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Neues? Herbizid von Bayer (Gelesen 20784 mal)
Moderatoren: Nina, Phalaina, cydorian, partisanengärtner, AndreasR
- Herr Dingens
- Beiträge: 3926
- Registriert: 18. Mär 2011, 18:02
Neues? Herbizid von Bayer
Im Fernsehen habe ich neulich eine Werbung gesehen für ein Herbizid von Bayer, heißt "Permaclean" und soll 6 Monate lang wirksam sein.Wie RU bringt es Unkraut zum Absterben (Glyphosat) und verhindert durch weitere, bodenwirksame Wirkstoffe zusätzlich das Keimen und Auflaufen neuen Unkrauts.Wie funktioniert das? Bleiben bestehende Kulturen verschont, wenn sie nicht Abdrift abkriegen? Wenn es bodenwirksame Stoffe gibt, wirken die dann nicht auch auf das Wurzelwerk erwünschter Kulturen?Kann man eine Fläche nach einer Behandlung mit Permaclean erneut bepflanzen? Oder wie lange muss man ggf. abwarten?
Viele Grüße aus Nan, Thailand
Re:Neues? Herbizid von Bayer
Auf den ersten Blick:"Zeitraum der Anwendung:Nach Erscheinen der ersten Unkräuter im Frühjahr (ab März). Beste Wirksamkeit ist bei jungen und wüchsigen Unkäutern gegeben, ausgenommen Acker-Kratzdistel (hier gutes Ergebnis ab 30 cm Pflanzenhöhe). Keine Anwendung im Pflanzjahr."(Quelle)Einer der drei Wirkstoffe ist Glyphosat (wie in Roundup) und lässt vorhandene Pflanzen absterben, die anderen beiden (oder mindestens eines davon) sorgen dafür, dass nichts Neues keimt.Ich vermute, die Zielgruppe sind Leute, die diese modernen Schottergärten haben und sich erhoffen, dass zwischen dem ganzen Schotter kein Unkraut (oder Moos?) aufgeht. Motto : "Ohne Moos nix los!"Ob das gegen Schachtelhalm, Ackerwinde, Zaunwinde und Giersch wirkt?Noch was aus der genannten Quelle:"Insbesondere gilt, daß Pflanzenschutzmittel im Freiland nur auf Flächen verwendet werden dürfen, die landwirtschaftlich, forstwirtschaftlich oder gärtnerisch genutzt werden."Und ein Anwender schreibt dort:"Ich habe das Unkrautmittel genau nach Vorschrift des Herstellers angerührt, mit einer Sprühflasche auf das Unkraut in meiner Einfahrt besprüht."
Re:Neues? Herbizid von Bayer
Was ist eigentlich der Vorteil dieser suspekten Herbizide - außer, daß etliche Firmen sich daran dumm & dämlich verdienen - gegenüber den "alten" Totalherbiziden, wie Natriumchlorat, von der angeblich "selektiven"" Wirkung mal abgesehen?(Ich weiß, Natriumchlorat kann auch "anderweitig" verwendet werden
)

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Re:Neues? Herbizid von Bayer
Bekommt man das gute alte Natriumchlorat denn überhaupt noch zu kaufen? Ich meine so als Normalmensch mit Garten.
Re:Neues? Herbizid von Bayer
Darf ich mich mit einer Frage dazwischenmogeln?Ich halte generell nichts von diesem ganzen Zeug, werde es nun wahrscheinlich doch einsetzen müssen.Mir ist ja Schilf aus einem Teich ausgebrochen. Ich bekomme die Rhizome nicht ausgegraben, da sie teilweise mehr tiefer als einen halben Meter ins Erdreich gehen und noch dazu durch bestehende große Sträucher gewachsen sind (Thuja, Rhododendron).Wenn ich es auf die Schilfaustriebe aufpinsele und es ins Rhizom wirkt, können dann auch die Pflanzen geschädigt werden, durch deren Wurzelballen die Rhizome gewachsen sind?
