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Was zählt alles zu Wildstauden? (Gelesen 22602 mal)

Einjährige, Zweijährige, mehrjährige Stauden, Farne, Gräser, Zwiebelpflanzen ...

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Susanne
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Re:Was zählt alles zu Wildstauden?

Susanne » Antwort #45 am:

Schlussfrage: Warum müssen Teile der heimischen Flora "sauber" bleiben?
Ist das ne Fangfrage?
Edel sei der Mensch, hilfreich und gut.
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fars
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Re:Was zählt alles zu Wildstauden?

fars » Antwort #46 am:

Nö, mich interessiert der moralische/ethische oder was auch immer Ansatz.Alles bei uns ist in einem permanenten Wandel, warum soll es die Flora nicht sein?
sarastro

Re:Was zählt alles zu Wildstauden?

sarastro » Antwort #47 am:

Dem pflichte ich uneingeschränkt bei. Vor allem, wenn auf der anderen Seite aus ökonomischen Zwängen heraus die Flora nachhaltig zwangsverändert wird. Und dann regt man sich über einen schönblühenden Bahndamm aus Rudbeckia laciniata und Solidago gigantea auf? Und ist aber handkehrum noch nicht mal in der Lage, langfristigen Biotopschutz zu gewährleisten, sondern transplantiert, wenn ein Naturschutzgebiet im Weg ist. Alles schon dagewesen.
tiarello
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Re:Was zählt alles zu Wildstauden?

tiarello » Antwort #48 am:

Fars, es geht hier nicht um Reinhaltung der Flora. Eine solche auf letztendlich rechter Ideologie basiernde Argumentation in der Neophytendiskussion kommt zwar gelegentlich vor, wird aber von der Wissenschaft und glücklicherweise auch von den meisten Fachinteressierten nicht akzeptiert. Deine Eingangsäußerung...
Wenn wir Einwanderer aus anderen Ländern begrüßen und sie als eine Bereicherung unserer Kultur empfinden sollen, warum dann nicht auch bei Flora und Fauna?
…bedient sich der Umkehrung dieser Argumention. Etwa so: unsere Kultur ist offen für den Wandel durch Einflüsse von außen, also soll es auch unsere Flora sein. Das finde ich zwar plakativ aber fachlich ebenso wenig fundiert.Die Skepsis der ökologischen Wissenschaften gegenüber der Einbürgerung gebietsfremder Arten erklärt sich aber aus praktischer Erfahrung und nicht aus (rechten) Ideologien. Befürchtet wird die Störung des Artengefüges bestimmter Lebensräume und das damit verbundene partielle Aussterben ihrer Arten. Hierzu gibt es genügend Beispiele.Arten- und Biotopschutz ist seit vielen Jahrzehnten Konsens in unserer Gesellschaft, wenn auch nicht selten Verlierer bei Interessenkonflikten. Er ist in zahlreichen Gesetzen festgeschrieben. Für manch einen mag er seine Wurzeln im „Konservativen“ haben. Wichtiger dürften jedoch die moralische Motivation sein (Respekt vor den Mitbewohnern unserer Erde) aber auch pragmatische Überlegungen (Ökonomische Grundlage der Bevölkerung).Die gelegentlich geäußerte Auffassung, dass das Artengefüge der Lebensräume schon immer im Fluss war, Arten entstanden und vergingen, einwanderten und wieder verschwanden, auch schon vor dem Menschen und dass somit auch die heutigen Veränderungen der Floren und Faunen kein nennenswerter Anlass zur Sorge sein, ist zwar bestechend , doch lässt die unterschiedlichen Zeitdimensionen völlig außer Acht. So ist die nacheiszeitliche Wiederbesiedlung der Britischen Inseln beim besten Willen nicht mit den Veränderungen zu vergleichen, denen die Kulturlandschaft der letzten 100 Jahre unterlag.Dass der Neophyten/Neozoenproblematik innerhalb der Naturschutzthemen machmal zuviel Raum eingeräumt wird, ist allerdings richtig. Die direkte Lebensraumzerstörung durch intensive Landwirtschaft oder durch Überbauung sind wahrscheinlich bis heute die dringlicheren Themen.
Querkopf
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Re:Was zählt alles zu Wildstauden?

