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Gärtnern statt Arbeitslosigkeit - eine gute Idee (Gelesen 7678 mal)

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fars
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Re:Gärtnern statt Arbeitslosigkeit - eine gute Idee

fars » Antwort #30 am:

Ich glaube, niemand will hier pauschalieren, berichtet aber aus eigenem Erleben.Sorry, Sonnenschein, aber bei mir müsste niemand für diesen Hungerlohn schuften. Dann käme ich mir selber wie ein Schuft vor. In derartigen Fällen ist ziviler Ungehorsam angesagt. Und wohl im privaten Bereich auch gang und gäbe.Von daher trifft dein Vorwurf auch nicht in dieser Beziehung.
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Paulownia
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Re:Gärtnern statt Arbeitslosigkeit - eine gute Idee

Paulownia » Antwort #31 am:

sonnenschein Ich kann nur sagen: anderthalb Jahre hat eine hier für mich geschuftet als geringfügig Beschäftigte. Die müssen das meiste Geld ja - wenns angegeben wird und das wird hier bei mir gemacht! - abgeben bzw. das bekommen sie weniger ausbezahlt. Meine Hilfskraft hat dann den Weg hierher bezahlt, sie hat die beiden kleinen Kinder unterbringen müssen, teilweise auch bezahlt und hatte am Ende garaniert nicht mehr als vorher.[quote hat geschrieben:
Siehst Du sonnenschein, das war das Problem bei unseren Arbeitslosen.Schwarz hätten sie alle gerne gearbeitet. Nur angemeldet, nein, da wurde uns ganz klar die Rechnung aufgemacht, daß sie sich dabei ja schlechter stellen.Wie gesagt, bei uns wurde immer angemeldet. Und auch unsere Slovaken sind angemeldet und müssen Steuern zahlen.Vorurteile habe ich keine, doch meine Schilderungen basieren auf reinen Erfahrungen.
LG Margrit
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Marion

Re:Gärtnern statt Arbeitslosigkeit - eine gute Idee

Marion » Antwort #32 am:

Diese Negativerfahrungen möchte ich nicht in Frage stellen. Dennoch hinterlässt das alles wie bei sonnenschein so auch bei mir einen etwas unangenehmen Beigeschmack: "Diese ganzen Arbeitslosen wollen bloß nicht." Oder: "die sind doch nur zu faul". In verschiedenen Projekten beobachte ich Harzler schon seit geraumer Zeit. Ihr Arbeitseinsatz ist unglaublich, geradezu übereifrig schießen sie über ihr Ziel hinaus (und nerven damit.)Dabei geht es allerdings nicht um Gartenarbeit.
Nomadin

Re:Gärtnern statt Arbeitslosigkeit - eine gute Idee

Nomadin » Antwort #33 am:

Nervig finde ich eher, daß es scheinbar immer nur "DIE" - i.S. von "alle" geben soll. Mir ist schon ein Haufen faules Pack begegnet. Manche von denen waren Hartz IV-Empfänger, die anderen blockieren Arbeitsplätze, die so mancher Arbeitslose sicher motivierter ausfüllen könnte. Muß man darüber jetzt Statistiken führen oder - nach Lehms Methode - immer vorab schreiben "Ich habe keine Vorurteile gegen Arbeitslose, aber..."?
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Paulownia
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Re:Gärtnern statt Arbeitslosigkeit - eine gute Idee

Paulownia » Antwort #34 am:

