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Kanadarenette, Ribston Pepping oder Königlicher Kurzstiel? (Gelesen 2398 mal)

Obstgehölze, Beerensträucher und Wein (Veredlungen, Unterlagen, Schnitte und Selektionen) sowie Staudenobst (Erdbeeren)

Moderator: cydorian

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plantboy
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Kanadarenette, Ribston Pepping oder Königlicher Kurzstiel?

plantboy »

Hallo,

da mir die mürben Äpfel gut schmecken und eine willkommede Abwechslung zu den anderen sind, würde ich gerne einen Baum von diesen drei Sorten pflanzen:
Kanadarenette, Ribston Pepping oder Königlicher Kurzstiel.

Probiert habe ich schon den Ribston Pepping und Königlchen Kurzstiel, der mir gut schmeckte, jedoch leider am Ende der Erntezeit probiert wurde und ich mir deshalb keinen richtigen Urteil bilden kann. Kanadarenette hab ich noch nicht probiert. Ganz saure Äpfel ist nicht unbedigt mein Ding.

Welchen würdet ihr nehmen und warum?


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thuja thujon
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Re: Kanadarenette, Ribston Pepping oder Königlicher Kurzstiel?

thuja thujon » Antwort #1 am:

Wenn ich nur Platz für einen Baum hätte, würde ich alle drei nehmen. Mehrsortenbaum.

Falls Mehrsortenbaum selbst veredeln keine Option ist, die Sorte wählen, die am ehesten mit Hitze und Trockenheit klarkommt.
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Nox
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Re: Kanadarenette, Ribston Pepping oder Königlicher Kurzstiel?

Nox » Antwort #2 am:

Ich kenne nur die Kanada-Reinette: sehr gut zum Backen, weniger zum Rohessen.
Wenn der Baum, der in meinem neuen Garten steht eine Kanada-Reinette ist - er wird riesig als Hochstamm.
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obst
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Re: Kanadarenette, Ribston Pepping oder Königlicher Kurzstiel?

obst » Antwort #3 am:

Für mich ist der Ribstons Pepping unübertroffen. Wenn Du gerne einen Cox Orange oder Holsteiner Cox isst, wird er Dir schmecken. Ich meine damit allerdings nicht die manchmal relativ säuerlichen Exemplare, die man kaufen kann, sondern wirklich ausgereifte Exemplare. Im Erwerbsobstbau wird der größte Teil des Obstes vor der eigentlichen Pflückreife geerntet, da die Äpfel dann nicht so empfindlich sind.

Ansonsten kann ich Dir auch nur zum Mehrsortenbaum raten. Wenn man ihn vorbestellt, kann man ihn auch gezielt in einigen Baumschulen veredeln lassen. Man muss Mehrsortenbäume nicht unbedingt selbst veredeln.
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plantboy
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Re: Kanadarenette, Ribston Pepping oder Königlicher Kurzstiel?

plantboy » Antwort #4 am:

Was ist bei der Kanadarenette als negtiv zu sehen?

Wie ist der Geschmack?...was stört?
saugrün
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Re: Kanadarenette, Ribston Pepping oder Königlicher Kurzstiel?

saugrün » Antwort #5 am:

Aus dieser Reihe habe ich bisher nur den Königl. Kurzstiel probiert und er schmeckt mir sehr gut, auch durch die Konsistenz ganz anders als die anderen meiner Äpfel. Bei mir steht deshalb jetzt auch eine 1-jährige Veredelung im Garten.
Und ich habe ihn auch deshalb gepflanzt, da er sich sehr gut für Spalier und Formobst eignet.
Einen Mehrsortenbaum mit diesen drei Sorten wäre spannend, aber bestimmt arbeitsintensiv. Die Wuchskraft des wirklich schwach wachsenden Kurzstiels liegt sehr deutlich hinter den beiden anderen.
Rieke
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Re: Kanadarenette, Ribston Pepping oder Königlicher Kurzstiel?

Rieke » Antwort #6 am:

Ich kenne von den 3 Sorten nur die Kanadarenette. Ich mag den Geschmack, sehr aromatisch. Er hat etwas Ähnlichkeit mit einem guten Boskop, aber weniger Säure, ausgewogener, nicht so rustikal. Zur Lagerfähigkeit kann ich nichts sagen. Die paar Früchte, die unser vergreister Baum trägt, essen wir immer gleich.
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Ayamo
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Re: Kanadarenette, Ribston Pepping oder Königlicher Kurzstiel?

Ayamo » Antwort #7 am:

Kenne nur Kanada-Reinette und Ribsto Pepping davon, und würde Nox zustimmen.
Die sind aber geschmacklich verschiedene Richtungen, insofern ist´s wie Äpfel mit birnen vergleichen...

Ausgereifte Ribston P. sind wirklich toll und halten dazu noch eine Weile.
Bei der Kanada-Reinette sind die Früchte am Hochstamm schon recht groß, auf Niederstamm wharscheinlich noch größer. Falls das für dich ein Kriterium ist.
Ich würde die nicht pflanzen, fand den Geschmack irgendwie nicht überzeugend. Aber sie wird für unsere Gegend auch nicht empfohlen, braucht mehr Wärme. Hier wird zB der Rote Boskoop gut.

