garten-pur

Pflanzenwelt => Obst-Forum => Thema gestartet von: frida am 29. September 2005, 18:10:32

Titel: Winterapfel / Lagerapfel
Beitrag von: frida am 29. September 2005, 18:10:32
Hallo miteinander, wir möchten gerne in unserem Schrebergarten eine späte Apfelsorte pflanzen, da wir bereits einen Klarapfel haben und (an anderer Stelle) einen Holsteiner Cox (für mich der leckerste Apfel schlechthin), die beide mehr oder weniger rasch gegessen werden. Im Schrebergarten steht noch ein unbekannter Apfel, möglicherweise ein Altländer Pfannkuchenapfel. Jedenfalls suchen wir eine Sorte als Ergänzung, die bis ins Frühjahr hinein lagerfähig ist, aber nicht allzu mürbe wird dabei. Geschmacklich gefällt mir die Ananasrenette sehr gut, aber ich habe von Bekannten gehört, daß sie sich nicht so gut lagern ließe. Dann stellt sich ja auch noch die Frage nach der Befruchtersorte, wie weit darf der Befruchter denn höchsten weg sein (im Schrebergarten gibts ja eine Menge Auswahl über das hinaus, was bei uns steht). Theoretisch ist uns der Pilot (eine neue lagerfähige und gegen alles mögliche restitente Sorte) empfohlen worden - weiß jemand hier, wie der schmeckt???
Gruß von Frida
Titel: Re:Winterapfel / Lagerapfel
Beitrag von: Zuccalmaglio am 29. September 2005, 23:06:02
Hallo Frida,
wenn ihr tatsächlich als dritten Baum einen "Altländer Pfannkuchenapfel" haben solltet, so ist das eine bei guten Lagerbedingungen bis Mai haltbare Sorte, die allerdings stark alterniert (fast völliger Ertragsausfall jedes zweite Jahr). Bei eurem Klima müsste er Mitte bis Ende Oktober reifen. Festes, säuerliches Fruchtfleisch mit höchstens schwachem Aroma. Wenn diese Dinge nicht gegeben sind, ist es kein Altländer Pfannkuchen, sondern irgendetwas anderes.

Bei der "Ananasrenette" läuft mir auch das Wasser im Mund zusammen.
Bei guten Lagerbedingungen (kühl, luftig, luftfeucht) kann sie sicher 4 Monate halten. Sie wird auf dem Lager später aber etwas mürbe. Die Früchte sind klein, der Ertrag ist einigermaßen regelmäßig.

Der Baum ist aber ein heikler Pflegling.
Schorf ist kein Problem und die mittlere Mehltauanfälligkeit ist bei eurem Seeklima wohl noch zu vernachlässigen. Nachteiliger ist da schon die Empfänglickeit für Apfelwickler ("Obstmade"), Blutläuse und Krebs. Wegen dem Krebs auch keinesfalls für schwere und daher schlecht wasserdurchlässige Böden geeignet. Ich kann ein Lied davon singen. Aufgrund des schwachen Wuchses muss die Sorte regelmäßig stark geschnitten werden. Deshalb auch nicht auf schwachen Unterlagen wie M9 oder M26 kaufen, sondern besser auf M7 oder MM106.
Die Sorte ist wie viele andere stark feuerbrandanfällig, was aber wiederum in eurem Klima (noch) keine so große Rolle spielen dürfte.

Die Sorte "Pilot" kenne ich persönlich weder als Baum noch als Frucht.
Sie wird aber als sehr hartfleischig beschrieben und soll sich bis
6 Monate lagern lassen. Deshalb wird die Genussreife wohl auch mit ab Februar angegeben. Geschmack säuerlich-süß mit schwachem Aroma.
Mittlere Anfälligkeit für Schorf, Mehltau und Blutlaus. Feuerbrandanfällig.

Eine mittelgroße Langlagersorte mit feinsäuerlichem, fruchtigem Geschmack und gutem Aroma wäre noch "Boikenapfel". Er dürfte bei euch da oben auch problemos erhältlich sein. Die Schorf- und Mehltauanfälligkeit liegt im geringen bis mittleren Bereich. Krebs ist kein Problem. Verträgt auch schweren Boden. Leider alterniert er etwas, wenn auch nicht vollständig. Die Sorte hängt sehr windfest.

Wenn ihr keinen schweren Boden habt, geht als Ersatz für Ananasrenette auch deren Nachkomme "Zuccalmaglio". Weinsäuerlich fruchtig mit sehr gutem Aroma. Die Frucht ist klein bis manchmal mittelgroß. Mittlere bis stärkere Alternanz. Schorf kaum ein Problem, Mehltau bei euch zu vernachlässigen. Starker Rückschnitt erforderlich.
Ernte Ende Oktober. Ca. 4 Monate haltbar.

Die Befruchtung ist in einer Kleingartenanlage kein Problem, da immer
genügend als Pollenspender geeignete Sorten vorhanden sind. Die einzige Ausnahme bilden nur extrem spät blühende Sorten. Die von dir und mir genannten gehören aber nicht dazu.


Titel: Re:Winterapfel / Lagerapfel
Beitrag von: max. am 29. September 2005, 23:15:14
@zuccalmaglio,
Zitat
die allerdings stark alterniert (fast völliger Ertragsausfall jedes zweite Jahr).
sag mal:
ist das mit der alternanz eigentlich ein unumstößliches naturgesetz?
kann man das nicht durch ausdünnen,bzw.blattdüngen steuern? und wie machen das denn die erwerbsbauern? die müssen doch jedes jahr ihre sorten anbieten können.
du siehst, ich kenne mich nicht aus in dem gebiet, aber ein
zuccamaglio-bäumchen habe ich auch.
gruß
Titel: Re:Winterapfel / Lagerapfel
Beitrag von: Zuccalmaglio am 30. September 2005, 08:45:58
Morjen Sauzahn,
unumstößliches Naturgesetz sicher nicht in dem Sinne, das sich die Alternanz, wie von dir schon gesagt, durch rechtzeitiges(!) Ausdünnen und Blattdüngung mildern läßt. Hinzu kommt meines Wissens im Erwerbsobstbau eine kenntnisreiche Erziehung (Schnitt, Binden etc.) der Spindelbaumformen. Näheres dazu kann ich aber nicht sagen. Mit Spindeln und Blattdüngung habe ich mich kaum beschäftigt, da mir die Pyramidenkronen einfach optisch besser gefallen. Mit dem Ausdünnen habe ich selbst ganz gute Erfahrungen gemacht. Aber so ganz bekommt man die (ich vermute genetisch fixierte Disposition zur Alternanz) nicht in den Griff.
Im Erwerbsobstbau geht die Tendenz zudem seit Jahren zu Sorten
(schon in der Züchtung), die regelmäßig tragen. Das ist auch mit ein Grund dafür, das viele geschmacklich interessante Sorten nicht angebaut werden und man im Handel immer ratlos vor den fünf, sechs Einheitssorten steht, die zudem fast alle auf der süßeren Seite angesiedelt sind. Ausnahmen sind Boskop und Granny Smith, weil sie von einem Teil der (älteren?) Verbraucher nach wie vor nachgefragt werden. Boskop ist zwar gut aromatisch und ein guter Küchenapfel,
mir aber zu Anfang zu sauer und später zu mürbe. Außerdem meistens
zu groß für eine Zwischenmahlzeit. Granny Smith ist für mich einfach wie saures Wasser.
Was macht man da, wenn man keinen eigenen Garten hat oder einen
konventionellen oder Bio-Anbauer in der Nähe, der auch einmal mit
ausgefalleneren Sorten experimentiert?
P.S. Mich würde interessieren, wie es bei deinem Zuccalmaglio mit Mehltau aussieht.
Titel: Re:Winterapfel / Lagerapfel
Beitrag von: frida am 30. September 2005, 10:41:09
Hi Zucchalmaggio, von Deinem Namensvetter-Apfel habe ich noch nie gehört! Schweren Boden haben wir eigentlich nicht, wohl aber häufig nasse Füße, da sich der Schrebergarten im Überschwemmungsgebiet befindet (schön fruchtbar) und das Grundwasser ca. 50-60 cm unter der Erde beginnt. Die Äpfelbäume hier scheinen das gut zu vertragen, Kirschen gehen hier kaum. Ob das allerdings für die Ananasrenette hinhaut, wenn die so sensibel ist?
Mit dem Pfannkuchenapfel bin ich nach Deiner Beschreibung skeptisch geworden. Reif ist er noch nicht, nur die stark der Sonne ausgesetzten Äpfel sind schon eßbar, allerdings noch sehr säuerlich. Er ist m.E. ziemlich aromatisch - soweit man das jetzt schon schmecken kann, wo er noch nicht 100% reif ist - , so ein bißchen Richtung Boskop, was ja ein sehr typisches Aroma ist, aussehen tut er aber wie eine Mischung aus Boskop und Cox, dabei sind viele Früchte jetzt noch sehr grün und haben nur bescheidene rötliche Streifen. Die Schale ist teilweise wie bei dem Boskop recht rauh und etwas bräunlich auslaufend. Die Größe ist mittel. Hast Du eine Idee, was das sonst sein könnte?
Gruß von Frida

(Sagt Dir die Kanadarenette was? Wurde mir gestern empfohlen)
Titel: Sorry fürs falsche Namenschreiben
Beitrag von: frida am 30. September 2005, 10:41:55
 :-\ Frida
Titel: Re:Winterapfel / Lagerapfel
Beitrag von: Zuccalmaglio am 30. September 2005, 11:33:20
Hallo Frida,
- so wie du das Erscheinungsbild der Frucht beschreibst, ist es nicht
  ausgeschlossen, das es sich um Altländer Pfannkuchenapfel handelt.
  Wichtiges Kriterium ist die sehr gute Lagerfähigkeit im Naturlager,
  z.B. luftiger, kühler Keller. Darüber müsstet ihr doch Erfahrungen
  haben. Ansonsten hat man die Möglichkeit, auf Apfeltagen, Streu-
  obstfesten etc, die gerade im Herbst von diversen Organisationen
  durchgeführt werden, die eigenen Äpfel gegen ein oder zwei Euro
  bestimmen zu lassen. Gerade letztes Wochenende gab es glaube ich
  in Hamburg so eine Veranstaltung. Weitere finden sich z.B. auf der
  Homepage des Pomologenvereines (googlen).
- Mit Überschwemmungsbereichen und so hohen Grundwasserständen
  habe ich überkaupt keine Erfahrung. Ich kann aber nachvollziehen,
  das die Kirschen da Probleme haben. Auf meinem staunassen
  schwerem Lehm muss ich sie alle roden.
  Das ist aber auch ein Indiz dafür, das vergleichsweise allgemein
  empfindliche und/oder insbesondere für Krebs anfällige
  Apfelsorten dort eher nicht zurecht kommen. Insofern würde ich von
  Ananasrenette und Zuccalmaglio abraten. Dem Boikenapfel steht
  nichts entgegen. Für sehr nasse oder sehr trockene Böden empfiehlt
  sich bei Buschbäumen vorzugsweise die mittelstark wachsende
  Unterlage M 7. Leider bekommt man die Kombination nicht oft.
- "Kanadarenette" kenne ich weder als Baum noch als Frucht.
  Wenn es dich interessiert, kann ich mal schauen, was ich in
  Büchern finde.
- Haben der Hosteiner Cox und der Klarapfel bei euch Krebs?
Titel: Re:Winterapfel / Lagerapfel
Beitrag von: frida am 30. September 2005, 12:28:21
Hallo,
ich werde morgen oder übermorgen mal ein Foto von dem Apfel machen und einstellen. Wir haben leider keine Erfahrung mit der Lagerfähigkeit, da wir den Schrebergarten erst im August übernommen haben. Ich würde aber gerne noch im Spätherbst einen neuen Baum pflanzen und bis dahin weiß ich noch nichts über die Lagerfähigkeit ins Frühjahr hinein.
Der Klarapfel ist gesund, aber überaltert (der mögliche Pfannkuchenapfel auch).
Der Holsteiner Cox steht bei uns am Haus in einem anderen Garten mit normalem Grundwasserpegel, der ist zum Glück auch krebsfrei (also im Anfangsstadium könnte ich das wohl nicht erkennen, aber es gibt keine Auffälligkeiten, also toi, toi, toi, es ist nämlich mein Liebling).
Also bis demnächst mit Bild....
Gruß von Frida
Titel: Re:Winterapfel / Lagerapfel
Beitrag von: Aella am 30. September 2005, 16:38:45
kennt jemand die gewürzluiken?

