News: Problem bei der Anmeldung? Bitte Mail über das Kontaktformular ganz unten! | garten-pur unterstützen mit einer Spende oder über das Partnerprogramm!
Wer zieht Äpfel/Birnen aus Kernen? (Gelesen 27148 mal)
Moderator: cydorian
- thuja thujon
- Beiträge: 22628
- Registriert: 28. Apr 2016, 21:50
- Region: Gemüsegarten Vorderpfalz
- Höhe über NHN: 90
- Winterhärtezone: 8b: -9,4 °C bis -6,7 °C
Re: Wer zieht Äpfel/Birnen aus Kernen?
Da wird beim Holzapfel wegen Obstbaumkrebs abgeraten. Allerdings schulten die einen auch auf, ließen bis zur Krone wachsen und haben dann erst veredelt. Wenn wir den Krebs mal außer acht lassen, weiß nicht wie viel der noch eine Rolle spielt, ich habe ihn glaube ich noch nie gesehen. Damit hat man zumindest die Gewissheit, dass das Bäumchen nicht im zweiten oder dritten Jahr verhockt. Aber wie oft kommt sowas vor? Also was sind die Vorteile davon?
Jedenfalls ist das etwas, was es zu Zeiten von Baumschulischen Handelszwängen und 2jährig verpflanzter Ware nicht gibt. Allein das macht schon `erst in der Krone veredeln´ prüfenswert.
Jedenfalls ist das etwas, was es zu Zeiten von Baumschulischen Handelszwängen und 2jährig verpflanzter Ware nicht gibt. Allein das macht schon `erst in der Krone veredeln´ prüfenswert.
gesundes und krankes Gemüse in Amish-Qualität
- cydorian
- Garten-pur Team
- Beiträge: 12598
- Registriert: 19. Nov 2005, 14:29
- Höhe über NHN: 190
- Bodenart: 30cm toniger Lehm auf Muschelkalk
- Kontaktdaten:
Re: Wer zieht Äpfel/Birnen aus Kernen?
Auf schwerem Boden ist Obstbaumkrebs bei nicht wenigen Sorten ein riesiges Problem, unten was von meinem "James Grieve". Als reine Unterlage, die am Boden in einen Stammbildner oder die Edelsorte übergeht spielt das aber keine Rolle.
- thuja thujon
- Beiträge: 22628
- Registriert: 28. Apr 2016, 21:50
- Region: Gemüsegarten Vorderpfalz
- Höhe über NHN: 90
- Winterhärtezone: 8b: -9,4 °C bis -6,7 °C
Re: Wer zieht Äpfel/Birnen aus Kernen?
Naja, zumindest während des Aufastens schon.
gesundes und krankes Gemüse in Amish-Qualität
- cydorian
- Garten-pur Team
- Beiträge: 12598
- Registriert: 19. Nov 2005, 14:29
- Höhe über NHN: 190
- Bodenart: 30cm toniger Lehm auf Muschelkalk
- Kontaktdaten:
Re: Wer zieht Äpfel/Birnen aus Kernen?
Nicht, wenn es eine reine Unterlage ist, die am Boden in einen Stammbildner oder die Edelsorte übergeht. Da astet man bereits die Edelsorte auf.
Re: Wer zieht Äpfel/Birnen aus Kernen?
Krebs kann ich hier ab und zu auch beobachten, hängt von der Sorte und natürlich dem Standort ab. Im allgemeinen aber selten und vor allem bei schlecht gepflegten Bäumen.
Die Behauptung, dass Holzapfel besonders Krebsanfällig ist, stammt ja aus dem Buch vom Mayer (erster Link in meinem Beitrag).
In der anderen Quelle wird mehrheitlich das Gegenteil behauptet. Ich erlaube mir mal ein paar Stellen rauszugreifen:
Die Behauptung, dass Holzapfel besonders Krebsanfällig ist, stammt ja aus dem Buch vom Mayer (erster Link in meinem Beitrag).
