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News: Den Namen des Rechtes würde man nicht kennen, wenn es das Unrecht nicht gäbe.  (Heraklit)
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21. Juni 2024, 23:47:25
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News: Den Namen des Rechtes würde man nicht kennen, wenn es das Unrecht nicht gäbe.  (Heraklit)

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|18|8|Ein kluger Mensch macht nicht alle Fehler selber, er gibt auch andern eine Chance.  Buzulus

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Autor Thema: Oenothera ´Siskiyou Pink´- tödliche Falle für das Taubenschwänzchen  (Gelesen 13574 mal)

Wühlmaus

  • Gast

In einem anderen, recht kleinen, Forum hatte ich erste Beobachtungen zu diesem SchmetterlingsDrama beschrieben. Da mir diese Zusammenhänge wichtig und interessant erscheinen, poste sie ich auch hier. Ob sie im BotanikForum richtig sind - keine Ahnung. Ihr könnt auch in´s TierForum oder in´s StaudenForum verschieben ::)
Nehmt mir bitte nicht übel, dass ich nun hier meine Beiträge und Bilder nicht neu formuliere, sondern zusammen kopiere:

27.7.2006

Seit einigen Wochen blüht nun schon die Nachtkerze Oenothera ´Siskiyou Pink´ in einem Beet und wird von diversen Insekten - Hummeln, Bienen, Schwebfliegen besucht. Nie gibt es ein Problem. Bis heute :((
Groß war meine Freude, denn nun sind endlich die "Schwäbischen Kolibris" (Taubenschwänzchen) in meinem Garten eingetroffen. Während des Verlegens des Bewässerungsschlauches war ich ständig mit der Kamera unterwegs :laugh:
Pfeilschnell flogen zwei große, kräftige Tiere zwischen den Phloxen und dem Agapanthus hin und her, machten auch immer wieder Abstecher in andere Gartenbereiche.
Tja - und dann flog einer zu besagter Nachtkerze - und blieb dort "sitzen" ??? Ich mit der Kamera hinterher und es stimmt wirklich: Die Taubenschwänzchen verhaken sich mit ihrem Rüssel im Schlund der OenotheraBlüte und können sich nicht mehr befreien. Mit sanfter Gewalt hab ich dem armen Kerlchen geholfen und kann nur hoffen, dass er es unbeschadet überstanden hat. Bewußt gesehen hab ich ihn danach nicht mehr, da es auch schon dunkel wurde.

Hier „sitzt“ das Taubenschwänzchen auf der Blüte….


Und hier meint man zu sehen, wie sich das Taubenschwänzchen mit aller Macht und Kraft abstützt und versucht, seinen Rüssel zu befreien…




Gehört habe ich schon von dieser spezifischen „Unverträglichkeit“ zwischen Pflanze und Schmetterling, aber so tragisch konnte ich es mir nicht vorstellen.

WühlmausGrüße


30.7.2006

Eigentlich hatte ich gedacht, für´s Erste alle Blüten/reifen Knospen entfernt zu haben. War aber nicht der Fall und so hingen/saßen heute Abend wieder zwei gefangene Tiere in der Falle. Ich hoffe, beide haben den "BefreiungsAkt" überlebt.
Und dann konnte ich meine Neugierde nicht mehr bremsen und hab noch eine Blüte seziert. So richtig semiprofessionel 8) Mit der Rasierklinge des CeranFeldPutzers aufgeschlitzt und mit Stecknadeln auf einen KorkUntersetzer gepinnt...
Nun glaube ich auch zu wissen, was das Problem ist ??? Im unteren Bereich der Röhre ist sowohl die Innenwand als auch der Griffel (MeineGüte - ich hab die ganzen korrekten Bezeichnungen der Pflanzenorgane vergessen :-\ ) ganz dicht mit feinsten Härchen überzogen. Diese Härchen sind alle nach unten, bzw zum Fruchtknoten hin ausgerichtet. Da diese Röhre ultra eng ist, hat der Schmetterling wohl keine Chance, seinen Rüssel da "gegen den Strich" wieder heraus zu ziehen ???

Bilder sind recht gute entstanden und folgen noch....