Im schlechtesten Raum/ pflanz einen Baum/ und pflege sein!/ er bringt dir's ein. (J. L. Christ)                    (Stimmt das wirklich?)
Galapagosfink
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Re: Kanadarenette, Ribston Pepping oder Königlicher Kurzstiel?

Galapagosfink » Antwort #8 am:

https://www.obstgarten.biz/info-thek/ribston-pepping.html

in der. Tabelle kannst Dudir mal Beschreibungen/ Eigenschaften ansehen (leider funktioniert akteuell nicht die Suchfunktion dort, wäre sonst einfacher)
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plantboy
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Re: Kanadarenette, Ribston Pepping oder Königlicher Kurzstiel?

plantboy » Antwort #9 am:

...sehr gute Beschreibungen. Alles was ich bisher probiert habe, schmeckte so wie beschrieben. TOP!
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Aromasüß
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Re: Kanadarenette, Ribston Pepping oder Königlicher Kurzstiel?

Aromasüß » Antwort #10 am:

Der Geschmack aller drei ist top! Ihre Ansprüche sind verschieden

Zum Ribston hast Du schon einige Tipps bekommen. Als Elternsorte des Cox ist er genauso anspruchsvoll wie dieser und empfindlich für zahlreiche Krankheiten. Ich kenne welche, die in guten Apfellagen zuhause sind und an ihm große Freude haben, aber bei mir würde ich ihn nicht in Erwägung ziehen.

Deine Leidenschaft für den Königlichen Kurzstiel teile ich! Ein feiner edler Schrumpelapfel für kalte Wintertage nach dem Jahreswechsel, zergeht langsam im Munde und schmeckt immer würzig in seiner gut abgelagerten Milde; einem Lederapfel sehr ähnlich; hält sich nur unter besonderen Bedingungen (feuchtere Lager, Schattenbalkon, Folienbeutel).

Sein Verbreitungsschwerpunkt liegt in Benelux, Frankreich und an der Rheinschiene, also im atlantischen und eher mildem Klima, und zwar dort, wo es noch bis in den Oktober richtig warm ist. Im kontinentalen Klima ist es warm und sonnig genug, aber für ihn zu trocken. Deshalb habe ich ihn (noch?) nicht. Außerdem würde ich nur stärkste Unterlagen nehmen (wie hier von anderen schon erwähnt).

Zum Aufveredeln - Mehrsortenbaum! - könnte es sein, dass er sich dafür entweder nicht so gut eignet (wegen seiner Schwachwüchsigkeit) oder dass die Veredler besonders viel Geduld brauchen?! Denn darüber schreibt die historische Literatur gar nichts (obwohl sie das für andere Sorten sorgfältig berücksichtigt). Weiteres ist hier nachzulesen: Deutschlands Obstsorten - Nach der Arbeit und Arche Noah - Wilhelm Lauche

@saugrün: Kennst Du das aus eigener Erfahrung?
saugr hat geschrieben: 28. Feb 2021, 09:02
... da er sich sehr gut für Spalier und Formobst eignet

Er gilt als wenig verträglich für den Baumschnitt: Mit Ausnahme des Spalierobstmeisters Wilhelm Lauche (lies dort ganz am Schluss) haben es offenbar viele andere Könner nicht hinbekommen, ihn angemessen zu schneiden, sondern raten, ihn als kleinkronigen Baum einfach wachsen zu lassen. - Solltest Du die Schneidekunst der Weisen für den Königlichen gefunden haben, dann sprich!
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Re: Kanadarenette, Ribston Pepping oder Königlicher Kurzstiel?

saugrün » Antwort #11 am:

@Aromasüß,
dass der Königl. Kurzstiel empfindlich für den Schnitt sei, lese ich in der einen Quelle tatsächlich das erste Mal. Er macht ohne Schnitt viel kurzes Fruchtholz, was ihn in meinen Augen schon mal für den Spalierobstbau attraktiv macht. Hartmann schreibt entsprechend, dass die Triebe sich "weitgehend von selbst" verzweigen und er deshalb nur wenig Schnitt "braucht", von nicht vertragen steht da nichts. Mühl schreibt vom "aufmerksamen, aber sparsamen" Schnitt. Als neuere, meines Erachtens verlässliche Quelle schreibt J. Bade auf https://obstsortenerhalt.de/obstart/details/9169 immerhin "auch für die Spalierobsterziehung geeignet".
Meine Erfahrung mit dem Kurzstiel ist noch nicht so weit gediehen. Wie gesagt 1-jährig, auf M111, noch muss er in der Senkechten wachsen, soll dann aber zum waagerechten Kordon werden. Großer Schnitt außerhalb möglicher Konkurrenztriebe ist gar nicht geplant, ich denke ihn mit Pinzieren zu erziehen. Spaßeshalber habe ich den Rest eines Reisers auch auf eine unbekannte Lokalsorte veredelt. Er ist dort gut angewachsen, hat kaum Strecke, aber schon Fruchtholz gemacht, mal sehen ... Also: "die Schneidekunst der Weisen für den Königlichen" habe ich nicht parat, ich bin aber ganz zuversichtlich. Klimatisch müsste er hier passen.
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Aromasüß
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Re: Kanadarenette, Ribston Pepping oder Königlicher Kurzstiel?

