thuja thujon hat geschrieben: ↑25. Nov 2024, 10:33
Modified central leader zeichnet sich dadurch aus, dass nach 2-3 Jahren die Spitze weggeschnitten wird.
Mein Baum steht erst seit 2 Jahren, auf Quitte A. Eigentlich wollte ich die Spitze im Frühling abschneiden, nun zögere ich. Möglicherweise ist Spindel besser für Birnen? Jetzt kann ich ja noch wählen.
Ich dachte Modifed Leader wäre gut, um die Wuchskraft auf mehreren Ästen zu verteilen. Das könnte dennoch ausarten, da bei Birnen irgendwie jeder Ast Stammverlängerung zu werden versucht. Wäre Spindel sinnvoller, deiner Meinung nach?
A garden is a thing of beauty and a job forever, meint R. Briers. Job übersehe ich ;-)
Wenn die Wuchskraft wie bei Quitte A sehr schwach ist, ist sowieso bei der Höhe bald Schluss. Würde trotzdem immer anschneiden, aber du brauchst glaube ich keine Sorge haben, dass dir der Baum in der Höhe davongaloppiert, wenn es genug Seitentriebe gibt.
Birnensorten sind durchaus sehr stark unterschiedlich in ihrem Verhalten mit den steilen Trieben usw. Aber was immer passt, sobald mal ein bisschen Fruchtlast da ist, gehts sehr schnell runter mit dem Wachstum. Also absichtlich Wuchs bremsen würde ich eher nicht machen, und das mit auf mehrere Achsen verteilen klappt auch nicht ohne weitere Nachteile. Schlechtere Übersichtlichkeit, Konkurrenz der einzelnen Achsen untereinander und damit ungleichmäßige Entwicklung, deshalb auch mehr qualitativ geringwertigere Früchte.
Ich persönlich würde es nicht machen. Die meisten Birnensorten sind gerade auf Quitte sehr gut in den Griff zu bekommen, bzw oft schon zu schwach vom Wuchs.
Hier mal Birne Novembra auf Pyrodwarf 10 Jahre nach der Baumschule. Im ersten Jahr noch zwischengeparkt weil wegen verkorkster Krone stark zurückgeschnitten werden musste, steht sie jetzt seit 9 Jahren an dem Platz mit reichlich Nährstoff und Wasserversorgung.
Sieht aus, als hätte sie 30% der Trieblänge nur in diesem Jahr gemacht. Da ist kräftig Zug drin, auch auf Pyrodwarf. Als Spindelbaum würde ich die mit dieser Kronenform nicht mehr bezeichnen.
Warum steht sie schief, wird sie vom Apfelbaum links bedrängt?
Der Zuwachs war durch das feuchte Jahr recht gut. Einen Meter oben wird es schon haben.
Der Baum ist nicht das einzige was bedrängt, die Nordsonne ist einfach zu schwach, um auf der linken Seite im Bild für ausreichend Austrieb zu sorgen. Da kommt eben beides zusammen und verstärkt sich gegenseitig. Grünes Licht ist ja problematischer bei Pflanzen als andersfarbiges.
Zu der Kronenform und ein passender Name: Pyramidenkrone trifft es jetzt auch nicht wirklich, so wirklich klar sind die Leitäste nicht. Was würdest du als Name vorschlagen? Spindel ist ja auch etwas mehr als schlanke Spindel, superschlanke Spindel usw.
thuja thujon hat geschrieben: ↑2. Dez 2024, 12:46
Die sind ja aber alle konisch.
Eine konische Form ist keineswegs charakteristisch für einen Spindelbaum. Es ist die Achse mit waagrechten Fruchtästen. Das Gesamtbild kann pyramidal, zylindrisch, konisch sein.
Aber wahrscheinlich ist das wie ein Rorschach-Test der Baumdiagnostik, man vermeint, alle möglichem Muster zu sehen.
Mal ein bisschen Theorie: Pyramidal ist nach Beachtung des Tagesverlaufs der Sonne als mehr oder weniger optimal anzusehen, Verhältnis der Pyramide 1:3 oder 1:2 oder 4 war Gegenstand der Überlegungen von Zahn zu `Höhengerechter Pflanzabstand´. Das war Anfang der 1990er Jahre. Dann kam die Fruchtwand. Und Sonnenbrand. Und veränderte Praxis.
Da die Birne vom Bild ein quasi Alleinsteher ist, wird versucht, die unproduktive Zone im Inneren mit wenig Belichtung klein zu halten. Die ist bei Hochstämmen mit pyramidabler Krone riesig, bei schlankgeschnittenen Kronen mit modifiziertem Oeschbergschnitt schon deutlich geringer.
Bei der Spindel gibt es die unproduktive weil beschattete Zone im Bauminneren deutlich weniger. Früher hat man da allerdings auch mit `Lichtfenstern´ über den ersten, noch weiter ausladenden Gerüstästen gearbeitet.
Die Birne im Bild ist wohl ein Mittelding von beidem.
