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Tüpfelfarn (Gelesen 9462 mal)
Moderatoren: Nina, Phalaina, AndreasR
Re:Tüpfelfarn
Und genau diesen Punkt finde ich als den absolut spannendsten unseres gesamten Berufsfeldes. Nicht nur stur heil Pflanzen produzieren und sie für Lebensbereich xy zu empfehlen, sondern auch mal darüber hinaus zu operieren, aufgrund von Erkenntnissen, wie sie die Natur uns mit viele Beispielen aufzeigt. Und daher darf es auch einmal eine schrille Verwendung sein, wie beispielsweise Helianthus neben Sumpfporst, Aster divaricatus neben Erodium hybridum, Polypodium vulgare zwischen Rhododendron luteum oder Lythrum neben Eryngium sein. Ich sah in der Natur einmal Preiselbeeren als Felsfugenpflanze. Im Herbst hatte dies eine traumhafte Herbstfärbung! Im Garten ist dies kaum nachzuvollziehen.Es ist dann wohl eher eine Frage der Ästhetik als die der untergeordneten Lebensbereichsgeschichte, die bei vielen Stauden durch ihre breitgefächerte Standortamplitude obsolet wird. Die Engländer machen es uns schließlich seit langer Zeit vor.
Re:Tüpfelfarn
Zwischenbericht zur nachweihnachtlichen Tüpfelfarnsuche.Heute machte ich meinen Verdauungspaziergang in einem Waldstück etwa 4 km nördlich vom Tüpfelfarnfund. In diesem Waldstück haben wir als Kinder schon Waldheidelbeeren gepflückt.Die Vorkommen existieren auch heute noch. Trotz intensiver Suche konnte ich jedoch keinen einzigen Tüpfelfarn entdecken. :PDafür fiel mir jedoch auf, dass die Standortamplidude für Vaccinium myrtillum offenbar doch größer sein muss als man das nach den genannten Zeigerwerten für die Bodenreaktion und die Nährstoffarmut vermuten könnte.Dieser Wald verfügt im Gegensatz zu dem Tüpfelfarnstandort über eine ausgesprochen artenreiche Krautschicht, die sich mosaikartig, jedoch flächig über das Waldstück verteilt. Neben ausgedehnten Einzelvorkommen von Oxalis (vermutlich O. acetosella) und sogar Galium odoratum abseits der Wege ist mir heute an den Wegrändern vor allem ein flächendeckender Bestand von Geum urbanum aufgefallen, der an mindestens einer Stelle stark mit Ajuga reptans durchsetzt ist. Aus dem Sommer erinnere ich mich an Impatiens noli-tangere, Eupatorium cannabium und an sehr feuchten Stellen auch an Filipendula ulmaria.Obwohl diese Arten eigentlich alle nährstoffreichere Standorte bevorzugen und zum Teil auch höheren Ansprüche an PH-Wert haben, scheinen die Vaccinium-Bestände durchaus vital und keine Reliktvorkommen zu sein.Die These, Polypodium vulgare und Vaccinium myrtillus einfach nur als Relikte von ehemals größeren Populationen zu betrachten, die durch Eutrophierung, Grundwasserabsenkung oder was auch immer auf dem Rückzug sind, scheint daher für mich nicht unbedingt ein geeigneter Erklärungsansatz zu sein.PS.: Ich werde auch weiter nach den Tüpfelfarnen suchen.

