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Das Gärtnerhandwerk - Theorie und oder Praxis? (Gelesen 16409 mal)
Moderatoren: Nina, Phalaina, cydorian, partisanengärtner, AndreasR
Re:Das Gärtnerhandwerk - Theorie und oder Praxis?
Wenn in Deutschland, England oder Österreich die Lebensmittel unter ihrem Preis und Wert verkauft werden, so sind es vor allem in Holland die Pflanzen. Was ich dort einfach nicht verstehe, denn die Lebenshaltungskosten sind in den Niederlanden wesentlich höher als hier bei uns. Dort hat es aber Tradition, dass die Pflanzen nichts kosten dürfen. Obgleich ich sehr wohl auch dort mit höheren Preisen operieren kann, wenn a) das Sortiment, der Service stimmt und ein Name dahinter steht und b) die Exklusivität einer Pflanze vorhanden ist. Dies alles trifft allerdings nur auf eine kleine Schar von Spezialisten und Pflanzenliebhabern zu, die gewillt sind, auch höhere Preise zu zahlen. Ein Punkt will ich trotzdem noch loswerden. Ohne jetzt generell den teuren Jakob zu verteidigen, verkaufen sich die Gärtner ganz allgemein und in jeder Hinsicht zu billig. Sie trauen sich oft auch nicht. Die großen Baumärkte und Gartencenter sind teilweise und temporär gar nicht um so viel billiger!!! Eine Fehlentwicklung kam noch dazu, ab dem Zeitpunkt, wo mit allerlei Verkaufshilfen Pflanzen mit Wegwerfqualitäten als Massenprodukt in den Vordergrund rückten. Die fachliche Beratung wurde dabei nebensächlich, der schnelle Handel mit Billigware lukrativer. Nun haben wir eben das Nachsehen und müssen den edlen, ach so naturverbundenen und schönsten Beruf des Gärtners in alle Himmelsrichtungen verteidigen und schön reden.Und - der Preis und das Geld ist leider in unserer Gesellschaft in den Vordergrund gerückt und nicht der Gegenwert einer schönen Pflanze oder eines Buches. In anderen Gegenden in Europa ist dieses Geizistgeil-Verhalten viel weniger ausgeprägt.
Re:Das Gärtnerhandwerk - Theorie und oder Praxis?
Geh mal wieder in einen Baumarkt, die sind meinem Gefühl nach in den letzten zwei Jahren hier deutlich angezogen mit den Preisen (in D nicht). Ich finde, bei Euch (Sarastro) kauft man vergleichsweise günstig ein, die Töpfe/Pflanzen sind halt manchmal kleiner aber damit kann ich gut leben.
- Treasure-Jo
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Re:Das Gärtnerhandwerk - Theorie und oder Praxis?
Das sehe ich auch so. Ich wundere mich immer, wenn ich Belgien, Frankreich oder England bin und die dortigen, für uns hohen Preise in den Restaurants sehe. In solche "teure" Restaurants würde hier kaum einer reingehen. Dort sind die Restaurants abends voll.Aber Jammern ist sinnlos. Die Gärtner werden die ganze Welt nicht ändern können. Aber sie können ihre Stärken, ihre Qualitäten, ihre Werte, die der Kunde letztlich auch zu schätzen weiß, noch klarer und deutlicher herausstellen. Der Preis ist sogar für den Billig-Billig-Käufer fast nie das einzige Kaufargument. Gerade auch Aldi hat das verstanden und setzt auf Bio oder "exklusive" Produktreihen, die auch etwas mehr kosten.Auch einige Staudengärtnereien betreiben ein exzellentes Marketing: Seien es eine hervorragende Internetseite, interessante Veranstaltungen, ein besonderes Pflanzensortiment, eine besonders schön gestaltete Gärtnerei, kompetentes (und freundliches) Verkaufspersonal, reibungslose Versandentwicklung, nachhaltig produzierte Stauden, wirklich nützliche und spannende Newsletter, gute Vorträge und Veröffentlichungen, authentisches Image, usw, die Liste könnte ich noch lange fortsetzten. Genau damit kann man sich differenzieren von irgendwelchen Low-Quality-Billig-Heimern und Baumärkten. Die Illertissener sind ein gutes Beispiel für die o. g. Punkte. Und die Gärtnerei im Innkreis doch eigentlich auch und besonders.In anderen Gegenden in Europa ist dieses Geizistgeil-Verhalten viel weniger ausgeprägt.