Aromasüß » Antwort #12 am:

Zum "irreführenden" Namen Kanadarenette

Aus H. C. Bredsted, "Handbuch der Dänischen Pomologie", Band 2, 1893:
- hier mithilfe des Google-Translators verstanden, von mir zusammengefasst -


"Auf jeden Fall hat dieser Name [Canada-Reinette] auch in Ländern, deren Klima für den Anbau überhaupt nicht geeignet ist, wesentlich zu ihrer Verbreitung beigetragen." Ursprünglich sei die Sorte, vermutlich aus der Normandie, nach Amerika gebracht und mit ihrem neuen Namen nach Europa zurückgekehrt.

Dieser "irreführende" Name "Canada-Reinette" sei heute, obwohl sie erst später so genannt wurde, der bekannteste in Frankreich, England, Amerika und "hier im Norden", in Dänemark und Skandinavien geworden. Dagegen habe Diel 1809 die Sorte zutreffend 'Pariser Rambourreinette / Reinette de Paris' genannt und bekanntgegeben, er habe sie von einem Herrn Witt erhalten, der sie selbst aus Paris (Kartäusermönche) mitgebracht hatte. [Diel, Heft 10, S. 86]

Quelle:
H. C. Bredsted 1893: "Haandbog i Dansk Pomologi", Band 2 - Artikel: Canadisk Reinet eller Pariser Rambour Reinet
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Aromasüß
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Re: Kanadarenette, Ribston Pepping oder Königlicher Kurzstiel?

Aromasüß » Antwort #13 am:

Die Kanadarenette (Pariser Rambur) - ein legendärer, im Geschmack edler und starkwüchsig-triploider Selbstversorgerapfel!

Die "Canada Gris" ist bis heute eine Haupterwerbssorte in Frankreich (rd. 40.000 Tonnen Jahresproduktion). Zur Erntezeit kann sie dort an jeder Straßenecke verkostet werden. In Paris verstellen dann Obststände mit den Pfunds-großen Äpfeln den Gehsteig. Ich empfand sie im Geschmack als gleichwertig mit sehr guten, aromatischen Bosköppen, aber milder und abgerundet. Die Kanadarenette ist auch als Küchenapfel so begehrt, dass sich in Frankreich der Boskoop nicht gegen sie durchsetzt hat.

In Deutschland fiel sie den bekannten Massakern der Staats-Agrarindustrie ("Flurbereinigung", Rodungsprämien) zum Opfer: Diese Baumschule in Bayern (Hans Fenzl, Cham) hat vielleicht noch einen regionalen Typ, der in Süddeutschland sogar bis in Höhenlagen ausreift. Gewarnt wird vor trockenen oder rauen Lagen und leichten oder armen Böden. Herbert Petzold ("Handbuch Obstsorten") weist darauf hin, dass diese sehr alte Sorte in weiten Teilen Europas vorkam, von Südskandinavien bis Südtirol, vom Atlantik bis zum Balkan - mit zahlreichen regionalen Typen von "grau" bis "weiß".

Allerdings gilt die Einschränkung für die nördlichen Breitengrade: In Frankreich und der Schweiz reift die Kanadarenette bereits ab Ende September, dort sind Frostschäden unbekannt, und sie wird bis heute in der Schweiz (Graubünden am Alpenrhein) sogar für Höhenlagen bis 1000 Meter empfohlen. Indessen reift sie in Norddeutschland und Südskandinavien erst Anfang November, dort gibt es die Erfahrungen mit ihrer Holzfrostempfindlichkeit und wurde sie früher vor allem als Schnurbaum angebaut sowie an besonders geschützten und warmen Stellen auf Stamm (Pometum apple key, gehe zu Show Properties). 'Deutschlands Obstsorten' deuten an, dass in Norddeutschland das Holz vor dem Winter nicht richtig ausreift, nicht zum Triebabschluss kommt und deshalb besonders frostanfällig ist. Heute ist die Sorte im Norden und Nordosten fast verschwunden, während unsere Vorfahren Frostschäden in besonders kalten Wintern in Kauf nahmen, weil sie diesen edlen Selbstversorgeräpfel für unverzichtbar hielten.

Im Klimawandel könnten neue Erfahrungen mit dieser Sorte gewonnen werden - aber nur dort, wo es nicht zu trocken wird. Solltest Du Dich dazu entschließen (können), dann berichte!

P. S. Auch für kleine Formen nachdrücklich empfohlen, vor allem für Schnurbaum (Waagrechter Kordon).

Sortenbeschreibungen: Pfau-Schellenberg (Schweiz) - Deutschlands Obstsorten - Obstsortendatenbank
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