Wie versprohen kommen die Bilder :cool:

Erst eines der beiden Taubenschwänzchen, die in je einer OenotheraBlüte gefangen waren



Gut sieht man, wie es mit dem Rüssel tief in der Blüte gefangen ist



Das befreite Taubenschwänzchen blieb recht geschafft und mit derangiertem Rüssel nach der Befreiung noch eine ganze Weil auf meiner Hand sitzen



Es hat sich offensichtlich ein wenig erholt und ist kurz nach dieser Aufnahme abgeflogen. Hoffentlich war sein Rüssel weiter einsatzbereit



Gleich geht es mit der Blüte weiter :cool:

WühlmausGrüße


Hier nun die aufgeschnittene OenotheraBlüte. Sie ist lange nicht sooooo langgezogen wie die Blüte der Oenothera biennis, die Carlina (Carlina ist auch in diesem Forum aktiv und hatte eine Oe.b.Blüte aufgeschnitten) gezeigt hat



Hier ist die Übersicht über die Röhre. Deutlich sieh man den Stempel, der hinab zum Fruchtknoten reicht. Der helle Bereich oberhalb (links) des eröffneten FruchtKnotens entspricht dem behaarten Bereich.



Dieser behaarter Bereich in der BlütenRöhre nochmals im Ausschnitt. Sowohl der Stempel, als auch die Innenwand der Röhre ist von diesem "Pelz" überzogen.



Für mich erscheint es recht schlüssig, daß der lange Rüssel eines Taubenschwänzchen in diese enge Röhre wohl herein gleiten kann, aber gegen den "FellStrich" nicht mehr hinaus kommt :((

Stellt sich für mich natürlich einmal die Frage: Welchen (Landschaftlich gesehen) Ursprung hat die Oenothera ´Siskiyou Pink´, daß sie sich mit diesem Taubeschwänzchen nicht verträgt?? Und was "hat diese Pflanze davon", daß sie ein bestäubendes Insekt nicht mehr frei gibt :blues:

Als Konsequenz dieser Beobachtungen sollte man nun eigentlich die StaudenZüchterUndVerkäufer bitten, die mehrjährige Sorte Oenothera ´Siskiyou Pink´ vom Markt zu nehmen. Denn ganz offenbar ist diese eigentlich so wunderbare roséfarbene Blüte eine tödliche Falle für das Taubenschwänzchen :(
Wie es mit anderen - nicht einheimischen OenotheraSorten aussieht, weiß ich leider nicht...

WühlmausGrüße
« Letzte Änderung: 31. Juli 2006, 10:52:42 von Wühlmaus »
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Gartenlady

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Du lieber Himmel :o :o :o gut, dass die Oenothera bei mir rechtzeitig vor dem Eintreffen der Taubenschwänzchen aufgehört hat zu blühen.

Wühlmaus, die Fotos sind unglaublich toll, so genau wird man ein Taubenschwänzchen wohl (oder besser:hoffentlich) niemals wieder zu sehen bekommen.
 
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friedaveronika

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Da mir diese Zusammenhänge wichtig und interessant erscheinen, poste sie ich auch hier.

Wühlmaus, ganz herzlichen Dank für deinen aufschlußreichen Bericht. Dem Taubenschwänzchen zuliebe bleibt diese Pflanze bei mir außen vor.

Gruß Christa
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"Ins Innere der Natur dringt kein erschaffener Geist. Glücklich, wem sie nur die äußere Schale weist." (Albrecht von Haller)

knorbs

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hoch interessant wühlmaus + deine fotos zur darstellung des wahrscheinlichen problems sind spitzenklasse :-* .
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z6b
sapere aude, incipe

brennnessel

  • Gast

Dasselbe beobachtete ich mit der Quälblume , einem kletternden Seidenpflanzengewächs, deren botanischer Name mir leider nicht mehr in Erinnerung ist.
Die attraktive Pflanze mit dunklen, unterseits weißgrauen, fast dreieckigen Blättern hat hübsche eierschalenfarbene Blütenglocken, aus derem mehrteiligen Stempel(?) sich Insekten, die Nektar suchen, nicht mehr befreien können.
Ich beobachtete das auch bei einem Taubenschwänzchen, das ich zu befreien versuchte, wobei ich auch unsicher war, ob es unverletzt geblieben war :-\ .
Mir war dann auch sofort der deutsche Name dieser Pflanze klargeworden und ich bat Herrn Bohl, diese sofort aus seiner Sortenliste zu nehmen. Meine rodete ich natürlich umgehend!
Vielleicht kennt hier jemand den botanischen Namen !?