Gartenanarchist aus Überzeugung! Und ich bin kein Experte sondern immer noch neugierig...
Re:Tüpfelfarn
Ich habe die klassischen "Engländer" mit ihren Rabatten auch einmal bewundert, bis ich begriffen habe, mit wie viel Aufwand die "Mixed Borders" betüdelt werden müssen.Neben den Lebensbereichen, die mein Lehrherr mir einmal "eingeprügelt" hat, war es dann tatsächlich eine Frau von der "Insel" mit ihrem Buch "im grünen Reich der Stauden", die mich gelehrt hat, Pflanzen zu verwenden.Ästhetik entsteht für mich eigentlich automatisch, wenn man sich an den Leitlinien der "Lebensbereiche" orientiert. Dies gilt für mich auch dann, wenn man sich aus geographisch unterschiedlichen Florenwelten bedient. Die Auslotung von Standortamplituden bleibt für mich immer ein Experiment, das zwar spannend ist und gestalterisch zu überraschend stimmigen und sogar nachhaltig dauerhaften Kombinationen in Garten führen kann.Andererseits grausen mich mich viele Pflanzenkombinationen von sogenannten "Gartendesignern" (und mögen sie auch den Titel "Architekt" führen). Auch auf BuGa's und ähnlichen Veranstaltungen sind solche Pflanzungen manchmal zu sehen. :PTrotzdem bin und bleibe ich hier wohl lebenslang "Lehrling".Und genau diesen Punkt finde ich als den absolut spannendsten unseres gesamten Berufsfeldes. Nicht nur stur heil Pflanzen produzieren und sie für Lebensbereich xy zu empfehlen, sondern auch mal darüber hinaus zu operieren, aufgrund von Erkenntnissen, wie sie die Natur uns mit viele Beispielen aufzeigt. Und daher darf es auch einmal eine schrille Verwendung sein, wie beispielsweise Helianthus neben Sumpfporst, Aster divaricatus neben Erodium hybridum, Polypodium vulgare zwischen Rhododendron luteum oder Lythrum neben Eryngium sein. Ich sah in der Natur einmal Preiselbeeren als Felsfugenpflanze. Im Herbst hatte dies eine traumhafte Herbstfärbung! Im Garten ist dies kaum nachzuvollziehen.Es ist dann wohl eher eine Frage der Ästhetik als die der untergeordneten Lebensbereichsgeschichte, die bei vielen Stauden durch ihre breitgefächerte Standortamplitude obsolet wird. Die Engländer machen es uns schließlich seit langer Zeit vor.

Gartenanarchist aus Überzeugung! Und ich bin kein Experte sondern immer noch neugierig...
Re:Tüpfelfarn
Mir geht es auch so. Auch mir graust es, wenn ich manche Kombis sehe.Ich habe die klassischen "Engländer" mit ihren Rabatten auch einmal bewundert, bis ich begriffen habe, mit wie viel Aufwand die "Mixed Borders" betüdelt werden müssen.Neben den Lebensbereichen, die mein Lehrherr mir einmal "eingeprügelt" hat, war es dann tatsächlich eine Frau von der "Insel" mit ihrem Buch "im grünen Reich der Stauden", die mich gelehrt hat, Pflanzen zu verwenden.Ästhetik entsteht für mich eigentlich automatisch, wenn man sich an den Leitlinien der "Lebensbereiche" orientiert. Dies gilt für mich auch dann, wenn man sich aus geographisch unterschiedlichen Florenwelten bedient. Die Auslotung von Standortamplituden bleibt für mich immer ein Experiment, das zwar spannend ist und gestalterisch zu überraschend stimmigen und sogar nachhaltig dauerhaften Kombinationen in Garten führen kann.Andererseits grausen mich mich viele Pflanzenkombinationen von sogenannten "Gartendesignern" (und mögen sie auch den Titel "Architekt" führen). Auch auf BuGa's und ähnlichen Veranstaltungen sind solche Pflanzungen manchmal zu sehen. :PTrotzdem bin und bleibe ich hier wohl lebenslang "Lehrling".Und genau diesen Punkt finde ich als den absolut spannendsten unseres gesamten Berufsfeldes. Nicht nur stur heil Pflanzen produzieren und sie für Lebensbereich xy zu empfehlen, sondern auch mal darüber hinaus zu operieren, aufgrund von Erkenntnissen, wie sie die Natur uns mit viele Beispielen aufzeigt. Und daher darf es auch einmal eine schrille Verwendung sein, wie beispielsweise Helianthus neben Sumpfporst, Aster divaricatus neben Erodium hybridum, Polypodium vulgare zwischen Rhododendron luteum oder Lythrum neben Eryngium sein. Ich sah in der Natur einmal Preiselbeeren als Felsfugenpflanze. Im Herbst hatte dies eine traumhafte Herbstfärbung! Im Garten ist dies kaum nachzuvollziehen.Es ist dann wohl eher eine Frage der Ästhetik als die der untergeordneten Lebensbereichsgeschichte, die bei vielen Stauden durch ihre breitgefächerte Standortamplitude obsolet wird. Die Engländer machen es uns schließlich seit langer Zeit vor.![]()


- oile
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Markgräfin von Pieske, Gierschkultivatorin Brandenburg, zwei Gärten: Nähe Schönefeld und Nähe Fürstenwalde.
Re:Tüpfelfarn
Dass dieser Mix allerdings jetzt "New German Style" heißen muss, bleibt mir schleierhaft.

Bis jetzt ist es gut gegangen, sagte der Mann, als er am 13. Stockwerk vorbei fiel.
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Re:Tüpfelfarn
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Erich Kästner, (1933/46), Ein alter Mann geht vorüber
“Frei zu sein bedeutet nicht nur seine eigenen Ketten abzulegen, sondern sein Leben so respektvoll zu leben, dass es die Freiheit anderer steigert.“ Nelson Mandela
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Re:Tüpfelfarn
ich heiße aber nicht german.

