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Gefunden - Ficaria und Sorten (Gelesen 11482 mal)

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Moderatoren: Nina, Phalaina, AndreasR

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Equisetum
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Gefunden - Ficaria und Sorten

Equisetum »

Beim gestrigen Ostermontagsspaziergang habe ich am Wegesrand zwischen normalem blühenden Scharbockskraut diese Variante gefunden. Die Blätter und auch die Blüten sind in etwa doppelt so groß. Denkbar, daß es von jemandem ausgepflanzt wurde. An den Wurzeln sind ca. 12 mm lange, 3-4 mm dicke Knöllchen. Die Blattzeichnung finde ich interessant. Kennt jemand diese Pflanze? Equisetum
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Scharbockskraut.jpg
Es lebe der Wandel
cimicifuga

Re:Gefunden

cimicifuga » Antwort #1 am:

Da du weißt, wie die Wurzeln aussehen, nehme ich an du hast das Pflänzchen mitgenommen 8) Recht hast du in diesem Fall. Es gibt schon solche Scharbockskraut Sorten mit gezeichneten Blättern.
knorbs
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Re:Gefunden

knorbs » Antwort #2 am:

du weißt schon, was du dir mit ranunculus ficaria antun kannst im garten ;D 8)norbert
z6b
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Katrin
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Re:Gefunden

Katrin » Antwort #3 am:

Ach was, Sondernformen wachsen sicher langsamer ;) Ja, wuchern tun sie schon, die Scharbockskräuter. Aber sie ziehen ja eh schnell wieder ein. Und so ein Hübsches....
"Ich glaube, viele von uns haben ihre Heimat längst verloren, denn sie haben sie in der Kindheit gelassen, in den staubigen Straßen und an den sonnigen Tagen, als die Welt noch gut war, weil wir nur die Fassade sahen und zu klein waren, die Türen zu öffnen."

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Phalaina
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Re:Gefunden

Phalaina » Antwort #4 am:

Ach was, Sondernformen wachsen sicher langsamer ;)
Korrekt, aber nicht immer ... ;D Sonderformen von Scharböcken findet man gelegentlich, man sollte aber erst schauen, ob es stabile Merkmale sind (vielleicht hat auf das vermeintliche Riesenteil nur der Rehbock gsch...);)Ph.
Irm
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Re:Gefunden

Irm » Antwort #5 am:

Ich hab mal so eins mit Blattzeichnung und gefüllten Blüten bei einer Staudenbörse gekauft, ohne Namen, und hielt es für ein Sumpfpflänzchen ;D dass es ein Scharbockskraut ist, hab ich dann erst zwei/drei Jahre später mitgekriegt. Wie auch immer, es wächst sehr langsam, sieht jetzt schon hübsch grün aus und bekommt Knospen, ist dann weg, bis das Epipactis palustris an der Stelle erscheint ...
Nur langweilige Naturen sind frei von Widersprüchen.
(Erich Mühsam 1878-1934)
Equisetum
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Re:Gefunden

Equisetum » Antwort #6 am:

Es standen mehrere so gezeichnete Pflanzen an der Stelle, aber gegenüber dem normalen Scharbockskraut eher wenige. Was den Vermehrungsdrang angeht, ist es mir allemal lieber als Lysmachia nummularia (Pfennigskraut). Das aus der Wiese wieder herauszubekommen, ist schier unmöglich. Wenn sich die Variante bei mir behauptet, werde ich sie nach und nach gegen Ranunculus ficaria austauschen. Dann sehe ich auch, wie hartnäckig es ist. Ich denke, die Knöllchen spielen dabei eine maßgebliche Rolle. Und außerdem ist es ja tatsächlich schnell wieder weg. @Phalaina, wenn, dann war es eher ein Hund. ;)Equisetum
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Crocus

Re:Gefunden

Crocus » Antwort #7 am:

Nix mit Sonderformen. Wuchern tut nur eine Art, die mitteleuropäische Ficaria bulbilifera (Ranunculus ficaria subsp. bulbilifera), eine Art feuchter Auwälder. Sie ist weitgehend steril und vermehrt sich durch Wurzelbrut an ihren kriechenden Stängeln. Daher ist sie üblicherweise wenig variabel und abweichende Klone fallen sehr auf. Es handelt sich um eine hybridogen entstandene Art, deren Eltern die westeuropäische Ficaria verna (Ranunculus ficaria subsp. ficaria) und die osteuropäische F. calthifolia (Ranunculus ficaria subsp. nudicaulis) sind. Die Gartensorten gehören bislang ausschließlich zu F. verna, einer Art wechselfeuchter Laubwälder und Magerrasen. In der Natur ist sie als sexuelle Art durchaus variabel. Ihre niederliegenden bis aufsteigenden Stängeln bilden keine Brutnöllchen aus.Die ebenfalls sexuelle F. calthifolia hingegen ist wenig variabel. Sie ist recht großblütig, immer grünblättrig und treibt als Pflanze tiefgründiger Steppenrasen in kontinentalem Klima erst im Frühling aus. Sie bildet keinen Stängel aus sondern wächst als Vollrosettenpflanze.Häufig mit dieser in Ostösterreich gerade noch vorkommenden, gefährdeten Art verwechselt werden mediterrane Sippen, die ebenfalls recht kurze Stängel ohne Brut ausbilden und großblütig (bis 5 cm Blütendurchmesser bei einer dodekaploiden (sizilianischen?) Sippe) sind. Diese Sippen treiben jedoch meistens im Herbst aus und haben oft bunte Blätter. Die Tauglichkeit für unser Klima ist unterschiedlich. Sarastro hat eine istrianische Sippe (als "subsp. nudicaulis") in Kultur, soweit ich mich erinnere. An Namen findet man meist Ficaria (Ranunculus) ficariaeformis und Ficara grandiflora (R. ficaria subsp. grandiflora). Es handelt sich jedoch laut Speta (mündl.) um einen artenreichen Polyploidkomplex. Ich selbst kultiviere eine sehr schöne großblütige Herkunft aus Lefkas.Laut Hörandl et al. zeigen genetische Untersuchungen eindeutig, daß Ficaria von Ranunculus zu trennen ist oder viele weitere Gattungen in Ranunculus einbezogen werden müßten.Was Equisetums Pflanze betrifft, so fand ich ähnliches am Faimenberg südlich Retz. Es handelt sich beim Faimenberg um einen botanisch wertvollen Steppenrasenrest mit u.a. Gagea bohemica, Androsace elongata und Ficaria calthaefolia. An der Nordseite fließt ein kleiner Bach, einer der wenigen in der weiteren Umgebung, der (fast) permanent Wasser führt, gesäumt von einem Robinien-Galeriewald. Zunächst fand ich 2003 eine sehr schön gefleckte Pflanze am unteren Steppenrasenhang und nahm sie mit (diese wunderbare Pflanze verlor ich aus Unachtsamkeit). Ich entdeckte später ähnliche, aber weniger stark gefärbte Pflanzen im Robinienwald an trockener Stelle, die ich aber nicht weiter beachtete. Ich dachte F. calth. vor mir zu haben.2004 besuchte ich den Standort wieder. Die Robinien waren geschlägert und nun zeigte sich, daß die gefleckte Population riesig war und ausschließlich den (vormals) robinienbestandenen Teil vom Wasser bis zum sehr trockenen Hügel hin bewuchs. Die Pflanzen waren am Beginn der Blütezeit, hatten deutliche Stängel aber zeigten noch keinen Ansatz von Wurzelbrut. Wieder nahm ich Pflanzen mit, die ich diesmal sorgsamer unterbrachte und als Ficaria ‘Faimenberg' beschilderte. Ich bin mir nicht sicher, ob ich Sarastro welche geschickt habe oder nicht. Ich wollte jedenfalls herausfinden, ob es sich um eine invasive, knöllchenbildende Sippe handelt ober nicht. Sie zogen jedenfalls ohne Knöllchen ein, was aber wohl durch das Verpflanzen verursacht war, und heuer habe ich sie bislang nicht gesehen (da ich letztes Wochenende erstmals im Garten war und ziemlichen Streß beim Pflanzen hatte, hab ich darauf nicht geachtet). Zwei alternative Theorien kann ich anbieten: 1) es handelt sich um F. bulbilifera, die zwar in der weiteren Umgebung mangels permanenter Fließgewässer mit Waldbegleitung fehlt, aber lokal in einer isolierten Population in einbem abweichenden Klon vorkommt. Durch die extreme Stickstoffversorgung durch die Robinien schaffte es die Sippe trockene Standorte zu besiedeln (das können einige Pflanzen der Feuchtgebiete auf stickstoffreichen Böden - etwa Urtica dioica u.a.). Die Trockenheit verursacht jedoch einen kompakteren Wuchs mit später Brutknöllchenbildung.2) Es handelt sich um eine Hybride aus F. calth. x V. bulb.Ich werde die Pflanzen im Auge behalten.
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Phalaina
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Re:Gefunden

Phalaina » Antwort #8 am:

... wie immer fundiert, crocus! :D Kommt eigentlich die westeuropäische Ficaria verna auch noch in Deutschland vor, oder handelt es sich bei den abweichenden Formen, die man sehr gelegentlich hier im Westen findet, schlichtweg um Gartenflüchtlinge? (etwas unwahrscheinlich, denn so häufig ist sie nicht in Kultur verbreitet ??? ) ;)Ph.
Crocus

Re:Gefunden

Crocus » Antwort #9 am:

