
Baumaux schreibt zur Lagerbarkeit: "..., très bonne conservation jusqu'en avril." - also  bis April. Auch wenn man das Baumschullatein abtut, Februar oder März würde ich anhand der Konsistenz der Früchte problemlos glauben.

Heute habe ich vom Bauern ein Kistchen Zabergäu-Renetten bekommen, die ich Anfang Oktober für ihn gepflückt hatte. Die kommen mir stärker gealtert vor als meine kürzlich geernteten Patte de Loup. Letzterer ist knackiger, mit strafferen Zellen.

Dass das kein Apfel für kaltes Klima ist, ist klar. Er kommt aus der Region um Nantes. Er hat eine lange Vegetationsperiode - braucht einen langen Herbst mit viel Wärme. Davon wird der Klimawandel uns mehr bescheren, als uns lieb ist - insofern ein "Apfel für die Zukunft". Leider hilft das alles nichts gegen die Unwetterkapriolen wie Hagel, da ist er so anfällig, wie jeder andere Apfel auch... .
Titel: Re: Apfelsorten aus Süd- und Westeuropa
Beitrag von: b-hoernchen am 18. November 2017, 19:24:47
Noch mal zum Ausreifen des Patte de Loup:
...wurde früher als grösstenteils ungeeignet bezeichnet, sie reife in Deutschland nicht aus. Die französischen Baumschulen schreiben heute etwas von 10-14 Tagen nach Golden und schon Golden wurde für 2/3 Deutschlands nicht empfohlen, weil er zu spät reift.
Ich hab' ja auch Golden Delicious im Garten - war als angebliche "Adamsparmäne" eine ungebetene "Zugabe" bei einem Edelreiserwerb hier auf garten-pur. Ich veredele die vermeintliche "Adamsparmäne" naürlich gleich brav rauf und runter von M9 über MM111 bis auf Sämling und heuer hat der Baum auf MM111 als erster Früchte getragen... na ja, war vielleicht ein Aprilscherz. Jedenfalls ist es ein G. D. (wahrscheinlich auch noch ein Klon "Reinders") und der schmeckt aus heimischem Garten eben so, wie ein Apfel eigentlich nicht schmecken sollte.
Aber in diesem Zusammenhang doch praktisch zum Reifevergleich mit dem Patte de Loup: Der hat nämlich gutes Aroma und auch Süße.
Ich hoffe, das bestätigt sich bei der Verkostung der restlichen Äpfel.

Dagegen ist die Kasseler Renette wieder ein Fall zum Kopfschütteln... .
Titel: Re: Apfelsorten aus Süd- und Westeuropa
Beitrag von: b-hoernchen am 26. November 2017, 13:38:14
Vorgestern musste dann die einzige Frucht des "Fenouillet Gris" dranglauben, wenn es denn die Sorte ist... - dass der Apfel auf der Katalogabbildung eine ganz andere Färbung aufweist, habe ich ja schon gepostet (#14, das 2. Bild).

Hätten die Retuscheure doch die Beschreibung gelesen, bevor sie die Bilder bearbeitet haben! Da steht: "peau rugueuse, gris cendré à fond jaune" - "Schale rau, aschgrau auf gelbem Hintergrund". Nur mit dem "rugueuse" - "rau" tu mich mir schwer. So richtig berostet wie ein Lederapfel ist mein Erstlingsapfel jetzt nicht.

Aber beissen wir mal rein, das Fleisch gibt an einigen Stellen schon nach: Beim Abbeissen knackt es noch, dann aber beim Kauen ist das Fleisch weich, teilweise an der Grenze zur Mehligkeit; feinzellig, ziemlich trocken.

Die Textur der Frucht hat eindeutig den Zenit überschritten. Das mag an Hagelschäden liegen, die das Obst vorzeitig altern lassen - das kann eine Einzelfrucht mal besonders betreffen, aber ich hab' auch noch andere, richtig gut saftige Äpfel (moderne Sorten wie Patrizia, Relinda, ein sogenannter "Pinova", der was anderes ist...).

Aber Aroma hat er, richtig viel! Im Katalog steht: "Anis, musqué" - Anis ist soweit klar, "musqué" - hmm "Bisamratte"-?, "Moschusochse"-? - hab' ich beides noch nicht gegessen und kann schwer sagen, ob das zutrifft. Das mit dem Anis ist jetzt auch so eine Sache, also von selber wäre ich wohl kaum auf Anis gekommen, aber als Suggestivfrage - ja, eine Spur Anis - da könnt was dran sein, irgendwie muss man das ja beschreiben... .
Irgendwie ist er im Aroma dem Limoncella verwandt; der ist sogar noch einen Tick aromatischer, süßlicher und säureärmer als der Fenouillet Gris.
Auch der Adersleber Kalvill gehört im weiteren Sinne in diese Aromagruppe, wobei letzterer als Tafelapfel für mich unter den genannten alten Sorten die beste Figur abgibt - er ist weniger betont aromatisch, dafür saftiger und säuerlich-ausgewogener.

Also ist der erste Eindruck vom Fenouillet Gris: Eine Aromabombe, ziemlich säurearm und trocken - und als Baum recht gesund von wegen Marssonina, Schorf, Mehltau.
Da könnte ein engagierter Züchter durch gezielte Kreuzung sicherlich was Gescheites draus machen... .