Liebe Grüße
Jo
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- Mediterraneus
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Re:Das Gärtnerhandwerk - Theorie und oder Praxis?
Die Baumarktgartenabteilungen haben hier extremst nachgelassen. Früher gabs teilweise mal Hochwertigeres, momentan nur noch Billigpflanzen, total 08-15, zu nicht billigen Preisen. 2 Wichtige Baumärkte sind hier auch weggebrochen, Praktiker und Max Bahr haben dicht gemacht.Das sorgt vielleicht schon dafür, dass man wieder mal in eine gescheite Gärtnerei fährt.Ich persönlich kaufe nur noch zufällig reduzierte Ware in den Baumärkten. Das meiste in meiner Gärtnerei vor Ort. Seltenes übers Internet (Muss doch mal bei Sarastro bestellen
)

LG aus dem südlichen Main-Viereck
Mediterraneus
Andere haben schließlich auch irgendeine Ahnung
Mediterraneus
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Re:Das Gärtnerhandwerk - Theorie und oder Praxis?
Ich gehe auch gerne in Gärteneien. Leider haben wir inzwischen keine mehr vor Ort. So muss ich immer ein bißchen Zeit einplanen. Meine Lieblingsgärtnerei hat auf ihrem Gelände jede Menge an Papageien und anderen exotischen Vögeln. Das hatte, als meine Kids noch klein waren, den Vorteil, dass es ihnen nie langweilig wurde, wenn Muttern stundenlang nach Pflanzen suchte. Ansonsten ist ja Einkaufen mit kleinen Kindern immer das pure Grauen. Aber ein Besuch in dieser Gärtnerei war immer ein bißchen wie Sonntagsausflug. Da nehme ich gerne die 50 Cent mehr pro Pflanze in Kauf. Hinzu kommt die wesentlich größere Auswahl und die bessere Qualität der Pflanzen. Bei uns hat auch der Praktiker geschlossen, der nächste Baumarkt ist 10 km entfernt, genauso wie die nächste Gärtnerei. Bin gespannt, wo die Leute in Zukunft hingehen. Letztes Jahr fiel mir auf, dass Bahr stinknormale Hornveilchen als sogenannte Winterveilchen im November und Dezember feilbot. Kosteten 1 € das Stück. Meine Gärtnerei verkaufte sie als Hornveilchen für 50 Cent. Aber die Leute kauften sie bei Bahr.
Denn die seien schließlich winterhart. Ja nee, ist klar. Und ich finde auch, die Baumarktpreise unterscheiden sich doch nicht mehr wirklich von den Preisen in einer guten Gärtnerei.

Re:Das Gärtnerhandwerk - Theorie und oder Praxis?
Mit was manche Kollegen echt zu kämpfen haben, ist mit dem Überhang an Ware und einer gewissen Marktsättigung. Das ist ein Argument, was nicht wegzudiskutieren ist. Wenn ich mir diese Masse an Stauden ansehe, die am Niederrhein und in Holland produziert werden, so denke ich jedes Mal, wo soll das alles denn noch hin. Billig oder teuer, manches braucht der Markt ein Jahr später einfach nicht mehr. Vieles ist ein schnelles Geschäft mit einer Neuheit, zack auf den Markt damit und zwei Jahre später sitzt man darauf. Denn nicht jeder Artikel verhält sich so wie das Stiefmütterchen oder das Pampersgras, was jedes Jahr ausgetauscht wird, weil es hopps gegangen ist oder Tradition besitzt.Und es wissen diese Produzenten oft von einem Jahr auf das näxte nicht, was der Ladenhüter im Jahre Schnee sein wird. Wir aber auch nicht. Nur wir kleinen können etwas leichter jonglieren, da hängen nicht so hohe Produktionskosten dran.