wir hatten die äpfel im ehemaligen garten.
ich fand die ganz klasse.
superlecker, saftig und wunderschön dunkelrot gestreift in der farbe.
die kann man wohl bis märz lagern, erntezeit ist im oktober.

hab mal einen link dazu gefunden:

http://www.spezialitaeten-baden-wuerttemberg.de/spezialitaeten/spezialitaet.php?sp=61
Titel: Re:Winterapfel / Lagerapfel
Beitrag von: Eva am 30. September 2005, 16:57:24
Mein Vater hat folgende Äpfel, die auch noch nach Weihnachten gut sind:

Ontario (finde ich am besten, schön säuerlich aber nicht zu fest, halten mit am längsten, Ostern ist in der Regel dann Ende, weil keine mehr da sind, werden nicht so schnell mehlig, wenn man sie rechtzeitig pflückt)

Rampur (schreibt man die so?), wunderschöne, sehr große Äpfel mit gutem Aroma, werden mir aber ab Januar/Februar zu mehlig auch wenn sie bis März halten.

Golden Delicious (kennt eh jeder, wenn man sie ein bisschen zeitiger erntet, halten die auch gut beim Lagern)

Cox Orange (da ist aber Ende Januar auch etwa Schluß)

Goldrenetten (gehen bis Februar, haben aber bei uns keinen guten Platz und werden zu schorfig)

Und dann noch zwei "Mostäpfel", von denen einer mein Lieblingsapfel ist, aber wir wissen noch nicht sicher, wie sie heißen - mein Liebling ist evtl. der Trier'sche Weinapfel, aber genau konnte mir das noch keiner bestätigen. Der betreffende lagert sich jedenfalls erstaunlich gut, obwohl er auch schon vor Weihnachten gut schmeckt, ist klein und knackig und wird nicht mehlig, trägt fast immer tüchtig, außer es friert in die Blüten.

Achja und noch einen lilafarbigen, fast giftig aussehenden und sehr parfümiert schmeckenden (Form etwa wie Elstar), den wir mal als "Ingrid Marie" gekauft hatten - Ingrid Marie isses nicht, gut lagerbar ist er, aber wegen Geschmack seehr gewöhnungsbedürftig, ist inzwischen großteils umveredelt, und die paar Äpfel, die er trägt sind für den Christbaum.

Titel: Re:Winterapfel / Lagerapfel
Beitrag von: Eva am 30. September 2005, 16:59:18
Achja, kennt jemand den rheinischen Bohnapfel? Den hatten wir schon zweimal bestellt und jedesmal was völlig anderes gekriegt....

Titel: Re:Winterapfel / Lagerapfel
Beitrag von: brennnessel am 30. September 2005, 17:35:06
Eva, frag einmal Ernst Junger aus Dorf an der Pram ( 07764/8775) - möglicherweise findest du ihn auch da am kommenden Sonntag:
http://www.agrarium.at/besucher/besuche.htm

lg lisl
Titel: Re:Winterapfel / Lagerapfel
Beitrag von: Zuccalmaglio am 01. Oktober 2005, 18:56:12
Hallo Eva,
"Ontario" ist wirklich ein gut zu lagernder säuerlicher Apfel, sofern man ihn mit der hohlen Hand und nicht mit den Fingerspitzen erntet und auch nicht in der Kiste umherrüttelt. (sehr druckempfindlich und dann nicht mehr zu lagern). Leider ist der Baum aber überhaupt nichts für sehr winterkalte Gebiete (sehr holzfrostempfindlich). Auch nichts für schwere, feuchte Böden (Krebs) und Feuerbrandregionen.
Der Polarwinter 83/84 (oder war es 84/85 ?) hat meinen Ontario dahingerafft.
Es schreibt sich Rambour. Deren gibt es verschiedene. Aufgrund deiner Beschreibung vermute ich, das du den "Rheinischen Winterrambour" meinst, der wohl auch noch am häufigsten anzutreffen ist.
Ich esse sie sogar nur bis Wheinachten gern. Danach durch den Säureabbau zu mild und mürbe. Aber noch sehr gut für Mus.
Der Baum verträgt einiges. Aber schwere, feuchte Böden (leichte Krebsanfääligkeit) und ausgesprochene Mehltaulagen würde ich meiden.
"Golden Delicious" kann man sicher gut lagern. In den allermeisten Gebieten ist er aber regelmäßig sehr verschorft. Außerdem wärmeklimatisch sehr anspruchsvoll, so daß eigentlich für gut schmeckende Früchte schon die meisten Mittelgebirgslagen nicht mehr in Frage kommen.
"Cox Orange" - wenn die Baumgesundheit regelmäßig dem Aroma entsprechen würde, ja dann ................
Unter "Goldrenetten" laufen verschiedene Sorten.
"Roter Trierer Weinapfel" - den hätte ich auch gerne. Leider ist er für
die Obstwiese zu schwachwüchsig und in Köln würde er für seine Schorfempfindlichkeit zu geschützt stehen. Viele verziehen ja ob seiner
Herbheit das Gesicht. Mir schmeckt er aber.
Wenn es sich nicht um "Ingrid Marie" handelt, könnte es aufgrund deiner Beschreibung vielleicht "Rote Sternrenette" sein. Sehr widerstandsfähige und starkwüchsige Sorte. Guter Baum für Streuobstwiesen. Geschmacklich in der Tat umstritten. Nomen est Omen. Vorbehaltlich einer genauen Bestimmung durch einen Fachmann/Fachfrau kannst du ihn an den sehr deutlich ausgeprägten hellen Lentizellen (Sternchen) auf der dunkelroten Schale identifizieren.
Wurde früher oft als Wheinachtsapfel in den Baum gehängt.
"Rheinischer Bohnapfel" wird wie der Rote Trierer Weinapfel zu den besten Most-/Saftsorten gezählt. Sehr fest und säuerlich herb. In den
ersten Wochen nach der Ernte (M10-A11) habe ich ihn noch nie probieren können. Aber im Januar/Februar hat er mir geschmeckt. Aber dafür muss man schon auf der eher säuerlichen Seite stehen und keine
Aromawunder erwarten. Wegen der leichten Krebsempfindlichkeit auch nicht für schwere, feuchte Böden.
Guten Appetit im Winter
Titel: Re:Winterapfel / Lagerapfel
Beitrag von: max. am 01. Oktober 2005, 22:53:16
@zuccalmaglio,
ich beantworte deine pm hier, weil ich in der pm kein bild anhängen kann. ohne bild wird das zu umständlich
cf. bouche-thomas-hecke.
funktioniert nach dem prinzip des jägerzaunes. die triebe werdemn im winkel von 45 grad am "jägerzaun entlanggeleitet.die methode ist uralt. frühes 19.jhdt. glaube ich. quasi eine ästhjetisch ansprechendere variante der idee des herunterbiegens der fruchtzweige mit gewichten, wie sie vor ein zwei jahrzehnten populär war.
gruß
Titel: Re:Winterapfel / Lagerapfel
Beitrag von: Zuccalmaglio am 01. Oktober 2005, 23:12:48
Danke. Man lernt nie aus.
Titel: Re:Winterapfel / Lagerapfel
Beitrag von: Amur am 01. Oktober 2005, 23:15:56
In Sachen Lagerdauer ist nicht nur die Sorte wichtig sondern auch der Keller.
In einem feuchten Keller mit Ziegelboden halten Äpfel die laut Literatur nur bis Januar halten durchaus auch noch ein bis zwei Monate länger. Insofern sind meine Angaben in modernen trockenen Kellern kaum erreichbar. Lagerung in Folienbeutel verlängert die Lagerfähigkeit übrigens meist auch.

Bohnapfel hatten wir und es wächst gerade wieder einer heran. Sehr hart und recht säurebetont. Wir vermosteten den und lagerten kaum welche ein. Die hielten aber bis in den nächsten Sommer. Neigt sehr zur Alternanz. Habe mich ja schon ein paar mal über den hier ausgelassen.
Sind sehr robust und selbst Druckstellen faulen kaum. Das gilt auch für den Welschisner, der ähnlich lange haltbar ist und genau so sauer. Aber anderes Aroma. Gibt guten Schnaps. Bringt regelmäßig hohe Erträge.
Beide reifen bei uns sehr spät.
Holsteiner Cox hält sich bei uns bis Januar, sofern man soviel bekommt und nicht alle von Wespen, Würmern und Vögeln angepickt werden. Die kleinste Druckstelle fault aber schnell.
Freiherr von Berlepsch hielt sich bei uns bis max. März. Einer der aromatischsten Äpfel. Aber auch heikel im Anbau.
Baumanns REnette hielt ebenfalls bis ins Frühjahr, sofern nicht zu verschorft.
Wer im Frühjahr mosten will, dem sei Bittenfelder zu empfehlen. Zum Essen aber nur sehr eingeschränkt zu empfehlen.

