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Re:Warum keine neuen Rosen auf altem Rosenstandort
Verfasst: 23. Okt 2009, 14:13
von Lisa15
Ich habe eine Frage. Eine Gärtnerregel besagt, dass Rosen an Standorten nicht gedeihen, an denen zuvor schon lange Rosen wuchsen. Ggf. sei ein Bodenaustausch notwendig. In verschiedenen threads wir hierauf immer wieder hingewiesen.Ist das ernstzunehmen? Wie erklärt sich das gärtnerisch, bodenkundlich, biologisch? Hat jemand vielleicht einen Link zu einem früheren Thread oder zu einer externen Seite? Für Antworten besten Dank im Voraus.
Ja, das ist ernst zu nehmen. Betrifft nicht nur Rosen allein sondern allgemein alle Rosaceaen (Rosengewächse), zu denen z.B. auch bestimmte Obstbäume (insb. Prunus-Arten) gehören. Diese Rosaceaen sind reich an bestimmten Gerbstoffen (
http://de.wikipedia.org/wiki/Rosengew%C3%A4chse), die eine Fruchtfolge erschweren. Wo alte Kirschbäume standen zum Beispiel, sollten mehrere Jahre keine neuen Kirschbäume gepflanzt werden. Aus demselben Grund lassen sich Rosen mit anderen Rosengewächsen schwer vergesellschaften. Eines der beiden Gewächse leidet darunter, meistens sind es die neu gepflanzten Rosen. Rosen passen aber gut zu Nadelhölzer und andere Gewächse, in deren Wurzelsystem ebenfalls Mykorrhizapilze leben (z.B. Birken, Buchen, Kiefern, Weiden, etc.). Es entsteht dadurch sozusagen eine Mykorrhiza-Symbiose, die das Wachstum beider Gewächse fördert. Näheres zu den Mykorrhizapilzen findest Du hier:
http://de.wikipedia.org/wiki/MykorrhizaDie Stiftung des Vereins Deutscher Rosenfreunde e.V. (
http://www.rosen-stiftung.de/D/indexD.html) hat bei der Göttinger Uni ein Forschungsprojekt 2007 in Auftrag gegeben (
http://wwwuser.gwdg.de/~instphyt/karlov ... gkeit.html), dessen Resultat im Internet noch nicht publiziert wurde. Für nähere Infos könnte man dort mal anrufen. Fest steht offenbar, dass Bodenmüdigkeit bei Rosen "auf einer Anreicherung von in der Literatur als deleterious rhizobacteria (DRB) bezeichnete Mikroorganismen beruht, die durch ihre Ausscheidungsprodukte eine Schädigung der Wurzeln anderer Rosengewächse bewirken". Um dies zu verhindern, wird ein Bodenaustausch in mind. 50cm Tiefe oder die chemische Keule empfohlen (in privaten Gärten nicht durchführbar). Auch ist nachgewiesen, um auf das Thema Mykorrhizapilze zurückzukommen, dass sich bestimmte Gewächse innerhalb der Rosenfamilie (also auch Stauden, wie z.B. Frauenmantel) nicht vertragen und zu Kümmerwuchs beider oder einer der beiden Gewächse führt. Die Erklärung liegt wohl im sog. Parasitismus gewisser Mykorrhizapilze eines Gewächses auf die Wurzeln des anderen Gewächses. Diese Erfahrungen macht wohl jeder Gärtner mal im Laufe der Zeit, wenn er feststellt, dass manche Stauden aus nicht erklärlichem Grund ausgerechnet nicht an der Stelle gedeihen, wo man sie hingepflanzt hat, obwohl die Standortbedingungen optimal sind. Die sog. Fruchtfolge-Regeln im Nutzpflanzenbau beruht auf diese Erkenntnisse. Das Thema an sich ist sehr vielschichtig und läßt sich in einem Forum wie hier nicht ausschöpfend ausdiskutieren. Fest steht, dass es Rosenbodenmüdigkeit tatsächlich gibt und man sich viel Ärger erspart, wenn man dies bei seiner Pflanzplanung berücksichtigt. LG,Lisa
Re:Warum keine neuen Rosen auf altem Rosenstandort
Verfasst: 23. Okt 2009, 14:25
von Lisa15
Es gibt inzwischen auch schon eine Universitätsstudie, beauftragt von einer Stiftung der Gesellschaft Deutscher Rosenfreunde. Das Ergebnis wurde in diesem Jahr veröffentlicht. So weit ich mich noch an den Artikel im Rosenbogen erinnern kann, soll wohl eine Art Bakterium, das von den Rosen ausgeschieden wird, für die Bodenmüdigkeit verantwortlich sein. Die Rose "vergiftet" sozusagen den Boden, ihre eigenen Ausscheidungen machen ihr nichts aus, aber einer nachfolgenden, anderen Rose dann schon.
Handelt sich wohl um dasselbe Forschungsprojekt der Uni Göttingen, das ich in meinem vorherigen Posting erwähnt habe?
Re:Warum keine neuen Rosen auf altem Rosenstandort
Verfasst: 23. Okt 2009, 14:32
von Constance Spry
Ja, genau. Da kann ich mir dann die Suche nach der Zeitung sparen, du hast ja alles schon sehr schön erklärt.
Re:Warum keine neuen Rosen auf altem Rosenstandort
Verfasst: 23. Okt 2009, 19:35
von Günther
http://wwwuser.gwdg.de/~instphyt/karlovsky/research/2005_Bodenmuedigkeit.htmlaber auch:
http://www.diss.fu-berlin.de/diss/servlets/MCRFileNodeServlet/FUDISS_derivate_000000004461/Dissertation-Kaliess.pdf?hosts=Irgendwie kommt mir das mehr spekulativ vor.Mikroorganismen können isoliert und extern gezüchtet werden. Ein hypothetischer Name ist ein bisserl wenig....Vielleicht gibts schon bessere Ergebnisse.
Re:Warum keine neuen Rosen auf altem Rosenstandort
Verfasst: 23. Okt 2009, 19:57
von Rendel
Ich glaube, David Austin vertreibt ein Mittel, mit dem man den Boden nicht austauschen muß. Es wird in die Erde gemischt.Das hat mir neulich jemand erzählt, ich weiß aber nicht, wie es heißt und ob es tatsächlich hilft