Re:Das Gärtnerhandwerk - Theorie und oder Praxis?
Ich habe dieses Jahr einen Nebenjob beim Praktiker-Gartenmarkt gehabt, wir haben Tonnen und zwar wirklich Tonnen an Pflanzen weggeschmissen, weil vor allem im Frühling das Wetter so bescheiden war. Die Pflanzen wurden sofort um die Hälfte reduziert, wenn sie nicht in der ersten Woche (Geranien im März, haha) verkauft waren, dann dann fanden die Leute sie nicht mehr so ansehnlich. Naja, hat man ja gesehen wohin das führte. Ich denke, niemand, auch kein großer Baumarkt kann überleben, wenn die Hälfte weggeschmissen wird, ein Viertel für 50% verramscht und nur das letzte Viertel regulär verkauft wird. Da wäre weniger mehr gewesen.Jetzt haben aber die Leute, die mit ihrem Kaufverhalten ja auch ein klitzekleines Bißchen zur Insolvenz vom Praktiker beigetragen haben, eben keinen Baumarkt mehr vor Ort. Jetzt müssen sie eben 10, 15 oder 20 km zum Obi fahren oder in die nächste Gärtnerei, die nicht sofort nach einer Woche reduziert.Irgendwie bin ich da ein klein wenig schadenfroh, auch, wenn ich meinen Job verloren habe, der mir durch die sehr netten Kollegen dort (übrigens alles ausgebildete Gärtner, ich hab echt viel gelernt) Spaß machte. Und die Kollegen tun mir natürlich sehr leid, z.T. waren sie schon 20 Jahre und mehr dort.
Re:Das Gärtnerhandwerk - Theorie und oder Praxis?
Das Jahr 2013 war ein übles Ausnahmejahr. Das brauchen wir nicht gleich wieder.
„Am Ende entscheidet die Wirklichkeit.“ Robert Habeck
Re:Das Gärtnerhandwerk - Theorie und oder Praxis?
Das kann jederzeit wieder kommen. Und auch in diesem Jahr hatten viele Gärtnereien durch den lang anhaltenden, späten Winter große Anlaufschwierigkeiten, um es mal vornehm auszudrücken. Die Wegschmeißaktionen kommen aber jedes Jahr vor. Da kann man sich ausrechnen, dass immer noch was hängen bleibt, wenn man bedenkt, dass der Produzent einen Bagatellbetrag für seine Ware bekommt. Primel 2,99, Produzent 0,56 - 0,70 Cent, je nach Menge.
- Herr Dingens
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- Registriert: 18. Mär 2011, 18:02
Re:Das Gärtnerhandwerk - Theorie und oder Praxis?
Mir kommt es so vor, als seien die letzten drei Jahre, jedes auf seine Weise, jeweils ein Ausnahmejahr gewesen. 2014 könnte endlich wieder mal ein normales Jahr werden.
Viele Grüße aus Nan, Thailand
Re:Das Gärtnerhandwerk - Theorie und oder Praxis?
da bin ich auch dafür 

Re:Das Gärtnerhandwerk - Theorie und oder Praxis?
Die Wegschmeißaktionen kommen aber jedes Jahr vor. Da kann man sich ausrechnen, dass immer noch was hängen bleibt, wenn man bedenkt, dass der Produzent einen Bagatellbetrag für seine Ware bekommt. Primel 2,99, Produzent 0,56 - 0,70 Cent, je nach MengeÄALso 2,99 für ne Primel ist wohl stark übertrieben.Bei uns kosten die normalen im Baumarkt 0.49€.Ein Händler kauft sie etwa für den selben Preis ein und versucht sie dann für 1€ an den Mann zu bringen.
