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warum keine Nachzucht aus Kernen/Früchten? (Gelesen 3861 mal)

Bäume und Sträucher, Duftgehölze, Blütengehölze, Blattschmuckgehölze, Wildobst, Koniferen, Moorbeetpflanzen

Moderator: AndreasR

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nußapfel
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warum keine Nachzucht aus Kernen/Früchten?

nußapfel »

Hallo,bin neu hier und würde mich freuen, wenn jemand mir weiterhelfen könnte.Wir ziehen in absehbarer Zeit um und ich sammle derzeit Saatgut von den Pflanzen, die ich nicht mitnehmen kann. Dazu gehört z.B. ein Walnußbaum, ein Apfelbaum, Zwetschgen etc.Nun heißt es öfter, aus der Frucht könne man (meist) nicht etwas ziehen, was der Ursprungspflanze gleich kommt. Man müsse veredeln.Wer kann das einem Laien näher erklären?Unser Zwetschgenbaum hat sich z.B. mehrfach selbst ausgesät. Die Zwetschgen seiner Abkommen schmecken genauso gut wie vom Originalbaum. Da hat niemand eingegriffen, ich habe der Natur einfach ihren Lauf gelassen.Wieso sollte das beim Apfelbaum (ist eine uralte Sorte, weiß nur nicht mehr welche und kann den früheren Grundbesitzer nicht mehr fragen, da er vor vielen Jahrzehnten verstorben ist) oder beim Walnußbaum nicht funktionieren?Selbst, wenn die Früchte nicht ganz exakt wie die vom Originalbaum schmecken, eine gewisse Ähnlichkeit müsste es doch geben? Mein Sohn sieht ja auch anders aus als ich, obwohl gewisse Ähnlichkeiten durchaus bestehen... ;)Ist es von vorneherein Unfug, wenn ich nun mit Apfelkernen und Walnüssen einen Versuch wage? Oder kann das auch brauchbare Erfolge bringen?Ach ja, und von unseren Holunderbäumen soll es auch Nachwuchs geben. Hier hat sich der Holler prächtig vermehrt, aus 3 Bäumen sind im Laufe der Zeit 8 geworden und alle tragen gute Früchte. Da habe ich auch nicht eingegriffen, die haben sich also selbst wild ausgesät, bzw. ist sicher das eine oder andere Körnchen erst durchs Huhn gewandert und landete dann als Kleckschen irgendwo.Das Stratifizieren (oder wie auch immer das heißt) sollte kein Problem sein, einfach im Kübel auf den Balkon stellen, da sollte es kalt genug sein.Frage ist also weniger das Wie, als das Ob.
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Dunkleborus
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Re:warum keine Nachzucht aus Kernen/Früchten?

Dunkleborus » Antwort #1 am:

Natürlich kann die Aussaat Erfolge bringen, muss aber nicht. Wenn du Zeit, Spass am Experimentieren und eine gewisse Frustrationstoleranz hast, macht das Spass.Wenn du wenig Platz hast, keine Zeit oder genau die gleiche Sorte brauchst, musst du veredeln (lassen).Ansonsten: Herzlich willkommen! :D
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Mediterraneus
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Re:warum keine Nachzucht aus Kernen/Früchten?

Mediterraneus » Antwort #2 am:

Dein Sohn sieht nicht aus wie du, damit hast du es ja schon beschrieben. Und der hat nur einen Vater ;DWenn du mit einer gewissen Ähnlichkeit leben kannst, dann geht das schon mit der Aussaat.Das Problem bei Pflanzen ist, es gibt gaaanz viele Väter, die du nicht kennst. Das sind z.B. alle Apfelbäume in der Nähe, die ihren Pollen auf deinen Mutterbaum gebracht haben.Es gibt bestimmte Obstarten, da geht das mit den Samen ganz gut. Meist bestäuben sie sich selbst, so dass die Abweichungen nicht so groß sind. Z.B. bei Pfirsichen klappt das gut.Bei Obstarten, die auf Fremdbestäubung angewiesen sind (Apfel, Birne), gibt es eine sehr breite Streuung bei den Kindern. Die Wahrscheinlichkeit, dass wieder eine "Wildform" rauskommt, ist da sehr groß.Sehr vereinfacht ausgedrückt ;)
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nußapfel
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Re:warum keine Nachzucht aus Kernen/Früchten?