Hier nochmals Fotos der Frucht:

https://imgur.com/a/TN1yH

https://imgur.com/a/4jwFr

https://imgur.com/a/a7A8U

https://imgur.com/a/Slv3D



Titel: Re: Apfelsorten aus Süd- und Westeuropa
Beitrag von: Roeschen1 am 26. November 2017, 14:50:29
Noch ein Foto vom weißen Glockenapfel.
Titel: Re: Apfelsorten aus Süd- und Westeuropa
Beitrag von: MayB am 26. November 2017, 14:58:47
Danke für die Expertise.
Aber Erstlingsfrüchte haben manchmal noch nicht die vollen Sorteneigenschaften, wie Du sicher weißt.

Zum "Pommelier"-Vokabular: 'musqué' bezeichnet wie das englische 'musky' einen Muskat- oder Muskateller-Geschmack, wie man ihn beispielsweise vom Gewürztraminer u.ä. kennt und beinhaltet gleichzeitig auch den Beriff 'parfumé', der auch
abweichend vom Deutschen nicht nur den Duft ("Parfum"), sondern auch Aroma und Geschmack bedeutet.

 :D
Titel: Re: Apfelsorten aus Süd- und Westeuropa
Beitrag von: b-hoernchen am 26. November 2017, 15:40:03
Ah, danke für die Erklärung zu "musqué"! Ich dachte mir schon, dass es etwas mit dem ominösen "Muskataroma" zu tun haben könnte, fand nur im Sprachlexikon dafür das französiche "muscade" bzw. "muskat" und hab' mich nicht getraut, das dann so zu verwenden... .

Was die Abweichungen von Erstlingsfrüchten von der Norm angeht: Da schreibe ich genau aus dem Grund dazu, dass es sich um Erstlingsfrüchte handelt, damit die Leute meine Schilderungen mit der notwendigen Vorsicht genießen. Aber es ist naürlich immer gut wieder darauf hin zu weisen.

@ Dornroeschen: (Schweizer) Winterglockenapfel (identisch mit Weißem Glockenapfel?) ist mir bekannt und ich habe erst kürzlich mal Fotos davon von unterschiedlichen Unterlagen gepostet. Der ist jedenfalls vom Aroma was ganz anderes als Limoncella, fast schon ein gegensätzlicher Apfel.

Was fehlt ist ein phylogenetischer Stammbaum aller Apfelsorten. Das wäre wirklich hochinteressant, wer wessen Abkömmling und mit wem wie verschwippschwägert ist... . Ich frag' mich schon die ganze Zeit, ist das äußere Erscheinungsbild ein Indiz für Verwandtschaft oder sind es mehr die inneren Eigenschaften? Dem Limoncella würde ich sogar eine weitläufige Verwandtschaft mit Golden Delicious zugestehen.
Titel: Re: Apfelsorten aus Süd- und Westeuropa
Beitrag von: b-hoernchen am 08. Dezember 2017, 18:50:43
Nochmal zum Patte de Loup - die Sorte begeistert mich wirklich.
Wieder mal einen Apfel verkostet - schon beim Anschneiden steigt etwas von diesem besonderen Aroma in die Nase. Der macht im Geschmack dort weiter, wo Zabergäu aufhört. Während Zabergäu bereits ledrig wird, ist das Fleisch des P.d.L. immer noch knackig frisch.
Titel: Re: Apfelsorten aus Süd- und Westeuropa
Beitrag von: b-hoernchen am 17. Dezember 2017, 13:26:58
Ich vergleiche mal ein paar Klimadaten aus dem  département de Maine-et-Loire, der angeblichen Herkunft des Patte de Loup, mit Werten aus dem hiesigen Voralpenland:


Maine-et-Loire:
Mittlere Temperatur übers Jahr: 11,8°C;  Mittlere minimale Januartemperatur: 2,1°C; Mittlere Julitemperatur 19,2°C; Mittlerre maximale Julitemperatur: 24,9°C
Sonnenstunden übers Jahr: 5,1/d; Mittlere Sonnenstunden pro Tag im Juni: 7,8; Mittlere Sonnenstunden pro Tag im Juli: 8,0; im August: 7,6:
Niederschlag/Jahr: 633mm;

Hiesiges Voralpenland:
Mittlere Temperatur übers Jahr: 9,4°C;  Mittlere minimale Januartemperatur: -4,2°C; Mittlere Julitemperatur 18,9°C; Mittlere maximale Julitemperatur: 24,3°C
Sonnenstunden übers Jahr: 4,5/d; Mittlere Sonnenstunden pro Tag im Juni: 6,8; Mittlere Sonnenstunden pro Tag im Juli: 7,0; im August: 5,7:
Niederschlag/Jahr: 1310 mm;

Das erscheint in der Tat grenzwertig. Dass der Patte de Loup dieses Jahr hier ausgereift ist, dürfte auch am äußerst frühen Vegetationsbeginn und der generell frühen Reife dieses Jahr liegen.
Andererseits ist der Klimawandel längst nicht zu Ende, und es wird noch wärmer werden - ob wir das mögen oder nicht.

Französische Seiten sprechen dem Patte de Loup generell eine hohe Krankheitsfestigkeit zu. Marssonina wird da wahrscheinlich noch nicht in die Beurteilung eingeflossen sein. Eine Seite erwähnt eine mittlere Anfälligkeit für Alternanz und eine deutliche Anfälligkeit für Krebs, eine andere Seite für Läuse.

