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Das Gärtnerhandwerk - Theorie und oder Praxis? (Gelesen 16363 mal)
Moderatoren: Nina, Phalaina, cydorian, partisanengärtner, AndreasR
Re:Das Gärtnerhandwerk - Theorie und oder Praxis?
Da soll am besten Staudo seinen Kommentar dazu geben. Unsere Österreichischen Gehälter lassen sich ebenso wenig wie die Schweizer Gehälter vergleichen. Und auch in Deutschland differieren die Gegenden sehr weit auseinander. In meiner alten Heimat Südbaden werden sehr hohe Löhne bezahlt, die durch die hohen Lebenshaltungskosten zustande kamen, auch durch die nahe Schweiz, ebenso in Gegenden um Frankfurt, München oder Stuttgart. In der Oberpfalz oder in Mecklenburg sieht es wieder ganz anders aus, bei aller monetären Begleitmusik.
- Zuccalmaglio
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Re:Das Gärtnerhandwerk - Theorie und oder Praxis?
Das ist nachvollziehbar. Aber wenn man gar keine Werte hat, kann man das nicht auf andere Verhältnisse bzw. Gegenden hoch- oder runterrechnen und vor allem kann nur unvollständig über die Attraktivität des Berufes diskutieren
Tschöh mit ö
- Dunkleborus
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Re:Das Gärtnerhandwerk - Theorie und oder Praxis?
An meiner vorletzten Stelle (Aargau, Schweiz) habe ich 3600 CHF verdient bekommen. Brutto.Das war damals der Mindestlohn, ich hatte eine Lehre und sieben Jahre recht gute Berufserfahrung und recht gute Arbeitszeugnisse. Ich war an dieser Stelle Gruppenleiterin oder so was. Auch nach der Einarbeitungszeit gab es keine Erhöhung.
Dafür waren Arbeitszeit und -klima grottenschlecht. Händewaschen erst nach der Arbeitszeit, das Waschwasser mussten wir über die Strasse tragen zum wegkippen. Seife und Handtücher hat eine Kollegin immer von zu Hause gebracht.Lange bin ich nicht geblieben... Die gelernten Floristinnen hatten 2800.- für Vollzeit. Abgründe.

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- Danilo
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Re:Das Gärtnerhandwerk - Theorie und oder Praxis?
Wenn ich das in 1800 € netto ummünze: ich kenne diverse ostdeutsche Akademiker, die sich so ein Monatssalär wünschen würden.Aber wie sarastro schon andeutete: Das ist länderübergreifend natürlich nicht einfach so übertragbar.An meiner vorletzten Stelle (Aargau, Schweiz) habe ich 3600 CHF verdient bekommen. Brutto.
- Herr Dingens
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Re:Das Gärtnerhandwerk - Theorie und oder Praxis?
In der Schweiz ist alles anders. Viel höhere Löhne, viel höhere Lebenshaltungskosten.
Viele Grüße aus Nan, Thailand
- Herr Dingens
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Re:Das Gärtnerhandwerk - Theorie und oder Praxis?
Wenn man mal zwei, drei Zahlen aus den NBL, dann noch zwei, drei aus Süd-D, West-D und Nord-D hätte, könnte man sich schon ein kleines Bild machen ...
Viele Grüße aus Nan, Thailand
- Dunkleborus
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Re:Das Gärtnerhandwerk - Theorie und oder Praxis?
Hier kommen noch Steuern weg und Krankenkasse. Teure Mieten, den Zahnarzt bezahlt man selber.Lebenskosten allgemein sind recht hoch.Und so ziemlich alle Handwerksberufe verdienen deutlich mehr. Ausser Friseusen und so...
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Re:Das Gärtnerhandwerk - Theorie und oder Praxis?
Der Tarifstundenlohn in Nordrhein-Westfalen für:"Gärtnergesellen/Gärtnergesellinnen, die in einem begrenzten Aufgabengebiet selbständig und verantwortlich arbeiten, und Arbeitnehmer/-innen mit Abschlussprüfung, die nach einer Fortbildungsverordnung gemäß § 46 Abs. 1 und Absatz 2 Berufsbildungsgesetz eine Prüfung erfolgreich abgelegt haben, z.B. Fachagrarwirt, Kundenberatung Gartenbau, und entsprechend eingesetzt werden."beträgt für das Jahr 2013 € 12,90.Davon kann man im ländlichen Bereich sicher leben, wo die Mietpreise noch akzeptabel sind.Aber hier gibt es zu bedenken...Vor allem die Kollegen in Ostdeutschland haben tariflich deutlich geringere Stundenlöhne.Nur max. die Hälfte der Arbeitgeber ist tarifgebunden, da nicht im Arbeitgeberverband organisiert.Und diese Tariflöhne sind Illusion, wenn im Winter Arbeitslosigkeit oder Saison-Kurzarbeit droht. Da musst du schon einen Monatslohn (netto) für den Winter zurücklegen, um über die Runden zu kommen.Also, "Reich werden" kannst du auch bei diesen Tariflöhnen nicht, obwohl auch vielleicht etliche selbständige Gärtner "unter dem Strich" nicht viel mehr oder weniger auf dem Konto haben werden.
Gartenanarchist aus Überzeugung! Und ich bin kein Experte sondern immer noch neugierig...
- Zuccalmaglio
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Re:Das Gärtnerhandwerk - Theorie und oder Praxis?
ja, im Ländlichen mag es noch gehen, sofern dieser Tariflohn gezahlt wird.Weniger oder im großstädtischen Bereich finde ich aber genauso schwierig wie andere schlecht bezahlte Berufsgruppen.Insofern kann ich verstehen, dass der Nachwuchs sich nicht darum reißt, ungeachtet eines vielleicht bestehenden Interesses oder sogar Leidenschaft an der Sache.
Tschöh mit ö
Re:Das Gärtnerhandwerk - Theorie und oder Praxis?
Stimmt alles. Hatte aber auch schon wesentlich höhere Löhne in Erinnerung. Damals vor fast 30 Jahren verdiente ich 2.400 Franken brutto und war Grenzgänger. Von so einem Lohn konnte man in D damals nur träumen. Nur musste ich für Pensions- und Krankenversicherung selbst sorgen. Trotzdem blieben unterm Strich ein paar Hunderter mehr über. Heute höre ich von 5.000 SFR im Baumschulbereich oder Garten - und Landschaftsbau. Aber niemand sagt dazu, wie viele Überstunden er macht. Unterm Strich bleibt am meisten, wenn man in Italien, Frankreich oder Österreich wohnt und in der Schweiz als Grenzgänger arbeitet. Falls man seinen Traumjob auf diese Weise überhaupt so leicht findet.Es ist alles sehr komplex und nur bedingt vergleichbar. Man muss vor allem die Lebenshaltungskosten, Pendlerpauschalen, Wegstrecken, sonstige Aufwendungen, Grundstückspreise, Mieten etc. mit einbeziehen. Nur weil der Yoghurt und die Butter in Österreich teurer ist, heißt dies noch gar nichts!Hier kommen noch Steuern weg und Krankenkasse. Teure Mieten, den Zahnarzt bezahlt man selber.Lebenskosten allgemein sind recht hoch.Und so ziemlich alle Handwerksberufe verdienen deutlich mehr. Ausser Friseusen und so...