nußapfel » Antwort #3 am:

aber wie funktioniert das Veredeln genau? Hab das noch nie gemacht. Und was genau bewirkt es? Was ist ein Reiserschnitt?Platz habe ich, zukünftig 110 ha ;), da sollte sich schon Raum zum Probieren finden. Ich möchte einiges an Saatgut mitnehmen, aber auch ein paar kleine Pflänzchen im Topf vorziehen und die dann vor Ort einpflanzen. Vielleicht auch die eine oder andere Veredelte (wenn ich nur wüsste, wie).Interessant wird vor allem sein, ob die Winterhärte bayerischer Pflanzen für nordisches Meeresklima in unmittelbarer Küstennähe auf demselben Breitengrad wie Südgrönland eine gute Voraussetzung ist. Insofern ist schon ein gewisser Zeitfaktor gegeben. Das ist jetzt die letzte Ernte, aus der ich für die Zukunft "schöpfen" kann. Bis zum Umzug (06/12) müssen die Jungpflanzen reisefertig sein.
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Dunkleborus
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Re:warum keine Nachzucht aus Kernen/Früchten?

Dunkleborus » Antwort #4 am:

Ans Veredeln habe ich mich noch nicht getraut. Ein Baumschulist erklärte mir mal, zum Üben würde er den Lehrlingen Weiden geben, die seien recht einfach - maber anfangs sei die Erfolgsquote höchstens 20 Prozent.
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ManuimGarten

Re:warum keine Nachzucht aus Kernen/Früchten?

ManuimGarten » Antwort #5 am:

Das klingt ja spannend!Wäre es da nicht am risikoärmsten, sich mit Baumschulen der dzt. Umgebung abzusprechen, wer die Reiser veredeln kann? Das bieten viele an, da wurde hier irgendwo erst vor kurzem was geschrieben. ::)
Rieke
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Re:warum keine Nachzucht aus Kernen/Früchten?

Rieke » Antwort #6 am:

Bei dem Apfelbaum würde ich an deiner Stelle versuchen, heraus zu bekommen, um welch Sorte es sich handelt. Im Herbst gibt es immer wieder Veranstaltungen mit Apfelausstellungen und/oder Experten, die Äpfel bestimmen können. Dann kannst du einen Baum dieser Sorte wahrscheinlich bei einer Obstbaumschule kaufen. Die andere Möglichkeit wäre, eine Auftragsveredelung machen zu lassen. So teuer ist das auch nicht.
Interessant wird vor allem sein, ob die Winterhärte bayerischer Pflanzen für nordisches Meeresklima in unmittelbarer Küstennähe auf demselben Breitengrad wie Südgrönland eine gute Voraussetzung ist.
Da würde ich mich eher daran orientieren, was dort schon wächst. Für Walnüsse dürfte da die Vegetationsperiode zu kurz sein.
Chlorophyllsüchtig
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Mediterraneus
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Re:warum keine Nachzucht aus Kernen/Früchten?

Mediterraneus » Antwort #7 am:

Aha, also nördlich von Stockholm und Oslo.Vielleicht solltest du dich mal auf einer norwegischen, schwedischen oder finnischen Baumschulseite erkundigen.Äpfel gibts da auf jeden Fall. Kirschen wohl auch. Walnuss eher nicht. Es muss schon Obst sein, dass zeitig im Sommer reif wird, also Frühsorten.
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Mediterraneus

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nußapfel
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Re:warum keine Nachzucht aus Kernen/Früchten?

nußapfel » Antwort #8 am:

