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Ökologisch wertvolle Fassadenbegrünung (Gelesen 7133 mal)

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wukie

Re:Ökologisch wertvolle Fassadenbegrünung

wukie » Antwort #15 am:

ok, dann ist die Clematis vitalba also doch eine Option!Mit ökologischem Aspekt meine ich, dass die Pflanze am besten Bienenweide, Vogelfutterlieferant, Nistplatz für Vögel und Unterschlupf für Insekten sein soll.So ein bisschen eine eierlegende Wollmilchsau ;-)
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Gartenplaner
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Re:Ökologisch wertvolle Fassadenbegrünung

Gartenplaner » Antwort #16 am:

Ich weiß, es soll ein Winder sein und nicht in Dach und Fassade wachsen, aber was den ökologischen Aspekt angeht ist Efeu nicht zu verachten, habe ich über die letzten Jahre gemerkt.Ich habe an einem Nord-Ost-Giebel wohl die Efeu-Sorte "Woerneri", so war sie zumindest ausgezeichnet.Die wächst breitflächig, nicht mit so langen dünnen Einzelästen, die sich nur spärlich verzweigen. Vor allem aber bekommt sie sehr schnell, so nach 3-4 Jahren von unten nach oben fortschreitend die Altersform-Äste, die 30-40cm waagerecht von der Wand abstehen.Inzwischen haben wir auf diesen Ästen eine ganze Kolonie Hausspatzen (und vielleicht andere Vögel, die Spatzen fallen am meisten auf :D ), die dort jede Nacht verbringen.Nester fallen auch bei Herbst/Winterstürmen immer wieder mal raus.Die Altersform blüht ja auch, recht spät im Herbst, was immer viele Bienen schätzen.Die Beeren reifen im Spätwinter/Frühjahr, werden von Vögeln genutzt, bei mir sehe ich immer mal wieder Ringeltauben dran.Bild
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Biotekt
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Re:Ökologisch wertvolle Fassadenbegrünung

Biotekt » Antwort #17 am:

Die FLL zur Fassadenbegrünung sagt das die Rankhilfe 15-30cm Abstand zur Hauswand haben soll.
Diese Vorgabe wird in der kommenden Ausgabe dieser Richtlinie nicht mehr so stehen. Der minimal mögliche Wandabstand wird darin auf 70 mm gesenkt. Damit wird in erster Linie den Anforderungen sehr filgraner Pflanzen (z.B. Clematis-Arten/Sorten) Rechnung getragen. Sofern der potenzielle Triebdurchmesser kleine Wandabstände zwängungsfrei, bzw. - bei schwingenden Systemen - reibungsfrei, gestattet, sind geringe Wandabstände für das Klettern vorteilhaft. Die (teilweise) Minderung der zulässigen Wandabstände resultiert ferner daraus, dass künftig ungepflegte Fassadenbegrünungen nicht mehr zugelassen werden und zunehmend davon ausgegangen wird, dass künftig vor allem vor sensiblen Fassadenflächen (z.B. WDVS) vermehrt wieder steifere (Gitter)Konstruktionen als Kletterhifen eingesetzt werden. "Es soll ja immer noch Leute geben, die meinen, man könne aus Seilen Kletterhilfen bauen." (sinngemäß nach Gert Moegenburg, Referent auf dem 5. Symposium Fassadenbegrünung der FBB e.V., 2012)Aus der demnächst unverzichtbaren periodischen Pflege (speziell Schnitt) ergeben sich außerdem geminderte Dimensionierungsanforderungen für Verankerungen und Befestigungen..
Dies ist in einem damit Begründet das die Rankpflanze nicht direkt an der Hauswand wächst sondern nur an der Rankhilfe. Sie kann dadurch die verputzte Hauswand nicht beschädigen.
Üblicherweise tut sie - gemeint sind sicherlich Gerüstkletterpflanzen nicht Rankpflanzen* - das nur dann, wenn (windbewegte) Pflanzenteile an der Fassade scheuern oder kratzen oder wenn es zwischen Fassade und Kletterhilfe durch Dickenwuchs zu Zwängungen kommt.(*) Im Sinne der FLL-Richlinie sollte man allgemein von Kletterpflanzen (ggf. unterteilt nach Gerüstkletterpflanzen und Selbstklimmern) sprechen. Rankpflanzen sind - siehe auch weiter unten - eine Form der Gerüstkletterpflanzen.
Putz ist am Anfälligsten.
Kommt darauf an was für einer. Es gibt auch durchaus Fassadenbekeidungen, die sehr viel prolematischer sind als einlagige,harte Putze (z.B. Zementputze) auf porösem Mauerwerk.
Schön macht sich eine Rankhilfe aus Litzenseilen.
"Litzenseile" = Drahtseile. Ob eine (mehr oder weniger) gespannte Konstruktion infrage kommt, ist vorrangig eine Frage der Befestigung und der Klettertechnik. Für schlingende Pflanzen - insbesondere starktriebige (sogenannte Starkschlnger) - eignen sich biegesteife Kletterhilfen oft besser als Seile. Je elastischer ein Seil ist, desto geringer ist seine Eignung zur Fassadenbegrünung - i.d.R. kommen daher in der Praxis bevorzugt drallarme Seile zum Einsatz. Ggf. ist sogar ein Draht (z.B. Edelstahl-Weinbergdraht) zweckmäßiger als manches Drahtseil. Ganz oder teilweise thermoplastische oder thermelasische Seile sind ungeeignet und unzulässig.In der kommenden Richtlinie bleibt es dabei, dass auch für Seilkonstruktionen Vorgaben zu den Abständen horizontaler und vertikaler "Kletterprofile" gelten. Abgesehen vom extrem pflege- und ggf. wartungebedürftigem Sonderfall "einzelne lineare Leitung" (senkrecht, schräg oder waagerecht) sind also alle Kletterhilfen gitter- oder (bei Verwendung von Seilen) netzartig auszubilden, wobei die Profile in den Kreuzungspunkten fest miteinander verbunden sein müssen. Bei kleineren Abständen werden für vor Ort verschraubte Netze ziemlich viele Klemmen und/oder Wandhalter benötigt. Die lineare Einzelaufleitung ist eine Minimalkletterhilfe, die in der Praxis immer wieder technische Probleme bereitet, besoneren Pflegeaufwand mit sich bringt und deren Bewuchs sich nur durch totalen Rückschnitt verjüngen lässt. Aber: Sie ist *billig* (im wahrsten Sinne des Wortes...). Ihre hohe Verbreitung stützt sich nicht auf Eignung sondern auf "Kost' nix"! (Außer Folgekosten...)
Am schönsten finde ich immer Wilden Wein als Fassadenbegrünung. Der hat eine super Herbstfärbung ist sehr ressistent.
Er ist sehr schön - muss aber auch genügend Platz haben. Je nach Art/Sorte sollten mindestens 12 m Höhe oder Breite zur Verfügung stehen. Bei Gebäudehöhen < 20 m (und darüber) ist davon auszugehen, dass sowohl vertikal, als auch horizontal wuchsorientierte Parthenocissus-Arten/Sorten früher oder später den i.d.R. begrünungssensiblen Bereich zwischen Fassade und Dach (sowie das Dach selbst) bewachsen. Dort werden dann periodisch Schnittmaßnahmen nötig, die recht oft jedes Jahr "viereckiges" Geld kosten. Man sollte sich also überlegen, ob und wie man das macht...
Am besten kannst du allerdings Winder oder Spreizklimmer im Zaun halten. Da diese wirklich nur direkt an der Rankhilfe bleiben.
Du hast die Rankpflanzen (rankende Pflanzen = Pflanzen mit spross- oder blattbürtigen Ranken, bzw, Blattstielranken) vergessen, die u.U. sehr viel pflegeleichter als Schlingpflanzen (Winder) oder meist dornige/stachelige Spreizklimmer sind. Das wirksamste Mittel des "Im-Zaum-Haltens" ist eine situativ angepasste Pflanzenauswahl, die das Wachstum berücksichtigt. Im Idealfall ist die Kletterhilfe etwas größer als der vorgesehene Bewuchs (voraussichtlich) werden wird.
Haftwurzler machen sich gerne Selbtändig und richten dadurch starken Schaden an.
Das trifft leider - je nach Wüchsigkeit - auf alle Selbstklimmer zu. Darunter fält auch der haftscheibenrankende Wilde Wein.Die Art Parthenocissuns inserta gilt als einzige übrigens als zuverlässig exklusiv gerüstkletternd. Leider ist sie nicht überall zu beschaffen, bzw. oft nicht art-/sortenrein im Handel.Alle anderen Parthenosissus Arten und deren Sorten sind mehr oder weniger stark haftscheibenrankend (selbstklimmend) und tendieren je nach Standortbedingugnen auch ggf. stark zur Haftwurzelbildung.Mehr Infos zur Fassadenbegrünung - leider derzeit und bis auf Weiteres wegen Aktualisierung noch viel "Baustelle" - gibt's hier. PS: Für das Vorhaben des OP empfehle ich zwei bis drei Lonicera-Arten/Sorten (verschiedene Wuchshöhen [ bis 3 m und 5 - 6 m] und Blütezeiten), also auf die Gesamtbreite vier bis maximal sechs Pflanzen.
"Berater" sein ist nicht sehr schwer und obendrein lohnt es sich mehr....
Biotekt
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Re:Ökologisch wertvolle Fassadenbegrünung