In der anderen Quelle wird mehrheitlich das Gegenteil behauptet. Ich erlaube mir mal ein paar Stellen rauszugreifen:
Oder Seite 119Dochnahl, Friedrich Jakob: Die Lebensdauer der durch ungeschlechtliche Vermehrung erhaltenen Gewächse besonders der Kulturpflanzen § 18 S. 22 hat geschrieben: Die Entstehung der beobachteten Krankheiten, wie Krebs und dergl. hat ihren Grund meistens in der Art des Grundstamms auf den die Witterung stets nachtheilig einwirkt. Der Holzbirnbaum und Holzapfelbaum ist nur höchst selten dem Krebs und anderen unheilvollen Krankheiten unterworfen und nicht so empfindlich auf Boden, Lage und Klima, wie die Sämlinge des edelen Obstes.
Seite 122 (Zitat von Diehl)Ich finde, daß verschiedene alte Autoren, die hiervon geschrieben haben, gleicher Meinung sind. Herr Austen, der vor 100 Jahren geschrieben hat, sagt, der Stamm, den er zum Aepfelpfropfen für den besten halte, sei der Holzapfel, welcher beſſer zum Pfropfen sei, als die süßeren Aepfelbäume, weil sie insgemein vom Krebs frei bleiben, und zu sehr großen Bäumen werden, auch seiner Meinung nach, länger als die Stämme von füßen Aepfeln dauern, und mehrere und die Kälte beſſer vertragende Früchte bringen.
und ein Joh. P. Meyer in der Pomona franconica S. 123b. „Ich wiederhole hier, aus voller Erfahrung, nicht aus
einzelnen Beobachtungen, deren Myriaden uns so un-
zählige Unwahrheiten in die gesammte Agrikultur ge=
bracht haben, daß wenn wir alte, und vom Krebs we-
niger leidende Bäume erziehen wollen, die Erziehung
der Sämlinge für Baumschulen aus Kernen vom edlen
Obſt, und in gedüngtem Lande aufgegeben werden
muß, wie sich schon aus phyſiologiſchen Gesezen er-
weisen läßt."
c. Man erziehe in kalten Gegenden in einer Baumschule
Wildlinge, von wo möglich auch in der nämlichen Ge-
gend gewachsenen Holzapfelkernen, und veredle diese
erst, wenn sie die Höhe zu einer Krone er-
reicht haben, oder man pflanze diese Wild-
linge vorher und veredle sie in der Krone.
Die Folge davon ist, daß nach der Natur des Holz=
apfels, der Trieb zum Blühen später, und das Still-
ſtehen im Herbste früher eintritt, wodurch die Som-
mertriebe härter, und gegen Winterfröste dauer-
hafter werden u. f. w.“
Auch von Diel, S. 120.Die Kerne der Holzäpfel gewähren unstreitig die
besten Stämme für die Baumschulen.
Einen möglichen Grund, warum man auf Kulturobstsämlinge umgestiegen ist gibt es auch (S.21):Der Landmann pfropft alle ſeine Bäume auf Holz-
apfelstämme, und die fehlerfreiesten, ältesten
Bäume findet man bei ihm u. f. w.“
,,In einem rauhen, magern, zu feucht oder zu trocke
nen Boden, den wir mit Aepfeln bepflanzen wollen,
find diese Holzapfelwildlinge immer vorzuziehen,
denn hier wachsen Edelwildlinge immer kümmer-
lich, und gehen leicht zurück u. s. w."
-
„So lange also in den Baumschulen auf dieſe man-
cherlei Sorten von Obstkernen keine Rücksicht genom-
men wird, ist man, um gesunde, früher tragbare, und
älter werdende Bäume zu erhalten, bei Miller's Vor-
schlag gesicherter, zumal wenn der Boden nur einige
Unarten hat. Dieses ist aus der Fülle mei-
ner Erfahrung, und man muß die Rhein-, Moſel-
und Lahngegenden mit ihren prachtvollen Obstbäumen
gesehen haben, wo der Landmann in den Weinbergen
aus Holzapfelwildlingen seine Edelbäume er-
zieht, um sich von der obigen Wahrheit zu über-
zeugen.
Die Texte sind einfach herauskopiert, aufgrund der Frakturschrift gibt es immer wieder Fehler...Die richtige Wahl der Grundſtämme hat auf gutes
Gedeihen der Obstsorten den größten Einfluß. 14. Vor
Christ, Sickler und Knight hat man für Aepfel und
Birnen nur wahre Wildlinge, Sämlinge von Holz-
äpfeln und Holzbirnen benügt. Man verstehe hier aber
ja nicht die in den Wäldern selbst erwachsenen Sämlinge.