Da würde ich mich eher daran orientieren, was dort schon wächst. Für Walnüsse dürfte da die Vegetationsperiode zu kurz sein.
Da wächst (heutzutage) nicht viel... das hat man aber den Wikingern und den Highland Clearances bzw. dem dieser folgenden Kahlfraß durch die Schafzucht zu verdanken. Früher war's dort bewaldet, Hollunder wuchs wild und kultiviert, Walnußbäume wurden kultiviert, Obstbäume gab's allerdings nur vereinzelt an extrem geschützten Standorten. Alles historisch belegt...Jetzt versucht man verzweifelt, Aufforstungen vorzunehmen (hat verschiedene Gründe, u.a. zum Heizen, als Möbel- und Bauhölzer, zum Windschutz, Erosionsschutz etc.).Die Bedingungen sind schwierig, weil kein Fleck Land dort mehr als 3 km vom Meer weg ist und daher müssen an den meisten Plätzen die Pflanzen mit Gischtsprühregen zurecht kommen. Dazu kommt der extrem starke Wind, was bedeutet, das Jungpflanzen viel Schutz (und ggfs. Stützen) brauchen. Bodenformationen, die natürlichen Schutz bieten, muß man ausnutzen usw.Wir haben das Glück, das unser zukünftiges Heim bzw. der Garten von einer hohen Steinmauer umrandet ist, die guten Schutz bieten sollte, Sonnenwärme abstrahlen und als Windbrecher fungieren kann. An der Sonnenseite der Mauer könnte man (vielleicht) sogar mal einen Weinrebenversuch wagen. Es gibt da oben noch so einen Irren ;), der hat das gaudihalber mal versucht und es hat sogar geklappt. Sogar ein paar Imker gibt's inzwischen, Bestäuberhelfer....Es wird also bestimmt spannend. Unter solchen Bedingungen habe ich auch noch nichts angebaut. Wird daher auch sicher einige Fehlschläge geben.
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Zuccalmaglio
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Re:warum keine Nachzucht aus Kernen/Früchten?

Zuccalmaglio » Antwort #9 am:

An so einem Standort/Klima zu experimentieren finde ich spannend. Wohlwissend, daß die Natur ganz andere Grenzen setzt als z.B. hier im Rheinland.Frühreifende Sorten der infrage kommenden Arten dürften zu bevorzugen sein. Die Vegetationsperiode ist doch wesentlich kürzer. Für Walnuss sehe ich schwarz.Wenn die Mauer den Wind etwas abhalten kann, umso besser. Ich würde auch eher, ganz unabhängig von den verwendeten Unterlagen, auf kürzere Stammlängen abzielen. Was die Unterbaumpflege aber sicher nicht vereinfacht....Grundsätzlich zur Selbstbefruchtung fähige/neigende Arten und Sorten können grundsätzlich auch sehr ähnliche (aber nie gleiche, es ist trotz Selbstung immer ein neuer genetischer Mix) Nachkommen hervorbringen. Die Betonung liegt auf können und dem Grad der Wahrscheinlichkeit. Denn Dir kann niemand garantieren, daß der männliche Pollen vom eigenen Mutterbaum kommt (es sei denn, kilometerweit im Umkreis steht nichts entsprechend anderes).In der Praxis fallen die Nachkommen oft ähnlich aus. Das betrifft insbesondere Pfirisich und einige Sorten aus der Pflaumen/Zwetschen/Mirabellen/Reneclaudensippe sowie einige Sauerkirschen.Bei obligaten Fremdbefruchtern (es gibt sehr seltene Ausnahmen) wie Süßkirsche, Apfel und Birne wäre es schon ein seltener Glücksfall, wenn die Nachkommen auch nur annähernd die guten Eigenschaften der Mutter (oder des Vaters) durchgehend geerbt hätten. Wenn du eine hohe Frustrationstoleranz, Zeit, Muße und Platz hast, kann das jahrelange Sichten und Beurteilen der Nachkommenschaft einigen Spaß bereiten.Aber gute, einem selbst bekannte und gefallende Sorten sollte man über Veredlung (selbst oder Auftrag) oder eben Kauf der Sorte erhalten.Die Veredlung eines Reises ist nichts anderes als ein genetischer Klon (identisch mit der "Mutter").
Tschöh mit ö
Amur
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Re:warum keine Nachzucht aus Kernen/Früchten?

Amur » Antwort #10 am:

Trotz maritimem Klima muß man schon auf sehr harte Sorten setzen. Mein Schwager wohnt dort oben. Und man muß die ewigen Winternächte mögen. Wenn es kaum sonstiges Obst gibt, dann wird es für Walnüsse hart werden. Das Holz wird nicht ausreifen in der kurzen Vegetionsperiode. Aber da es Hobby ist, kann man ja lustig drauflos probieren.
nördlichstes Oberschwaben, Illertal, Raum Ulm
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