mfg
Titel: Re:Winterapfel / Lagerapfel
Beitrag von: Ralf am 02. Oktober 2005, 11:20:17
Hallo an alle,
die Ananasrenette hält es hier im Rheinland recht gut mit oder ohne sachgemäße Pflege aus. Sollte auch im Seeklima klarkommen da ursprünglich aus Holland.
Zuccalmaglio ist in unserem Garten recht problemarm. Hat hin und wieder einen einzelnen Mehltautrieb, aber im Vergleich zu Elstar und Alkmene besser. Auffallend geringe Anfälligkeit gegen Obstmaden. Das Aroma ist gut, aber der eng verwandte Berlepsch ist m.E. besser. Innere und äußere Fruchtqualität bei uns je nach Jahr stark schwankend. Lagerfähigkeit ist sehr gut, in unserem zu warmen Keller teilweise bis März. Neigt zu dünnen, herabhängenden Trieben mit dann unterentwickelten Früchten. Die Erntezeit beginnt erheblich früher wie in der Literatur angegeben, zieht sich aber über Wochen hin. Die jetzt geernteten Früchte sind zwar schon essbar, aber noch nicht genussreif. Generell beziehen sich die Reifeangaben in der Literatur auf ein durchschnittliches Jahr im Mittel des "Zielgebiets" des Buchs.
Berlepsch ist geschmacklich mein Favorit unter den Sorten in unserem Garten. Recht robust, aber sehr viele Maden und dann auch fäulnisanfällig. Werden auch an der Küste angebaut. Etwas mäßige Lagereigenschaften, schrumpeln etwas früh, bleiben aber aromatisch bis etwa Weihnachten.
Bohnapfel fand ich im Februar durchaus essbar, obwohl er als Verwertungsapfel gilt.
Was den Grundwasserspiegel angeht: Es kommt darauf an, dass der Wurzelwuchs dadurch nicht behindert wird, also möglichst flachwurzelnde Unterlage nehmen (z.B. M9, Quitte bei Birne,..)
Schönen Gruß
Ralf
Titel: Re:Winterapfel / Lagerapfel
Beitrag von: Zuccalmaglio am 03. Oktober 2005, 19:06:50
Berlepsch schmeckt wirklich sehr gut. Sollte wg. Krebs aber nur auf gut wasserdurchlässigen Böden gesetzt werden. Schwere Böden scheiden aus.
Wenn man ihn aber mal in gut sortierten Obstgeschäften bekommt, sind die Preise gepfeffert.
Ralf, das mit Grundwasserstand und flachwurzeln leuchtet mir ein.
Aber z.B. Ananasrenette oder ähnlich schwachwüchsige Sorten auf M 9 ? Das wäre mir zu wenig triebig/wüchsig.
Bei genügend Platz und passenden Boden- u. Klimaverhältnissen könnte man ja eine durchweg sehr gut schmeckende "Familie" mit Ananasren.,
Berlepsch und Zuccalmaglio pflanzen.
Das Zuccalmaglio kaum Apfelwicklerbefall hat kann ich nur bestätigen.
 
Titel: Re:Winterapfel / Lagerapfel gesucht
Beitrag von: Conni am 28. Juni 2012, 18:02:19
Da ich keinen neuen Faden für das Thema eröffnen möchte, hab ich die Frage von Frida nach oben geholt.

Ich möchte gern noch einen Winterapfel pflanzen. Ontario, Berlepsch, Cox-Orange und Rote Sternrenette sind vorhanden.

Vernarrt habe ich mich in die Sorte "Roter Wintertaubenapfel" , vor allem die bittermandelartige Würze hat es mir angetan.

Eine Frage hätte ich zum Lagerverhalten des Apfels: Bleibt er knackig oder wird er auf dem Lager mürbe? (Der Keller ist erdfeucht, frostfrei und beispielsweise Ontario bleibt in ihm bis in den Mai hinein knackig.)
Titel: Re:Winterapfel / Lagerapfel gesucht
Beitrag von: Apfelfreund am 28. Juni 2012, 21:44:53
"Roter Wintertaubenapfel" ,

Die Sorte kenne ich nicht, aber eine tolle Seite mit tollen Bildern und Beschreibungen hast Du da aufgetan!!!! :)
Titel: Re:Winterapfel / Lagerapfel
Beitrag von: Zuccalmaglio am 29. Juni 2012, 18:30:17
Roter Wintertaubenapfel kenne ich leider weder als Baum noch als Frucht.

Eine andere Sorte mit Bittermandelaroma soll Gelber Münsterländer Borsdorfer sein.
Das kann ich aber leider noch nicht bestätigen, da die Bäume bei mir noch keine zwei Jahre stehen.
An einem hängen zwei Früchte. Vielleicht schaffen die es bis zum Herbst.
Titel: Re:Winterapfel / Lagerapfel
Beitrag von: Conni am 29. Juni 2012, 20:48:22
Dankeschön für Eure Antworten. :)

Vielleicht schaut ja Johannes Boysen noch hier rein und kann etwas dazu schreiben - in seinem Online-Shop habe ich den Wintertaubenapfel gesehen (und dort will ich ihn auch bestellen) .
Titel: Re:Winterapfel / Lagerapfel
Beitrag von: A-String am 01. Juli 2012, 00:30:07
Hab nicht alles gelesen, aber ultimativer Lagerapfel (wohl neben z.B. Pilot): Roter Eiserapfel
Titel: Re:Winterapfel / Lagerapfel
Beitrag von: Apfelfreund am 01. Juli 2012, 16:06:02
Hab nicht alles gelesen, aber ultimativer Lagerapfel (wohl neben z.B. Pilot): Roter Eiserapfel
Und ich finde den geschmacklich besser als seinen Ruf!
Titel: Re:Winterapfel / Lagerapfel
Beitrag von: Albizia am 01. Juli 2012, 16:26:11
Ich will auch im Herbst einen Lagerapfel pflanzen, deshalb schaue ich hier auch mit rein.

Leider darf es bei mir aus Platzgründen im Garten nur ein recht kleiner Baum werden. Da geht der Rheinische Bohnapfel, der mir gut schmeckt, wohl eher leider nicht. :-\ Und ich mag sehr gerne eher säuerliches, saftiges mit längstmöglicher Lagerdauer, ein süß schmeckender Apfel kommt nicht in Frage. Am liebsten eine alte Sorte, bevorzugt auch etwas früher regional Angebautes (Rhein-Moselgebiet).

Toll fände ich, wenn man vor dem Kauf einen Geschmacksvergleichtest von Äpfeln machen könnte. Dafür würde ich sogar mit der Anpflanzung noch bis zum folgenden Frühjahr warten.

Ob vielleicht Pomologenvereine so was evtl. anbieten? Oder Obst-Baumschulen selber?

Titel: Re:Winterapfel / Lagerapfel
Beitrag von: Zuccalmaglio am 04. Juli 2012, 12:21:33
albizia,

Boikenapfel ist z.B. eine robuste, ins säuerliche tendierende und sehr lagerfähige Sorte. Habe damit gute Erfahrungen. Für wärmere Lagen wird er aber nicht empfohlen. Offen bleibt warum. Vielleicht dort dann mehltauanfällig.

Nach der Literatur kämen z.B. als allg. robuste Sorten noch Rhein. Krummstiel, Schöner aus Wiltshire oder Winterbananenapfel in Betracht. Alle wohl säuerlich genug und lagerfähig.
Titel: Re:Winterapfel / Lagerapfel
Beitrag von: cydorian am 04. Juli 2012, 12:35:55
Und ich mag sehr gerne eher säuerliches, saftiges mit längstmöglicher Lagerdauer, ein süß schmeckender Apfel kommt nicht in Frage.

Champagner Renette. Einer der wenigen, die bis April saftig und spritzig bleiben. Wird zum Schluss hin noch aromatischer. Wächst eher schwach, d.h. man kann ihn gut im Hausgarten auf mittelstarker Unterlage ohne Pfahl ziehen. Eher für leichtere Böden, verträgt Trockenheit.

Generell finden sich aber einige Sorten, die deinen Kriterien entsprechen.
Titel: Re:Winterapfel / Lagerapfel
Beitrag von: Albizia am 05. Juli 2012, 10:13:11
Fein, danke Zuccalmaglio und Cydorian. :D Den Boikenapfel und die Champagner Renette werde ich auf alle Fälle schonmal in die engere Wahl mit einschließen, wenn sie auch auf schwächer wachsenden Unterlagen gedeihen können.

Der Winterbananenapfel scheint zumindest auch mit in die süße Richtung zu tendieren, der wird es wohl eher nicht werden.

Zu den beiden Anderen muß ich mich noch schlau machen.
Titel: Re:Winterapfel / Lagerapfel
Beitrag von: Conni am 06. November 2012, 20:32:49
An dieser Stelle ein herzliches Dankeschön an Johannes Boysen: für die freundliche und ausführliche telefonische Beratung, die schnelle und unkomplizierte Lieferung und das hübsche Bäumchen. Der Rote Wintertaubenapfel ist nun gepflanzt. :)
Titel: Re:Winterapfel / Lagerapfel
Beitrag von: Albizia am 20. Oktober 2013, 11:24:49
Und ich mag sehr gerne eher säuerliches, saftiges mit längstmöglicher Lagerdauer, ein süß schmeckender Apfel kommt nicht in Frage.

Champagner Renette. Einer der wenigen, die bis April saftig und spritzig bleiben. Wird zum Schluss hin noch aromatischer. Wächst eher schwach, d.h. man kann ihn gut im Hausgarten auf mittelstarker Unterlage ohne Pfahl ziehen. Eher für leichtere Böden, verträgt Trockenheit.

Danke, Cydorian, dein Vorschlag war ein Volltreffer! :D

Ich habe mich jetzt aktuell in zwei Baumschulen durch ca. 40 verschiedene Apfelsorten geschmacklich durchprobiert und die Champagner Renette war meine erste Wahl!
 

Titel: Re:Winterapfel / Lagerapfel
Beitrag von: Albizia am 20. Oktober 2013, 11:48:53
Ich habe meinen Lieblingsapfel für meinen kleinen Garten, eine Champagner-Renette, gefunden.

Champagnerrenette? Die habe ich im Garten, und bin gar nicht froh damit. Ich wollte damals eine Ananasrenette haben und habe das Champagnerdings ersatzweise gekauft.

Was stört dich an dem Apfel? Das Einzige, was ich schade fand, war, daß er ein wenig klein ist, und die Farbe ein wenig bläßlich.

Der Geschmack hat uns nicht überzeugt, weder frisch noch gelagert. Außerdem trägt er sehr schlecht und bildet enorm viele wasserschosse. Aber das kann ja auch an Standort und Unterlage liegen. :-\

Ich gebe hier mal einige Zitate wieder, weil es schön wäre, wenn auch andere ihre Erfahrungen zu der Champagner- Renette beitragen würden.

Mir hat der probierte Apfel ausgesprochen gut geschmeckt, marygold hat ihn gepflanzt und ist nicht soo sehr zufrieden damit. Über Geschmack läßt sich bekanntlich natürlich nicht streiten, der ist ja sehr individuell.

Mich würde aber jetzt interessieren, welche Erfahrungen andere mit der Sorte haben. Trägt er auch woanders so schlecht? In der Baumschule wurde mir erzählt, daß er z.B. kaum alterniert. Und die sehr lange Lagerdauer und die lange Anhaftigkeit des Apfels am Baum klingt mir auch gut.

Da ich nur Platz für einen einzigen Apfel-Halbstamm habe, werde ich sehr gut abwägen müssen, welchen Baum ich auswähle.

edit: Zitate repariert
Titel: Re:Winterapfel / Lagerapfel
Beitrag von: landfogt am 20. Oktober 2013, 13:09:41
die champagner renette ist eigentlich von der sorte her,nicht der abslut beste tafelapfel.will heißen,er wird sehr oft zum saften oder mosten verwendet.das liegt erstens an seiner kleinfruchtigkeit aber auch an seiner enormen säure.als tafelapfel würde ich ihn erst ab februar bis anfang märz nehmen,da er mir vorher einfach viel zu sauer ist ;)
das gute an der sorte ist ihre geringe pflegebedürftigkeit und robustheit!der ertrag ist aber wie sehr oft bei den renetten nur befriedigend ::)

gruss heiko
Titel: Re:Winterapfel / Lagerapfel
Beitrag von: Hänschen am 20. Oktober 2013, 13:12:21
Keine eigenen Erfahrungen, nur Hörensagen:

Der Geschmack ist ja kaum süß, sondern vorwiegend säuerlich und wohl nur schwach aromatisch, weshalb er möglicherweise nicht der Renner auf der Bekanntheitsskala ist.
Leider ist er etwas transportempfindlich, da anfällig für Druckflecken.
Die Lagerfähigkeit soll problemlos bis in den Mai möglich sein, wobei übergroße Exemplare aber Probleme machen (mehlig, faulig).
Ein großer Vorteil: Die Blüte ist relativ frostunempfindlich, also kaum Probleme mit Spätfrösten.
Titel: Re:Winterapfel / Lagerapfel
Beitrag von: Albizia am 20. Oktober 2013, 13:19:15
Vielen Dank, landfogt. :D Gut zu wissen um seine Robustheit und geringe Pflegebedürftigkeit.