LG Lisl
« Letzte Änderung: 31. Juli 2006, 12:12:35 von brennnessel »
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bristlecone

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Du meinst vermutlich Araujia sericifera aus der Familie der Asclepiadaceae, auf Deutsch meist "Folterpflanze" genannt, im Englischen "cruel plant". Bei der sollen sich die Tiere allerdings nach einigen Stunden häufig befreien können, da die Blüte nach der Bestäubung welkt.
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Wühlmaus

  • Gast

Danke für Euer Interesse (auch für das bilderbezogenen Lob ::)) - hoffentlich hilft es auch den Taubenschwänzchen !

WühlmausGrüße
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Phalaina

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Super Beitrag, Wühlmaus! :D Sowohl Pics als auch Text hochinteressant! Ich glaube, es gibt hier keine einzige einheimische Oenothera-Art, sondern alle hier "wild" vorkommenden Arten sind aus Nordamerika eingeschleppt bzw. nach dem Einschleppen hier in Europa durch Bastardierung entstanden. ::)
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brennnessel

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Ja, danke, bristelcone, die Araujia ist es 8) ! Ich konnte das nicht mitansehen, wie verzweifelt das Taubeschwänzchen versuchte, sein eingeklemmtes Saugrüsselchen zu befreien!
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fips

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...was bin ich froh, daß meine Oenothera 'Siskiyou Pink' nicht überlebt hat. ;) und auch meine Araujia sericifera hat sich nach ein paar Jahren verabschiedet. Bei der "Folterpflanze" konnte ich so etwas zwar nie beobachten, jedoch bei Apocynum androsaemifolium . Da waren jeden Tag fast alle Blüten voll mit kleinen toten Fliegen, die vermutlich am Nektar verendet sind. Der könnte eine betäubende Wirkung haben oder ist evtl giftig.

Aber das mit den Taubenschwänzchen ist schon sehr traurig.

Danke auch für die Beobachtung !!!
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löwenmäulchen

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  :o

Ich hab mir erst dieses Frühjahr so eine Oenothera gekauft und war so begeistert, weil sie gleich schön geblüht hat. Zum Glück ist sie schon seit einer Weile abgeblüht, hoffentlich geht das jedes Jahr so, sonst muß ich sie auch rauswerfen, ich will doch keine Taubenschwänzchen quälen
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Ismene

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Ich bin auch total begeistert von Wühlmaus Erklärungen UND Bildern. Danke, dass du dir die Zeit genommen hast. :-* :-*
Ein Glücksfall für die Botanik und Schmetterlingskunde! :D
Wie gerne hätte ich so was früher im Bio-Unterricht untersucht!
« Letzte Änderung: 31. Juli 2006, 20:07:06 von Ismene »
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Carola

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Wühlmaus, tolle Fotos und ein guter Bericht! Danke!
Ich würde so gerne mal ein Taubenschwänzchen fotografieren, habe schon Stunden mit dem Versuch verbracht - aber dass sie aus diesem Grund still halten müssen, ein schrecklicher Gedanke! Bin froh, dass ich meine Oenothera eingegangen ist, echt !
LG, Carola
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bea

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Tolle Bilder Tina!
Ich habe auch eine Siskiyou Pink und bedaure schon die ganze Zeit, dass sie nicht mehr blüht....
Glücklicherweise tut sie es jetzt nicht, sage ich nach diesen Bildern.
Ich habe sie vergangenen Herbst blühend gekauft - heisst das, sie ist Kurztagsblüher und fängt im Herbst wieder damit an?
Vergangenes Jahr habe ich aber kein einziges Taubenschwänzchen daran entdeckt, habe aber auch nicht bewusst danach geschaut, obwohl hier im Garten -zig unterwegs sind.
Ich werde dieses Jahr mal ein Augenmerk darauf haben und auch bei meiner Gartenfreundin nachfragen ob ihre Pflanze noch blüht.
Danke für den Bericht!

LG, Bea
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Lilo

  • Gast

Liebe Wühlmaus,

danke für den detailierten Bericht und die tollen Bilder. Deine Fotos werden immer besser.

LG Lilo
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