Gut:Ich habe keine Vorurteile gegen Arbeitslose, aber....-wenn mir ein überqualifizeirter Arbeitsloser vom Arbeitsamt geschickt wird, ich seine Problematik verstehe, daß er mit der Stütze seiner Freundin sich ohne Arbeit besser steht, ich ihm einen zwar unterqualifizierten aber sicheren Arbeitsplatz für 2 Jahre biete und ihm somit helfe aus der Mühle rauszukommen und er dankend ablehnt, dann...-wenn ein ungelernter Hilfsarbeiter nur die Stelle antritt weil ihm quasi nichts anderes übrig bleibt, da er sonst Schwierigkeiten mit der Restunterstüzung vom Arbeitsamt bekommt, lustlos vor sich hindümpelt und mir es peinlich ist,was für furchtbare Arbeit ich ihm doch aufgebe, dann...-wenn ich einen Arbetslosen bei seiner Überveschuldung helfe, das mal vernünftig zu regeln, ich ihn einen Schuldnerberater besorge und er dann ständig auf krank macht, er immer noch nicht gekündigt wird und sich dann mal kurzer Hand mit dem Hammer absichtlich auf's Handgelenk haut, dann....ja dann...frage ich mich...ist die angebotene Arbeit zu schwer, verdient man bei der Arge mehr?ja dann..schwindet so ganz langsam meine vorurteilsfreie Meinung. Um diese jeodch nicht zu verlieren und weiterhin ein gutes Bild von den Arbeitslosen zu behalten, stellen wir keine mehr ein.Übrigens, in meinem Bekanntenkreis gibt es auch Hartz IV Empfänger/Empfängerinnen. Nur Unkrautzupfen statt Buchhaltung ist schon ziemlich heftig. Auch dafür habe ich Verständnis.So, das musste jetzt mal raus.
LG Margrit
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sarastro

Re:Gärtnern statt Arbeitslosigkeit - eine gute Idee

sarastro » Antwort #35 am:

Eine zivilisierte Gesellschaft wird nicht umhin kommen, gewisse "Elemente" durchzufüttern. Es sind ja nicht alle faul, und nur wenige Prozentsätze der Arbeitslosen nützen den Sozialstaat wirklich schamlos und bis auf das Letzte aus. Da wird anderswo schon mehr Geld zum Fenster hinausgeworfen.Hier bei uns braucht man noch keine Arbeitslosen bzw. ausländische Arbeitskräfte anzuheuern, es gibt genug willige vor Ort. Falls man kurzzeitig billige Arbeitskräfte benötigt, kann ein kleines Kontingent aus der nahegelegenen Strafanstalt angefordert werden. Da steht dann vielleicht einer mit der Knarre beim Unkrautjäten dabei und passt auf, dass die nicht türmen! ::)
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freitagsfish
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Re:Gärtnern statt Arbeitslosigkeit - eine gute Idee

freitagsfish » Antwort #36 am:

na, ihr lieben, das thema hat ja eine wendung genommen ::)mich interessierte ja eher, ob ihr solche oder ähnliche projekte wie das von mir beschriebene kennt. was mich ja so fasziniert hat an dem beitrag war dieser begeisterte mann, der so stolz war darauf, daß sie gutes und biologisches gemüse anbauen für die bedürftigen, die es sich bei der örtlichen tafel abholen. ich denke, das ist der entscheidende ansatz dabei: etwas für andere tun, was wichtig ist.und dabei fiel mir noch ein, daß es viel zu wenig lob und anerkennung gibt, besonders für gärtner und auch hilfskräfte, die im öffentlichen raum arbeiten. ich bin einmal auf einem platz bei uns stehengeblieben und habe zwei leute, die dort mit unkrautjäten und gießen beschäftigt waren, gelobt. was für eine schöne anlage sie da in schuß halten, wie sehr ich mich darüber freue, weil ich jeden tag hier vorbeikomme - so in der art.die reaktion war erschreckend, denn die leute waren ganz erschrocken zuerst! als sie merkten, daß ich es ganz ernst meinte, leuchteten sie richtig auf und wir kamen in's gespräch.ich empfehle dieses verhalten ganz allgemein im öffentlichen raum: danke sagen, wahrnehmen, anerkennen, zunicken, lächeln usw. noch eine kleine geschichte: vor ein paar jahren bei großer trockenheit im sommer bin ich in einen blumenladen (!) und habe um einen eimer wasser gebeten. wieso, wofür? na, für den kleinen baum draußen vor ihrem geschäft, sagte ich, der sähe so trocken aus. ich war ganz freundlich und ohne jeden vorwurf, ich bat nur um einen eimer wasser. dieser wurde mir natürlich verweigert, stattdessen wurde losgerannt und selbst gegossen. ich habe fast überschwänglich danke gesagt. mit offensiver freundlichkeit erreicht sich viel...so, und nun: kennt ihr andere projekte in der richtung wie das beschriebene? und: was macht ihr, um den gärtnern anerkennung zu zollen?
sarastro