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- Beiträge: 5451
- Registriert: 12. Dez 2003, 23:29
Re:Neues? Herbizid von Bayer
... aber das Mutterschilf im Teich!
Waldrand, Nordhang, vierhundert Meter:
Hier blüht alles drei Wochen später.
Hier blüht alles drei Wochen später.
Re:Neues? Herbizid von Bayer
Das ist dort restlos ausgerottet, ich habe ihn neu angelegt.... aber das Mutterschilf im Teich!


- Daniel - reloaded
- Beiträge: 2480
- Registriert: 31. Mai 2005, 20:02
Re:Neues? Herbizid von Bayer
Hach ich wollte ja nicht, aber ich kann nicht widerstehen.....
Also was für euch neu ist, ist für mich ein alter Hut.
Prinzipiell handelt es sich beim Permaclean um eine Mischung aus RoundUp (bzw. Glyphosat) und dem Maisherbizid Terano welches auch massiv in Baumschulen eingesetzt wird (Genehmigung nach §18a PflSchG).Auf die Dauerwirkung gegen Samenunkräuter (fast egal ob ein- oder zweikeimblättrig) könnt ihr Gift nehmen! Wo Terano in ausreichenden Mengen hinhaut, wächst so schnell kein Gras mehr (und auch nur wenig anderes). Die Wirkung gegen Wurzelunkräuter ist die von Glyphosat. Entsprechend wäre es zwar toll, wenn es Schachtelhalm etc. kontrollieren könnte, tut es aber ganz sicher nicht wie ich aus leidvoller Erfahrung sagen kann. Weder Giersch noch Schachtelhalm fühlen sich auch nur im geringsten beeindruckt (Schachtelhalm verbrennt ein wenig um danach noch besser wieder auszutreiben und Giersch wird vorübergehend gelblich was vermutlich aufs Glyphosat zurück zu führen ist).Zu den Wirkstoffen und was sie tun:Glyphosat gehört chemisch zu den Phosphonaten und greift in die Aminosäuresynthese der Pflanzen ein und bringt sie dadurch zum Absterben. Eine Dauerwirkung ist bekanntermaßen nicht vorhanden (sofern nicht etwas getroffen wird was nicht getroffen werden sollte). Da es ausschließlich über grüne Pflanzenteile aufgenommen wird muss zu bekämpfendes Unkraut ausreichend Blattmasse haben (weshalb z.B. die Disteln mind. 30cm hoch sein sollen, ähnliches gilt für Quecke, Winde, Brennnesseln etc.)Flufenacet gehört chemisch zu den Oxyacetamiden und hemmt in den Pflanzen die Zellwandbildung und die Zellstreckung, greift also in den Zellteilungsprozess ein. Es ist einer der Wirkstoffe von dem die Dauerwirkung des Permacleans ausgeht und wird hauptsächlich über Wurzeln und Hypokotyl aufgenommen.Metosulam gehört chemisch zu den Triazolpyrimidinen und hemmt in behandelten Pflanzen ebenfalls die Aminosäuresynthese (ALS-Hemmer --> AcetoLactatSynthase-Hemmer) ein wodurch die Pflanzen erst chlorotisch und später nekrotisch werden. Auch von diesem Wirkstoff geht die Dauerwirkung des Permacleans aus. Er wird hauptsächlich über Blatt und Wurzel aufgenommen.Zu beachten ist, dass Permaclean sicher nicht in allen Ziergehölzen verträglich ist und schon gar nicht in jungen Gehölzen (wie ja auch der Gebrauchsanweisung