So, für alle interessierten Hobbyzüchter habe ich mal die PMs zum Thema in Absprache mit Freiburgbalkon zusammengestellt. Ich bitte zu berücksichtigen, dass das hier geschriebene lediglich meine eigenene Erfahrungen/Auffassungen wiedergibt. Ich bin kein Profi und meine Erkenntnisse sind bestimmt nicht der Weisheit letzter Schluss. zu den Fragen:
Winterliesel, wann hast Du die denn gesät? letzten Dezember?
Ausgesät habe ich im Februar 2007. Bestäubt wurde im Frühsommer 2006, Ernte der Hagebutten im November, Stratifizieren bis Ende Januar im Kühlschrank.
Und wie sah es aus als Du die Hagebutte geöffnet hast? Sind da Samenkörner drin? Wieviele etwa? Hab ja keine Ahnung, sind die etwa stecknadelkopfgroß?
Die Hagebutten (war ein Kreuzungsversuch zwischen Pimpinellifolia und GdD) waren relativ groß (hatte noch andere Pimpinellifolia-Kreuzungen, da waren deutlich kleinere und deutlich mehr Kernchen drin). Die beiden GdD-Hagebutten hatten 7 bzw. 5 Kernchen von ca. 0,5 cm Durchmesser - also jetzt geschätzt ungefähr. Bei anderen Hagebutten waren bis zu 20 Nüßchen drin, aber die waren maximal 1-1,5 mm groß. Ich hatte (subjektiv) den Eindruck, da hat sich mehr die Pimpinellifolie durchgemendelt - wird sich aber noch rausstellen müssen, denn auch da hat kaum was gekeimt (habe beim Stratifizieren wahrscheinlich einen Fehler gemacht).
Was hast Du denn in Züchter-Gewächshäusern für Monster-Hagebutten erspäht? Tischtennisball-Größe?
Ich hoffe, das klappt hier mit dem Einfügen des Bildes. Das war bei Kordes Anfang Juli. Die Papierfähnchen an der Hagebutte sind ca. 2 cm lang, nur damit Du einen Größenvergleich hast.

Und wieso hängt das damit zusammen, ob es eine Gartenbestäubung ist? Meinst Du, die Zufallsbefruchtungen damit, oder die von Hobby-Züchtern? Denn es müßte doch lediglich von den Genen der beiden Rosen-Partner abhängen, oder nicht? Wahrscheinlich klappt eine Zufallsbestäubung im Garten eher mit nicht so stark gefüllten Rosen und da die kleine Knospen haben, sind wohl auch die Hagebutten kleiner, oder?
Es hängt mehr damit zusammen, dass man im Gewächshaus früher an die Kreuzungen rangehen kann (die Rosen blühen dort ja früher) und sie deshalb - und weil sie dort kontrollierter behandelt werden (gefüttert, Triebe ausgeknipst, bewässert, beleuchtet) auch besser ausreifen können.
Hast Du den Hagebutteninhalt komplett in einen Topf getan oder auf mehrere Töpfe verteilt? Oder nur in eine flache Anzuchtschale getan? Und was für Substrat? Und wo stand die bis jetzt?
Ich lege die Saat immer in so Frischkäse-Schälchen (möglichst ein separates Schälchen je Kreuzungsversuch/Hagebutte) mit mit Sand abgeleichterter Anzuchterde. Bisschen Sand drüberstreuen, bis die Nüßchen bedeckt sind, leicht andrücken, anfreuchten, Deckel drauf und ab und zu kontrollieren, ob nichts austrocknet.Einige Zeit lang (4 Wochen) kalt gestellt (Schuppen, Frostwächter etwa bei 5°C), dann reingeholt ins Warme (Fensterbank). Regelmäßig kontrollieren, ob was gekeimt hat - in den Schälchen ist ja nicht viel Platz, da müssen die Winzlinge schon sehr schnell in Töpfchen gesetzt werden.Bis Ende April/Anfang Mai wird geprüft, ob was keimt und dann gleich pikiert. Danach lass ich die Saatschalen austrocknen über Sommer (wenn sie zu spät keimen, bleiben die Pflänzchen zu mickerig, um über den Winter zu kommen).Und überwintert werden sie bei mir draußen - d.h. ich grabe die Töpfe bis Oberkante im Garten in die Erde ein, Vlies drüber und ab in Winterschlaf bis zum Frühling. Nur die Harten kommen in den Garten Meine Methode ist bestimmt nicht der Weisheit letzter Schluss - vielleicht gibt es auch noch andere Alternativen (künstliche Beleuchtung/Wärmezufuhr etc pp). Da schaust Du am besten bei Planten wirklich mal die Einträge von Bea an, die hat schon viel ausprobiert.
Das Foto der Hagebutte bei Kordes ist ja der Hammer! Darf sowas jeder sehen, oder hast Du Beziehungen? Die Hagebutte ist ja aufgeplatzt. Dann muß man sie bestimmt gleich verwerten, oder? Weil die Kernchen vieleicht sonst zu ungeschützt sind.
Die Hagebutte ist nicht die einzige gewesen, die aufgeplatzt zu sein schien. Aber deshalb wurde sie keinesfalls dort vorzeitig geerntet. Es scheint also nicht soooo schlimm zu sein, wenn die Nüßchen offen liegen - aber im Gewächshaus gibt es ja auch eher keine Tiere, die da eine Gefahr darstellen würden.Ich glaube nicht, dass unbedingt jeder in die Gewächshäuser reindarf (bei Tantau sah es übrigens genauso aus - ich hatte dieses Jahr das Glück mit zwei Gruppen zur Besichtigung fahren zu können - Beziehungen hab ich leider nicht). Aber im Zweifelsfall rate ich: einfach mal fragen.
