Auch wenn der winterliche Garten meist matschig und braun ist, gibt es wenigstens ab und zu ein paar Lichtblicke, wenn mal für wenige Stunden die Sonne scheint, oder wenn es sogar ein wenig Schnee und Eis gibt - wobei man diese Tage hier im Südwesten ja mehr oder weniger an einer Hand abzählen kann. Da verstehe ich es durchaus, wenn die Leute ihren Garten "winterfest" machen und frühzeitig alles abschneiden, denn triefnasse Stauden, die unmotiviert im Beet hängen, sind wahrlich kein schöner Anblick, und die kleinen Schneekrönchen oder glitzernde Eiskristalle sind so selten, dass man schon einiges an Duchhaltevermögen braucht, um sich die Trostlosigkeit länger anzuschauen.
Aber immerhin, manchmal zeigen sich dann doch schöne Farben und Strukturen, und die gilt es, im Winter herauszustellen und unter die Lupe zu nehmen, seien es nun die frostgesprenkelten Eibenkegel bei Lou-Thea, letztes Herbstlaub und Chrysanthemenblüten bei polluxverde, oder die blühende Schneeheide und die schönen Rosetten der Hauswurze sowie das farbige Laub der Bergenien bei Mediterraneus. Mein triefnasser, nebelverhüllter Garten lädt auch heute nicht zu einem Rundgang ein, aber immerhin, kurz vor dem Kälteeinbruch Ende November gab es in der Nacht ein wenig Schnee, sowie einen wunderbaren Sonnenaufgang, und auch vor ein paar Tagen schien endlich wieder einmal für einen Tag die Sonne, so dass ich beim Gartenrundgang ein paar schöne Fotos machen konnte.
Nur wenige Stauden im Garten erfreuen wirklich rund ums Jahr, aber die Hohen Fetthennen sind so eine Ausnahmeerscheinung, auch wenn sie bei zu viel Regen leicht auseinanderfallen. Aber die kleinen Schneehäubchen auf den Blütentellern sind einfach entzückend, da dürfen sie auch gerne etwas schief stehen. Ende November zeigten sie noch ein paar herbstliche Töne, ebenso wie die Astern und die etwas klein geratene Rutenhirse im Vorgarten. Nun leichtet auch die rote Rinde von Cornus sanguinea 'Anny's Winter Orange", und der niedrige weißblühende Lauch, der sich im Vorgartenbeet überall ausgesät hat, sorgt im Winterhalbjahr für frisches Grün, auch wenn das Laub ähnlich wie das der Muscari etwas unordentlich wirkt.
Auch Polystichum setiferum ist schön überzuckert und wird den ganzen Winter lang zieren, während das Laub der Wurmfarne nach dem Frost nun braun geworden und umgeknickt ist. Unter den Wedeln und rundherum haben sich die Cyclamen coum ausgesät, die werde ich noch ein wenig freischneiden. Durch den ewigen Regen leiden die Blüten der Christrosen, und so bin ich froh, dass sie wenigstens ab und zu mal ein paar Sonnenstrahlen bekommen, zusammen mit dem sattgrünen, schneegesprenkelten Laub sehen sie besonders festlich aus.
Im Licht der tiefstehenden Morgensonne leuchtet mein Schattengarten wenigstens für einen kleinen Moment auf, so dass die einziehenden Gräser und Farne noch einmal auf, und es ergeben sich schöne Licht- und Schattenspiele. Nun übernehmen die immergrünen Farne, die Seggen und der Schlangenbart das Regime, bevor überall dazwischen die Schneeglöckchen emporwachsen. Noch vermisse ich das Laub von zwei oder drei Cyclamen coum, die ich letztes Jahr gepflanzt habe, hoffentlich haben sich die Knollen nicht verabschiedet...
Die Wiese unten im Garten liegt noch im tiefen Schatten, und am Hang standen vor dem Frosteinbruch noch die zahlreichen Wedel der Wurmfarne, dahinter leuchtet rechts noch das orangerote Laub von Cotoneaster horizontalis. Aus der Ferne wirkt der Hang mit den Resten der Stauden noch ganz nett, zu nah sollte man aber nicht herangehen, denn die größtenteils umgeknickten Stauden haben ein riesiges Gewirr hinterlassen, hoffentlich trocknet es im Winter irgendwann mal ab, damit ich mit dem Rückschnitt beginnen kann. Sehr hübsch im Morgenlicht leuchteten auch die Silbertaler und lenken so vom Gerümpel der Nachbarn jenseits des Bachs ab.