Nachdem sich aber die Samenbäume derselben, welche oft gleich
Riesen sich fanden, durch das Lichten der Wälder verminder-
ten, so nahm man seine Zuflucht zu den Wildlingen aus dem
Samen des edelen Obstes.
Re: Wer zieht Äpfel/Birnen aus Kernen?
Gibt es die Unterlage M16 oder den Ketziner Ideal noch irgendwo?Mainsand hat geschrieben: ↑22. Jul 2024, 13:01 vor gut hundert Jahren hat der erste Weltkrieg vermutlich leider einen interessanten Unterlagenversuch verhindert. In der "Deutschen Obstbauzeitung" von 1914 sind auf S 252ff zwei Artikel dazu. Die Zeitung wurde gescannt und ist auf archive verfügbar. Auch hier wird der rheinische Bohnapfel und der Boskop als gute Unterlagen genannt, trotz Triploidie. Außerdem roter Trierischer, weißer Wintertaffetapfel, roter Eiser, von Harberts Renette und Goldparmäne wird abgeraten.Außerdem hatte ich mal nach dem Ketziner ideal (M16) gesucht, der wohl der größte Baum aus der Malling-Serie gewesen sein soll (vor einiger Zeit gelesen, finde die Quelle gerade nicht). Wenn jemand da die Sorte kennen würde, würde ich mich freuen. Der Ketziner Boden ist vermutlich recht ähnlich zu meinem Sand.1min. Beitragsanzahl noch nicht erreicht
Re: Wer zieht Äpfel/Birnen aus Kernen?
Pomologi hat geschrieben: ↑21. Jan 2026, 23:55Hier ist M 16 zumindest gelistet, ob da allerdings Einzelpflanzen bestellt werden können wäre noch zu
ermitteln: https://fairplant.nl/product/malus-d-m16/
M 16 ist anscheinend auch geeignet als Unterlage für Birnen und Sorbus.
Re: Wer zieht Äpfel/Birnen aus Kernen?
So ganz scheint die Unterlage M16 ja noch nicht verschwunden zu sein.
Hier ist sie allerdings ausverkauft
https://plantes-et-cie.com/boutique/ma ... de-pommie/
Hier ist sie allerdings ausverkauft
-
Wild Obst
- Beiträge: 3088
- Registriert: 25. Aug 2014, 19:35
- Region: Heckengäu am Schwarzwaldrand
- Höhe über NHN: rund 570m
- Bodenart: (toniger) Schluff, Pararendzina? Muschelkalk
- Winterhärtezone: 7a: -17,7 °C bis -15,0 °C
- Kontaktdaten:
Re: Wer zieht Äpfel/Birnen aus Kernen?
Mal weg von der Unterlagenfrage werfe ich mal in den Raum, dass ich diesen Winter auch Kerne von diversen Apfel- und Birnensorten ausgesät habe bzw. noch säen werde. Einfach einmal aus Interesse.
Ich habe verschiedenste meiner Sorten ausgewählt, erst mal nach Geschmack der Früchte oder besonderer Eigenschaften. Neben Eigenschaften der Früchte auch:
Aber viel Platz habe ich sowieso nicht, mal sehen, was ich mit den Sämlingen dann mache.
Ich habe verschiedenste meiner Sorten ausgewählt, erst mal nach Geschmack der Früchte oder besonderer Eigenschaften. Neben Eigenschaften der Früchte auch:
- triploid vs. diploid
- stark- vs schwachwüchsig
Aber viel Platz habe ich sowieso nicht, mal sehen, was ich mit den Sämlingen dann mache.
Re: Wer zieht Äpfel/Birnen aus Kernen?
Interessant, berichte auf jeden Fall weiter.
Bei mir hat sich gezeigt, dass triploide (oder mutmaßlich triploid weil unbekannt) Keimquoten von fast 0 % haben. Es sind nur einzelne mal aufgegangen und die waren klein und schwach geblieben.
Bei mir hat sich gezeigt, dass triploide (oder mutmaßlich triploid weil unbekannt) Keimquoten von fast 0 % haben. Es sind nur einzelne mal aufgegangen und die waren klein und schwach geblieben.