"Sensibilité à l'alternance / éclaircissage : moyennement sensible à l’alternance / moyennement facile à éclaircir. Eliminer les petits fruits en août"
Sensibilité / résistance : peu sensible à la tavelure mais assez sensible au chancre" - siehe: http://www.dalival.com/pommes/patte-de-loup/
"Sensible aux pucerons"- siehe: http://www.fruitiers.net/fiche.php?NumFiche=379

Als positiv möchte ich die auch in französischen Seiten ewähnte Festigkeit, mit der die Früchte am Baum hängen, hervorheben. Die Sorte neigt trotz des kurzen Stiels nicht zu Vorerntefruchtfall und ist auch für windige Standorte geeignet.
Die Früchte sind fest und gut transportfähig.
Titel: Re: Apfelsorten aus Süd- und Westeuropa
Beitrag von: b-hoernchen am 24. Dezember 2017, 18:51:40
Vor ein paar Wochen habe ich bei meinem Limoncella Folgendes entdeckt:

https://imgur.com/a/gLDOm

Sieht aus wie Krebs. Damit wäre der Limoncella nach dem Seestermüher der zweite Baum in meinem Garten, der an Krebs erkrankt ist - und das in sehr jungen Jahren. Der Seestermüher kam vermutlich schon krebskrank; da er genau an der Veredlungsstelle krebsig ist, vermute ich bei ihm Schlamperei der Baumschule, Übertragung durch ein kontaminiertes Veredelungsmesser.
Beim Limoncella befindet sich die krebsige Stelle nahe der Spitze. Damit wäre er der erste Baum, der bei mir im Garten erkrankt ist; bei meinem schweren Tonboden vielleicht kein Wunder, aber deutet doch auf eine besondere Empfindlichkeit hin.
Auffällig ist auch die wulstartige Verdickung des Triebs unterhalb der schwärenden Stelle:
https://imgur.com/a/bEBCZ
 - wie weit sollte ich den Trieb zurückschneiden?

Ebenfalls auffällig, die wulstartige Verdickung abgetragenen Fruchtholzes:

https://imgur.com/a/4MsVO

Künden sich hier weitere Befallsstellen an?
Dann wäre der Limoncella sogar in die Kategorie außerordentlich krebsempfindlich einzustufen.
Fördert die Unterlage MM111 die Entstehung von Krebs in irgendeiner Weise?
Titel: Re: Apfelsorten aus Süd- und Westeuropa
Beitrag von: b-hoernchen am 07. Januar 2018, 18:24:20
Der neue Baumaux-Katalog ist da und das Sortiment an alten französischen Apfelsorten ist noch einmal erweitert worden.
Rausgeflogen sind Fenouillet Gris, Sans Pareil de Peasgood und schon vor ein paar Jahren der Limoncella, im Sortiment geblieben sind Patte de Loup und Court Pendu Gris,.

Aktuell umfasst das Angebot außerdem:
Pomme Grand-Mère, Rambour de Lorraine, Bonne Hotture, Api Rouge, Reinette Blanche du Canada, Châtaignier, Reinette Jules Labitte, Teint Frais, Troche de la Caillère, Ramane, Grain d'Or, Reinette de Cuzy, Pomme Troche (Reinette Verte), Belle Fille de Salins (angeblich ein Spätblüher), Court Pendu Rouge, Pomme de'l Estre (Reinette de Brives).

Die Bäume sind durchgehend auf "M106 veredelt", was vielleicht ein Schreibfehler ist, ich kenne nur MM106 -?

Grüne Kanadarenette (Halbstamm auf Sämling) habe ich schon vor ein paar Jahren auf der Bauerwiese gepflanzt. Kennt jemand die eine oder andere der angebotenen Sorten? Ich kann ja nicht alle auprobieren... würde aber nach den bisherigen Erfahrungen eventuell einen Baum, der mich mehr nervt, als dass er mir Freude macht, rauswerfen, z. B. meine Zuccalmagliorenette, um Platz zu machen für was Besseres.
Titel: Re: Apfelsorten aus Süd- und Westeuropa
Beitrag von: Mediterraneus am 11. Januar 2018, 16:26:33
Den "Lothringer Rambour" gibt's auch bei uns (Ritthaler)
Man müsste erst mal klären, ob die Sorten ggf. Synonyme von uns bekannten Sorten sind.

Klingt aber sehr spannend, mal sehen, ob ich noch einen Katalog bekomme (hab schon Jahre nicht mehr bestellt)
Titel: Re: Apfelsorten aus Süd- und Westeuropa
Beitrag von: mybee am 12. Januar 2018, 16:25:26
 :D
Danke b-hoernchen für die Erinnerung an Graines Baumaux. Und da zur Zeit gerade eine ganze Menge der genannten Sorten im Preis herabgesetzt sind, konnte ich nicht widerstehen und habe für meinen privaten "verger expérimental"
eingekauft u.a. den 'Patte de Loup', sowie den "muskierten" 'Fenouillet Gris'.
Titel: Re: Apfelsorten aus Süd- und Westeuropa
Beitrag von: mybee am 12. Januar 2018, 16:51:51
Zur Frage nach den deutschen Namen der Sorten:

'Rambour de Lorraine'  = Lothringer Rambur, Backapfel, Breitarsch; meiner Meinung nach mehr ein Wirtschaftsafel, guter Backapfel

'Reinette Blanche du Canada' = (Weiße) Kanadarenette

'Court pendu rouge'  = Königlicher Kurzstiel) einige Var.  rouge (roter), royal (königlicher)..
'Court pendu gris'  = Grauer Kurzstiel
'Fenouillet gris'  =  Grauer Fenchelapfel