Querkopf » Antwort #49 am:

Hallo, Tiarello,
... Die Skepsis der ökologischen Wissenschaften gegenüber der Einbürgerung gebietsfremder Arten erklärt sich aber aus praktischer Erfahrung und nicht aus (rechten) Ideologien. Befürchtet wird die Störung des Artengefüges bestimmter Lebensräume und das damit verbundene partielle Aussterben ihrer Arten. ...
in die gleiche Richtung führt auch eine Argumentation gegen "Ansalbungen", die ich entweder hier, bei Planten oder in den Neoflora-Foren gelesen habe und sehr schlüssig finde. Verkürzt und vereinfacht:Trägt man "gebietsfremde" Pflanzen/ Tiere in die freie Landschaft ein oder Exemplare "gebietsheimischer" Organismen, die von anderswoher stammen, dann wird sich im Laufe der Generationen das Erbgut beider Seiten mischen. Dabei kann es passieren, dass Gene der "Original"-Flora oder -Fauna im Lauf der Zeit völlig untergehen; der Genpool der betreffenden Arten wird also ärmer, die genetische Vielfalt reduziert. Und das kann sich u. U. fatal auswirken für die Überlebensfähigkeit der Art insgesamt. Denn je reicher der Genpool, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass einzelne Individuen einer Art gegen neu aufkommende Krankheiten, Schadorganismen oder abiotische Stressfaktoren Widerstandskräfte entwickeln und so die Art vor dem Untergang bewahren. Es geht also nicht um "Reinheit", sondern um Vielfalt. Wie weit Wildpflanzen von derartigen Verarmungen des Genpools bereits betroffen sind, weiß ich als Nicht-Fachfrau nicht (kann mich aber gut an Biologen-Donnerwetter gegen z. B. Garten-Akeleien erinnern, durch deren Ausbreitungsdrang "echt-wilde" ;) Aquilegia-Typen verdrängt würden). Bei Kulturpflanzen sind solche Prozesse längst ein Riesenproblem, man denke nur an Kartoffeln oder Äpfel. Schöne GrüßeQuerkopf
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pearl
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Re:Was zählt alles zu Wildstauden?

pearl » Antwort #50 am:

bei dem Wort Florenverfälschung oder noch schlimmer Faunenverfälschung könnte ich Pickel kriegen! Es geht nicht um diese Genpools dabei. Wenn ein Naturschutzwart streng darauf achtet, dass die Kröten oder Lurche aus dem lokalen natürlichen Gewässer nicht in benachbarte Gartenteiche oder andere Gewässer verbracht werden mit dem Argument der Faunenverfälschung, aber im gesamten Gebiet, das viele natürliche Feuchtstellen hat, in trockenen Steinbrüchen Plastikteiche anlegt - landschaftspflegerisch nicht gerade geschickt - dann weiß ich es nicht!Es geht dabei darum, dass es Lokalformen gibt, die eine gewisse geschickte Anpassung an genau diesen kleinräumigen Lebensraum schon besitzen. Diese Lokalformen könnten gefährdet sein, wenn dazu noch Formen der gleichen Art aus anderen Gegenden auftauchen. Allerdings sehe ich nicht wieso sie dann einen Selektionsvorteil in den neu angesiedelten Arten sehen.Im übrigen ist unsere Flora- und Fauna sowas von verfälscht, es ist nicht zu fassen. Wie wir das vermeiden können, dass das so weiter geht? Mein Problem bei jeder Fahrt in den nächsten Ort ist eher der, dass dort nackte Stümpfe in den Himmel ragen. Weil letztes Jahr mal ein Baum auf die Straße gefallen ist musste eine alte Eichenallee und ein angrenzendes Wäldchen dran glauben. Florenverfälschung finde ich findet dort statt wo man dem natürlichen Bestand von Wald vernichtet und einer Brombeerwüstenei Raum gibt, weil man eben keine Kulturflächen mit Wiesen oder Weiden auf diesen Flächen anlegen kann. Das ist hochgradiger Unfug und der totale Wahnsinn.
“I love science, and it pains me to think that so many are terrified of the subject or feel that choosing science means you cannot also choose compassion, or the arts, or be awed by nature. Science is not meant to cure us of mystery, but to reinvent and reinvigorate it.”