Re:Das Gärtnerhandwerk - Theorie und oder Praxis?
Zum Thema passend... und zum Thema "Mangel an qualifiziertem Nachwuchs"...In den Koalitionsverhandlungen nach der deutschen Bundestagswahl zeichnet sich endlich (
?) ab, dass es hier wohl auch bald einen Mindestlohn gibt.Allen Unkenrufen aus den Industrieverbänden und ihnen nahestehenden Wirtschaftsinstituten zum Trotz, dass dann die deutsche Wirtschaft unter geht, können dann vielleicht auch einige Gärtner darauf hoffen, so viel zu verdienen, dass sie vielleicht keine "Hilfe zum Lebensunterhalt" mehr beantragen werden müssen.Für diesen linksradikalen Beitrag dürft ihr mich gerne in den "Keller" verschieben! 


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Re:Das Gärtnerhandwerk - Theorie und oder Praxis?
Das ist nicht links, sondern eigentlich so selbstverständlich wie eine Autobahnmaut. Nur sollte es ohne diese fetten, unnötigen Gerwerkschaften gehen und trotzdem einen Mindestlohn für alle Branchen.
- Danilo
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Re:Das Gärtnerhandwerk - Theorie und oder Praxis?
Ändern wird das überhaupt nichts. Durch so ein Gesetz wird der Posten "Mitarbeitergehälter" im Etat der Unternehmen nicht à priori mitwachsen. Es werden wie eh und je Mittel und Wege gefunden werden, um diese neuen Paragraphen im Alltag einzubauen oder zu umschiffen - und diese Mittel werden wie eh und je an anderer Stelle eine ebenso tiefe Wunde schneiden wie es zuvor die fehlende Lohnuntergrenze war. Das ist und bleibt Hin- und Herschieberei und Populismus.dass es hier wohl auch bald einen Mindestlohn gibt.
Re:Das Gärtnerhandwerk - Theorie und oder Praxis?
Dies mag in allen europäischen Gesellschaften außer in Deutschland so gesehen werden.Hier scheint spätestens seit der letzten Schröder-Regierung zu gelten, nicht die Güte des Produkts, der Produktstückkosten oder anderer unternehmerischer Leistungen ist der Maßstab ökonomischen Erfolgs, sondern allein die Höhe der Arbeitskosten (Stichwort: Deregulierung des Arbeitsmarktes).Aber ich schweife in wieder in linksradikale Ideen ab. ;)Edit: Dies bezieht sich auf Sarastros Post
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