Re:Gärtnern statt Arbeitslosigkeit - eine gute Idee

sarastro » Antwort #37 am:

Jeder Mensch lebt von Anerkennung, von der Müllabfuhr bis zum Hochleistungsmanager. Da bekommt ein Gärtner sicher noch am meisten Lob zugestanden, mal ganz bescheiden formuliert!
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frida
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Re:Gärtnern statt Arbeitslosigkeit - eine gute Idee

frida » Antwort #38 am:

Es gibt in New York eine ganze Reihe von mittlerweile institutionalisierten Gartenprojekten, die teilweise aus der Besetzung von Brachflächen hervorgegangen sind, die Anwohner mühsam kultviert haben. Mittlerweile wird der Austausch von belastetem Boden gefördert und es gibt auch einige Initiativen, die mit dem Gemüseanbau von diesen Flächen auf regionale Märkte gehen oder sie bei ähnlichen caritativen Orten wie unseren Tafeln anbieten. Stolz auf das selbst regional erzeugte Gemüse ist deutlich sichtbar. Die Akteure werden wohl nicht wie besagte Hartzler durch Arge etc. zu der Arbeite gebracht, es ist wohl mehr Eigeninitiative dabei, aber es gibt eben auch ein Netz, innerhalb dessen das alles stattfindet.Buchtip dazu: Meyer-Renschhausen: Unter dem Müll der Acker. Community Gardens in New York.Sehr spannend zu lesen!!!
Man soll die Dinge nicht so tragisch nehmen, wie sie sind (Karl Valentin)
Nomadin

Re:Gärtnern statt Arbeitslosigkeit - eine gute Idee

Nomadin » Antwort #39 am:

Naja, andere für ihren Job loben: es hört und liest sich nett an. Aber ehrlich gesagt: wenn mich jemand für etwas selbstverständliches lobt, fühle ich mich veralbert. Dem entsprechend werde ich auch andere nicht in dieser Weise ansprechen. Leuten großmütig Jobs für fast kein Geld zuschustern, damit sie sich freuen und nützlich fühlen können, anstatt sie anständig für ihre Arbeit zu entlohnen - ist genauso wenig mein Ding wie Geld für Projekte zu spenden, die ich nicht sehr gut kenne. Ich halte von solchen sicher gut gemeinten Aktionen herzlich wenig, weil sie für mein Gefühl von oben herab und ziemlich gönnerhaft daherkommen.
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kvafaen
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Re:Gärtnern statt Arbeitslosigkeit - eine gute Idee

kvafaen » Antwort #40 am:

und dabei fiel mir noch ein, daß es viel zu wenig lob und anerkennung gibt, besonders für gärtner und auch hilfskräfte, die im öffentlichen raum arbeiten. ich bin einmal auf einem platz bei uns stehengeblieben und habe zwei leute, die dort mit unkrautjäten und gießen beschäftigt waren, gelobt. was für eine schöne anlage sie da in schuß halten, wie sehr ich mich darüber freue, weil ich jeden tag hier vorbeikomme - so in der art.so, und nun: kennt ihr andere projekte in der richtung wie das beschriebene? und: was macht ihr, um den gärtnern anerkennung zu zollen?
aus stadtgärtnerperspektive:es vergeht kein (Sonnen-)tag, an dem nicht mindestens ein und meist viele Passanten stehen bleiben und sagen, wie schön wir das doch machen. (Ich sage Sonnentag, denn bei Regen sind die Büroleute ja nicht draussen und nehmen uns nicht wahr.)Dazu muss ich sagen, dass ich meist nur im Prestigeobjekt Zentrum arbeite. Arbeitet man ausserhalb, so bekommt man kein Lob sondern Fragen, wann denn die Plätze endlich wieder aussehen wie früher, es sähe doch nicht aus.Lob und Kritik hat nichts mit uns zu tun, sondern mit der Politik. Zumindestens in dieser Stadt, wo wir Gärtner nicht mehr selber entscheiden können sondern nur auf Bestellung einer höhergestellten Behörde unsere Arbeit abliefern. Im Zentrum ist Geld keine Frage, ergo wunderbar in Schuss gehalten. Ausserhalb dürfen wir fast nichts mehr machen, ergo kein Lob.Eines ist jedoch sicher, Grünflächen werden wahrgenommen, sie gehen dem durchschnittlichen Passanten nicht am ar**h vorbei.
sarastro