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fars
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Re:Was zählt alles zu Wildstauden?

fars » Antwort #51 am:

Arten- und Biotopschutz ist seit vielen Jahrzehnten Konsens in unserer Gesellschaft, wenn auch nicht selten Verlierer bei Interessenkonflikten. Er ist in zahlreichen Gesetzen festgeschrieben. Für manch einen mag er seine Wurzeln im „Konservativen“ haben. Wichtiger dürften jedoch die moralische Motivation sein (Respekt vor den Mitbewohnern unserer Erde) aber auch pragmatische Überlegungen (Ökonomische Grundlage der Bevölkerung).
Damit driftest du in eine völlig andere Richtung, wie auch Querkopfs oder Pearls Beiträge inzwischen zeigen. Das ist und war nicht die Intention dieses Threads.In der bisherigen Diskussion ging es nicht um eine Arten- oder Biotop(zer)störung durch bewusste Eingriffe in die Natur und Vernichtung von Lebensraum oder "Ansalbung" (wer hat das eigentlich als Erster in die Diskussion eingebracht?), sondern lediglich um die Frage, inwieweit wir die heimische Flora/Fauna beeinflussen und verändern durch importierte Kulturpflanzen (man denke hierbei auch mal an die zum Pflanzenschutz eingeschleppten Insekten).Diese florale "Unschuld" haben wir doch bereits seit Jahrhunderten verloren. Und niemand, selbst nicht Botanische Gärten, legt sich in dieser Hinsicht irgendwelche Beschränkungen auf, wenn man mal von einigen wenigen "gefährlichen" Pflanzen absieht.Wenn also der Stolz jedes BoGas seine Artenvielfalt und seine mannigfachen Scheinbiotope sind, warum soll es dann nicht auch die Freude eines jeden Gärtners sein.Und wenn immer wieder die Akelei als warnendes Beispiel für Gen-Verarmung angeführt wird (das Forumsmitglied Grasmuck hatte, so weit ich mich erinnere, in dieser Richtung auch schon mal etwas ausgeführt), so kann man dem wohl auch die zunehmende Florenvielfalt gegenüberstellen. Dabei muss man nicht unbedingt Impatiens glandulifera nennen, sondern eher vielleicht Viola odorata, Cymbalaria muralis oder Oenothera.Aber auch bei diesem Aspekt geht es im Rahmen der ursprünglichen Diskussion wiederum nicht um Genmanipulationen oder bewusste Züchterische Selektion von Zier- und Nutzpflanzen.
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JörgHSK
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Re:Was zählt alles zu Wildstauden?

JörgHSK » Antwort #52 am:

Florenverfälschung finde ich findet dort statt wo man dem natürlichen Bestand von Wald vernichtet und einer Brombeerwüstenei Raum gibt, weil man eben keine Kulturflächen mit Wiesen oder Weiden auf diesen Flächen anlegen kann. .. Eintrag von Pearl..Ich finde das Brombeergebüsche durchaus einen Platz in unserem Ökosystem haben. Ausgenommen natürlich Rubus armeniacus die das ganze Ruhrgebiet überspinnt, ich dachte eher an die heimische Rubus Flora.
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pearl
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Re:Was zählt alles zu Wildstauden?

pearl » Antwort #53 am:

dein Avatar ist schön, Geranium phaeum kenne ich leider nicht von Wildstandorten. Aber der Brombeere ist es wurst welche Art sie ist. Sie profitiert an allen Standorten durch hohen Stickstoffeintrag durch die Luft und durch landschaftspflegerische Fehler.
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tiarello
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Re:Was zählt alles zu Wildstauden?

tiarello » Antwort #54 am:

Hallo Fars, wir haben uns tatsächlich weit vom Ursprungthema entfernt.Vielleicht noch mal zu den Begriffen: Flora und Flora eine Gebietes bezeichnet in der ökologischen Wissenschaft nur die wildvorkommenden, nicht kultivierten Organismen. Nutz- und Zierpflanzen sind ausgeschlossen. Entsprechend ist der Bezugsraum bei der (ernstzunehmenden) Neophyten/Neozoendiskussion immer die freie Landschaft, nicht aber der Garten.Deinen Beitrag...
Wenn wir Einwanderer aus anderen Ländern begrüßen und sie als eine Bereicherung unserer Kultur empfinden sollen, warum dann nicht auch bei Flora und Fauna?
… habe ich als aber als Legitimation zur freien Gestaltung der Flora in der freien Landschaft verstanden. Quasi freie Einbürgerung von Arten in die freie Landschaft nach ästhetischen oder was für Gesichtspunkten auch immer. Das wiederum fände ich völlig inakzeptabel und mit dem Biotop- und Artenschutz nicht zu vereinbaren. Deshalb meine Ausführungen zu diesem Thema.Um es abschließend noch einmal klarzustellen: Die Folgen des Einbürgerns gebietsfremder Arten in die freie Landschaft sind nur schwer vorhersagbar und können dem Naturschutz entgegenlaufen. Deshalbsind Ansalbungen gesetzlich reglementiert und sollten es meiner Meinung auch bleiben. Die Diskussion darüber sollte den Fachbezug nie verlieren und sich nicht von Xenophobie, aber ebenso wenig von einer fatalistischen Laissez-Faire-Haltung leiten lassen.Die Kultur gebietsfremder Arten in Gärten ist dagegen ganz anders zu beurteilen. Ich halte sie für sehr wünschenswert und will jedenfalls nicht darauf verzichten.@ Querkopf : Schön, dass du diesen Link gesetzt hast. Er bietet wirklich gute Grundlageninformationen und das eben ohne ins Plakative abzugleiten. Die Diskussion des Neofloren-Forums ist natürlich nicht ganz frei davon.Und um jetzt endlich wieder zu Ausgangsthema zurückzukehren. Mein Interesse gilt u. a. auch den Wildarten, z. T. auch den heimischen. Liegt wohl am ehesten daran, dass ich mich besonders gerne an zurückhaltender Schönheit erfreue (z. B. Melica nutans, Campanula rapunculus, Sanicula europaea).
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fars
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Re:Was zählt alles zu Wildstauden?

fars » Antwort #55 am:

Deinen Beitrag...
Wenn wir Einwanderer aus anderen Ländern begrüßen und sie als eine Bereicherung unserer Kultur empfinden sollen, warum dann nicht auch bei Flora und Fauna?
… habe ich als aber als Legitimation zur freien Gestaltung der Flora in der freien Landschaft verstanden.
Dann hast du mich missverstanden.Mir ging es tatsächlich nur um die ungewollten Gartenflüchtlinge bzw. eine von diesen ausgehende Beeinflussung der einheimischen Flora. Wieder ungewollt, aber nicht verhinderbar.
bristlecone

Re:Was zählt alles zu Wildstauden?

bristlecone » Antwort #56 am:

Vielleicht noch mal zu den Begriffen: Flora und Flora eine Gebietes bezeichnet in der ökologischen Wissenschaft nur die wildvorkommenden, nicht kultivierten Organismen. Nutz- und Zierpflanzen sind ausgeschlossen. Entsprechend ist der Bezugsraum bei der (ernstzunehmenden) Neophyten/Neozoendiskussion immer die freie Landschaft, nicht aber der Garten.
Sorry, wenn ich nochmal vom Thema etwas abschweife.Leider ist "die freie Landschaft" in den letzten Jahrzehnten dank zunehmend effektiver und intensiver Landwirtschaft immer artenärmer geworden. Man denke nur an inzwischen fast ausgestorbene Ackerunkräuter (Consolida etc.) oder an Pflanzen von Magerrasen. Im Schwarzwald, und sicher nicht nur dort, verschwinden artenreiche Wiesenpflanzengesellschaften, da sie sich dank üppiger Gülledüngung in sattgrüne artenarme Löwenzahnwiesen verwandeln. Gibt schöne Bilder für die Hochglanzprospekte der Tourismusverbände, aber ökologische Wüsten.Die allermeisten Pflanzen sind bei uns ausgestorben, weil ihre Standorte vernichtet oder so verändert wurden, dass sie dort durch andere heimische! Pflanzen verdrängt wurden.Für das immer wieder vorgebrachte Argument, dass heimische Pflanzen durch Neophyten verschwinden, hätte ich gerne mehr Beispiele als Reynoutria und Impatiens glandulifera.Dass nicht heimische Pflanzen absichtlich in die freie Landschaft ausgebracht werden, um sie zu "verschönern" oder zu "bereichern", dürfte nach wie vor die Ausnahme sein. Eher geschieht das durch die Landwirtschaft, wenn neue Kulturpflanzen(sorten) ausgebracht werden, oder beim Straßenbau zur anschließenden Begrünung der freien Flächen durch Saatgutmischungen.
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uliginosa
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Re:Was zählt alles zu Wildstauden?