Die Säure hat mich überhaupt nicht gestört, im Gegenteil, ich bin ja ein ausgeprochener "Sauerobst"-Esser und suchte einen sehr! säuerlichen Apfel. Und er war mir geschmacklich auch jetzt in dieser Zeit nicht zu sauer, obwohl er seine Genußreife noch gar nicht hat, sondern erst im Spätwinter entwickelt.

Die Kleinfrüchtigkeit finde ich allerdings wirklich sehr schade!

Ich hatte auch noch den 'Kaiser Wilhelm' in der engeren Wahl, aber der war mir fast schon als Apfel zu groß und auch ehrlich gesagt, ein wenig zu mürbe.

Danke, Thüringer. :D Transport stellt kein Problem dar, er nur wird nur vom Baum in die 20 m weit entfernte, gerade frostfreie Garage wandern.

Ich merke gerade, anscheinend ist es doch schon fest entschieden... :)
Titel: Re:Winterapfel / Lagerapfel
Beitrag von: landfogt am 20. Oktober 2013, 13:30:36
also die renette ist allemal besser als der kaiser wilhelm ;D
Titel: Re:Winterapfel / Lagerapfel
Beitrag von: Zuccalmaglio am 20. Oktober 2013, 18:03:19
Auch auf 20 m Transportweg können bei falscher Behandlung Druckstellen entstehen ...
Titel: Re:Winterapfel / Lagerapfel
Beitrag von: cydorian am 20. Oktober 2013, 19:36:44
Die Diskussion über den Geschmack ist müssig, weil der gewünschte Geschmackstyp bereits vorgegeben war: "eher säuerliches, saftiges mit längstmöglicher Lagerdauer, ein süß schmeckender Apfel kommt nicht in Frage".

Die Schampus Renette hat ebenso wie ihr Abkömmling Brettacher einen ganz besonderen Stil von weinsäuerlicher Spritzigkeit und Knackigkeit, die bis zum Ende der aussergewöhnlich langen Lagerdauer anhält. Dieser Stil ist bei Marktobst vollkommen verschwunden.

Er kommt auch mit schwierigen Bodenverhältnissen klar, braucht aber Wärme, dann entwickeln die Äpfel auch Aroma. Die Frucht ist durchaus nicht klein, sondern mittelgross. Klein bleibt sie an alten, ungepflegten Hochstämmen oder vergreisten Bäumen. Anfällig für Schorf ist sie nicht. Probleme gibt es in luftfeuchten Lagen, weil Regenfleckenkrankheit die Schale sehr verunstaltet.

Wer diesen Stil mag und auf grössere Äpfel steht, kann auch Brettacher nehmen. Der braucht aber eher noch mehr Wärmesummen, ist etwas weniger haltbar, hat höhere Erträge aber alterniert etwas.

Titel: Re:Winterapfel / Lagerapfel
Beitrag von: b-hoernchen am 20. Oktober 2013, 22:03:52
Warum hat noch niemand den Schweizer Winterglockenapfel hier im thread erwähnt?
Sehr auf der säuerlichen Seite, ein wunderbar feinzelliges weißes Fleisch und bis in den Juni hinein haltbar, wenn man dann noch einen kühlen Lagerraum bieten kann.

Für Leute, die gern sauer essen, ein feiner Tafelapfel, aber man kann ihn auch toll zu Apfelstrudel verarbeiten; da wird er nicht zu "mürbem Baz", wie andere Wirtschaftsäpfel.
Titel: Re:Winterapfel / Lagerapfel
Beitrag von: cydorian am 21. Oktober 2013, 08:44:17
Der Glockenapfel hat eine völlig andere Charakteristik. Er ist nicht spritzig, auch die spielende Säure geht ihm ab. Sein Säuregehalt ist stark vom Standort abhängig. Sein Fruchtfleisch ist härter und zäher, fern von krachender Frische, die Sorten wie Brettacher und Champagner Renette auszeichnet.

Haltbar bis Juni vielleicht im Kühllager, aber in guten Lagern ist alles haltbar. In meinem Lager ist Februar Schluss, während die Brettacher daneben glänzend und frisch bis zuletzt zwei Monate länger stehen. Die Qualität des Glockenapfels lässt aber schon lange vor Lagerende ziemlich nach, er schrumpft.

Den spitzigen Stil haben auch Martini, Berlepsch oder der Klarapfel in den zwei Stunden optimaler Reife zwischen sauer und mehlig.
Titel: Re:Winterapfel / Lagerapfel
Beitrag von: mickeymuc am 21. Oktober 2013, 09:13:13
Naja - wir haben bis Juni Glockenäpfel aus dem Gewölbekeller gegessen, sie schrumpeln zwar etwas aber bleiben innen fest, knackig und saftig - und sehr wohlschmeckend!
Brettacher habe und mag ich auch sehr, allerdigns alternieren beide Sorten hier so, dass wir sie immer abwechselnd haben und das Lagerverhalten nicht direkt vergleichen können.
Unbenommen ist der Brettacher schon ein Hammer was das Aussehen nach der Lagerung angeht, ich habe den Eindruck dass sie sogar im Keller noch rote Farbe entwickeln...sicher auch ein toller Apfel!
Titel: Re:Winterapfel / Lagerapfel
Beitrag von: cydorian am 21. Oktober 2013, 09:53:43
Gewölbekeller wünschen sich Viele und haben Wenige. Bei mir müsste ich das in den Fels sprengen. Champagner Renette, Brettacher & Co kommen auch mit weniger perfekten Lagern zurecht, Glockenapfel nicht. Der Grund liegt u.a. in der Schalenwachsbildung, die Brettacher vor Austrocknung schützt und die Atmungsaktivität auch bei ein paar Grad mehr geringer hält. Der Glockenapfel hat diesen Schalentypus nicht.
Titel: Re:Winterapfel / Lagerapfel
Beitrag von: mime7 am 21. Oktober 2013, 10:06:46
Da ich nur Platz für einen einzigen Apfel-Halbstamm habe, werde ich sehr gut abwägen müssen, welchen Baum ich auswähle.


hallo,
wieso denn das?
Auch wenn du nur Platz für einen Baum hast kannst du durchaus darauf mehrere Sorten haben.
Teilweise kann man die Mehrsortenbäume fertig kaufen (allerdings nur selten in der gewünschten Kombination Unterlage/Stammhöhe/Wunschsorten), oder man lässt sie in der Baumschule anfertigen (dauert dann halt etwas länger), oder man kauft sich einen Baum einer Wunschsorte und macht schon im Pflanzjahr selbst oder mit Hilfe auf einige Leitäste andere Sorten drauf.
Vorteil: mehr Geschmacksvarianten, insgesamt längere verzehrzeiten, weniger Lagerprobleme (wenn man eine Teil schon im herbst essen kann),...

Gruss
Titel: Re:Winterapfel / Lagerapfel
Beitrag von: mickeymuc am 21. Oktober 2013, 11:20:56
Das stimmt - obwohl hier jedes ältere Haus einen hat :-).
Mit der Schale hast Du sicher recht, der Brettacher ist im Frühling schon wie gewachst, während der Glockenapfel viel leichter austrocknet und schrumpelt.


Gewölbekeller wünschen sich Viele und haben Wenige. Bei mir müsste ich das in den Fels sprengen. Champagner Renette, Brettacher & Co kommen auch mit weniger perfekten Lagern zurecht, Glockenapfel nicht. Der Grund liegt u.a. in der Schalenwachsbildung, die Brettacher vor Austrocknung schützt und die Atmungsaktivität auch bei ein paar Grad mehr geringer hält. Der Glockenapfel hat diesen Schalentypus nicht.
Titel: Re:Winterapfel / Lagerapfel
Beitrag von: landfogt am 21. Oktober 2013, 20:58:33
der glockenapfel oder auch der boskop sind für mich erst richtig gut,wenn sie verschrumpelt sind.
da ist das aroma richtig ausgereift!
der brettacher ist fürwar ein sehr guter lagerapfel.seine fleisch konsistens ist aber noch feiner als bei den anderen erwähnten sorten.seine pergamentartige schale im reifen zustand ist für mich ein kleiner nachteil.man könnte ihn so fast häuten.die etwas lederartige schale beim reifen boskop oder glockenapfel finde ich da eher harmonischer.
Titel: Re:Winterapfel / Lagerapfel
Beitrag von: Albizia am 22. Oktober 2013, 22:50:58
Die Schampus Renette hat ebenso wie ihr Abkömmling Brettacher einen ganz besonderen Stil von weinsäuerlicher Spritzigkeit und Knackigkeit, die bis zum Ende der aussergewöhnlich langen Lagerdauer anhält. Dieser Stil ist bei Marktobst vollkommen verschwunden.
........
Wer diesen Stil mag und auf grössere Äpfel steht, kann auch Brettacher nehmen. Der braucht aber eher noch mehr Wärmesummen, ist etwas weniger haltbar, hat höhere Erträge aber alterniert etwas.

Der Brettacher war übrigens nach den Geschmacksproben der Äpfel auch mit in der engeren Wahl, aber die Champagner Renette fand ich noch einen ganzen Ticken besser. Genau diese weinig, sehr säurerlich-spritzige Richtung liegt mir am meisten.

Den spitzigen Stil haben auch Martini, Berlepsch oder der Klarapfel in den zwei Stunden optimaler Reife zwischen sauer und mehlig.

Übrigens ist mein Lieblingssommerapfel tatsächlich seit meiner Kindheit schon der leider nur so kurze Zeit essbare Klarapfel, was ja die Geschmacksrichtung genau bestätigt. 8) Ich hatte dieses Frühjahr übrigens davon bereits schon einen kleinen Buschbaum gepflanzt. (Über das Dahinscheiden infolge Obstbaumkrebses des gerade im Jahr zuvor verstorbenen 'James Grieve', den der Vorbesitzer vor Jahren gepflanzt hatte und den ich für meinen Geschmack viel!! zu süßlich fand, war ich dann auch gar nicht wirklich betrübt.

2 Stunden optimale Reife... ;D das stimmt leider..

Mime 7, danke für die Info mit den Mehrsortenbäumen. Ich lass mir das mal durch den Kopf gehen, ob ich evtl. einen Ast noch umveredelen (lasse.)