zu entnehmen ist)!Ich warne ausdrücklich davor, das Präparat auf Nichtkulturland (Wege, Auffahrten etc. pp) einzusetzen. Das entsprechende Verbot ergibt sich aus dem PflSchG (für alle Herbizide) und der PflSchAnwendungsVO (speziell für Glyphosat). Außerdem ist zu beachten, dass Metosulam und besonders Flufenacet recht persistent sind, weshalb sie noch weniger auf abschwemmungsgefährdeten Flächen zu suchen haben als ohnehin jedes Herbizid bzw. Pflanzenschutzmittel!Ferner würde ich im Interesse meiner Gehölze ohnehin eher Abstand von dem Mittel nehmen, da durch das Flufenacet schon verheerende Spätschäden an Gehölzen (Fichten mögen es z.B. gar nicht) in Baumschulen und Weihnachtsbaumkulturen aufgetreten sind. Einige Baumschulen verwenden es (Terano) deshalb schon nur noch sehr zurück haltend oder gar nicht mehr. Wir haben uns damit in den letzten beiden Jahren vor Allem Zierkirschen, -äpfel etc. sehr erfolgreich ins Jenseits befördert aber ich muss aus den Fehlern nicht lernen bzw. habe es getan.... ::)Daraus ergibt sich eigentlich von selbst, dass behandelte Flächen besser nicht vor Ablauf eines halben Jahres (mindestens!) wieder bepflanzt werden sollten/können. Wachstumsdepressionen sind noch die harmloseste Folge!Die Selektivität von Metosulam und Flufenacet ergibt sich zu einem großen Teil durch den Abstand zwischen Wirkstoffhorizont und Wurzelhorizont der Kulturpflanze da die Wirkstoffe im Boden kaum verlagert werden. Da die tiefer keimende Kulturpflanze i.d.R. auch kräftiger ist als der kleine Unkrautsämling an der Oberfläche überlebt sie die Anwendung, entsprechend sind bei zu flacher Saat auch massive Schäden an der Kultur möglich.Ich habe mir mal den Spaß gemacht, dieses Jahr Terano bei Lilien und Crocosmien einzusetzen da das Wirkungsspektrum sehr breit ist und die Dauerwirkung ausgeprägter als bei alternativen Produkten. Die Lilien sehen noch ganz gesund aus, von den Crocosmien ist noch nichts zu sehen... :-\Für Interessierte hier mal die Gebrauchsanweisung für Terano. Nicht erschrecken aber wie überall: Keine Wirkung ohne Nebenwirkung... @Günther: Die Antwort auf die Frage wo der Vorteil dieser Herbizide im Gegensatz zum Kaliumchlorat (dessen Wirkungsmechanismus du mir im Übrigen schon seit 2 Jahren schuldig bleibst!) liegt u.a. darin, dass man sich mit ihnen nicht in die Luft sprengen kann... 8)Alle Klarheiten beseitigt?
Liebe Grüße,DanielEdit: Link eingefügtEdit2: So viele Rechtschreibfehler in so wenig Text gehen gar nicht (ich hoffe, dass ich ansatzweise alle gefunden habe)und ein paar Kleinigkeiten fehlten auch noch... nebenbei ist "Eiweissstoffwechsel" einfach ein grausames Wort.... 






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Ich habe den Jargon eines Bauarbeiters, die Abgeklärtheit und Resolutheit einer Puffmutter und den Charme einer Drahtbürste...
