Misteln breiten sich seit 20 Jahren massiv an Apfelbäumen aus. Es geht sowieso stark abwärts mit Hochstämmen. Rindenbrand, Kurzlebigkeit, aber warten bis die letzten Bäume weg sind und meine nicht mehr infizieren dauert noch zu lange. Misteln (insbesondere die Weißbeerige Mistel) stehen in Deutschland nicht unter Naturschutz und dürfen zur Baumpflege entfernt werden. Schlaue Ratschläge gibts dazu tonnenweise, das meiste ist Geschwätz abseits der Realität, Astdicke und Erreichbarkeit verhindert echte Sanierung.
Sieht man grosse mistelbesetzte Bäume um diese Jahreszeit mit ihren grün belaubten Misteln an unbelaubten Ästen und Bäumen in Winterruhe, stellt sich die Frage, ob es rein theoretisch auch möglich wäre, die Mistel nicht auszuschneiden, sondern nur zu bekämpfen, ohne am Baum zu sägen. Die Misteln haben ganzjährig Blätter und tragen im Winter, der Baum nicht, vielleicht ein Ansatzpunkt. Könnte zum Beispiel ein Herbizid auf die Mistel wirken, aber nicht den Baum? Es geht mir um den prinzipiellen Ansatz, den Mechanismus, etwa die Frage ob die Mistel auch etwas an den Baum abgeben würde, wenn sie mit einem systemisch wirkenden Stoff behandelt werden würde. Um die Frage "erlaubt" geht es dabei nicht, denn systemische Mittel für Winterkälte sind sowieso keine vorhanden, bleibt also theoretisch und nicht eine mögliche Gegenwartspraxis, aber irgendwann mal vielleicht ein Ansatzpunkt.
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Was tun gegen Misteln (Viscum) an Apfelbäumen (Gelesen 201 mal)
Moderator: Nina
- thuja thujon
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Re: Was tun gegen Misteln (Viscum) an Apfelbäumen
Denkbar wären tatsächlich Kontaktherbizide, wie etwa das natürlich vorkommende Bialaphos, bekannt unter Liberty, kurz GA, heute die Ressourcenschonende Form L-GA.
So lange die Knospen vom Apfel geschlossen sind, sollte sich die Phytotox in Grenzen halten.
Abbrenner wie einige der bekannten PPO Herbizide sollten auch gehen. Nicht die neueste Generation wie Fendioxypyrazil, sondern mehr sowas wie Shark (Carfentrazone), also reine Kontaktwirkung.
Im Hobbybereich Pelargonsäure oder Essigsäure, erstere mit deutlich besserer Wirkung, aber auch bei guter Benetzung vermutlich unzureichend.
Was man bei dem Thema nicht außer acht lassen sollte ist die Problematik bzw Vergleichbarkeit der Orobanchen, da kann man im Anfangsstadium während der Vegetationszeit auch mal mit sachte herbizid aktiven Fungiziden wie Azolen rangehen bzw die Nebenwirkung der Mehltaubehandlungen nutzen.
Ist aber schon eher was für eine Versuchsanlage.
Systemische Mittel verbieten sich. Man sollte schon das Fenster aufnahmefähige Blattfläche von Wintergrünen zu unbelaubt nutzen. Eine Wirkstoffspezifische Selektivität oder Mobilität bezüglich Mistel systemisch oder wirksam, Apfel nicht, wird man so schnell nicht finden und würde ich per se auch nicht gleich erwarten, also unklar, ob die in der Natur überhaupt vorkommt, da gibts kein Beispiel.
Soweit mal der erste spontane, konservative Gedanke.
So lange die Knospen vom Apfel geschlossen sind, sollte sich die Phytotox in Grenzen halten.
Abbrenner wie einige der bekannten PPO Herbizide sollten auch gehen. Nicht die neueste Generation wie Fendioxypyrazil, sondern mehr sowas wie Shark (Carfentrazone), also reine Kontaktwirkung.
Im Hobbybereich Pelargonsäure oder Essigsäure, erstere mit deutlich besserer Wirkung, aber auch bei guter Benetzung vermutlich unzureichend.
Was man bei dem Thema nicht außer acht lassen sollte ist die Problematik bzw Vergleichbarkeit der Orobanchen, da kann man im Anfangsstadium während der Vegetationszeit auch mal mit sachte herbizid aktiven Fungiziden wie Azolen rangehen bzw die Nebenwirkung der Mehltaubehandlungen nutzen.
Ist aber schon eher was für eine Versuchsanlage.
Systemische Mittel verbieten sich. Man sollte schon das Fenster aufnahmefähige Blattfläche von Wintergrünen zu unbelaubt nutzen. Eine Wirkstoffspezifische Selektivität oder Mobilität bezüglich Mistel systemisch oder wirksam, Apfel nicht, wird man so schnell nicht finden und würde ich per se auch nicht gleich erwarten, also unklar, ob die in der Natur überhaupt vorkommt, da gibts kein Beispiel.