Jedenfalls an Alle schonmal herzlichen Dank fürs Mitüberlegen und Beraten. :-*
Titel: Re:Winterapfel / Lagerapfel
Beitrag von: cydorian am 01. Dezember 2013, 15:21:22
Eben ess ist die ersten "Champagner Renette" dieses Jahr. Es heisst zwar, dass man sie wegen der vorherrschenden Säure erst im Frühjahr essen kann, aber das finde ich überhaupt nicht, ab Anfang Dezember ist sie fällig, wenn die Weihnachtsäpfel langsam schrumpeln. Der Baum ist leider ein überalterter Hochstamm, meine Neupflanzung ist noch nicht im Ertrag.

Interessant war übrigens der Einkauf des Jungbaums in der Baumschule. Die hatten eine ganze Menge davon bereitstehen, von M9 bis Bittenfelder als Unterlage. Als ich zwei Wochen später wieder kam, war er so gut wie ausverkauft, die Kundschaft scheint zielstrebig an Rubinette und Gala vorbeizugehen und sich Sorten wie die Champagner Renette rauszuziehen.

Der weinige Stil kommt bei der CR besonders gut raus und sie wird auch nicht so schnell schaumig-weich wie Brettacher. Wer durchgegorenen, gradlinigen Riesling mag, der wird von diesem Stil begeistert sein.
Titel: Re:Winterapfel / Lagerapfel
Beitrag von: JG am 02. Januar 2014, 17:53:21
Hallo, ich hänge mich mal hier im Thread ein, weil ich am überlegen bin, welche Apfelbaumsorte ich mir zulegen sollte.
Ich mag gerne eher säuerliche, nicht mürbe Äpfel, und hätte gerne einen, den ich wenn möglich von Dezember bis zum Frühjahr (April?) essen kann. Er sollte möglichst widerstandsfähig sein.
Zudem möchte ich den Baum am Spalier ziehen, weil in unserem Garten für einen freistehenden Baum einfach kein Platz ist.
Der Boden ist recht lehmig und gut feucht (aber nicht zu sehr).

In der Umgebung gibt es bereits mehrere Apfelbäume, ich weiss aber überhaupt nicht, welche Sorten das sind.

Für Empfehlungen wäre ich sehr sehr dankbar! :)
Titel: Re:Winterapfel / Lagerapfel
Beitrag von: JörgHSK am 02. Januar 2014, 21:35:47
Ich schau hier grad mal so was ich hier so liegen habe und in den letzten Tagen gegessen habe:

Winterglockenapfel, schön Säurebetont,
Boikenapfel
Winterzitronenapfel, mein absoluter Favorit, hält bis Mitte März und länger, sprizig Zitronensauer mit viel Zucker
Schöner aus Nordhausen, aromatisch Weinsäuerlich, ich weiß gar nicht wie lange der hält.

für alle "Rabaufans" noch drei aus dieser Gruppe alle säuerlich: Damasonrenette(besserer Ersatz für Boskoop), graue Französische Renette und Osnabrücker Renette.
Titel: Re:Winterapfel / Lagerapfel
Beitrag von: cydorian am 02. Januar 2014, 22:19:20
Am Spalier gelten andere Regeln. Erstens sind nicht alle Sorten so gut für ein Spalier geeignet, Glockenapfel hat z.B. dafür einen schwierigen Wuchs. Zweitens ist die säuerliche Spritzigkeit in warmen Lagen generell schwächer ausgeprägt. Die Äpfel werden früher reif, fangen früher mit dem Säureabbau an. Oder bauen durch durch höheren Temperaturen direkt vor einer Wand schon vor der Reife Säure schneller ab. Ich würde einen möglichst spätreifenden Apfel nehmen.

Aus der Liste von Jörg solltest du dir mal "Schöner aus Nordhausen" ansehen, festes Fleisch, sowohl schön weinsäurelich als auch guter Zuckergehalt, gut haltbar, ob allerdings der Wuchs für ein Spalier geeignet wäre, weiss ich nicht.

Von den genannten Renetten finde ich keine säurebetont, sie lassen auch das Spitzige vermissen. Da ist mehr die Aromatik der schönste Pluspunkt.
Titel: Re:Winterapfel / Lagerapfel
Beitrag von: JörgHSK am 02. Januar 2014, 22:28:36
ich kenne Winterzitronenapfel mittlerweile von einem Bekannten auch vom Spalier(weil ich ihn selber darauf veredelt habe). Gutes kräftiges Wachstum, gesundes Laub, keine extremen Kurztriebe, sondern eher sparrig- winkelig aber durch Sommerschnitt erreichbar. Fruchtqualität am Spalier sehr gut.
Titel: Re:Winterapfel / Lagerapfel
Beitrag von: landfogt am 05. Januar 2014, 13:33:43
die Geschmäcker sind ja unterschiedlich,ist ja klar.an den boskop kommt für mich weder die d.renette ,noch die graue herbstrenette heran!die wesentlich besseren lagereigenschaften,unter anderm die lange genussreife(bis mai je nach lager)sind hier entscheident!als alternative zum boskop,wenn auch mit wesentlich kürzerer genussreife ist dann aber die zabergäurenette!!
der glockenapfel ist ein sehr guter lagerapfel und ein sicherer träger.dazu bringt er eine sehr frostunempfindliche blüte mit. der gesammte baum ist sehr sehr robust und wiederstandfähig!die äpfel lagere ich bei mir bis Juni,wobei sie selbst dann nur leicht schrumplig sind!
einziger kleiner Nachteil ist das vergreisen,wogegen man durch regelmässiges schneiden ohne Probleme gegenwirken kann!der baum wird auch nicht allzu gross,selbst als hochstamm!
den berlepsch würde ich dir empfehlen.für mich der beste Säuerling und dazu sehr vitaminreich!der baum ist sehr wuchsfreudig und kommt dadurch erst etwas später zum tragen.schnittmaßnahmen sind hier wichtig.auserdem staunässe böden beim pflanzen vermeiden wegen krebsgefahr.sonst ist er problemlos und ein guter träger.
der kantil sinap ist ebenfalls ein guter Säuerling und sehr robust,sowie gut tragend.habe ihn aber selber noch nicht probiert,da ich den erst 2013 gepflanzt habe!

gruss heiko
Titel: Re:Winterapfel / Lagerapfel
Beitrag von: landfogt am 06. Januar 2014, 13:16:58
noch was zur damasonrenette:klar ist die auch lange lagerbar,nur faulen bei uns die früchte auf dem lager von innen!!
und das fast jedes jahr.darum habe ich die sorte wieder aus meinem bestand genommen.in anderen gegenden ist das vielleicht besser.bei der sorte wird das öfter in Beschreibungen als Nachteil beschrieben
Titel: Re: Winterapfel / Lagerapfel
Beitrag von: Aromasüß am 10. Oktober 2016, 01:16:18
Liebe Apfelfreunde!

Von einem Zitronenapfel überrascht worden bin ich - erntefrisch gekostet auf dem Obstsortenlehrpfad beim Dorf Bitter an der Elbe (Amt Neuhaus).

Frisch vom Baum überzeugt der Geschmack absolut: säuerlich mit Süße und wie spritzig! Dieser Apfel gehört zu den wenigen Sorten, für die sich sowohl meine Tochter (Lieblingsgeschmacksrichtung Boskoop) als auch ihr Papa (Cox-Spezialitäten) begeistern.

Fragen:

1. Um welchen der vielen Zitronenäpfel handelt es sich? - Auf dem Sortenschild des Lehrpfads steht "Zitronenapfel". Da er sonnenseitig deutlich gerötet ist, vermute ich Winterzitronenapfel: stimmt das? - Fotos hängen an, meine Beschreibung steht unten.

2. Der Winterzitronenapfel, wenn er es ist, gilt als anspruchslos an Boden und Klima: Wie sind Eure Erfahrungen?
(Ist bekannt, ob er seine säuerlich-süße Spritzigkeit auch auf Sandboden mit etwas schwieriger Wasserversorgung und im kontinentalen trocken-heißen Sommerklima ausbildet?)

3. Wie ausgeprägt ist die Alternanz wirklich?

4. Wie ist der Geschmack NACH längerer Lagerung? Bis zu 7 Monate soll er lagern können.
(Zufolge Franz Mühl soll es sich um eine Wirtschaftssorte/Küchenapfel handeln, aber nach Oberdieck ist er "für die Tafel nicht zu verachten", und er empfiehlt ihn wegen seiner "Tragbarkeit und Gesundheit für häufigste Anpflanzung", Hammerschmidt meint "Tafelsorte ... guter Winterapfel für Küche und Tafel", während Engelbrecht ihn "ganz angenehm" findet.)


Wenn ich es richtig sehe, handelt es sich bei der "Winterzitrone" um eine der ältesten noch angebauten Sorten (seit 1628 bekannt), die in den meisten Teilen Deutschlands, der Schweiz und in Frankreich weit verbreitet war und teilweise noch ist.
Titel: Re: Winterapfel / Lagerapfel
Beitrag von: Aromasüß am 10. Oktober 2016, 01:16:57
Meine Beschreibung:
 - Form mittelgroß, breiter als hoch, Hälften etwas ungleichmäßig
 - Schale ziemlich fettig, glatt, Grundfarbe sattes, etwas grünliches Gelb, auf der Sonnenseite deutlich flächig gerötet, je nachdem wo die Sonne hinkommt, ohne die Grundfarbe völlig zu überdecken, diese matte Rötung ist auf der Fruchtoberseite nochmals mit dunkelroten Streifen überdeckt; wenige kleine hellbraune Lentizellen (auf der Grundfarbe erkennbar, aber von der Deckfarbe mit gerötet und kaum sichtbar); schwacher Geruch
 - Stielhöhle berostet: strahlenförmig teils über die Stielwölbung hinaus, Stiele mittellang unregelmäßig
 - Kelch von kleinen Beulen umgeben, Kelchblätter nicht ganz geschlossen
 - Offensichtlich gut haltbar (Fallobst mit Druckstellen macht auch 2 Wochen später einen guten Eindruck)
 - Fruchtfleisch weiß, fest, aber nicht hart; eher fein, saftig - Geschmack siehe oben
 - Fruchtfall hatte am ersten Oktoberwochenende bereits begonnen, keine Ausschuß- oder Kümmerfrüchte, Fruchtbehang gut, aber nicht übermäßig, und gleichmäßig am Fruchtholz verteilt
 - Kronenform nicht eindeutig erkennbar, hoch gewachsen, wenige starke Äste (älter, gepflegt, steht auf gutem Apfelboden des Marschlands wie alle Bäume dieses Lehrpfads)
Titel: Re: Winterapfel / Lagerapfel
Beitrag von: Malus sieversii am 10. Oktober 2016, 15:01:03
Das ist leider kein Winterzitronenapfel!

Meine Einschätzung ist Goldrenette von Blenheim.

Der Obstlehrpfad sollte mal aktualisiert werden.
Titel: Re: Winterapfel / Lagerapfel
Beitrag von: Sternrenette am 10. Oktober 2016, 15:41:23
Meine Goldrenette von Blenheim ist deutlich mehr lederapfelig berostet und wäre jetzt noch grün, ausser einer roten Backe. Baumfrisch ist sie so essbar wie eine Quitte: steinhart. Nach Lagerung ist sie mürb und sehr gut, dann auch eher gelb (nein, ein Vergleichsfoto ist nicht möglich, der Baum hatte heuer 3 Früchte wovon 2 verschwunden und 1 gegessen sind).
Titel: Re: Winterapfel / Lagerapfel
Beitrag von: cydorian am 10. Oktober 2016, 16:09:38
Winterzitronenapfel ist das nicht, unter anderem passt die Schale nicht, der hat viele Schalenpunkte.
Keine Ahnung, was es ist. Goldrenette von Blenheim schliesse ich aus. Begründung: Deren Schale fettet nicht oder kaum. Auch die Kerne könnten das klären, die sind bei der lang und schmal.

