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Hemerocallis fulva? (Gelesen 4237 mal)
Moderatoren: Nina, Phalaina, AndreasR
Hemerocallis fulva?
Handelt es sich eigentlich bei der sehr verbreiteten, orangefarbenen/braun-roten Taglilie um die Wildform H. fulva?Wenn nein, woran erkennt man diese?
- riesenweib
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Re:Hemerocallis fulva?
ich bin zum schluss gekommen ja, habe v.a. die hemerocallis-species.com als unterstützung genommen (und schilderungen in Penelope Hobhouse büchern). Schau HIER die h. f. Europa, so schauen meine aus, die ich über den zaun bekam, und die ich auch schon verwildert gesehen habe.lg, brigitte
will bitte jemand meine tippfehler? Verschenke sie in mengen. danke ;-)
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callis
Re:Hemerocallis fulva?
Bisher habe ich noch nie eine andere Braunrote verwildert gesehen. (Möglich wär das natürlich, wenn irgendjemand überschüssige Taglilien am Feldrain entsorgt ;)In Wiki ist derzeit auch eine Diskussion zum Artikel H. fulva 'Europa' im Gange.schnell zu identifizierende Merkmale von H. fulva 'Europa:-vergleichsweise gelblich grünes, recht grobes Laub, das weit überhängt-Die schlanken Stengel stehen hoch über dem Laub (Höhe ca. 140-150cm) und sind 1-2x verzweigt.-Knospenzahl bis ca. 10 Knospen-Blütenform von der Seite trompetenförmig -Blütenfarbe braunrot, backsteinziegelrot, charakteristisch das dunklere spitz auslaufende Auge und die hellen Mittelstreifen auf den Petalen.Die Pflanze vermehrt sich sehr kräftig über die Wurzelausläufer, nicht durch Samen, da sie triploid und selbststeril ist. Gelegentlich klappen gezielte Bestäubungsversuche mit tetraploiden und diploiden Taglilien.(Bester Artikel dazu immer noch von Nick Chase.) Da diese aber nur in Gärten und nicht an Wildstandorten benachbart stehen, ist in der Natur Vermehrung durch Samen unwahrscheinlich. Ich selbst habe in meinem Garten vielerlei Taglilien neben dem riesigen Horst von H.fulva 'Europa' stehen, habe aber noch nie eine spontane Kapsel mit reifen Samen von ihr geerntet.Es gibt natürlich noch eine ganze Reihe von Varietäten von H. fulva, die aber höchstens mal in Gärten von Sammlern und Spezialisten stehen.
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Lilo
Re:Hemerocallis fulva?
@fars, warum fragst du, willst du welche?In meinem Garten habe ich einen großen Bestand vorgefunden. Iche weiß nicht mehr wohin damit. Inzwischen wandern sie auf den Kompost.LG Lilo
Re:Hemerocallis fulva?
Zuerst einmal euch allen vielen Dank für die Antworten.@ LiloMeine Frage hat folgende Bewandnis. In der kürzlich von mir besuchten Gemäldeausstellung "Gärten: Ordnung, Inspiration, Glück" wird die angeblich "älteste Darstellung einer in Europa kultivierten Braunroten Taglilie (Hemerocallis fulva) gezeigt. Die Zeichnung soll um 1562 entstanden sein.Daraus ergab sich für mich die Frage, ob die auch in meinem Garten reichlich vorhandene "Braunrote Taglilie" (die ich eigentlich nicht sonderlich mag, die aber im flirrenden Sonnenlicht unter dem Nussbaum ein durchaus hübsches Bild abgibt) eben jene H. fulva ist.Nun, die Frage ist dank eurer Sachkenntnis beantwortet.
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callis
Re:Hemerocallis fulva?
Das würde ich mir gut überlegen, Lilo. Sonst hast du bald keinen Komposthaufen mehr sondern einen neuen Fulva-Horst im Garten ;DIch entsorge nie eine einzige Taglilie auf dem Kompost.In meinem Garten habe ich einen großen Bestand vorgefunden. Iche weiß nicht mehr wohin damit. Inzwischen wandern sie auf den Kompost.
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Lilo
Re:Hemerocallis fulva?
Ach, @fars, da siehst du mal welche historischen Schätze dein Garten birgt. Schade ich dachte mein Problem bei dir verkleinern zu können. Aber sie sehen doch wirklich ganz nett aus und sie sind garnicht so grell. Bei mir wachsen sie unter einem Holunder.Nein, @callis keine Sorge, mein Kompost steht zwei Jahre, dann wird er gesiebt. Eine Hemerocalliswurzel würde mir nicht entgehen.LG Lilo
- florafreund
- Beiträge: 37
- Registriert: 5. Dez 2006, 18:24
Re:Hemerocallis fulva?