Soweit mal der erste spontane, konservative Gedanke.
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Isatis blau
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Re: Was tun gegen Misteln (Viscum) an Apfelbäumen
Letzten Winter habe ich an meiner 30 Jahre alten Gewürzluike eine Mistel entdeckt, ca. fünf cm groß. Sie war auf einem Leitast, nahe am Stamm, ich hätte den ganzen Leitast absägen müssen. Also habe ich die Mistel nur abgepult und eigentlich erwartet, dass sie wieder wächst, es kam nichts mehr, die Mistel ist weg.
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Re: Was tun gegen Misteln (Viscum) an Apfelbäumen
Es ist die Frage, ob Misteln nur Wasser und Nährstoffe aus dem Wirt ziehen oder auch Stoffwechselprodukte abgeben. Rosacea reagieren empfindlich auf Glyphosat. Man könnte eine Mistelpflanze an einem älteren Ast eines nicht ganz so wertvollen Baums gezielt mit Glyphosat besprühen und im Frühjahr schauen, ob davon etwas an den Triebspitzen des Astes ankommt.
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- thuja thujon
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Re: Was tun gegen Misteln (Viscum) an Apfelbäumen
Apfel ist halt auch eine Rosaceae, die nicht letalen Glypho-Symptome sind wie bei Rosen deformiertes Laub und dann kommt noch Fruchtdeformation dazu. Da Glypho nicht nur in Gräsern, sondern auch in den Rosaceaen hochmobil ist, obwohl es als Herbizid eigentlich zu sauer ist, würde ich nicht die Misteln behandeln wollen, um den Apfel zu schädigen.
Ich würde jedenfalls davon ausgehen, dass nicht nur Xylem, sondern auch Phloem miteinander verbunden sind. Wie sonst bringt der Mistelsamen die notwendigen Stoffe in den Apfel, um eine Antwort zu erhalten und erfolgreich keimen zu können?
Ich würde jedenfalls davon ausgehen, dass nicht nur Xylem, sondern auch Phloem miteinander verbunden sind. Wie sonst bringt der Mistelsamen die notwendigen Stoffe in den Apfel, um eine Antwort zu erhalten und erfolgreich keimen zu können?
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Re: Was tun gegen Misteln (Viscum) an Apfelbäumen
Verstehe nicht, was dein Ziel ist. Willst du umliegende (fremde) Bäume dann behandeln? Oder geht es dir vielmehr um theoretische Möglichkeiten?
Denn Misteln sind ja in erster Linie ein Problem mangelnder Pflege. Die gab es auch schon vor 75 Jahren, nur nicht in der Breite.
Gott sei Dank sind Misteln hier in der Gegend (noch) kein Thema. Im nahen Enzkreis, vor allem in den niederen Lagen aber sehr wohl. Dort hat es glücklicherweise einen sehr engagierten Kreisobstbauberater (Bernhard Reisch). https://lev-enzkreis.de/mistelbekaempfung/
Edit sagt: Kontakherbizid dürfte in der Wirkung doch einem mechanischen Entfernen ziemlich gleich kommen. Vorteil wäre nur der Verzicht auf die kletterei. Oder?
Denn Misteln sind ja in erster Linie ein Problem mangelnder Pflege. Die gab es auch schon vor 75 Jahren, nur nicht in der Breite.
Gott sei Dank sind Misteln hier in der Gegend (noch) kein Thema. Im nahen Enzkreis, vor allem in den niederen Lagen aber sehr wohl. Dort hat es glücklicherweise einen sehr engagierten Kreisobstbauberater (Bernhard Reisch). https://lev-enzkreis.de/mistelbekaempfung/
Edit sagt: Kontakherbizid dürfte in der Wirkung doch einem mechanischen Entfernen ziemlich gleich kommen. Vorteil wäre nur der Verzicht auf die kletterei. Oder?
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Re: Was tun gegen Misteln (Viscum) an Apfelbäumen
Das hab ich schon mehrfach mit solchen ersten kleinen Mistelzweigen probiert und dafür auch den Ast gut ausgeschnitten. Es nutzte nichts. Die Misteln kommen immer wieder, es dauerte auch mal zwei Jahre, aber sie kommen. Schon ein paar Zellen im Ast reichen dafür aus. Man kann sie so nur am blühen und fruchten hindern, aber wird sie nicht los. Das ist aber auch schon ganz gut und verschafft eine Atempause, wenn z.B. Radikalschnitte nicht gehen oder zu viel werden.Isatis blau hat geschrieben: ↑9. Feb 2026, 20:28 Also habe ich die Mistel nur abgepult und eigentlich erwartet, dass sie wieder wächst, es kam nichts mehr, die Mistel ist weg.
