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Pflanzenwelt => Obst-Forum => Thema gestartet von: Artessa am 27. September 2020, 10:47:41

Titel: Apfelbaum retten
Beitrag von: Artessa am 27. September 2020, 10:47:41
ich könnte heulen.....der 7 Jahre alte Dülmer Rosenapfel wurde vom Enkelsohn "bearbeitet". Er hatte vor ca. 9 Wochen die Rinde von ca. 80 cm Höhe bis unten in einem ca. 6 bis 7 cm breitem Streifen abgezogen.....

Irgendwo las ich eine Anleitung den Schaden zu begrenzen. Danach wickelte ich den Baumstamm rundherum mit Klarsichtfolie und ebenso rundherum zur Schattenbildung Handtücher.

Nun entfernte ich gestern den "Wundverband".....meine Enttäuschung ist gross. Es zeigt sich ein weißlicher schmieriger Belag.

Was kann ich jetzt tun? Hat der Baum eine Überlebenschance? Es ist ein früher sehr wohlschmeckender Tafelapfel. In diesem Jahr konnte ich nach 7-jähriger Pflege die ersten, aber reichlichen Äpfel ernten.

Titel: Re: Apfelbaum retten
Beitrag von: Artessa am 27. September 2020, 10:52:14
.........
Titel: Re: Apfelbaum retten
Beitrag von: cydorian am 27. September 2020, 10:54:48
Es könnte es durchaus schaffen. Für Schatten sorgen war gut, mit Folie ein feuchtes Klima schaffen war schlecht. Lass jetzt mal alles offen stehen, nichts weiter dran rummachen.

Drahthosen sind nicht nur gegen Wildverbiss gut, sondern auch gegen manch anderen Schädling :-)
Titel: Re: Apfelbaum retten
Beitrag von: Rib-isel am 27. September 2020, 11:02:36
Die Folie hat eine Atmung der Rinde vehindert und das Schimmelwachstum gefördert.

Ich würde dem Baum gute Chance  geben wollen.

So etwas muss trocken und luftig gehalten werden. Ich kann auf den Bildern nicht genau sehen, ob das Holz frei liegt oder ob der Bast am Holz aufliegt.

Wenn das Holz frei liegt, würde ich die Kanten der Rinde mit Baumwachs, wie Lauril, einschmieren und dabei das freie Holz auch frei halten. Ein komplettes einschmieren ist da eher kontraproduktiv.
Liegt der Bast noch auf, würde ich nichts machen. Das kann sich über die Zeit hinweg auch wieder verwachsen.
Titel: Re: Apfelbaum retten
Beitrag von: willi2000 am 27. September 2020, 12:06:00
Rictiger wäre ein mit Jute ode anderen Textilien fixierter Lehmverband gewesen.

Gruss,
Titel: Re: Apfelbaum retten
Beitrag von: Natternkopf am 27. September 2020, 12:50:21
Salü Artessa

"Abschruppen" mit einen feinen Bürste. Muss nicht alles weg sein.
Druck auf die Bürste in der Art wie wenn es dein Unterarm wäre.

Schau mal hier rein:
Rindenschaden am Baumstamm / gartenpur.de

Ein Admin könnte das gleich am obigen Thread anhängen.

Grüsse Natternkopf
Titel: Re: Apfelbaum retten
Beitrag von: JörgHSK am 27. September 2020, 17:02:53
na ganz so verkehrt kann die Folie nicht gewesen sein. Ich plädiere zwar auch immer wieder für den Lehmverband, aber der Folienverband ist ein gängiges Verfahren, welches auch viel von den Gemeinden angewendet wird. Dieser Verband sollte sofort drauf, die Rinde sollte leicht feucht sein und der muss ein jahr drauf bleiben.

Aber vielleicht kann man zusammen mit dem Enkelsohn den Lehm anmischen, und die Stelle damit einschmieren/einpacken. Zusätzlich noch Mullbinde als Fixierung.
Titel: Re: Apfelbaum retten
Beitrag von: Starking007 am 27. September 2020, 17:10:08
Ich habe schon mehrfach mit Folie
Rinde an Bäume, die auf 1m Länge
Null Stammkontakt mehr hatte,
wieder drangekriegt.
Aber sofort.
Mal wieder runtergeschoben (Schlupf hatte sie abgezogen),
mal wieder hingeklappt, stand seitlich weg wie ein Schutzrohr.

Aber da das nun länger her ist, würde ich auch Jute nehmen.
Erst unter 10% verbliebene Rinde wird es richtig Ernst.
Titel: Re: Apfelbaum retten
Beitrag von: Artessa am 30. September 2020, 13:02:37
vielen Dank für Eure Anregungen. Aber schwierig dennoch, davon eine Auswahl zu treffen.