Es gibt aber so viele Zitronenäpfel, da kann man schon durcheinanderkommen mit den Schildchen...
Titel: Re: Winterapfel / Lagerapfel
Beitrag von: Tara2 am 10. Oktober 2016, 19:24:16
Für mich sieht der fast wie ein Berlepsch aus!
Titel: Re: Winterapfel / Lagerapfel
Beitrag von: hunsbuckler am 10. Oktober 2016, 19:48:49
so sahen meine Jakob Lebels aus sofern bisher mal welche dran waren ;)
Titel: Re: Winterapfel / Lagerapfel
Beitrag von: Aromasüß am 11. Oktober 2016, 22:07:30
Da sind tatsächlich Schilder durcheinandergekommen. Die hätten schon längst umgehängt sein sollen ...

Diese Antwort gibt mir der Lüneburger Streuobstwiesenverein, den ich nach der Verwirrung heute gefragt habe. Bei der Sorte, die mir auffiel, handelt es sich vermutlich um Grüne Stettiner, aber ganz sicher ist das nicht.

Ein Zitronenapfelbaum (Lokalsorte) steht da ebenfalls, einige Bäume entfernt und - noch?! - ohne das Schild.

So oder so ist für Obstfreunde das "Amt Neuhaus" (rechts der Elbe, gegenüber von Hitzacker) eine Reise wert! Gehörte früher zur DDR, schloß sich dann dem Westen an, aber behielt seine alten Obstwege, die woanders längst zu "Opfern des Mauerfalls" wurden, und pflanzt an manchen Straßen sogar im größeren Stil neue Obstbaumalleen an! Diese schöne Gegend in der Elbmarsch lohnt sich für die Freunde "Alter Sorten" (siehe im Internet: meine-umweltkarte-niedersachsen DE).
Titel: Re: Winterapfel / Lagerapfel
Beitrag von: Soror am 19. Juni 2018, 12:31:34
Hallo an alle,

ich würde mich gerne hier anhängen, da auch ich einen Lagerapfel für den Hausgarten suche.

Der Standort ist in Süddeutschland, vollsonnig, Weinbauklima, 100 m ü. NHN. Der Pfirsich findet es super, die Geranien werden ausgeblichen weiß, kurzum sehr sehr sonnig und heiß. Boden ist der hier typische Sandstein, drüber ca. ein halber Meter Mutterboden.
Maximal dürfte der Baum in jede Richtung 5 m wachsen, also 10 m Durchmesser. Lieber wäre es mir allerdings, er würde ca. 6m im Durchmesser bekommen. -Natürlich- am liebsten eine gesund wüchsige Sorte mit nicht übermäßigem Schnitt- und Pflegeaufwand. Der Baum soll keine überhängenden Äste zeigen, kein Masseträger, darf auch erst spät einsetzen im Ertrag (Wüchsigkeit im Vordergrund) und darf Alternanz zeigen. Halb- oder Hochstamm.
Die Frucht würde ich hauptsächlich zum Backen verwenden, als Tafelapfel bevorzuge ich festfleischige, säuerliche Äpfel und mag keine fettige Schale. Von der Fruchtgröße her mag ich aber eigentlich lieber mittelgroße.

Im Moment ist mein Favorit die Zabergäuer Renette, aber ich schwank noch stark. Weitere mehr oder weniger passende Sorten, die mir im Kopf herum spuken, sind:
roter Boskoop, Coulon Renette, Champagner Renette, Bohnapfel, Wagnerapfel, Alant, Halder, Bittenfelder, Deutscher Goldpepping, Graurenette ........und so viele mehr.

Was sagt ihr dazu?

Danke für die Hilfe
Titel: Re: Winterapfel / Lagerapfel
Beitrag von: thuja thujon am 19. Juni 2018, 12:46:30
Hallo,
schau dir mal den Heimeldinger an.
Titel: Re: Winterapfel / Lagerapfel
Beitrag von: Sternrenette am 19. Juni 2018, 13:12:52
Brettacher :)
Titel: Re: Winterapfel / Lagerapfel
Beitrag von: cydorian am 19. Juni 2018, 13:18:09
Der hat fettige Schale. Wobei ich mir die Frage stelle, wieso das ein Kriterium ist, wenn er zum backen verwendet wird? Da schält man doch sowieso...
Titel: Re: Winterapfel / Lagerapfel
Beitrag von: Sternrenette am 19. Juni 2018, 13:22:17
Ich hab gedacht es ginge vordringlich um Lagern und Backen :)
Titel: Re: Winterapfel / Lagerapfel
Beitrag von: obst am 19. Juni 2018, 13:41:13
Die Zabergäurenette schmeckt sehr gut, wenn sie im Lager etwas nachreifen kann. Außerdem sind es schöne dicke Äpfel, die sich von daher gut zum Backen eignen.
Titel: Re: Winterapfel / Lagerapfel
Beitrag von: hunsbuckler am 19. Juni 2018, 17:47:07
Deutscher Goldpepping hatte ich auch mal in Erwägung ihn zu pflanzen...aber gibt es denn eigentlich noch?Oder ist der nicht auch verschollen und es wird da in den Baumschulen (sofern da überhaupt angeboten) wieder Verwechsler-Material verkauft?
Titel: Re: Winterapfel / Lagerapfel
Beitrag von: Isatis blau am 19. Juni 2018, 18:44:23
Bittenfelder trägt jedes zweite Jahr sehr viel und dann hängen die Äste runter.

Zum Backen habe ich ihn noch nicht probiert, aber der Saft ist sehr sauer.
Titel: Re: Winterapfel / Lagerapfel
Beitrag von: nana am 19. Juni 2018, 19:01:09
Ich hab' mein Apfelherz geschmacklich an den Freiherr von Berlepsch verloren. Allerdings ist die Kultur im eigenen Garten für mich als Apfelanfängerin eine echte Herausforderung. Zumindest hat uns der 2012 in Sand gepflanzte  Baum für dieses Jahr die erste Ernte angekündigt. So 40 Äpfel vielleicht.
Titel: Re: Winterapfel / Lagerapfel
Beitrag von: Tara2 am 19. Juni 2018, 19:22:16
Als Lagerapfel und als Backapfel ist der Ontario auch sehr zu empfehlen!
Titel: Re: Winterapfel / Lagerapfel
Beitrag von: obst am 20. Juni 2018, 10:34:49
Aber wirklich nur zum Backen und Kochen. Als Tafelapfel finde ich ihn sehr geschmacksneutral. Er benötigt sehr viel Sonne, damit er halbwegs schmeckt.

Ein anderer Vorschlag: Ribstons Pepping, die Mutter des Cox Orange und die Großmutter vom Holsteiner Cox. Er ist sehr aromatisch.
Titel: Re: Winterapfel / Lagerapfel
Beitrag von: cydorian am 20. Juni 2018, 11:14:48
Ribston Pepping, Muskatrenette, Cox Orange: Opa, Papa, Sohn. Und alle empfindlich, anfällig, keine guten Lageräpfel, benötigen gleichmässige Wasserversorgung. Selbst im kommerziellen Anbau sind die schwierig.

Bittenfelder ist zum Backen ungeeignet. Zum essen sogar völlig ungeeignet. Ein Spitzensaftapfel.

Wenn wirklich backen im Vordergrund steht, würde ich den Winterrambur empfehlen. Vor- und Nachteile hinsichtlich des beschriebenen Zwecks:

+ Wirklich robust, kommt mit Hitze und Trockenphasen gut klar, gesund
+ Ein sehr guter Backapfel, erst beim backen kommen seine Vorzüge richtig raus. Auch sonst in der Küche sehr wertvoll, die grossen Äpfel ergeben z.B. auch gute Bratäpfel ohne schnell zu "zerschaumen".
+ Lagerfähig, zwar nicht superlang aber lang, durch den Winter bis ins zeitige Frühjahr.
+ Blüht spät. Nachdem Frostschäden durch frühen Austrieb und dann doch noch Nachtfrost zunehmen, ist das ein wichtiger Punkt
- Wächst stark, triploid, wenn der Boden Wuchskraft hat ist ein 8m - Durchmesser zu wenig. Braucht Befruchtersorte.
- Als Tafelapfel finde nicht nur ich ihn grenzwertig. Für Saft ist er durchschnittlich. Das ist wirklich ein Küchenapfel und man sollte nicht auf eine Zweitverwertung als Essobst bauen.
Titel: Re: Winterapfel / Lagerapfel
Beitrag von: mybee am 20. Juni 2018, 12:20:39
Cox Orange, Holsteiner Cox und auch Elstar, Braeburn, Idared, Jonagold, Golden Delicious, Topaz, Pilot sind prima zum Backen geeignet, aber nichts für den eigenen Garten. Die kauft man, wenn die eigene Ernte ausfällt oder aufgebraucht ist.

Meine Favoriten zum Backen sind:
Altländer Pfannkuchenapfel
Coulons Renette,  ersetzt durch Boskoop, Zabergäu
Dülmener Rosenapfel  Herbstapfel
Eifeler Rambur
Geflammter Kardinal
Berlepsch
Goldparmäne
Hauxapfel
Horneburger Pfannkuchenapfel Frucht groß bis sehr groß
Kaiser Wilhelm, Baum wird zu groß
Ontario
Boskoop, Baum wird zu groß
Winterglockenapfel

(und die Herbstsorten: Jakob Lebel, Grahams Jubiläum, Croncels,ergänzt:Dülmener Rosenapfel, Gelber Edelapfel, Graue Herbstrenette).

Auch Rhein. Winterrambur ("Rambo"). Wie erwähnt wird der aber groß. Ich halte ihn nicht für den besten Backapfel, aber für einen sehr guten Mostapfel.
Die Saftausbeute ist zwar rel. gering. Um Säure zu ergänzen hatten wir die Äpfel mit Wiesenapfel gemischt gepresst.

Der Fokus liegt auf "gute Kuchenäpfel", selbst ausprobiert, mein Vater war gelernter Bäcker, sonstige OK-/KO-Kriterien bleiben unberücksichtigt.
Titel: Re: Winterapfel / Lagerapfel
Beitrag von: cydorian am 20. Juni 2018, 14:56:00
Für vollsonniges Weinbauklima auf 100m Höhe sind aber die meisten genannten Sorten nicht sehr geeignet und auch nicht lange haltbar, die Lagerfähigkeit ist selbst in kühlerem Klima bei Einigen gering. Beispiel Goldparmäne - Sonnenbrand, Hitzeschäden (reagiert mit Fruchtabwurf), haltbar mit viel gutem Willen bis Weihnachten. Dülmener Rosenapfel erlebt nicht mal den Dezember, der ist schon vorher abgebaut. Fettige Schale übrigens auch, war ja auch eins der Kriterien neben der Lagerfähigkeit.

Zitat
Um Säure zu ergänzen hatten wir die Äpfel mit Wiesenapfel gemischt gepresst.