Von diesen Sorten habe ich nur noch den 'Königlichen Kurzstiel' im Garten, vor 30 Jahren veredelt auf A2.
Der Baum ist kleinkronig, zwar vom Alter gebeugt, aber gesund, wenig anfällig; Spätblüher;
guter Geschmack, wird etwas mürbe bei der Lagerung.
'Kanadarette' hatte ich auch mal auf der Obstwiese, allerdings die 'Graue K.'
Titel: Re: Apfelsorten aus Süd- und Westeuropa
Beitrag von: b-hoernchen am 16. Januar 2018, 19:04:46
Und da frag' ich  mich gerade, ob ich vielleicht den Court Pendu Gris mit dem Fenouillet Gris bei mir verwechselt habe. In der Literatur findet man, der Patte de Loup sein dem Fenouillet Gris sehr ähnlich.
Titel: Re: Apfelsorten aus Süd- und Westeuropa
Beitrag von: mybee am 17. Januar 2018, 14:17:18

Die Beschreibungen deiner "3 musquétiere" lesen sich allerdings sehr ähnlich; die Abb. helfen auch nicht sehr und da die
3 Sorten schon sehr alt sind, gibt es auch etliche Varietäten.
Auf Frutiers(dot)net schreibt jemand, dass die Pomologen im 18.Jhd. 'Court pendu gris' und 'Fenouillet gris' als eine Sorte
angesehen haben, dies sei aber eindeutig falsch. Dem 'Fenouillet gris' fehle die spürbare Säure (complétement doux); das
liest man auch an anderer Stelle (sans aucune acidité).
Zwischen dem 'Patte de Loup' und dem 'Fenouillet' vermuten einige Autoren eine Verbindung. Aber könnte man nicht den
'Patte de Loup' an diesen charakteristischen halbmondförmigen Vernarbungen identifizieren.

also 'Court pendu gris' mit Säure, 'Fenouillet "ohne" Säure, 'Patte de Loup' (manchmal) mit Narbe

Eine gute Gelegenheit um Deine pomolgischen Kenntnisse weiter zu schulen :D
Titel: Re: Apfelsorten aus Süd- und Westeuropa
Beitrag von: b-hoernchen am 17. Januar 2018, 22:58:03
Ich dachte daran, dass der bei mir der als "Court Pendu Gris" etikettierte Baum eine Frucht trägt, die genauso total berostet, bronzefarben ist, wie der Patte de Loup - und auch von Konsistenz (knackig-fest) und Geschmack habe ich nicht direkt einen Unterschied gespürt. Ich war mir dann so unsicher, dass ich darauf verzichtet habe, die Verkostung des sogenannten "Court Pendu Gris" hier zu schildern.

Dagegen war die Frucht des als "Fenouillet Gris" etikettierten Baums gelb, kaum berostet - und von der Konsistenz ganz anders (mehlig-trocken, locker).

Jetzt wird aber gerade der Court Pendu Gris in der Literatur als Apfel mit gelber Grundfarbe beschrieben  und er Fenouillet Gris als ähnlich zum Patte de Loup ... . Habe ich, als ich meine eigenen haltbaren Etiketten gefertigt habe, vielleicht gemurkst?
Wenigstens beim bereits früher in meinen Garten gekommenen Patte de Loup bin ich mir sicher... .

Weil ich so gar keinen Geschmacksunterschied zwischen dem Patte de Loup und dem als "Court Pendu Gris" etikettierten Apfel (der vielleicht ein "Fenouillet Gris" ist) gespürt habe, habe ich mich schon gefragt, ob die Neigung des Patte de Loup zur Narbe eventuell eine Virusinfektion ist, die mit der Sorte vermehrt wird und der andere einfach die virusfreie Form derselben Sorte -?

Jedenfalls machst du mit dem Patte de Loup nichts falsch, wenn du in einer einigermaßen warmen Gegend Deutschlands wohnst.  Das ist  diejenige der historischen Apfelsorten, die mich am meisten bislang überzeugt haben: Gute Resistenz (wie's aussieht auch gegen Marssonina), super-lagerbar (Anfang des Jahres den letzten Apfel gegessen, knackig und in wesentlich besserem Zustand als Zabergäu zur gleichen Zeit), Spätblüher und ein süchtig machendes Aroma.
Ich würde dem sogar zutrauen, dass er auf M9 noch passabel knackig und lagerbar ausfällt - das möchte ich ausprobieren - und weil der Patte de Loup so ein Volltreffer war, gleich noch ein paar weitere historische französische Renetten dazu (wofür andere Bäume weichen müssen).
Titel: Re: Apfelsorten aus Süd- und Westeuropa
Beitrag von: mybee am 18. Januar 2018, 08:13:42
Gegen die Unsicherheit, ob man eine Sorte vertauscht hat, kann eine penible Dokumentation helfen, gegen ein Verwechseln beim Lieferanten nichts. Da hat wohl jeder schon Lehrgeld bezahlt.

Falls mein bestellter 'Fenouillet gris' mal eines Tages Früchte trägt, können wir ja vergleichen. Grauäpfel sind aber sowieso immer schwer optisch zu unterscheiden. Nach ein paar weiteren Generationen von Früchten siehst Du bestimmt klarer.