uliginosa » Antwort #57 am:

Die allermeisten Pflanzen sind bei uns ausgestorben, weil ihre Standorte vernichtet oder so verändert wurden, dass sie dort durch andere heimische! Pflanzen verdrängt wurden.Für das immer wieder vorgebrachte Argument, dass heimische Pflanzen durch Neophyten verschwinden, hätte ich gerne mehr Beispiele als Reynoutria und Impatiens glandulifera.Dass nicht heimische Pflanzen absichtlich in die freie Landschaft ausgebracht werden, um sie zu "verschönern" oder zu "bereichern", dürfte nach wie vor die Ausnahme sein. Eher geschieht das durch die Landwirtschaft, wenn neue Kulturpflanzen(sorten) ausgebracht werden, oder beim Straßenbau zur anschließenden Begrünung der freien Flächen durch Saatgutmischungen.
Weitere Beispiele: Solidago canadensis und giganteaPrunus serotinaRobinia pseudoacaciaSyringa vulgarisPopulus x canadensisDass die heimischen Arten völlig verschwinden kann in den meisten Fällen zwar nicht gesagt werden, aber ihre Lebensräume werden auch durch diese Arten doch teilweise erheblich eingeschränkt.Zu Robinie und Flieder: Die wurden um die Jahrhundertwende (19./20.) auf Porphyrkuppen und kleinen Kohlehalden hier in der Gegend tatsächlich zur Verschönerung eingebracht. Die Magerrasenarten, die sonst dort artenreiche Gesellschaften bilden, werden, besonders durch die stickstofffixierende Robinie, die Holunder, Brennnesseln, Geum urbanum u.ä. mit sich bringt, nachhaltig verdrängt. Die heimische Schwarzpappel ist inzwischen auf der Roten Liste, weil durch die Hybridisierungen mit den eingeführten Pappeln kaum noch reinrassiger Jungwuchs nachkommt. Die Goldruten breiten sich hier auf Brachen und halbruderalen Flächen massiv aus, so dass zartere Arten sich gar nicht erst ansiedeln können.Aber sonst hast du natürlich in allen Punkten recht, bristlecone: Artenreiche Wiesengesellschaften werden entweder durch Düngung und Intenisvierung zerstört oder auf kleinen Flächen und in Hanglagen, wo die Bewirtschaftung nicht mehr lohnt durch Verbrachung.
Viele Grüße aus dem Trockengebiet, Uli
tiarello
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Re:Was zählt alles zu Wildstauden?

tiarello » Antwort #58 am:

Stimme dir sehr zu, bristlecone und hab aber auch vorher nichts gegenteiliges gemeint. ;)
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altrosa
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Re:Was zählt alles zu Wildstauden?

altrosa » Antwort #59 am:

Ein Beispiel, wie verschiedene Faktoren zusammenwirken: in unserer Agglomeration sind Tobel ein wichtiges Landschaftselement. Früher wuchs dort z.B. einheimischer Seidelbast. Heute ist in dieser Lage der Kirschlorbeer, der eine sehr beliebte Gartenpflanze ist zur rechten Plage geworden, ebenso vermehren sich weitere Immergrüne (Stechpalme, runzliger Schneeball, bereits erste Hanfpalmen). Dazu beigetragen hat neben der Verwilderung aus den Gärten auch mildere Winter und dichterer Wald.
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