Das ist eben der Punkt, warum ich den Teuringer nur mittelmässig für Saft finde. Der Saft hat einen zu geringen Säuregehalt. Auch keine guten Zuckerwerte, liegt bei 50°OE oder weniger. Früher hätte das weniger gestört, aber heute hat man für Saft immer einen viel zu hohen Überhang an Tafelobstsorten mit viel zu wenig Säure. Mostobst mit guter Säure und hohen Polyphenolgehalt ist die Ausnahme. Das ist in privaten Obstgärten ausgestorben, ausgedünnt, verwahrlost. Sowas pflanzt leider kaum jemand. Also sind Sorten mit schwacher Säure um so schwieriger im Saft unterzubringen, weil man immer seltener Ausgleichssorten hat. Presst man ohne, erhält man einen früh abbauenden einseitig süssen Saft, der schon am Anfang ausgezehrt wirkt.
Titel: Re: Winterapfel / Lagerapfel
Beitrag von: Tara2 am 20. Juni 2018, 22:10:48
Holsteiner Cox sind prima zum Backen geeignet, aber nichts für den eigenen Garten. Die kauft man, wenn die eigene Ernte ausfällt oder aufgebraucht ist.
Also wir haben einen und ich muss sagen eine sehr problemlose Sorte ich weiß nicht warum der nicht in den Hausgarten soll?
Horneburger Pfannkuchenapfel
Davon haben wir auch einen und die Früchte sind im Durchschnitt deutlich größer als die vom Boskoop oder vom Kaiser Wilhelm.
Titel: Re: Winterapfel / Lagerapfel
Beitrag von: b-hoernchen am 20. Juni 2018, 22:51:54
Ich hab' mir dieses Jahr einen "Pomme Châtaignier" aus Frankreich kommen lassen.

Laut Baumaux-Katalog ein Küchenapfel und für Saft (excellente pomme à cuire e pour jus), eine sehr alte, kräftige und krankheitsresistente Sorte aus der Normandie (vigoureuse , résistante aux maladies) und sehr fruchtbar (trés fertile)... aber dann spezifiziert hier der Fragesteller, dass der Baum ja gar nicht regelmäßig fruchtbar sein braucht... .
Wie auch immer - Früchte angeblich haltbar bis März.

Was ich sagen kann - von der gelieferten einjährigen (!) Veredelung habe ich bereits Kopien gemacht und die haben auch sofort geblüht und tragen sogar schon kleine Äpfel... . Also, das mit der großen Fruchtbarkeit scheint schon mal zu stimmen. Ich möchte einen Alternative zum etwas zickigen, weil alternierenden Boskoop haben, und da das Klima immer wärmer wird, haben französosche Sorten sowieso ein Stein bei mir im Brett.

Ach ja, der Originalbaum steht auf MM106, sollte also locker mit 5 x 5 m Platz auskommen.

Ansonsten zum "so essen", also Dessertapfel, hat mich die erste Ernte vom "Patte de Loup" begeistert. Der mag's auch gern warm und ist sehr lange haltbar, von der Blüte mindestens so spät wie der Rheinische Winterrambur.
Titel: Re: Winterapfel / Lagerapfel
Beitrag von: mybee am 21. Juni 2018, 09:09:40
Deutscher Goldpepping hatte ich auch mal in Erwägung ihn zu pflanzen...aber gibt es denn eigentlich noch?Oder ist der nicht auch verschollen und es wird da in den Baumschulen (sofern da überhaupt angeboten) wieder Verwechsler-Material verkauft?
Der "Deutsche Goldpepping" ist bei der DGO gelistet, aber noch nicht verifiziert. Der Pomologenverein sucht noch Referenzbäume.
(Es gibt noch einen "Goldpepping" aus GBR, der ist aber im Oktober reif.)
Titel: Re: Winterapfel / Lagerapfel
Beitrag von: cydorian am 21. Juni 2018, 10:30:50
Unsichere, schwer beschaffbare Kandidaten würde ich nur zusätzlich setzen, bei viel Platz. Bei nur einem Pflanzplatz wäre die "sichere Miete" vorzuziehen.

Früchte angeblich haltbar bis März.

Andere Quellen sprechen von Februar oder noch kürzer. Was hier draus wird, muss sich auch erst zeigen, das typische Anbaugebiet hat maritimeres Klima, im kontinentaleren Klima hier verschieben sich eventuell viele Eigenschaften. Den Effekt haben wir auch sehr stark bei hier üblichen Sorten. Mal ein Vorteil, mal ein Nachteil.

Es ging ja um Hochstämme, Halbstämme: Verkauft Baumaux die denn nach Deutschland, auf starkwachsender Unterlage? Hochstammversand ist bekanntlich sogar innerhalb Deutschlands wegen der Grösse eine sehr teure Angelegeheit. Wenn man erst kaufen, pflanzen, Reiser schneiden, Unterlagen besorgen, veredeln muss, oh je. Der Job einer Baumschule.
Titel: Re: Winterapfel / Lagerapfel
Beitrag von: mybee am 21. Juni 2018, 12:34:19
Baumaux liefert auf MM106. bei mir waren es 1jährige mehltauverseuchte Stecken, die Hälfte tot, der Rest kümmert.

Bei der Suche nach den deutschen Namen bin ich bei Chataignier auf  Frauenrotacher (Schweiz) ? gestoßen. Aber es soll mehrere Sorten unter diesem Namen geben. Chataignier ist Kastanie, wegen dem harten Fruchtfleisch.
Titel: Re: Winterapfel / Lagerapfel
Beitrag von: Soror am 04. August 2018, 13:08:06
Vielen Dank für die hilfreichen Antworten an alle!

Arbeite mich gerade durch regionale Anbauempfehlungen, da werden z.B. Echter Winterstreifling, Edelborsdorfer, Große Kasseler Renette, Heimeldinger oder Purpurroter Zwiebelapfel genannt, viele halt auch echt groß.

Habe jetzt beschlossen, erstmal eine Saison lang Äpfel ganz verschiedener Sorten zu probieren und hier im Raum erstmal Informationen/Kontakte und Anbauerfahrungen zu sammeln. Ich muss echt schauen, dass das einer wird, der mit der vielen Sonne kann und habe leider selbst wenig Ahnung. Zu groß sollte er nicht werden, 8m ist schon Grenze, dann lieber Abstriche woanders. Vielleicht entscheide ich mich dann ja nächste Saison.

Bisher waren dran: Klarapfel, Stark Earliest, Angeliter Herren, Pfirsichroter Sommerapfel, Astramel, Schöner aus Bath, Krumpeter, Charlamowsky. Alles keine Lageräpfel, wie ich einen will, trotzdem interessant.

Danke und Gruß
Titel: Re: Winterapfel / Lagerapfel
Beitrag von: Secret Garden am 04. August 2018, 13:55:36
Das ist auf jeden Fall vernünftig nichts zu überstürzen, wenn man den idealen Apfel für sich sucht. ;)

Die Größe bzw. Wuchskraft des Baumes wird von der Veredelungsunterlage mitbestimmt. Damit solltest Du Dich also auch beschäftigen. Dass eine Apfelsorte viel zu wenig ist, merkst Du ja offensichtlich schon. Ich wünsche weiterhin gute Erkenntnisse. :)

Titel: Re: Winterapfel / Lagerapfel
Beitrag von: b-hoernchen am 10. August 2018, 18:01:45
.. und immer daran denken, unser Klima ändert sich ... rasant!
Alte Anbauempfehlungen sind Schnee von gestern ... Schnee? Welcher Schnee? - Den gibt's hier schon lange nicht mehr....
Titel: Re: Winterapfel / Lagerapfel
Beitrag von: alun am 23. Juni 2019, 20:34:02
Nachtrag, um zumindest etwas mehr zu einer obskuren Sorte zusammenzutragen:

Deutscher Goldpepping (von Baumgartner) - seehr später Austrieb, nur um dann Ende Mai als einzige Apfelsorte vom Feuerbrand befallen zu werden. Die Mitte war bereits fast bis zum Stamm befallen, bevor ich es bemerkt habe; einfacher Rückschnitt (junger Baum) brachte Erfolg.
Der Baum war vor dem Befall nicht geschnitten worden und hatte auch nicht geblüht.
Werde ihn umveredeln, und also nichts über die Früchte sagen können.
Titel: Re: Winterapfel / Lagerapfel
Beitrag von: saugrün am 08. Oktober 2019, 17:45:18
Bevor die Pflanzzeit beginnt, bin ich noch auf der Suche nach einer geschmacklich etwas besseren Alternative zum Ontario - mit dem ich bezüglich der Lagerungszeit ansonsten sehr zufrieden bin. Bei der Suche bin ich auf die Müncheberg-Züchtung "Juno" gestoßen (Ontario x London Pepping), die ich aber noch nicht verkostet habe. Kennt jemand diese Sorte, ist sie die versprochene geschmackliche Verbesserung zum Ontario mit gleichen Lagerungsmöglichkeiten?
Titel: Re: Winterapfel / Lagerapfel
Beitrag von: roburdriver am 08. Oktober 2019, 18:45:57
Auch wenn es im Schnitt wärmer wird, zumindest in den neuen Bundesländer im Winter auch knackig kalt durch Ostwind bei zu wenig Schnee. Vor gerade mal 5-6 Jahren hatten wir mal -27,5 °C! Da blieben diverse Dieselfahrzeuge liegen! Westlich vom Harz ist es meist milder und im Sommer auch feuchter. Nur mal so als Hinweis  ;)

Gruß Robin
Titel: Re: Winterapfel / Lagerapfel
Beitrag von: Isatis blau am 08. Oktober 2019, 20:03:31
Müncheberg-Züchtung "Juno" gestoßen (Ontario x London Pepping)

Nachdem ich eine Beschreibung von Juno gelesen habe, musste ich den haben. Als ich ihn dann mal im Angebot einer Baumschule gefunden habe, bestellt, gepflanzt.

Nun ja, er ist extrem schwachwachsend, trägt jetzt ein paar Äpfel, eigentlich eine Massenernte für so ein bißchen Baum. Probiert habe ich die Äpfel noch nicht, sie hängen noch. Bei mir sind so schwachwachsende Sorten Krüppelkandidaten, die sich nach ein paar Jahren verabschieden. Auf Sämlingsunterlage ist er bei einem guten Meter, vor sechs Jahren gepflanzt. Ich würde ihn nicht mehr pflanzen.
Titel: Re: Winterapfel / Lagerapfel
Beitrag von: saugrün am 08. Oktober 2019, 20:36:43
Danke für die Antworten, auch wenn sie nicht gerade euphorisch klingen.
@ Robin: Du beziehst dich auf die Holzfrostanfälligkeit des Ontario, oder? Bei uns ist es zuletzt nicht so kalt geworden, dass der Ontario ausgefallen ist. Vor ein paar Jahren gab es mal -14° für ein paar Tage, aber seitdem eher nicht. Und in den Monaten März, Mai, August und September hat es dieses Jahr auch sehr viel geregnet. Ausreichende Feuchtigkeit ist hier bisher eher ein kleineres Problem.
@Isatis: Ich hatte von mittelstarkem Wuchs gelesen; ein Meter in 6 Jahren auf Sämling klingt ja mehr als schwach. Auf welchem Boden steht er denn? Hier käme er auf halbwegs durchlässigen lehmigen Boden. Und vielleicht überzeugt dich ja doch noch der Geschmack ...
Titel: Re: Winterapfel / Lagerapfel
Beitrag von: b-hoernchen am 08. Oktober 2019, 21:20:08
... Juno ... Auf Sämlingsunterlage ist er bei einem guten Meter, vor sechs Jahren gepflanzt. Ich würde ihn nicht mehr pflanzen.
Ich nehme mittlerweile die Angaben der Baumschulen zu den Unterlagen genauso mit Vorbehalt wie auch die zur Edelsorte.