Ein deutsche Beschreibung vom 'Court pendu gris' findet sich u.a. auf obstgarten(dot)biz unter 'Grauer Kurzstiel'
Titel: Re: Apfelsorten aus Süd- und Westeuropa
Beitrag von: mybee am 18. Januar 2018, 09:31:49
Was wäre denn mit einem Mehrsortenbaum: die drei Sorten und dazu noch 'Graue Französiche Renette' und/oder
'Damasonrenette' (Diskussion, ob verschiedene Sorten oder Cultivar war schon).
Damit könnte man nicht nur sich selbst, sondern fast jeden Pomologen in Verzweiflung stürzen  ;D
Titel: Re: Apfelsorten aus Süd- und Westeuropa
Beitrag von: mybee am 20. Januar 2018, 11:09:19
weiter im Monolog

Eine andere spannende Sorte aus dieser französichen Baumschule ist

'Bénédictin', die schreiben "einer der besten Äpfel".
Als Synonym finde ich aber auch 'Blenheim Orange', also unsere 'Goldrenette von Blenheim'.
 
Die Sorte finde ich noch gut; besonders der Saft / Most schmeckt. Bei der Beurteilung einer Sorte kommt es aber immer auf
den Standort des Baumes (und den Gaumen des Testers) an.
Titel: Re: Apfelsorten aus Süd- und Westeuropa
Beitrag von: Frühling am 20. Januar 2018, 11:33:50
Diese Seite koennte dich interessieren http://www.pommiers.com/pomme/pommier.htm Dort findet man fast alle Sorten die in Frankreich angebaut wurden und werden. Eine meiner Lieblingsseiten. :D
Titel: Re: Apfelsorten aus Süd- und Westeuropa
Beitrag von: mybee am 20. Januar 2018, 12:45:11
merci  :-*

dann kennst sicher auch pomologie(dot)com
Titel: Re: Apfelsorten aus Süd- und Westeuropa
Beitrag von: BernerRosenapfel am 20. Januar 2018, 15:54:25
Die Liste ist sehr beeindruckend und sie mag weitgehend vollständig sein, die dort angegebenen Lieferanten sind es nicht. Das ist für allem für Besteller aus dem Ausland wichtig, weil manche französische Betriebe entweder nicht ins Ausland liefern oder sehr hohe Transportgebühren nehmen.

Ich habe meine französischen Bäume, darunter eine Belle Fille de L'Indre und eine Reinette d'Armorique, bei einem größeren Betrieb gekauft, der dort nicht erscheint.

Titel: Re: Apfelsorten aus Süd- und Westeuropa
Beitrag von: b-hoernchen am 21. Januar 2018, 12:16:30
Und da ist sie wieder, die ominöse Unterlage "M106":
http://www.pommiers.com/pomme/pommier.htm:
"M7, vigueur moyenne, polyvalent (peu sensible au calcaire), bon acrage des racines, mise à fruit moins rapide que M9 ou M106"

- ist zwar jetzt nicht genau on-topic, aber auch nicht ganz daneben, da Graines Baumaux, eine der wichtigsten kommerziellen Quellen für den Patte de Loup, die Sorte auf "M106" anbietet und ich gerade wieder gefragt werde, wie trockenheitsverträglich der Baum sei... .
Titel: Re: Apfelsorten aus Süd- und Westeuropa
Beitrag von: mybee am 02. März 2018, 11:07:31
Auf dem Etikett des 'Patte de loup' von Graines Baumaux lese ich MM106, allerdings übel in den Strichcode hineingedruckt.
Meines Wissens geht die Malling Serie von M1 bis M27, die Merton Malling Serie von MM101 bis MM115 bzw. MM116 (2001), dh. korrekt ist MM106.

Auf MM106 habe ich in den 1980er Jahren einige Bäume veredelt, die bisher auch die jetzt vermehrt bei uns auftretenden Trockenperioden im Frühjahr/Frühsommer gut überstanden haben. Die Unterlage ist also in einem gewissen Rahmen anpassungsfähig. Sie soll empfindlicher auf Nässe reagieren, braucht gut durchlässige Böden. MM106 ist widerstandsfähig gegen Blutlaus, frosthart, bringt guten spezifischen Ertrag, ist aber anfällig für Kragenfäule u. braucht einen Pfahl.

Den 'Patte de loup' gibt es auch in Deutschland, beim Ritth...., dort auch als Edelreis (wenn nicht "zur Zeit nicht lieferbar") ???
Titel: Re: Apfelsorten aus Süd- und Westeuropa
Beitrag von: Rib-isel am 02. März 2018, 11:30:52
Patte de loup? Coooool! ich habe mir heuer einen Edelreis gekauft. Einfach nur genial, der Apfel! Ja, ich habe ihn beim --->Ritthaler<--- gekauft. Wieso hast du Probleme namen zu nennen? ;D

Das war eher ein Zufall, wie ich auf ihn gestoßen bin. Ich stehe ja auf solche "kaputten" Sorten. Ich habe den Namen gegooglet und stieß auf coole Bilder. Ein Apfel, der nie in einem modernen Supermarkt eine Chance haben wird.

Patte de loup (Wolfspfote, Weil er manchmal Narben bildet, die wie vom Wolf gemacht aussehen)

https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/9/9e/Pomme_patte_de_loup.JPG
Titel: Re: Apfelsorten aus Süd- und Westeuropa
Beitrag von: b-hoernchen am 02. Juni 2018, 20:58:49
Da sieht man, wie warm es geworden ist. Die Sorte wurde früher als grösstenteils ungeeignet bezeichnet, sie reife in Deutschland nicht aus.
April 2018 um 5°C über dem längjährigen Mittel, Mai 2018 ca. 4° darüber... wir liegen in Deutschland damit derzeit über den Temperaturen, die in der französioschen Heimat für den Patte de Loup normal sind (waren).

