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Aprikosen (und anderes Obst) im Gewächshaus? (Gelesen 253 mal)

Obstgehölze, Beerensträucher und Wein (Veredlungen, Unterlagen, Schnitte und Selektionen) sowie Staudenobst (Erdbeeren)

Moderator: cydorian

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Christoph_1968
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Aprikosen (und anderes Obst) im Gewächshaus?

Christoph_1968 »

Hallo zusammen,

nachdem ich vor einigen Jahren mein Elternhaus im Sauerland mit einer kleinen anhängenden Gärtnerei (2 zusammenhängende Gewächshäuser mit je etwa 100qm) geerbt und im Garten in den letzten Jahren auch schon einiges an Obstbäumchen angepflanzt habe, überlege ich, in einem der beiden Gewächshäuser versuchsweise einige Obstbäumchen als Spalier zu ziehen.
Hierbei hatte ich insbesondere an Aprikosen gedacht, da deren Kultur bei den im Sauerland gerne auftretenden Spätfrösten vermutlich im Freiland nur wenig Erfolg haben dürfte.
Hat hiermit jemand Erfahrung, und ist das grundsätzlich sinnvoll, oder gibt es dabei Nachteile, die ich evtl. nicht im Blick habe (z.B. Schädlinge wie weiße Fliege, Spinnmilben- oder Schimmelbefall)?
Die Dachhöhe beträgt an der Stelle, die ich ins Auge gefaßt habe, etwa 2,50m; das Gewächhaus (und damit auch die Ausrichtung des geplanten Spaliers) verläuft etwa in Richtung Südost-Nordwest.
Als Sorten hatte ich „Gold Rich“ und „Harlayne“ ins Auge gefaßt, die ich auch günstig bekommen könnte (allerdings mit unbekannter Unterlage); sind die dafür empfehlenswert, und kriegt man die auch als Spalier erzogen, wenn sich die Unterlage später als stärkerwüchsig herausstellen sollte, oder sollte man explizit auf eine schwachwachsende Unterlage achten?
Beide Gewächshäuser sind komplett unbeheizt (die ursprüngliche Heizung ist zurückgebaut, und die Energiekosten könnte ich sowieso nicht tragen).

Viele Grüße
Christoph
ringelnatz
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Re: Aprikosen (und anderes Obst) im Gewächshaus?

ringelnatz » Antwort #1 am:

Hm.. es ist ein bisschen Perlen vor die Säue... Aber gut - sind dann halt Premium-Aprikosen.
Ich würde ausschließlich schwachwüchsige Unterlagen nehmen.
Da du eh bewässern musst, würde ich mir überlegen, ob du nicht gleich in Kübeln ziehst, die kannst du dann nach den Spätfrösten raus stellen, das ist sicher besser für die Baumgesundheit.
Dann gibt es da noch so Sachen wie Zugänglichkeit für Bestäuber...
Und - nicht vergessen: im Gewächshaus wird es früh sehr warm, heißt, die blühen deutlich früher. Wahrscheinlichkeit für Fröste danach ist dann wieder höher, Kalthaus schützt zwar, aber auch nicht unbegrenzt.

Zum Spielen sicher einen Versuch wert, aber man sollte wohl nicht zu viel erwarten.
Ich persönlich würde auch eher Nektarine oder so was testen. (weil noch empfindlicher und daher etwas ganz besonderes😉)
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Roeschen1
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Re: Aprikosen (und anderes Obst) im Gewächshaus?

Roeschen1 » Antwort #2 am:

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cydorian
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Re: Aprikosen (und anderes Obst) im Gewächshaus?

cydorian » Antwort #3 am:

Kenne es von einem Bekannten. Aprikose im Gewächshaus. Ein grosse Folienhaus, im Sommer ist die Stirnseite offen und zur Blüte tagsüber, damit Befruchter reinkönnen. Wächst da sehr kräftig, er hat da eine Art Pergolaerziehung, muss aber viel schneiden. Um eine Zuheizung in Frostnächten kommst du aber nicht herum, wenn du Früchte haben willst, ohne Heizung gewinnst du nicht viel in Frostnächten. Geheizt werden muss aber nicht heftig, ein paar Grad Temperaturhebung reicht aus, ein Gasheizgerät ist da sinnvoll und nicht teuer.

Aus meiner Sicht der Hauptnachteil ist das definitiv schwächere Aroma der Aprikosen im Gewächshaus. Das hat mehrere Gründe, einer ist der überreiche Fruchtansatz, weil ja nichts wegfriert, man muss selber kräftig ausdünnen was man dann zu zaghaft macht weil die schönen Früchte doch locken. Andere Gründe sind die schwächere Strahlungsstärke vor allem im UV-Spektrum und die Temperaturkurven. Krankheiten sind nicht zu sehen, jedenfalls nicht bei ihm.

Die Idealkombination ist wie bei den Aprikosenplantagen (die gibts mittlerweile bis zur Ostsee) Schutznetz und einen Folienstreifen über den Bäumen. Sozusagen hab drin, halb draussen.
Christoph_1968
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Re: Aprikosen (und anderes Obst) im Gewächshaus?