Andererseits hört sich das doch ziemlich nach Wurzelproblem an - Wühlmäuse?
Titel: Re: Winterapfel / Lagerapfel
Beitrag von: Isatis blau am 08. Oktober 2019, 21:58:50
Der Juno wächst auf Tonboden. Das ist ein schlechter Boden, Wühlmäuse tun sich da auch schwer und kommen entsprechend selten vor. Ein Problem ist das für mich nicht, es gibt genug andere Sorten, die bei mir gut wachsen. Ich finde es logisch, warum manche Sorten sehr selten in Baumschulen angeboten werden, die Kunden wollen Bäume, die wachsen und gedeihen.

Beim Juno darf man nicht davon ausgehen, dass der so problemlos wächst und trägt, wie Ontario.
Titel: Re: Winterapfel / Lagerapfel
Beitrag von: thuja thujon am 08. Oktober 2019, 22:50:01
Hört sich interessant an. Im Hausgarten mit ein bisschen abgestimmter Pflege ist der doch sicherlich nicht schlimmer als andere zickige Sorten, zB. Prinz Albrecht von Preußen.

Aber was heißt Verbesserung von Ontario? Die wertvolle Säure weg und dafür süß mit weiterhin flachem Aroma?
Titel: Re: Winterapfel / Lagerapfel
Beitrag von: Rieke am 08. Oktober 2019, 23:06:00
Wir haben Ontario und London Pepping im Garten. Der London Pepping ist gut lagerfähig, sehr spät reifend und aromatisch, trägt regelmäßig und relativ viel für einen kleinen, vergreisten Baum. Nur warum sollte man diese Sorte mit Ontario kreuzen? Der Pepping ist ein guter Winterapfel, ich finde ihn besser als den Ontario, ist unter unseren Bedingungen besser lagerfähig, nicht so unpraktische Kindsköpfe. Den würde ich wieder pflanzen, den Ontario eher nicht.

Leider kenne ich die Unterlagen bei beiden Bäumen nicht, wir haben sie im Garten vorgefunden.
Titel: Re: Winterapfel / Lagerapfel
Beitrag von: cydorian am 08. Oktober 2019, 23:10:10
Juno hab ich nicht, ist mir zu schorfanfällig, habe zu viel Taufeuchte hier. Aber bei der Frage nach einem besseren Lagerapfel solltst du erst definieren, was "besser" für dich bedeutet. Denn Lageräpfel gibt es unzählige, in welche Richtung soll denn die Auswahl davon gehen?

Was gefällt dir am Ontario nicht? Ich mag den auch nicht, obwohl ich säurereiche Äpfel durchaus liebe. Aber der hat eine Säurestruktur mit einer Spitze drin, die mir irgendeinen Mundmuskel zusammenzieht und die Fleischstruktur ist im Reifezustand suboptimal. ist es das?

London Pepping macht schon im Spätwinter schlapp. Lagerfähigkeit nur mässig.
Titel: Re: Winterapfel / Lagerapfel
Beitrag von: saugrün am 09. Oktober 2019, 09:01:11
Die angebliche geschmackliche Verbesserung gegenüber Ontario ist genau der Punkt, an dem ich hänge. Der Ontario lässt sich hier gut und lange lagern, gut verwerten, aber aus der Faust überzeugt er mich nur mäßig und ich mag ebenfalls gerne Äpfel mit Säure. Genau deshalb wäre es toll, wenn jemand den direkten Vergleich hätte, vielleicht sogar noch mit London Pepping, den ich noch gar nicht losgelöst des Ganzen im Blick hatte.
Petzold schreibt zum Juno: "sehr saftig, spritzig zart. säuerlichsüß, feinaromatisch, schwach parfümiert, wohlschmeckender als Ontario"; und zum Ontario selbst: "erfrischend zartsäuerlich, ohne ausgeprägtes Aroma". Und Mühl schließt seine Einschätzung zum Juno damit: "Wertvolle Verbesserung als lange haltbare Lagersorte gegenüber 'Ontario'", den London Pepping findet er eher empfindlich und anspruchsvoll.
Über diese Sätze bin ich auf "Juno" aufmerksam geworden, ich suche nicht generell einen Lagerapfel, da hier der Purpurrote Zwiebelapfel eine gute lokale Sorte ab Januar ist und einige Renetten (hoffentlich bald) greifbar sind. Aber als Ergänzung dazu und mit ganz langer Lagerzeit wäre eben vielleicht der Juno eine Idee. Und ein paar große neben vielen kleinen Äpfeln wären auch schön.

Titel: Re: Winterapfel / Lagerapfel
Beitrag von: pistachio am 09. Oktober 2019, 12:52:54
Ich habe das Grundgerüst vom "Juno" noch da. Vor ca. 30 Jahren hat er mich enttäuscht. Ist bei mir nichts gewesen. Nichts Besonderes. Er wurde umveredelt. Diesen Sommer sind zwei Sortenäste durch die Wirkung der "Sahelzone- Leipzig" abgestorben. Ich glaube ein kleiner Originalast lebt noch und eine weitere Sortenast ist noch da. Wenn es nächstes Jahr regnet, könnte er wieder sich im Orginal aufbauen. Das wird er auch. Dann könnte man noch mal testen. Eigentlich veredele ich nicht ohne Grund einen Baum um. Er ist schwachwüchsig und faul, der Geschmack ist nicht der Renner- m.M. nach. Man hätte vielleicht weitermachen sollen in der Zucht.
Gruß
p.
Titel: Re: Winterapfel / Lagerapfel
Beitrag von: saugrün am 09. Oktober 2019, 13:48:35
Okay, die wenigen Stimmen derer, die Juno haben/hatten, klingen dann wohl doch etwas nüchterner ...
Titel: Re: Winterapfel / Lagerapfel
Beitrag von: cydorian am 09. Oktober 2019, 15:28:40
Wie gesagt, es gibt ja noch mehr Möglichkeiten. Brettacher, der hat auch grosse Äpfel, die Säure ist zwar präsent aber weinig-spritzig. Der hat hier praktisch alle Ontarios ersetzt. Ontario hatte seine grosse Zeit um 1920, danach kam der Brettacher als Standard-Lagerapfel für 50 Jahre. Die Grosse Kasseler Renette. Die geht auch bis Mai und hat keine kleinen Äpfel, schmeckt gut, braucht aber luftfeuchtes Lager. Der rote Bellefleur mit sehr langer Haltbarkeit, der schmeckt mir auch schon im Spätherbst. Der Siebenkant könnte auch was sein - meiner trägt noch nicht, noch keine eigenen Erfahrungen, laut Beschreibung sehr lang haltbar.
Titel: Re: Winterapfel / Lagerapfel
Beitrag von: saugrün am 09. Oktober 2019, 17:17:48
Stimmt schon, Alternativen mitdenken.
Wie sieht es denn bei Brettacher und Kasseler Renette mit Schorf und/oder Krebs aus? Vor allem die Kasseler scheint da ja ein Topkandidat (lt. Mühl) zu sein. Sehr spannend und robust klingt für mich vor allem der Rote Bellefleur. Wären alle drei denn auch für kleinere Baumformen geeignet, also wahrscheinlich auf M7, vielleicht sogar nur M26? Das mit dem luftfeuchten Lager klappt bei mir im Keller mit Lehmboden, allerdings ist er im November oft noch nicht kühl genug.
Titel: Re: Winterapfel / Lagerapfel
Beitrag von: cydorian am 09. Oktober 2019, 18:27:37
Brettacher ist für Nectria wenig anfällig, für Schorf schwach. Die Kasseler etwas für Schorf.
Bei Brettacher wäre von kleinen Baumformen abzuraten (erhöht Stippe, alterniert stark), die anderen packen es, wobei der Bellefleur ohnehin nicht sehr stark wächst. 
Titel: Re: Winterapfel / Lagerapfel
Beitrag von: saugrün am 09. Oktober 2019, 19:11:51
Danke für die Infos!
Im Garten ist ein Halb-/Hochstamm nicht mehr drin, aber den Roten Bellefleur auf M7 verbuche ich mal als Möglichkeit. Würde auch mit der Blühzeit gut zum Purpurroten Zwiebelapfel passen. Falls ich hier doch mal mit einer Wiese fündig werde, kommt der Brettacher ins Spiel.
Dann braucht's nur noch den lohnenden Frühapfel, aber da ist hier der falsche Ort/Thread.
Titel: Re: Winterapfel / Lagerapfel
Beitrag von: JörgHSK am 09. Oktober 2019, 21:32:43
Die ersten Ontarios die ich kennengelernt hatte waren im Schatten hängende saure Früchte im Sauerland. Selbst die besonnten waren nicht viel besser. Jetzt wohne ich im Kreis Soest, habe eine Betreuungsfläche die sonnenverwöhnt ist und auf Löß steht. Die Ontarios sind noch leicht säuerlich, aber sehr schmackhaft. Ich zweifelte zwischenzeitlich schon ob es wirklich Ontario ist, dfa wir auch Schweizer Orangenapfel dort haben.
Titel: Re: Winterapfel / Lagerapfel
Beitrag von: plantboy am 28. Oktober 2019, 01:32:53
Welche Renette ist besser?:

Ananasrenette oder Zuccalmaglio?

Sind Zabergäu Renette und Brettacher besser als die beiden Oberen Sorten?

(wichtig ist mir die Robustheit der Bäume  und natürlich der Geschmack)
Titel: Re: Winterapfel / Lagerapfel
Beitrag von: cydorian am 28. Oktober 2019, 08:25:27
Was geschmacklich besser ist, ist Geschmackssache. Mancher schätzt das spritzige Weinsäuerliche, mancher die feinere Würze. Riesling oder Muskateller, was ist besser?

Titel: Re: Winterapfel / Lagerapfel
Beitrag von: burgunde am 28. Oktober 2019, 18:55:31
Zuccalmaglio ist mir als sehr gut schmeckender Apfel in Erinnerung. Es waren keine großen Äpfel.
Leider hat der junge Nachfolger bisher nur sehr kleine Äpfel, die mich noch nicht an früher erinnern.

Unser Lagerapfel ist der Brettacher. Meistens sehr große Äpfel zu Kuchen und Apfelbrei (mit ein paar süßen dabei).
Der hält im Apfelschrank bis Mai.
Wir hatten 5 große alte Brettacher die so langsam auseinanderbrechen. Die jungen sind nicht so groß, vielleicht kommt das mit dem Alter?

Die Zabergäurenette ist ähnlich wie der rote Boskop. 

Leider haben wir dieses Jahr keine Äpfel. Nur viele Quitten.
Spätfröste und die Trockenheit sind keine guten Voraussetzungen für die nächsten Jahre.

Schöne Grüße aus dem Zabergäu
burgunde