Hier die mittleren Temperaturen im département Maine et Loire von Januar bis Dezember (aus Wikipedia):
Températures moyennes du département (°C)    4,5    5,4    7,8    10,1    13,4    16,6    18,6    18,4    16,2    12,2    7,6    5,4    11,3;

Durchschnittstemperaturen für Deutschland - April 2018: 12,4°C;  Mai 2018: 16°C;

Wenn das so weitergeht, dann darf ich mich, bis die Bäume in Vollertrag sind, um Kakis und Orangen umsehen... .

Titel: Re: Apfelsorten aus Süd- und Westeuropa
Beitrag von: b-hoernchen am 22. November 2018, 19:31:36
Dieses Jahr hat der Patte de Loup bei mir nur drei Winzäpfel hervorgebracht, nachdem ihn letztes Jahr ein Sturm samt Pfahl direkt über dem Boden im rechten Winkel geknickt hat... .
Tja - besser ein paar Euro mehr für einen guten Edelkastanienpfahl ausgeben!

Was aber dieses Jahr bereits gefruchtet hat ist die Veredelung des Pomme Châtaignier auf Rote Sternenrenette/M9.

Meine Rote Sternenrenette auf M9 hat bislang noch nicht viel und nix Gescheites zustande gebracht, deshalb habe ich den Baum kurzerhand zum Träger diverser anderer Sorten umfunktioniert.

Fruchtbar ist er auf alle Fälle, der Pomme Châtaignier, wenn bereits das frisch veredelte einjährige Reis Früchte trägt. Von den vier oder fünf beruchteten Blüten habe ich zwei stehengelassen und heranreifen gelassen - ja die Neugierde!

Der erste Eindruck: Dieser Apfel taugt nichts für schwache Unterlagen - die Früchte sind innen glasig, reif wird er sehr spät (Ernte Anfang November, und das in diesem Hitzejahr!). Ansonsten dichtes, feinzelliges Fleisch, passabel gutes Apfelaroma ohne besondere Auffälligkeiten.
Ich sag' mal - ein interssanter Apfel für Zeiten des Klimawandels, wo Wärmebedürftigkeit und Hitzetoleranz immer wichtiger werden, aber bitte auf stärkerer Wurzel.

Ach ja, Marssonina coronaria scheint auch kein größeres Problem zu sein - hoffentlich bleibt das so...!
Titel: Re: Apfelsorten aus Süd- und Westeuropa
Beitrag von: b-hoernchen am 22. November 2018, 19:49:14
Was machen meine anderen Süd- und Westeuropäischen Apfelsorten?

Limoncella hat, nachedem ich ihm letzten Winter ein Krebsgeschwür rausgezwickt habe, auch dieses Jahr wieder getragen, nicht übermäßig viel, aber regelmäßig, so mein Eindruck.

Die kleinen Früchte haben dieses in der Tat besondere, starke und würzige "Limoncella-Aroma", das irgendwie ähnlich wie Golden Delicious ist, aber doch auch anders; ein eher süßer Apfel. Ansonsten froh wachsend auf MM111. Ich hab' nicht viel Platz und musste dem Baum im Sommerschnitt wieder den meisten Zuwachs wegschneiden.
Kein chemischer Pflanzenschutz - und anscheindend auch keiner nötig. Nur auf die große Krebsanfälligkeit würde ich achten und  würde, wenn ich den Baum heute in meinen Tonboden pflanzte, eine große Setzgrube ausheben und viel Sand untermischen.
Titel: Re: Apfelsorten aus Süd- und Westeuropa
Beitrag von: b-hoernchen am 22. Dezember 2018, 22:40:53
Heute habe ich am Limoncellabaum mindestens drei weitere Krebsgeschwüre entdeckt. Das eine, das ich bisher schon weggezwickt hatte, war also nicht nur ein Ausrutscher des jungen Baumes - die Krebsanfälligkeit ist bei dieser Sorte offenbar Programm!

Ich werde den Baum wohl raushauen und mich von der Sorte trennen, möchte keine Krebssporenschleuder im Garten haben.
Einerseits schade, aber ich will's mal positiv sehen - neuer Platz für einen der selbstveredelten Bäume aus meiner privaten Baumschule.
Titel: Re: Apfelsorten aus Süd- und Westeuropa
Beitrag von: b-hoernchen am 28. Dezember 2018, 19:31:26
Heute war ich nach längerer Zeit wieder auf meiner Obstwiese und fand zu meiner Überraschung einen noch genießbaren Apfel unter dem heuer gesetzten "Pomme de l'Estre". Ich hatte schon gesehen gehabt, dass der an der einjährigen Veredelung (auf MM106) fruchtet und - unvernünftig wie ich bin - die Früchte natürlich dran gelassen. Im Oktober wollte ich ihnen noch ein paar Sonnenstrahlen und kühle Nächte gönnen - tja und dann ist es Ende Dezember geworden, ehe ich wieder nachschauen konnte. Ein Apfel hing noch, war bereits in Gärung übergegangen, zwei lagen innerhalb des Verbissschutzes aus Draht am Stamm, einer davon war tadellos.

Hält also auch eine ganze Menge Frost aus, diese Frucht; dürfte schon mal knapp zweistellig gefroren haben, da oben auf der Wiese.