Biotekt » Antwort #18 am:

Schwer zu kriegen, aber ebenfalls geeignet, wäre noch Menispermum canadense, der Amerikanische Mondsame, ebenfalls ein Schlinger mit dunkelgrünem Laub. Diese Pflanzen gehen vor allem nach oben, nicht so sehr in die Breite, du müsstest daher mehrere nebeneinander setzen.
Menispermum (Mondsamen) wird/werden in der künftigern FLL-Richtlinie nicht mehr gelistet. Sie sind tödlich giftig!Im Gegensatz zu z.B. Wisteria (und zahlreichen anderen Kletterpflanzen) sind sie also tatsächlich gefährlich giftig und können daher nach Meinung des Arbeitekreises nicht ausreichend vorbehaltlos als geeignete Pflanzen gelistet werden.(Die üblichen Hinweise auf angebliche Giftigkeit sind wohl eher unter dem Aspekt "Hallo, ich weiss auch was" interessant...)Die vorgesehene Streichung fällt nicht schwer, da der Mondsame keine herausragenden Eigenschaften besitzt, die ihn zu einer für die Fassadenbegrünung besonders wertvollen Pflanze machen. Er ist keinesfalls systemrelevant oder gar alternativlos. ;)
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Biotekt
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Re:Ökologisch wertvolle Fassadenbegrünung

Biotekt » Antwort #19 am:

Kurz noch etwas allgemeines zur Ökologie der Fassadenbegrünung:Ökologisch kann auch Fassadenbegrünung nur dann sinnvoll sein, wenn ihr Bestand weniger Nachteile als Vorteile mit sich bringt.Dazu sind gewisse Qualitätsstandards der Anlage und ihrer Unterhaltung erforderlich. Es ist z.B Augenwischerei, alljährlich irgendwo in dörlicher Umgebung ausschließlich ein paar Nistmöglichkeiten oder einen Sichtschutz zu schaffen, wenn das nicht notwenidig ist oder mit geringerem Aufwand und weniger Unterhaltungsaufwand auch in anderer Weise möglich wäre.Hier habe ich mal - derzeit noch auszugsweise (Beispiele und nähere Erläuterungen dazu fehlen aktuell) - Gedanken zu dieser Thematik niedergelegt.
"Berater" sein ist nicht sehr schwer und obendrein lohnt es sich mehr....
wukie