@ Rib-isel ...an den Kanten der Rinde liegt der Bast nicht auf. Wäre es sinnvoll das Abstehende erst wegzuschneiden, um dann die frischen Wunden mit Baumwachs zu versorgen?

@ Natternkopf .....danke für den Link und ja, ich gehe gleich los und versuche die freie Fläche mit eine weichen Bürste vom Belag zu befreien, falls überhaupt noch vorhanden. Das weiß ich im Moment gar nicht. Aber mal sehen....

Der Lehmverband besteht aus lehmhaltiger feuchter Gartenerde, richtig? Sind da keine Bakterien u.s.w. drin, die mehr schaden als nutzen? Irgendwie gruselt es mich davor....
Wenn Ihr dennoch den Lehmverband trotz meiner Bedenken für nützlich erachtet, lege ich ihn dann auch noch an...

Tja, das Enkelkind ist immer nur zu Besuch in größeren Zeitabständen da. Aber es war und ist ein Thema zwischen uns.
Wildverbiss kann nicht geschehen. Die Streuobstwiese ist umgeben mit einem hohen Wildschutzzaun. Da hat es in den 7 Jahren keine Schäden gegeben.

Noch mal, vielen Dank für Eure Unterstützung.

Gruss,
artessa
Titel: Re: Apfelbaum retten
Beitrag von: Rib-isel am 30. September 2020, 13:31:05
Ich denke an den Kanten wird sich ein gewisser Kallus (Wundgewebe) gebildet haben. Diesen jetzt zu entfernen halte ich für keine gute Idee. Der Baum hätte über Monate eine offene Wunde. Baumwachs dient nicht dazu die Wunde zu schließen, so dass keine Pilze eindringen können. In den meisten Wachse sind keine Fungizide enthalten.

Ein Zurückschneiden der Kanten würde ich erst nach der nächsten Blüte machen. Dann ist das Immunsystem wieder auf turen und der Baum wächst wieder.

Kommt auch auf die Länge der Kanten an. 1 cm Kanten sind nicht das Problem. Es gibt auch die buchstäbliche Hammermethode die Rinde festzunageln. Das macht man bei recht großen losen Rindenflächen. Ist aber umstritten. Auch auf vernünftige Edelstahlnägel ist zu achten.
Andere binden die Rinde lieber fest. Da muss man wieder aufpassen, das man den Baum nicht erwürgt.
Titel: Re: Apfelbaum retten
Beitrag von: ringlo am 30. September 2020, 13:39:41
Ein Nachtrag zum
Lehmverband
Titel: Re: Apfelbaum retten
Beitrag von: thuja thujon am 30. September 2020, 20:22:34
In dem Link zum Lehmverband fehlen leider die Bilder die die Wirkung belegen.

Ich hatte mal folgendes geschrieben:
Frische Wunden kann man noch behandeln. Diese hier ist mir früh genug aufgefallen, mal eine kurze Doku:
3.5.18:
(http://up.picr.de/33627126fa.jpg)

auch Querriss an der Veredlungsstelle:
(http://up.picr.de/33627127lg.jpg)

umgehend mit Schnur zusammengebunden und mit Floristenband abgedichtet:
(http://up.picr.de/33627128kf.jpg)

am 2.7. den Verband abgenommen, dass er nicht weiter einschnürt
(http://up.picr.de/33627129ko.jpg)

auch unten quer ist wieder frisches Kambium da
(http://up.picr.de/33627130pl.jpg)

am 21.8. ist soweit wieder alles ok
(http://up.picr.de/33627131cs.jpg)

Foto des Baumes vom 12.8., die Früchte sehen noch ok aus, bleibt abzuwarten, wie stark er nächstes Jahr wieder austreibt
(http://up.picr.de/33627132vv.jpg)

Wenn ich nochmal frische Wunden entdecken sollte, würde ich wieder so vorgehen.
Titel: Re: Apfelbaum retten
Beitrag von: Miikkee am 01. Oktober 2020, 18:37:17
ich könnte heulen.....der 7 Jahre alte Dülmer Rosenapfel wurde vom Enkelsohn "bearbeitet". Er hatte vor ca. 9 Wochen die Rinde von ca. 80 cm Höhe bis unten in einem ca. 6 bis 7 cm breitem Streifen abgezogen.....

Direkt enterbt  ;D

Drahthosen sind nicht nur gegen Wildverbiss gut, sondern auch gegen manch anderen Schädling :-)

Auch mein erster Gedanke ;D
Titel: Re: Apfelbaum retten
Beitrag von: Bufo am 01. Oktober 2020, 19:59:03
Ein Hinweis zum Floristenband scheint mir da noch wichtig zu sein:
Auf den ersten Blick scheint das Zeug nicht ordentlich zu kleben. Erst durch eine leichte Dehnung + die Wärme des Daumens beim Andrücken wird die Klebeschicht aktviert. Dann klebt es wie Hulle und hält ordentlich.