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- Daniel - reloaded
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Re:Neues? Herbizid von Bayer
@chris:Zur Beseitigung halte ich ein reines Glyphosat oder auch Finalsan Gierschfrei (Pelargonsäure + Maleinsäurehydrazid) für geeigneter, da du von den Wirkstoffen die die Langzeitwirkung ausmachen keine vernünftigen Ergebnisse erwarten darfst. Je nachdem was dort wachsen soll könntest du unterstützend evtl. ein Vorox Protect (Propyzamid) im Spätherbst/Winter ausbringen. das erfasst ziemlich alle monokotylen Pflanzen (besonders auch Quecke) und ist sehr viel besser verträglich als Flufenacet und Metosulam. Pflanzen aus der Gattung Veronica und Ziergräser sollten dort aber keinesfalls wachsen sollen, die sind dann mämlich ganz sicher auch hinüber!Liebe Grüße,Daniel
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Re:Neues? Herbizid von Bayer
Üblicherweise hat man das billigere Natriumchlorat verwendet, mit Kochsalz verschnitten, und meist feucht....Die Wirkung ist absolut unselektiv, das "Endprodukt" beim Abbau Natriumchlorid.Funktion m.W. rein oxidativ (ätzend?) gewebezerstörend.Und es funktioniert und ist billig.Daher "obsolet" - die Möglichkeit zu Herstellung von Sprengstoffmischungen damit ist eher ein Vorwand, da gibts noch genug andere Möglichkeiten.........@Günther: Die Antwort auf die Frage wo der Vorteil dieser Herbizide im Gegensatz zum Kaliumchlorat (dessen Wirkungsmechanismus du mir im Übrigen schon seit 2 Jahren schuldig bleibst!) liegt u.a. darin, dass man sich mit ihnen nicht in die Luft sprengen kann... 8)Liebe Grüße,Daniel
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Re:Neues? Herbizid von Bayer
Ach Günther, auf die Diskussion ob und warum etwas obsolet ist oder nicht werde ich mich kein weiteres Mal mit dir einlassen. Da haben wir komplett unterschiedliche Vorstellungen...Üblicherweise hat man das billigere Natriumchlorat verwendet, mit Kochsalz verschnitten, und meist feucht....Die Wirkung ist absolut unselektiv, das "Endprodukt" beim Abbau Natriumchlorid.Funktion m.W. rein oxidativ (ätzend?) gewebezerstörend.Und es funktioniert und ist billig.Daher "obsolet" - die Möglichkeit zu Herstellung von Sprengstoffmischungen damit ist eher ein Vorwand, da gibts noch genug andere Möglichkeiten.........


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Re:Neues? Herbizid von Bayer
Mit Unkraut-Ex und Puderzucker kann man schon einen größeren Knall verursachen. Natriumchlorat ist biologisch schlecht abbaubar. Es wird im Boden kaum gebunden und damit rasch ausgeschwemmt, d.h. es kann ins Grundwasser gelangen. Außerdem ist es für Tiere vergleichsweise toxisch. Alles in allem eine schlechte Nutzen-Schaden-Abwägung. Aber um mal auf das im Eingangsbeitrag genannte Produkt zurückzukommen: Insgesamt scheint mir das im Privatgarten überflüssig und verzichtbar zu sein, und man kann damit schnell länger anhaltenden Schaden anrichten.
- Daniel - reloaded
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Re:Neues? Herbizid von Bayer
Eben. Es ist sinnfrei, gnadenlos überteuert und in den falschen (Laien-) Händen nicht ungefährlich!Zumal ich große Bedenken habe, dass auch nur ein Bruchteil des verkauften Mittels da landen wird wo es hin soll. Der allergrößte Teil wird ohnehin auf Terassen, Garagenauffahrten etc. gekippt bis man ausreichende Mengen ins Grundwasser gekippt hat die ein sofortiges Anwendungsverbot rechtfertigen. Die Profis stehen dann mal wieder doof da weil man Kleingärtnern etwas in die Hände gab mit dem sie nicht umgehen können...Aber um mal auf das im Eingangsbeitrag genannte Produkt zurückzukommen: Insgesamt scheint mir das im Privatgarten überflüssig und verzichtbar zu sein, und man kann damit schnell länger anhaltenden Schaden anrichten.

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- Herr Dingens
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Re:Neues? Herbizid von Bayer
Danke Professor Daniel
.Deine Ausführungen zeigen mir, dass dieses Herbizid für meine Zwecke (Vorbereitung von Pflanzflächen für Ein- und Mehrjährige, hauptsächlich Antirrhinum, Callistephus, Limonium bzw. Veronica long., Salvia nem., Dendranthema i.S.) nicht passt. Schließlich will die Einjährigen um den 20.5. rum und die Mehrjährigen zwischen Anfang und Mitte Juni pflanzen.Die Versprechung, ein halbes Jahr Schutz vor auflaufendem Unkraut zu zu haben, war zu verlockend.

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