-
Wild Obst
- Beiträge: 3088
- Registriert: 25. Aug 2014, 19:35
- Region: Heckengäu am Schwarzwaldrand
- Höhe über NHN: rund 570m
- Bodenart: (toniger) Schluff, Pararendzina? Muschelkalk
- Winterhärtezone: 7a: -17,7 °C bis -15,0 °C
- Kontaktdaten:
Re: Wer zieht Äpfel/Birnen aus Kernen?
Das ist auch interessant. Ich war auch skeptisch, aber ich hab mal gedacht ich opfere 4m² Beet und teste.
Auf jeden Fall ist es bei triploiden erst mal schwerer, an wirklich ernsthafte Zahlen an Kernen zu kommen, oft hat man einen oder sogar keinen guten in einem Apfel.
Aber wenn es es von Tafelobst ist, kann man auch je Apfel noch 10s extra beim Aufschneiden investieren um nach den Kernen zu sehen und dann kann man die gut nebenher sammeln. Wenn ich weniger Ausschuss haben werde, wäre es mir den Aufwand wert. Wenn ich allerdings auch nur eine 0% Keimquote habe, mache ich das nicht mehr. Ich habe allerdings die Kerne nicht gezählt, das macht das genaue Auswerten der Keimquoten schwierig.
Auf jeden Fall ist es bei triploiden erst mal schwerer, an wirklich ernsthafte Zahlen an Kernen zu kommen, oft hat man einen oder sogar keinen guten in einem Apfel.
Aber wenn es es von Tafelobst ist, kann man auch je Apfel noch 10s extra beim Aufschneiden investieren um nach den Kernen zu sehen und dann kann man die gut nebenher sammeln. Wenn ich weniger Ausschuss haben werde, wäre es mir den Aufwand wert. Wenn ich allerdings auch nur eine 0% Keimquote habe, mache ich das nicht mehr. Ich habe allerdings die Kerne nicht gezählt, das macht das genaue Auswerten der Keimquoten schwierig.
Re: Wer zieht Äpfel/Birnen aus Kernen?
Zum Kerne gewinnen schneide ich Ringförmig um das Kernhaus, nicht durch und drehe sie dann auf. Jedenfalls wenn ich sie nicht esse sondern Moste oder nur für den Kompost sind. So kommt man leichter an die Kerne.
Ich hab auch nicht überall notiert, wie viele ich versenkt habe. Ich meinte das eher plaktaiv.
Aber hier z.B. Im oberen Viertel habe ich über 20 Kerne vom Pomm d'Or gesät, einer ist gekommen.
Linkes Viertel waren Kerne eines Bittersüßen, dem Roten Fresquin sehr ähnlichen Apfel. Aber trockene Schale, später reif. Da hatte ich große Hoffung weil der Mutterbaum sehr vital und kräftig ist. Das wenige was kam (Anzahl gesäter Kerne kann ich nicht mehr sagen) blieb mickrig. Davon hab ich auch im Gemüsebeet bestimmt auch >20 Kerne gesät, ein einziger kam (Bild leider unscharf): Die Kerne waren aber ziemlich gut ausgebildet. Auch der Brettacher und Boskoop haben relativ viele schöne Kerne. Vielleicht spielen da doch noch andere Faktoren eine Rolle als nur die ploidität(?).
Ich hab auch nicht überall notiert, wie viele ich versenkt habe. Ich meinte das eher plaktaiv.
Aber hier z.B. Im oberen Viertel habe ich über 20 Kerne vom Pomm d'Or gesät, einer ist gekommen.
Linkes Viertel waren Kerne eines Bittersüßen, dem Roten Fresquin sehr ähnlichen Apfel. Aber trockene Schale, später reif. Da hatte ich große Hoffung weil der Mutterbaum sehr vital und kräftig ist. Das wenige was kam (Anzahl gesäter Kerne kann ich nicht mehr sagen) blieb mickrig. Davon hab ich auch im Gemüsebeet bestimmt auch >20 Kerne gesät, ein einziger kam (Bild leider unscharf): Die Kerne waren aber ziemlich gut ausgebildet. Auch der Brettacher und Boskoop haben relativ viele schöne Kerne. Vielleicht spielen da doch noch andere Faktoren eine Rolle als nur die ploidität(?).