Neues aus der WissenschaftScharbockskraut doch eine eigene GattungBei ihren Untersuchungen über die Gattung Hahnenfuß (Ranunculus) fand eine Gruppe von Systematikern, der auch die Wiener Botanikerin Elvira Hörandl angehört, nicht nur Neues über die Gliederung der Gattung heraus, sondern auch die Gattungsgrenzen mussten neu definiert werden. Aus der Gattung Ranunculus fallen mehrere nur zum Teil bisher anerkannte eigenständige Gattungen heraus. Die basalste („ursprünglichste“) Gattung ist das Scharbockskraut (Ficaria), eine europäisch-westasiatische Gattung, die ganz klar und ohne jeden Zweifel von Ranunculus zu trennen ist. Ähnlich ist die Hochgebirgs-Gattung Oxygraphis mit 5 Arten (4 asiatisch, 1 nordamerikanisch). Weiters als selbstständig zu betrachten sind die kleinen Gattungen Halerpestes (gemäßigtes Asien), Peltocalathos (gemäßigtes Asien), Callianthemoides (Südamerika) und Ceratocephala (Europa, Westasien – in Österreich mit einer Art ausgestorben und einer vom aussterben bedrohten Art, die noch an zwei Stellen in Mödling und im Burgenland gelegentlich zu finden ist). Pallasiantha geht in Coptidium auf, das damit eine aus zwei Arten bestehende zirkumpolare Gattung ist (ehemals Ranunculus lapponicus, R. pallasii).Etwas unklar ist die Position des traditionell als eigene Gattung angesehenen Mäuseschwänzchens (Myosurus). In Ranunculus zu integrieren sind Aphanostemma aus Südamerika und der hin und wieder als eigene Gattung Batrachium angesehene Wasserhahnenfuß.Mag. Gregor DietrichBilder: Ficaria calthifoliaFicaria sp. Lefkas, eine ungefleckte Pflanze mit sehr großen Blüten - ich habe unterschiedlich gefärbte Populationen aus Lefkas mitgebracht und durch Versamung wohl nicht mehr die ursprünglichen.
Crocus

Re:Gefunden

Crocus » Antwort #10 am:

Hm, was in Deutschland wie weit verbreitet ist weiß ich nicht. Wegen Büroübersiedlung hab ich auch den "kritischen Rottweiler" leider nicht zur Hand.
sarastro

Re:Gefunden

sarastro » Antwort #11 am:

Seit wann ist nun Ficaria definitiv eine eigene Gattung? Wir haben schon in unserm vorletzten Katalog diese Gattung nach neuester Erkenntnis so benannt, eben um die Nase ein wenig vorne zu haben, auch die Gattung Actaea haben wir diesen neuesten Erkenntnissen angepasst. Allerdings bekam ich von einigen Seiten eins über den Kopf, aus verschiedenen Gründen, u.a. weil sich die Botaniker weltweit ja doch nicht einig seien und in einigen Jahren wieder alles über den Haufen geschmissen würde und andere Prioritäten zählten. So habe ich die Actaea belassen, jedoch Ficaria und auch Hylotelephium (noch) verworfen, aber die Polygonum zerpflückt, weil mir dies irgendwie logisch erschien.Nach meinem Kenntnisstand sollte sich die "gärtnerische Nomenklatur " alle 10 Jahre der wissenschaftlichen anpassen.Bestes, leidiges Beispiel einer Umbenennung:Sinarundinaria, Thamnocalamus, Fargesia innerhalb rund 10 Jahren!Mir ist klar, dass die Botanik eine Wissenschaft ist, die man nicht statisch sehen darf. Ich bin es auch leid, ewig mir von Kollegen anhören zu müssen, sie machen das Gedönse mit dem ewigen Umbenennen nicht mit. Was aber bitte soll ich dann machen? :'(Vielleicht das ganze mit ein wenig OT, aber es passt hierher!
Crocus

Re:Gefunden

Crocus » Antwort #12 am:

Hallo Sarastro, sieh das als Info von mir von der Front der Wissenschaft und bleib bei Ranunculus, wenn Du willst. Es stimmt, daß es nicht sinnvoll ist alles gleich zu übernehmen. Ebensowenig ist es sinnvoll ewig im Alten zu verweilen (siehe Scilla), nur weil es einflußreichen Gärtnern unrecht ist und sich Botaniker beleidigt zurückziehen und auch interessierte Gärtner dumm sterben lassen. Es braucht daher Leute die lobbying für Umbenennungen machen. Das tue ich hiermit. Ich bin aber nicht beleibigt, wenn jemand aus guten Gründen vorerst beim Alten bleibt. Ich werd aber dort, wo ich Einfluß habe (Garten+Haus) auf die die neue Nomenklatur ausbessern, ebenso aus Gründen des Lobbyings - und um der GP eine Nasenlänge voraus zu sein ;)
Hortulanus

Re:Gefunden

Hortulanus » Antwort #13 am:

Ein geflecktes Scharbockskraut habe ich auch.Allerdings gekauft (Simon) ;D
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Katrin
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Re:Gefunden

Katrin » Antwort #14 am:

Das hab ich auch. Wusste es gar nicht mehr, aber heute beim Beete aufräumen war es auf einmal da. Könnte es 'Brambling' sein?
"Ich glaube, viele von uns haben ihre Heimat längst verloren, denn sie haben sie in der Kindheit gelassen, in den staubigen Straßen und an den sonnigen Tagen, als die Welt noch gut war, weil wir nur die Fassade sahen und zu klein waren, die Türen zu öffnen."

ich
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