Demokratie ist kein Zuschauersport.
R.Habeck
R.Habeck
Re:Das Gärtnerhandwerk - Theorie und oder Praxis?
Da siehst du wieder den Unterschied! Hier ist man doch noch ein wenig preisbewusster! Und bei Primeln gibt es gewaltige Qualitätsunterschiede, dann kommt noch der Zeitaspekt hinzu. Wenn die Dinger Anfang Februar blühen sollen, dann sind die nicht um Cents zu bekommen.Kann mich noch gut an eine Situation in Berlin erinnern. Ich hatte an meinem Stand im Dahlemer Botanischen Garten blühende Fritillaria meleagris um 3,50 (3 Stück/Topf) und brachte die eine Kiste schnell an den MannFrau. Nichts rares, aber sie waren schön!Am Abend gingen wir um die Ecke essen. Auf dem Rückweg kamen wir in einer schmalen Straße an einem Blumenladen vorbei, der hatte mindestens 2 CC-Karren voller blühender Schachbrettblumen, proppenvoll, dichter und schöner als meine waren, da sich 5 Stück in einem Topf sich befanden. Ich fragte die Verkäuferin, was die denn kosten sollen. Da sagte sie 99 Cent! Ich war sprachlos und bemerkte, ob sie sich im klaren sei, dass da ja nichts dran verdient ist und bei einigen warmen Tagen die Pracht dahin ist. Und sie sich beeilen müsste mit dem Verkauf! Die Antwort war typisch: "Mein Chef steht eben auf Masse". Als wir ihr erklärten, zu welchem Preis wir die gleichen Dinger drei Straßen weiter verkaufen, da sagte sie schnippisch, ja ihr sei sehr wohl bewusst, dass es dort äußerst teuer sei. Ich überlegte mir allen Ernstes, ob ich nicht vier, fünf Platten auf der Stelle wegkaufen sollte und diese am nächsten Tag im Botanischen Garten um 4 Euro, aber ich wollte doch diese Wahnsinnigen nicht noch unterstützen. So etwas schockiert mich ehrlich gesagt sehr! Das ist schon grob fahrlässig.
Re:Das Gärtnerhandwerk - Theorie und oder Praxis?
Kann mich noch gut dran erinnern.Kann mich noch gut an eine Situation in Berlin erinnern. Ich hatte an meinem Stand im Dahlemer Botanischen Garten blühende Fritillaria meleagris um 3,50 (3 Stück/Topf) und brachte die eine Kiste schnell an den MannFrau. Nichts rares, aber sie waren schön!Am Abend gingen wir um die Ecke essen. Auf dem Rückweg kamen wir in einer schmalen Straße an einem Blumenladen vorbei, der hatte mindestens 2 CC-Karren voller blühender Schachbrettblumen, proppenvoll, dichter und schöner als meine waren, da sich 5 Stück in einem Topf sich befanden. Ich fragte die Verkäuferin, was die denn kosten sollen. Da sagte sie 99 Cent! Ich war sprachlos und bemerkte, ob sie sich im klaren sei, dass da ja nichts dran verdient ist und bei einigen warmen Tagen die Pracht dahin ist. Und sie sich beeilen müsste mit dem Verkauf! Die Antwort war typisch: "Mein Chef steht eben auf Masse". Als wir ihr erklärten, zu welchem Preis wir die gleichen Dinger drei Straßen weiter verkaufen, da sagte sie schnippisch, ja ihr sei sehr wohl bewusst, dass es dort äußerst teuer sei. Ich überlegte mir allen Ernstes, ob ich nicht vier, fünf Platten auf der Stelle wegkaufen sollte und diese am nächsten Tag im Botanischen Garten um 4 Euro, aber ich wollte doch diese Wahnsinnigen nicht noch unterstützen. So etwas schockiert mich ehrlich gesagt sehr! Das ist schon grob fahrlässig.

Staudige Grüße vom Chiemsee!