Re:Ökologisch wertvolle Fassadenbegrünung

wukie » Antwort #20 am:

Vielen lieben Dank für diese sehr informative und detailreiche Ausführung!
"Es soll ja immer noch Leute geben, die meinen, man könne aus Seilen Kletterhilfen bauen." (sinngemäß nach Gert Moegenburg...)
Dann kann ich die Konstruktion mit meiner reckarmen Seglerschot wohl mehr oder minder ad acta legen?!
Für das Vorhaben des OP empfehle ich zwei bis drei Lonicera-Arten/Sorten (verschiedene Wuchshöhen [ bis 3 m und 5 - 6 m] und Blütezeiten), also auf die Gesamtbreite vier bis maximal sechs Pflanzen.
Darauf wird es wohl hinauslaufen. Vielleicht gemixt mit einer Clematis. ;)Vielen lieben Dank für die vielen tollen Antworten!liebe Grüße,Astrid
Biotekt
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Re:Ökologisch wertvolle Fassadenbegrünung

Biotekt » Antwort #21 am:

Dann kann ich die Konstruktion mit meiner reckarmen Seglerschot wohl mehr oder minder ad acta legen?!
Das muss in deinem Fall nicht sein, denn die konventionell gemauerte und verputzte Wand ist unempfindlich und stellt vermutlich einen Verankerungsgrund dar, in dem u.U. sogar einfache Dübel für ausreichenden Halt von Ankerschrauben sorgen können. Gegen die an sich sehr kostengünstigen Seile spricht hier nur die Tendenz vieler Anwender, den Material- und Montageaufwand auf ein Minimum zu reduzieren - also nur ein paar "Strippen" zu ziehen. Das reicht aber häufig nicht für flächigen Bewuchs und birgt die Gefahr der Überlastung der dann ebenfalls reduzierten Befestigung. In jeden Fall sollte die Kletterhilfe in waagerechter und senkrechter Richtung angemessene Abstände von Seil zu Seil oder Stab zu Stab aufweisen. Hier (für Lonicera) würde ich dazu raten, ein Netz, bzw Gitter mit Feldgrößen um 30 x 40 (bis 50) cm zu realisieren. Der Wandabstand sollte 120 mm nicht unterschreiten, u.a. da enge Wandabstände häufig die Kreisbewegung der Triebspitzen schlingender Pflanzen behindern. (Hinweis: Herr Mögenburg war bis vor kurzem Sprecher des FVHF, Fachverband vorgehängt hinterlüftete Fassade und spricht entsprechend für sehr moderne, technisch aufwändige Fassadenkonstruktion. Kletterhilfen aus Seilen sind prinzipiell um so kritischer, je größer der Abstand zwischen Kletterhilfe und Tragwerk sein muss. Aktuelle Fassadenkonstruktionen weisen sehr oft > 160 mm Dicke auf, so dass der Abstand zwischen tragender Wand und Kletterhilfe mit ausreichendem Wandabstand [häufig deutlich > 120 mm] in vielen Fällen größer als 30 cm sein muss. Daraus ergeben sich speziell für schwingungsanfällige Spannkonstruktionen erhebliche Probleme und Kosten, die dann zu häufig untauglichen Minimalkonstuktionen führen.)
Darauf wird es wohl hinauslaufen. Vielleicht gemixt mit einer Clematis. ;)
Die Clematis würde ich mit zwei bis drei Jahren Verzögerung dazu pflanzen. Alle Lonicera tendieren (je nach Lichtverhältnissen und Schnitt) zum Aufkahlen (von unten her). In diesem (hoffentlich klein zu haltendem) Bereich macht sich eine Zupflanzung mit schwächer wüchsigen Kletterpflanzen bei besseren Entwicklungsaussichten gut und die Kombination stellt sich pflegeleichter dar.
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