Jetzt habe ich - als Neuling - aber auch mal zwei Fragen an die Hemerocallis-Fachleute:Auch in meinem Garten wächst seit vielen Jahren praktisch "geerbt" von den Vorbesitzern eine braunrote Taglilie. Nach allem, was ich eben gelesen habe, wird es wohl die Hemerocallis fulva "Europa" sein. Wenn das eine Wildform ist, wie kann sie dann steril sein?Wie denkt man sich dann ihre Entstehung und wie hätte sie dann ohne menschliches Zutun überleben bzw. sich ausbreiten können?Ich kann Eure Beobachtungen nur bestätigen, dass ich auch in all den Jahren noch nie einen Samenansatz bemerkt habe. Meine zweite Frage bezieht sich auf die Essbarkeit von Hemerocallis-Blüten: Sind die Blüten der H. fulva auch essbar?
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callis
Re:Hemerocallis fulva?
Die Frage muß dir ein Biologe beantworten. Ich weiß nur, dass die H. fulva 'Europa' triploid ist, also 33 Chromosomen anstelle der bei den Spezies üblichen 22 Chromosomen hat, was die Befruchtung erheblich erschwert, wenn auch nicht ganz verhindert, wie dem von mir weiter oben verlinkten Artikel zu entnehmen ist. Nur Selbstfertilität scheint bei Triploiden unmöglich.Wenn das eine Wildform ist, wie kann sie dann steril sein?
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Hempassion
- Beiträge: 3559
- Registriert: 26. Feb 2006, 20:05
Re:Hemerocallis fulva?
Ich frage mich auch, ob H. fulva "Europa" überhaupt eine Wildform sein kann, denn meines Wissens nach stammen die Urformen unserer heutigen Taglilien doch alle aus dem asiatischen Raum, was im Gegensatz zum Prädikat "Europa" steht. Ist H. fulva "Europa" nicht vielleicht eine Art europäischer Sprößling der Urform H. fulva, wie sie im alten China seit Jahrhunderten als Nahrungsmittel angebaut wird (Knospen sind essbar, Florafreund, hab sie aber noch nicht probiert)?Wie auch immer, hier eine hypothetische Erklärung zu deiner Frage: H. fulva könnte ursprünglich eine endemische Spezies mit sehr kleinem Verbreitungsgebiet gewesen sein, bevor der Mensch sie zur Nutz- und Zierpflanze machte. Ihre Vermehrung erfolgte dabei ausschließlich vegetativ über Ausläufer, da eine Samenkapselbildung nicht möglich war. Anders kann ich es mir auch nicht erklären...Wenn das eine Wildform ist, wie kann sie dann steril sein?
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callis
Re:Hemerocallis fulva?
Die H. fulva 'Europa' heißt meines Wissens nicht deshalb 'Europa', weil sie hier gefunden wurde, sondern weil es ein Klon ist, der - einmal aus Asien importiert - sich über ganz Europa (und mittlerweile auch Nordamerika) verbreitet hat.Der Name dieses Klons taucht erstmals 1929 in einer Publikation von Arlow B. Stout auf. Mal heißt es, diese Spezies stamme aus China, dann wieder heißt es Ursprungsland unbekannt.
- florafreund
- Beiträge: 37
- Registriert: 5. Dez 2006, 18:24
Re:Hemerocallis fulva?
Nach all den guten Infos habe ich auch mal bei Wikipedia nachgesehen (Danke für den Hinweis, Callis) , wo einiges steht. Und dann habe ich bei mir im Kosmos-Werk von Aichele/ Schwegler "Die Blütenpflanzen Mitteleuropas" auch die gelbrote Taglilie (Hemerocallis fulva) gefunden.Ich versuche mal eine Zusammenfassung:Die gelbrote Taglilie kommt ursprünglich aus Ostasien, wo sie mit mehreren Unterarten vorkommt. Dort ist sie wohl auch in der Regel diploid, jedenfalls fertil.Irgendwann ist irgendwie eine triploide Pflanze entstanden, welche sich durch besondere Wüchsigkeit und Vermehrungsfreude über Rhizome auszeichnet. Klone davon kamen bereits im Mittelalter nach Europa, wo sie sich ebenfalls verbreiteten, deshalb wurde diese triploide Pflanze Hemerocallis fulva "Europa" genannt.Hier können wir dieser "alten Dame" dankbar sein, weil sie fast nicht unterzukriegen ist und auch Anfängergärtner mit ihren Blüten und freudigem Wachstum beglückt. Vielleicht kamen auch die Züchter maßgeblich durch ihre Unkompliziertheit erst auf die Idee, dass es sich lohnen würde, sich mit Hemerocallis zu beschäftigen.Falls ich irgendwo falsch liege, bitte ich um Verbesserung.Und noch eine Frage am Schluss: Wenn die Hemerocallis fulva "Europa" alles Klone sind, dann müßte sich doch bei ihnen irgendwann das Gleiche ereignen wie vor einigen Jahren bei den Bambussen, die anfingen, gleichzeitig zu blühen und dann starben.Wie alt können Hemerocallis denn werden? Ich meine, wenn bereits seit dem Mittelalter die Klone sich hier verbreiten, dann muss ihre Lebenserwartung ja bei mehreren Jahrhunderten liegen, oder?Aber irgendwann müssten sie alle absterben, auch die jüngsten gerade gepflanzten Ableger?