Glyphosat wirkt erst ab 5° etwas und ab 15°C richtig. Da wäre die Frage, wie lange es in einem Gehölz in Winterruhe besteht, falls die Mistel etwas (wieviel?) an den Saftstrom des Baums abgibt.
Ideal wären kurz wirkende Mittel, die eben ausnutzen dass die Mistel belaubt, grün und aktiv ist (sie trägt ihre Beeren im Winter und lässt sie reifen), während der Baum in Winterruhe ist, womöglich Stoffwechselvorgänge gar nicht stattfinden, in denen ein Mittel ansetzt.
Erst mal die Mechanismen ausleuchten, im besten Fall ergibt sich irgendwann etwas daraus, das ausprobiert werden könnte. Es geht generell um Bekämpfung, sie sind massenhaft auf Bäumen hier und auch meine Bäume werden befallen. Die will ich natürlich zuerst schützen, was drumrum ist geht sowieso drauf.Verstehe nicht, was dein Ziel ist. Willst du umliegende (fremde) Bäume dann behandeln? Oder geht es dir vielmehr um theoretische Möglichkeiten?
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Re: Was tun gegen Misteln (Viscum) an Apfelbäumen
Vielleicht sollte man einen Hakenaufsatz (eventuell mit einer scharfen Innenseite) an so einem üblichen Obstbaumpflückeraufsatz entwickeln. Das könnte auch beim Entfernen der Obstmumien hilfreich sein.
Die Misteln sind ja nicht sonderlich stabil.
Selbst wenn sie nach ein bis zwei Jahren wiederkommen wird es die Schadwirkung wohl erheblich mindern. Bis die wieder fruchten vergehen dann wieder ein paar Jahre.
Vermutlich wird das Entfernen der leicht erkennbaren grünen Teile ausreichen, was im Winter kein Problem sein sollte.
Die Misteln sind ja nicht sonderlich stabil.
Selbst wenn sie nach ein bis zwei Jahren wiederkommen wird es die Schadwirkung wohl erheblich mindern. Bis die wieder fruchten vergehen dann wieder ein paar Jahre.
Vermutlich wird das Entfernen der leicht erkennbaren grünen Teile ausreichen, was im Winter kein Problem sein sollte.
Wer zuviel jätet raubt sich manche Überraschung.
Axel
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Re: Was tun gegen Misteln (Viscum) an Apfelbäumen
Dafür kannst du eine Teleskopsäge mit Asträumer nehmen. Die ARS zB.
Zu klären wäre durchaus die Frage, wie viel wie schnell von der Mistel in den Apfel verlagert wird. In der Vegetationsruhe dauert der Transport etwas länger, da könnte man theoretisch die eh verlorenen Nachbarbäume behandeln und nach einer Woche die Misteln abreißen, mit der Hoffnung, dass die verbliebenen Zellen noch genug aufgenommen haben, der Apfel aber zu wenig.
Oder die Schnittstelle mit Maleinsäurehydrazid einpinseln, ein Zellteilungshemmer. Für Öko Pfefferminzöl, auch ein Zellteilungshemmer, wirkt auf die Mikrotubuli.
Die Stoffe gehen vor und noch nach dem Laubfall das Holz nach unten, auch Glypho. Ab Laubfrei und Blattstielansatz verkorkt nimmt es der Apfel nicht mehr auf. Im laubfreien Zustand hat man somit ein gewisses Fenster, in dem man theoretisch behandeln könnte. Abbauen tut sich über den Winter in der Pflanze aber nicht viel, im Herbst gespritzt wirkt es dann eben im Frühjahr, wenn der Stoffwechsel wieder aktiv wird. Glypho ist ja wie du festgestellt hast eins von den Herbiziden, die Wachstum brauchen zum wirken.Glyphosat wirkt erst ab 5° etwas und ab 15°C richtig. Da wäre die Frage, wie lange es in einem Gehölz in Winterruhe besteht, falls die Mistel etwas (wieviel?) an den Saftstrom des Baums abgibt.
Zu klären wäre durchaus die Frage, wie viel wie schnell von der Mistel in den Apfel verlagert wird. In der Vegetationsruhe dauert der Transport etwas länger, da könnte man theoretisch die eh verlorenen Nachbarbäume behandeln und nach einer Woche die Misteln abreißen, mit der Hoffnung, dass die verbliebenen Zellen noch genug aufgenommen haben, der Apfel aber zu wenig.
Oder die Schnittstelle mit Maleinsäurehydrazid einpinseln, ein Zellteilungshemmer. Für Öko Pfefferminzöl, auch ein Zellteilungshemmer, wirkt auf die Mikrotubuli.
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