Wegen dem Stratizifieren nochmal: Ich dachte, wenn die Hagebutte einmal leichten Frost abbekommen hätte, wäre das schon ausreichend und man müßte sich gar nicht mehr stratifizieren...? Hast Du denn mit der von Dir beschriebenen Arbeitsweise schon viele Keimerfolge gehabt?
Was das Stratifizieren und den Frost angeht: soweit ich weiss, ist Frost insofern kontraproduktiv, als dass der Frost erst dafür sorgt, dass die keimhemmenden Substanzen in der Hagebutte angereichert werden. Das sorgt dann dafür, dass z.B. Wildrosen erst nach "Überlagerung" (also im übernächsten Jahr) keimen. Rosen werden deshalb vor dem Frost geerntet und mit der Kältebehandlung simuliert man einen Jahreszeitenablauf, der dafür sorgen soll, dass die schon entstandenen Keimhemmer abgebaut werden.Zwingend notwendig ist das Stratifizieren wohl nicht, die Keimhemmer bauen sowieso mit der Zeit ab - es dauert halt nur evtl. länger. Außerdem hat es für so eine Saatanzucht im Zimmer den großen Vorteil, dass die Keimung nicht zu früh erfolgt. Sonst müsste man künstlich beleuchten und konstante Umweltbedingungen schaffen, um die Keimlinge gut durchzubringen, das Abhärten braucht auch länger etc. Das ist mir zu mühsam (bzw. räumlich nicht umzusetzen) und deshalb stratifiziere ich sie im Kühlschrank eine Zeitlang. Wenn sie dann auflaufen, sind sie nicht mehr sooo lange drinnen, sondern können einigermaßen früh erst ins Folienhäuslein und dann ganz nach draußen.Stratifizieren kann man übrigens auch auf chemischen Weg (damit habe ich aber keine Erfahrungen).Was die Keimerfolge angeht: jepp, das funktionierte schon ganz gut. Allerdings ist die Ausfallquote über den Winter bzw. durch Krankheiten (bes. Mehltau) relativ hoch - und da bin ich konsequent, was nicht durchkommt, kommt nicht durch. Ich möchte keine Rose, die ich nur päppeln muss. Davon hab ich schon genug im Garten .
Hast Du bei Deinem Versuch den Blütenstaub von Pimpinellifolie auf die Stempel von GdD getan? Warum so rum und nicht andersrum? Wegen der vererbten Eigenschaften? Züchtest Du gezielt Sorten nach Eigenschaften? Oder mehr so wild aufs Geradewohl?
Gezielt gezüchtet habe ich bisher nur wenig (Rapskäfer bzw. das lange kalte Frühjahr verhinderten eine Umsetzung meiner Ideen im letzten Jahr; der frühe Sommer im April hat dieses Jahr meinen Terminkalender völlig durcheinandergewürfelt, so dass ich fast nix bestäubt habe dieses Jahr), meistens waren es Zufallssämlinge, mit denen ich hier hantiere. Und bei GdD: ich habe sie als Mutterrose genommen, weil sie sehr früh blüht, die Stempel sind gut zu erkennen (im Gegensatz zum Staubfäden-Suchen!) und die Idee, mit einer Wildrose zu kreuzen hat mich einfach "in den Fingern gejuckt". Da die Pimpis aber auch erst nach Überlagerung keimen, könnte es durchaus sein, dass im nächsten Frühjahr noch was "schlüpft".Also mehr aufs Geratewohl - wobei ich mir angucke, was mir gefällt und vielleicht zueinander passen könnte (manchmal gibt es auch in den Büchern Tipps, welche Sorte sich wofür eignet oder welche Eigenschaften gut weitergibt).Übrigens: was machen die Butten von Deiner Madame Berard? Ich habe gerade bei Geschwind (Die Teerose und ihre Bastarde) gelesen, dass man getopfte Rosen zur Ausreifung der Hagebutten zeitig reinholen sollte - vielleicht wäre das eine Option für Dich?P.S. Ich hoffe, dass ich das Wissen um die Stratifikation jetzt richtig wiedergegeben habe - war alles ziemlich kompliziert und ist bei planten innerhalb des letzten Jahres zusammengetragen worden und ich bin nicht 100% sicher, alles richtig zu erinnern.
Ich dachte eher dran, falls es doch früh Frost gibt, die Hagebutten mit Stiel in einen Topf mit Sand zu stellen (im Hausflur) zum Nachreifen, habe gelesen, das ginge... Was meinst Du dazu? Hast Du vielleicht noch eine Internetquelle über das Thema Frost, Hagebutten und keimhemmende Substanzen? Oder hast Du das alles aus Büchern?
nein, das meiste über Keimhemmung etc. habe ich aus dem Netz. Literatur gibt es dazu komprimiert speziell zu Rosen wohl nicht, das ergibt sich wohl meistens aus dem Kontext.Ein alter Faden bei planten ist dazu vielleicht für Dich interessant, es ging dabei um Rosa persica.[url=
http://forum.planten.de/index.php/topic,18609.30.html]hier[url]So ca. ab Seite 3 wird es interessant (und sehr komplex).Was das Nachreifen angeht: ja, davon habe ich auch gehört, dass das gehen soll. Ich selber habe einmal Hagebutten von White Wings abgenommen und die Zweige ganz normal in Wasser gestellt. Hat auch noch gut etwas gebracht. Aber die Sand-Methode soll wohl gängig sein. Wichtig ist dann allerdings, dass die Hagebutten noch keinen Frost hatten - aber auf dem Balkon ist das wohl auch etwas leichter zu verhindern, meist friert es dort ja etwas später als im Freiland.