Mit nach Hause genommen, den Baumaux - Katalog genommen und mit der Abbildung verglichen: Ja, das ist er! Glatte Schale, die stumpfkegelige Form, die Zeichnung der Schale, die Größe (wirklich außerordentlich für eine einjährige Veredelung, dass sie bereits drei Äpfel in Tafelobstgröße hervorbringt!).
Und dann probiert: Der schmeckt saugut! Was im Katalog steht, stimmt! Sehr gutes weißes Fleisch, knackig, saftig mit einem für historische Apfelsorten außergewöhnlich gutem Aroma! Säure und Zucker ausgwogen, man merkt, dass man einen Lagerapfel isst, der zeigt noch nicht die geringsten Anzeichen abzubauen oder trocken zu werden. Ob er freilich, wie im Katalog beworben, bis Juni haltbar ist, das kann ich nicht sagen. Er war jetzt zumindest schon genussreif.
Und offenbar auch noch extrem ertragswütig... leider ist der Baum auf dem Feld natürlich kaum gewachsen, wo ich ihm im Jahr der Pflanzung eine Ernte abverlangt habe. Die Sorte ist im Limousin verbreitet und dürfte damit bei uns eventuell dem Klimawandel noch ein paar Jahre länger trotzen als Sorten, die es lieber kühler mögen.
Titel: Re: Apfelsorten aus Süd- und Westeuropa
Beitrag von: b-hoernchen am 03. Januar 2019, 17:55:47
Hab' vor ein paar Tagen den neuen Baumauxkatalog bekommen - und war schockiert:
Das gesamte Sortiment an alten Apfelsorten gestrichen! Fast nur mehr Säulenbäume, an normalwüchsigen Äpfel waren, glaub' ich, nur mehr Baya Marisa und Luberas Calypso und Odysso drin, alles andere weg.

Damit fällt Baumaux als Lieferant alter französischer und intalienischer Sorten flach. Nicht, dass alles Gold gewesen wäre, was sie angeboten hatten - siehe den krebsanfälligen und trockenen Limoncella. Aber einiges war doch, glaube ich, mit Liebe und Sachkenntnis ins Programm aufgenommen worden und das Ausprobieren wert.

Wenigstens habe ich mir noch ein paar Muster besorgt, als es sie noch gab... .

Wer wüsste jetzt noch Baumschulen, die alte französische Sorten nach Deutschland liefern?

(OT: Der gleiche Kahlschlag hat vor ein paar Jahren schon bei den Pfirsichen und Aprikosen stattgefunden. Als letzte ist noch die "Pêche de Nancy" auf Sämlingsunterlage geblieben, aber sonst - Katastrophe!)
Titel: Re: Apfelsorten aus Süd- und Westeuropa
Beitrag von: Ayamo am 09. Januar 2019, 23:33:30
Hallo B-hoernchen,

danke für die Berichte, sogar standhaft mehrere Posts hintereinander.
Interessant zu lesen. Noch sind wir hier weiter nördlich noch nicht ganz so weit, es war letzten Sommer unsäglich warm, aber sicherlich ist das noch nicht für jedes Jahr so zu erwarten. Aber vielleicht in 10/ 15 Jahren?
Es kann natürlich auch sein, dass man irgendwann mal umzieht, und in einem neuen - natürlich größeren  :D - Garten neue Sorten und neue Schädlinge ausprobieren darf.

Danke jedenfalls
Ayamo
Titel: Re: Apfelsorten aus Süd- und Westeuropa
Beitrag von: Waldgärtner am 04. Juni 2019, 22:13:48

Wer wüsste jetzt noch Baumschulen, die alte französische Sorten nach Deutschland liefern?


Weiß hier noch jemand was dazu?
Titel: Re: Apfelsorten aus Süd- und Westeuropa
Beitrag von: b-hoernchen am 04. August 2019, 21:49:34
Am Patte de Loup zeigt sich mittlerweile schon die typische Narbe:
Titel: Re: Apfelsorten aus Süd- und Westeuropa
Beitrag von: b-hoernchen am 04. August 2019, 21:54:07
Sie verläuft meist äquatorial.
Einer von ca. 20 Äpfeln zeigt diese Narbe - hier an einer Veredelung von Patte de Loup auf M9, die heuer das erste Mal trägt:
Titel: Re: Apfelsorten aus Süd- und Westeuropa
Beitrag von: Rib-isel am 04. August 2019, 22:22:54
Den hole ich mir auch irgendwann :)
Titel: Re: Apfelsorten aus Süd- und Westeuropa
Beitrag von: mybee am 04. August 2019, 22:32:55
Genau die gleiche Narbe hatten im letzten Jahr die Hälfte meiner "Grauäpfel". Ob die lange Trockenheit mit einem einmaligen starken Regen die Ursache war oder ob es sich bei dem Baum um einen 'Patte de Loup' handelt, muß ich noch weiter beobachten. Dieses Jahr trägt der Baum keinen einzigen Apfel.
Titel: Re: Apfelsorten aus Süd- und Westeuropa
Beitrag von: b-hoernchen am 06. August 2019, 12:57:56
Den Patte de Loup habe ich mittlerweile rauf und runter veredelt - fast die ganze Litanei der Unterlagen: Auf M9, M26, M7, MM111 und auf Bittenfelder Sämling. Dazu noch das "Original" auf MM106 von Baumaux.... .