Bis jetzt ist es gut gegangen, sagte der Mann, als er am 13. Stockwerk vorbei fiel.
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Re:Tüpfelfarn
Besser wäre der Begriff „Teutscher Stiel“.
„Am Ende entscheidet die Wirklichkeit.“ Robert Habeck
Re:Tüpfelfarn
Besser wäre der Begriff „Teutscher Stiel“.

“I love science, and it pains me to think that so many are terrified of the subject or feel that choosing science means you cannot also choose compassion, or the arts, or be awed by nature. Science is not meant to cure us of mystery, but to reinvent and reinvigorate it.”
— Robert M. Sapolsky
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Re:Tüpfelfarn
Die schönsten Bestände fand ich im Pfälzerwald in höheren Lagen ( ca. 400-600 m) auf Buntsandsteinen aufsitzend oder sogar daran "klebend", manchmal waren sogar 2-3 qm große Flächen mit Tüpfelchen bedeckt
Typische Baumarten sind hier überwiegend Fagus sylvatica, Pinus sylvestris, Quercus petrea und Picea abies.

Re:Tüpfelfarn
So lange die Gärten die Individualität und Kreativität der Gestalter bzw. Besitzer erkennen lassen, ist mir eigentlich egal, welches Etikett dran baumelt.Die Idee der einer standortgerechten (nachhaltigen?) Gartengestaltung ist jedenfalls älter als das Etikett und kommt sicher nicht nur aus Deutschland. Die Frage ist nur, wie weit man gehen kann oder anders herum, wie eng das Thema gefasst wird.So faszinierend ich z. B. mein Weihnachtsbuch von Rick Darke finde. Das Konzept vom "American Woodland Garden" hatten wir hier in Deutschland vor 25 Jahren mit der Ökogartenbewegung und der Tabuisierung nicht einheimischer Pflanzen so ähnlich auch schon einmal.
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Re:Tüpfelfarn
genau, auf der gegenüberliegenden Seite des Oberrheingrabens auf Diorit Granit große Bestände unter krüppeligen, malerischen, windgebeutelten Eichen am Kuhberg in Schriesheim. Ich freu mich jedes Mal, wenn ich dort laufen gehe.Die schönsten Bestände fand ich im Pfälzerwald in höheren Lagen ( ca. 400-600 m) auf Buntsandsteinen aufsitzend oder sogar daran "klebend", manchmal waren sogar 2-3 qm große Flächen mit Tüpfelchen bedecktTypische Baumarten sind hier überwiegend Fagus sylvatica, Pinus sylvestris, Quercus petrea und Picea abies.
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Re:Tüpfelfarn
Gerade weil der Lebensbereich (Stein/Fels) in meiner näheren Umgebung in der Landschaft fehlt, wird der Tüpfelfarn hier wahrscheinlich auch wirklich selten sein. Und obwohl die Standortamplitude offenbar doch recht groß ist bzw. Polypodium in Gartenkultur recht anpassungsfähig ist, kommt er vielleicht in Verbindung mit Steinen am besten zur Geltung.Ich konnte ihm leider nur einen kleinen Findling bieten.Die schönsten Bestände fand ich im Pfälzerwald in höheren Lagen ( ca. 400-600 m) auf Buntsandsteinen aufsitzend oder sogar daran "klebend", manchmal waren sogar 2-3 qm große Flächen mit Tüpfelchen bedecktTypische Baumarten sind hier überwiegend Fagus sylvatica, Pinus sylvestris, Quercus petrea und Picea abies.

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Re:Tüpfelfarn
irgendwie - artenarme Eichenwälder gibt es auch auf plattem Land und die Karte weist dort flächendeckende Bestände aus. Bristlecone wies darauf hin, unter anderem.Gerade weil der Lebensbereich (Stein/Fels) in meiner näheren Umgebung in der Landschaft fehlt, wird der Tüpfelfarn hier wahrscheinlich auch wirklich selten sein.
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Re:Tüpfelfarn
Bristlecone sprach von Schleswig-Holstein. Das sind andere Standortbedingungen. Diese Verbreitungskarte von Floraweb weist hier keine Vorkommen aus und Gerhard Nitter betont auch "seltener in einigen Gebieten des Norddeutschen Tieflandes".Auch wenn in Niedersachsen bei Floraweb Bestände als "Polypodium aggr." und nicht unter P. vulgare eingegeben wurden (siehe Tiarello), glaube ich nicht, das ich hier bei mir noch viele Tüpfelfarne finden werde. Im niedersächsichen Weserbergland mag dies schon wieder ganz anders aussehen.
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