Re:Warum keine neuen Rosen auf altem Rosenstandort
Verfasst: 23. Okt 2009, 20:03
von Irisfool
Hab auch vor Kurzem sowas gelesen, weiss aber leider nicht mehr wo oder wie es hiess

Re:Warum keine neuen Rosen auf altem Rosenstandort
Verfasst: 23. Okt 2009, 20:04
von Günther
Besprechen, bei Vollmond, nackt, mit einer schwarzen Katze auf der Schulter, hilft auch.

Re:Warum keine neuen Rosen auf altem Rosenstandort
Verfasst: 23. Okt 2009, 20:07
von Rendel
Klar doch ;)Es soll wirklich helfen, ist mit positivem Erfolg ausprobiert worden. Der Informant schwört darauf!
Re:Warum keine neuen Rosen auf altem Rosenstandort
Verfasst: 24. Okt 2009, 17:50
von spatenpauli
Besprechen, bei Vollmond, nackt, mit einer schwarzen Katze auf der Schulter, hilft auch.

......es sollten schon nackte Jungfrauen sein ;Daber besser ist es diese
Spethmann Präsi zu lesen.der letzte Punkt gibt mir zu denken. Ich werde nächstes Jahr mit den ersten Veredelungen beginnen, werde dafür aber Multifolra vorziehen.LG SP
Re:Warum keine neuen Rosen auf altem Rosenstandort
Verfasst: 24. Okt 2009, 20:02
von freiburgbalkon
aha, dann würde es also reichen, wenn Töpfchenliebe in liebevoller Kleinarbeit Schüsselchen für Schüsselchen die Gartenerde in der Mikrowelle auf 100 Grad erhitzt...

;)Aber im Ernst, danke für den Link.
Re:Warum keine neuen Rosen auf altem Rosenstandort
Verfasst: 24. Okt 2009, 21:59
von Ramblerjosef
Liebe Rosenfans,Jede Pflanze entzieht dem Boden Stoffe die sie benötigt. Die Rose besorgt sich andere Substanzen als Stauden oder andere Blumen. Pflanzt man nun immer wieder Rosen in die gleiche Erde, werden im Laufe vieler Jahre einige Stoffe knapp, man spricht von Bodenmüdigkeit.

In einem naturnahen Garten pflanzt man nach Starkzehrern einfach ein Jahr Schwachzehrer, damit sich die Erde wieder erholt.

Unsere Rosen sind Starkzehrer. Mit der richtigen Düngerzugabe gleichen wir dieses wieder aus, so daß die gesunde Rose im nachsten Jahr womöglich noch schöner blüht.

Unsere Rosen entziehen aber der Erde gewisse Stoffe, aber sie geben auch Supstanzen an die Erde ab und diese können die zarten Sauwurzeln zum absterben bringen.

Also ist es besser, zwei bis drei Eimer der Erde vom alten Standort wegzunehmen und mit Erdreich, wo keine Rosen gestanden haben, zu tauschen.

Den kleinen Tip geben Euch die Helene und der Ramblerjosef.
Re:Warum keine neuen Rosen auf altem Rosenstandort
Verfasst: 25. Okt 2009, 14:16
von Rosenbitch
Re:Warum keine neuen Rosen auf altem Rosenstandort
Verfasst: 25. Okt 2009, 22:04
von tiarello
Vielen Dank für Eure zahlreichen Antworten. Offensichtlich beginnt man erst jetzt in kleinen Schritten zu verstehen, welche Faktoren und Ursachen bei der Bodenmüdigkeit eine Rolle spielen.Die wissenschaftlichen Arbeiten zum Thema sind ja offensichtlich überwiegend ökonomisch motiviert, befassen sich also mit dem komerziellen Anbau von Rosen. Interessanst wäre aber auch, wie es sich mit kleinflächigen Rosenpflanzungen unter typischen Privatgartenbedingungen verhält. Wenn es sich z. B. um gemischte Pflanzungen, handelt. Tritt die Wachstumsdepression immer oder nur gelegentlich auf? Kann man das Risiko villeicht eingehen und trotzdem am gleichen Standort Rosen pflanzen? Oder reicht es vielleicht aus ein besonders großes Pflanzloch auszuheben, anstatt kubikmeterweise Boden auszutauschen? Sind die Probleme bei Wurzelnackten, bei Containerrosen und bei einfach Umgepflanzten gleichermaßen zu beobachten.Mich würden weitere Erfahrungen interessieren, wie die von Rosenbitch, aber auch gegenteilige, wie ich sie auch schon gemacht habe.