Re:Gärtnern statt Arbeitslosigkeit - eine gute Idee

sarastro » Antwort #41 am:

Wenn Lob als Anerkennung auf eine Arbeit reduziert wird, die nicht dem Herzen bzw. der eigenen Kreativität entsprang, ist es wohl eher Heuchelei. Nur weiß dies der zugegeben oberflächliche Passant nicht immer gleich. Und daher sollte man doch die Lobesphrase zumindest als anerkennende "Bauchpinselei" ansehen, auch wenn wir es für selbstverständlich ansehen.
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fars
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Re:Gärtnern statt Arbeitslosigkeit - eine gute Idee

fars » Antwort #42 am:

Na, das wird den vielen Arbeitnehmern und Hausfrauen nicht gerecht, die Arbeiten allein auftragsgemäß oder aus reinem Pflichtgefühl ausführen. Gute Arbeit verdient immer Lob. In Form von angemessener Bezahlung und/oder verbalen Äußerungen.Gerade sehr schwer fallende und höchst ungern erledigte Arbeit kann nicht genug belobigt werden.
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Paulownia
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Re:Gärtnern statt Arbeitslosigkeit - eine gute Idee

Paulownia » Antwort #43 am:

Naja, andere für ihren Job loben: es hört und liest sich nett an. Aber ehrlich gesagt: wenn mich jemand für etwas selbstverständliches lobt, fühle ich mich veralbert. Dem entsprechend werde ich auch andere nicht in dieser Weise ansprechen.
Recht hast Du ;).So wie ich es kenne, beschäftigt das Stadtgartenamt ein oder mehrere Meister. Ist eine Anzuchtgärtnerei dabei dort nochmals einen Meister.Dieser hat in Bezug auf Pflege und Unterhaltung der Städtischen Anlagen mehrer Arbeitskräfte die er in Kolonnen einteilt, die in erste Linie Pflegemasnahmen wie Rasen mähen etc. durchführen.Alle bekommen ein festes Gehalt, das zwar auch für den Meister nicht sonderlich hoch, aber dafür ein angenehmer Job ist. Das heisst, man macht sich da nicht unbedingt kaputt.Also, die Pflege der öffentlichen Anlagen ist ein ganz normaler Job. Wie Müllfahrer, Standesbeamter oder Bäcker.Und ganz ehrlich. Wäre ich Müllfahrer würde ich mir ziemlich veralbert vorkommen, wenn mir einer sagen würde wie schön ich doch die Mülltonne leere.
LG Margrit
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freitagsfish
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Re:Gärtnern statt Arbeitslosigkeit - eine gute Idee

freitagsfish » Antwort #44 am:

Wäre ich Müllfahrer würde ich mir ziemlich veralbert vorkommen, wenn mir einer sagen würde wie schön ich doch die Mülltonne leere.
und du würdest dann auch das kleine dankeschön-päckchen zu weihnachten entsetzt zurückweisen, nicht wahr?! im ernst, ich bin schon ganz schön erschrocken über eure reaktionen. es scheint ja geradezu unvorstellbar zu sein, lob zu erhalten und zu geben, ohne daß es als irgendwie peinlich oder beleidigend oder erniedrigend empfunden wird. ich hab ja bestimmt auch meine zynischen anteile, aber so ein bißchen weltverbesserung wird ja wohl noch drin sein, oder?und ist in anderen ländern übrigens alltag. ermunternder umgang miteinander scheint hier aber eher strafverschärfend zu sein...
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