Christoph_1968 » Antwort #4 am:

Was das schwächere Aroma von Gewächshaus-Früchten angeht, so war ich bislang immer davon ausgegangen, daß es eher daran liegt, daß Gewächshausfrüchte, weil die Kultur meist kommerziell erfolgt, oft nicht vollreif geernetet werden und auf dem Weg zum Verbraucher nachreifen, damit sie nicht verdorben ankommen, und außerdem, daß dort (aus Gründen der Gewinnmaximierung) oft eine Intensivkultur betrieben wird, die auf eine möglichst große Erntemenge (anstatt auf hohe Qualität) ausgerichtet ist.
Aber wenn Du es von einem Bekannten so kennst, scheint ein schwächeres Aroma also ein grundsätzliches Problem zu sein?

Wobei ich noch dazusagen sollte, daß in meinem Gewächshaus zwischenzeitlich/kurzfristig auch mal 40°C herrschen können, da die Lüftung nicht automatisiert ist – wäre das überhaupt okay, oder sollte ich mir da erstmal eine technische Lösung überlegen? (Gießen bekomme ich dagegen auch automatisiert hin.)
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Re: Aprikosen (und anderes Obst) im Gewächshaus?

thuja thujon » Antwort #5 am:

40°C ist für kaum eine Pflanze gut. Die automatische Lüftung würde ich schon angehen wollen.
Problem bei den Gewächshäusern ist das fehlende UV-Licht, deshalb weniger Aroma, weil die Pflanze weniger Abwehrstoffe zum Schutz bilden muss, damit es ihr nicht das Erbgut zerschießt.
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Re: Aprikosen (und anderes Obst) im Gewächshaus?

cydorian » Antwort #6 am:

Im Eigenanbau kann man ernten wann man will. Aprikosen bei meinem Bekannten hab ich direkt vom Baum probiert, reif und weich. Das ist keine Kommerzplantagenkultur, deren Ernte dann tagelang auf Grossmärkten verschoben wird und die irgendwann zum Kunden kommen.

Eine Seite des Folientunnels wird geöffnet, wenn es warm genug wird. Grosse Glasgewächshäuser sind in der Regel aber nicht für temporäre Herausnahme von Wänden konstruiert haben deshalb eigentlich eine aktive Lüftung, reine Dachfensterheber reichen heute für die meisten Kulturen kaum aus und Schattierung ist bei Aprikosen nicht zu empfehlen. Aktivlüftung wäre dann auch bei dir sinnvoll. Ist aber viel Aufwand für einen Baum.
Schwirbu
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Re: Aprikosen (und anderes Obst) im Gewächshaus?

Schwirbu » Antwort #7 am:

Ich habe einen verglasten Balkon nach Süden, was etwas ähnlich einem Gewächshaus ist. Ich finde es praktisch zum Heranziehen von Unterlagen und jungen Veredlungen. Nachteilig sind die Spinnmilben. Die sehen für mich nicht sonderlich mobil aus, sind es aber und breiten sich immer schnell aus. Bei mir stehen die Pflanzen recht nah beieinander. Wahrscheinlich hast du mehr Platz und kannst vielleicht besser reagieren. Jedenfalls kann ich das Spinnmilbenproblem bestätigen.
Christoph_1968
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Re: Aprikosen (und anderes Obst) im Gewächshaus?

Christoph_1968 » Antwort #8 am:

Das macht es natürlich alles nicht einfacher. Aber da es bei mir im Hochsauerlandkreis erfahrungsgemäß tatsächlich noch bis Mitte Mai Spätfröste geben kann (auch wenn es nur gut 250 m ü.N.N. sind), halte ich einen Anbau draußen für nicht wirklich erfolgversprechend (zumal ich draußen nur noch wenig Platz habe, und das Gewächshaus ist fast frei).
@Cydorian, was den Geschmack angeht: Ist es denn so, daß sie auch weniger aromatisch schmecken als die, die man im Supermarkt oder auf dem Wochenmarkt bekommt, oder fällt es nur gegenüber frischen vollreifen Früchten vom Baum auf?
Welche Sorten würdet Ihr denn grundsätzlich eher für die Anzucht im Gewächshaus empfehlen (oder wäre die Sortenempfehlung dieselbe wie im Freiland)?

Viele Grüße
Christoph
Hyla
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Re: Aprikosen (und anderes Obst) im Gewächshaus?

Hyla » Antwort #9 am:

Das Spinnmilbenproblem haben wir auch im Gwh. Das ging ein paar Jahre gut, aber dann haben wir wahrscheinlich mit irgendeiner gekauften Pflanze welche eingeschleppt. Seit letztem Jahr behandeln wir mit Raubmilben, was ganz gut klappt. :)

Aprikosen haben wir nicht drin, aber Feigen und Weintrauben.
Pfirsiche gehen auch ganz gut. Die kriegen dann wenigstens keine Kräuselkrankheit aber Spinnmilben. :P
Nektarinen und Tellernektarinen haben nicht geklappt. Die sind baldigst entschlafen.

Die Lüftung funktioniert hier so lala. Im Sommer bei voller Sonne reißen wir die Firstlüftungen auf und die Türen. Im Hochsommer bleibt alles bis auf die Türen auch nachts offen. Anders geht's gar nicht, sonst kommt nicht genug Nachtkühle hinein.
Trotzdem gibt's natürlich Temperaturspitzen von 40 Grad, die je nach Pflanzenart unterschiedlich vertragen werden. Tomaten schmeißen dann z.B. die Blüten und Knospen ab, andere wie Chilis, Hanf und Auberginen fange dann an, sich richtig wohlzufühlen. ;D
Liebe Grüße!


Wenn du denkst es geht nicht mehr,
kommt irgendwo ein Lichtlein her.
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