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callis
Re:Hemerocallis fulva?
Aus welcher Quelle hast du die Information im zweiten Satz?Die gelbrote Taglilie kommt ursprünglich aus Ostasien, wo sie mit mehreren Unterarten vorkommt. Dort ist sie wohl auch in der Regel diploid, jedenfalls fertil.
Wenn die Hemerocallis fulva "Europa" alles Klone sind, dann müßte sich doch bei ihnen irgendwann das Gleiche ereignen wie vor einigen Jahren bei den Bambussen, die anfingen, gleichzeitig zu blühen und dann starben.
Ich habe bisher nirgends etwas über die absolute Lebensdauer eines Horstes gelesen, gehe aber davon aus, dass ein Horst viele Jahrzehnte am selben Platz bleiben kann, wenn er gelegentlich verjüngt wird, d.h. man sticht die äußeren (jüngeren) Rhizome ab, entsorgt ältere Teilstücke aus der Mitte des Horstes und pflanzt die jungen wieder ein. Mein Fulva-Horst steht bereits seit 18 Jahren an seinem Platz, ohne dass ich ihn verjüngt hätte. Ich verkleinere ihn nur alle paar Jahre.Wie alt können Hemerocallis denn werden? Ich meine, wenn bereits seit dem Mittelalter die Klone sich hier verbreiten, dann muss ihre Lebenserwartung ja bei mehreren Jahrhunderten liegen, oder?
Nein, warum denn?Aber irgendwann müssten sie alle absterben, auch die jüngsten gerade gepflanzten Ableger?
- florafreund
- Beiträge: 37
- Registriert: 5. Dez 2006, 18:24
Re:Hemerocallis fulva?
Hallo Callis,die Info
habe ich aus Wikipedia, Stichwort "Hemerocallis fulva", Absatz "Blütenstand, Blüten, Früchte":"Die Chromosomenzahl beträgt 2n=22 (Diploidie) oder 3n=33 (Triploidie)."Außerdem unter Absatz "Vermehrung": "Diploide Varianten können durch Insekten bestäubt werden..." und unter Absatz "natürlich vorkommende Varietäten" werden Hemerocallis fulva var. angustifolia und var. aurantiaca und andere als diploid genannt.Wenn ich das richtig verstehe, sind das die nächsten Verwandten (vielleicht die "Eltern"??) unserer triploiden Varietät "Europa".Meine Frage nach der Lebenserwartung bezog sich auf die biologische Lebenserwartung dieser Pflanze. Ich habe gedacht, diese Vorgänge im Bereich der Zellalterung treffen doch alle Klone von "Europa", da die genetische Information in allen diesen Pflanzen die gleiche ist. Ich dachte, der Bambus ist ein Beispiel dafür, dass viele Pflanzen die gleiche Erbinformation haben - weil sie ja alle Klone sind und daher sind sie alle gleichzeitig gestorben, weil ihre biologische Lebenserwartung abgelaufen war. Beim Bambus ging das mit dem Blühen einher, das würde bei der Hemerocallis natürlich nicht so sein, von daher war das Beispiel vielleicht irreführend.Auch habe ich von anderen Pflanzenzüchtungen gehört, zum Beispiel von Rittersporn-Züchtungen von Foerster, dass diese im Lauf der Jahre ihre Vitalität verlieren - auch wenn sie "jung" vermehrt sind.Die gelbrote Taglilie kommt ursprünglich aus Ostasien, wo sie mit mehreren Unterarten vorkommt. Dort ist sie wohl auch in der Regel diploid, jedenfalls fertil.