Den auf Sämling will ich auf die Bauernwiese am Wassergraben setzen, der auf M9 soll als Experimentierbaum (Alte Sorten auf schwachen Füßen...) im Garten beobachtet werden und ansonsten möchte ich mir minestens einen auf M26 und einen der selber veredelten auf mittelstarker Unterlage  behalten (wenn denn das Orginal auf MM106 eines Tages Opfer von Kragenfäule werden sollte...).

Da fällt mir nur die Wahl schwer - M7 oder MM111... ?
Titel: Re: Apfelsorten aus Süd- und Westeuropa
Beitrag von: b-hoernchen am 12. Oktober 2019, 18:53:56
Auch der Grand-Mère hat mittlerweile zwei Probieräpfel abgeliefert.

Vorgestern lagen sie am Boden, eine weitere Baumreife war nicht mehr möglich.

Einer war beschädigt und musste gleich verzehrt werden.

Hier der verbliebene Apfel:
Titel: Re: Apfelsorten aus Süd- und Westeuropa
Beitrag von: b-hoernchen am 12. Oktober 2019, 18:55:36
Die Form des Apfels stimmt mit der Abbildung im Baumaux-Katalog überein, die Farbe nicht.

Hier die Unterseite:
Titel: Re: Apfelsorten aus Süd- und Westeuropa
Beitrag von: b-hoernchen am 12. Oktober 2019, 19:04:15
Die Schale fühlt sich ausgesprochen trocken, fast wie "gummiert" an. Ich kenne nur eine weiteren haptisch ähnlichen Apfel - den Adersleber Kalvill.

Nicht nur das, auch der Geschmack lässt an eine Kreuzung zwischen dem Kalvill und einer Renette denken. Der bereits verkostete beschädigte Apfel erschien pflückreif.

Von der Seite:
Titel: Re: Apfelsorten aus Süd- und Westeuropa
Beitrag von: BernerRosenapfel am 13. Oktober 2019, 15:58:22
Ein kurzer Einblick in ein paar meiner französischen Sorten:

- Belle Fille de l'Indre: Beginnt allmählich pflückreif zu werden. Sehr fruchtiger Apfel mit einer schönen Kombination von Süße und Säure. Trägt seinen Namen zu recht: Das "schöne Mädchen" ist wirklich sehr ansehnlich. Einer meiner liebsten Winteräpfel.
- Fenouillet Gris: Der "Graue Fenchelapfel" war dieses Jahr (noch) eine Enttäuschung: Große, aber nicht der sehr geschmacksintensive Früchte, die schnell mehlig wurden. Da der Baum noch sehr jung ist, muss man den ersten Eindruck nicht sehr hoch hängen, sondern die nächsten Jahre abwarten.
- Reinette d'Armorique: Stammt aus dem Westen Frankreichs und wird dort vor allem für die Herstellung von Cidre genutzt. Auch optisch ein typischer robuster Landapfel, den ich vorwiegend zur Herstellung von Apfelwein verwende. Schmeckt gar nicht schlecht, ist aber nicht unbedingt ein Tafelapfel.
- Reinette des Capucins: In einer französischen Beschreibung habe ich einmal gelesen: Wer nur eine Apfelsorte anbauen wolle, solle zur "Kapuzinerrenette" (nicht zur verwechseln mit der Karmeliterrenette) greifen. Die eigne sich für alle Verwendungen. Das ist vielleicht etwas übertrieben, aber der Apfel besitzt einen sehr ausgeprägten, sehr eigenen Geschmack. Eine feste Frucht, die nicht so schnell mehlig wird.

Gruß
BR
Titel: Re: Apfelsorten aus Süd- und Westeuropa
Beitrag von: b-hoernchen am 13. Oktober 2019, 19:24:38
Der Fenouillet Gris ist dieses Jahr bei mir auch etwas säuerlich im Vergleich zum letzten Jahr, als er dem Patte de Loup im Geschmack sehr glich. Diese Aussage bezieht sich auf Äpfel, die ich von einer Eigenveredlung auf M9 geerntet habe. Die auf dem Originalbaum von Baumaux (auf MM106) hängen noch, stehen aber mittlerweile sehr im Schatten einer Großen Grünen Reneklode.

Ich muss dazu noch sagen, dass ich tatsächlich die Etiketten vertauscht habe, als ich dem Fenouillet Gris und den Court Pendu Gris meine eigenen, selbstgefertigten Etiketten umgehängt habe.
Cydorian hat den Irrtum aufgeklärt, hier nochmal vielen Dank!

Also - der Apfel, den ich früher als Court Pendu Gris bezeichnet habe, ist in Wirklichkeit der Fenouillet Gris und umgekehrt!

Hast du deine Bäume auch von Baumaux, Berner Rosenapfel? Auf welchen Unterlagen stehen sie bei dir?

Titel: Re: Apfelsorten aus Süd- und Westeuropa
Beitrag von: BernerRosenapfel am 13. Oktober 2019, 23:02:46
Ich hatte die Bäume (es gibt noch andere "Franzosen" in meinem Garten) überwiegend von einer französischen Baumschule, die ich im Internet nicht mehr finde. Vielleicht existiert sie nicht mehr.

Die Bäume stehen überwiegend auf MM106, die in Frankreich sehr verbreitet ist. Die Kapuzinerrenette, die ich in Deutschland gekauft habe, könnte eine M7 sein. Müsste ich nachschauen, habe die Unterlagen gerade nicht zur Hand.

In der französischen Literatur finden sich Hinweise auf eine Verwandtschaft schon Fenouillet Gris und Patte de Loup. Weiß jemand etwas Genaues?

Gruß
BR