Heute ist etwas Beschattung im Hobbyanbau durchaus willkommen, um Sonnenbrand eher vorzubeugen. Da hat sich aber auch gezeigt, dass Beschattung durch Laub nicht immer zielführend ist, da Morgendliche Beschattung ein Problem ist. Wenn sich die Reihe aber von 15 bis 17 Uhr selbst beschattet, geht das nicht zu lasten der Pilzanfälligkeit oder Fruchtfärbung. Bei einem Alleinsteher ist der Effekt aber kaum nutzbar, weil es keinen Ammenbaum daneben gibt. Also deshalb eher die breitere Krone, die mit Beachtung der Pyramidenverhältnisse von 1:3 etwas höher sein darf.
Und das umgedreht: weil Pyrodwarf etwas mehr Zug hat als eine M9 beim Apfel, also etwas höher wird, deshalb die etwas breitere Basis mit den unteren Gerüstästen. Und dann stellt sich da die Frage, ob man die stabil mit Ästen und Fruchtästen aufbaut, oder ob man sie flach hält und das Fruchtholz rotiert.
Jedenfalls dürfen die unteren Gerüstäste nie Konkurrenz zur Mitte werden, die Mitte muss aber auch so schmal sein, dass die Stammverlängerung nicht durch Beschattung vergreist.
Die Spindel kann also auch nur so breit werden, wie Licht ins innere kommt.
Von daher sage ich ok, ich gebe dir Recht, der Baum ist keine klare Spindel mehr, sondern eine Übergangsform zu großkronigeren Bäumen.
Zur Fruchtqualität: bei der Novembra sind die Früchte recht groß, da gehen auch Früchte an etwas älterem Fruchtholz mit ungünstigem Blatt/Frucht-Verhältnis. Kernobst ist da auch nicht ganz so empfindlich. Bei Süßkirschen wäre die Baumform nicht möglich, wenn man große Früchte ernten wollen würde. Nicht nur wegen Blatt/Frucht-Verhältnis, sondern auch wegen der schnelleren Verkahlung bei Steinobst.
Hier nochmal ein Bild von Nordwest aus. Nordöstlich, also links im Bild, der Apfel als Beschatter.
Links steilere Äste, rechts etwas flacher.
Wenn man die Stärke der Seitenäste beachtet und mit der Stammverlängerung vergleicht, ist alles unterhalb von halb so dick. Bei einer Spindel wäre es wohl eher 1/3 statt 1/2.
cat1 hat geschrieben: ↑25. Nov 2024, 23:21Ich dachte Modifed Leader wäre gut, um die Wuchskraft auf mehreren Ästen zu verteilen. Das könnte dennoch ausarten, da bei Birnen irgendwie jeder Ast Stammverlängerung zu werden versucht. Wäre Spindel sinnvoller, deiner Meinung nach?
Physikalische Gesetzmäßigkeiten wie Belichtung oder Wuchsstärke/Ertrag sind bei Birne nicht anders, deshalb lässt sich einiges übertragen. Wichtig bei Birne ist eben die Wüchsigkeit des Baumes anhand von Standort und Pflege plus Sorte mal Unterlage halbwegs hervorzusehen, so das man bei einer gewünschten, also vorgegebenen Endhöhe eben die Anzahl der notwendigen Mittelachsen ermitteln kann. Ziel sollte jedenfalls sein, hohe Fruchtqualität und hohe Ertragsleistung bei gleichzeitig ausreichend hoher Baumvitalität. Es bringt ja nichts, wenn die Bäume nach 4 oder 5 Jahren bzw den ersten Massenerträgen quasi `stehenbleiben´ und dann vergreisen.
Danke für den Link! Ich bin noch am Überlegen. Wenn frau nur einen Birnbaum hat, ist die Geschichte eben komplizierter, bzw wird unnötig verkompliziert.
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Wenn um den einen Baum genug Platz ist, ist doch alles offen und damit bestens. Hast du ein Foto? Die Birnensorten unterscheiden sich ja doch schon stark im Wuchs. Eine steilwachsende Sorte würde ich eher nicht als Spindel ziehen wollen, da wäre der Multileader besser.
cat1 hat geschrieben: ↑29. Dez 2024, 21:47
Wenn frau nur einen Birnbaum hat, ist die Geschichte eben komplizierter, bzw wird unnötig verkompliziert.
Eigentlich vereinfacht. Habe die Sorte nicht gelesen, wenns Novembra ist, wird die auf Quitte A im Durchschnitt 4m hoch. Mit etwas Schnitt auch niedriger, wenn man das will. Ganz normal wachsen zu lassen, ein Bäumchen eben mit Seitenästen. Quitte A ist auch hinreichend standfest, so dass ein Pfahl nach ein paar Jahren durchfaulen darf.
Bei Baumformideen definiert man viel herum, für Plantagen ist das wichtig weil es sich da um Zeit für jeden Handgriff und um Geld für vermarktungsfähiges Obst handelt, aber ein Einzelbaum im Garten? Viele Formen sind auch nur sinnvoll am Draht, wie in der Plantage. Hier zum Beispiel U-Form, dieses Jahr hier: