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Obstbaumveredler-Adepten-Fragen (Gelesen 504310 mal)

Obstgehölze, Beerensträucher und Wein (Veredlungen, Unterlagen, Schnitte und Selektionen) sowie Staudenobst (Erdbeeren)

Moderator: cydorian

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Re: Obstbaumveredler-Adepten-Fragen

Obstliebhaber » Antwort #2865 am:

Danke für den Input. Die laufende Aktion werde ich jetzt nicht stoppen, der point of no return isch over. Nachher kommen die Reiser.
da spricht doch alles für okulieren im August
Machen immer weniger, allein schon wegen dem Zeitaufwand. Gegenüber Chippen hat Okulieren keine Vorteile, außer dass die Chose bis es verbunden ist besser zusammenhält. Warum dann okulieren?
3 mal abgeschnitten und immer noch zu kurz kanns ja wohl kaum sein. ;)
Wer soll diesen Satz verstehen?

Die zugrundeliegende Motivation für die Frühjahrsveredelung rührt bei mir daher, dass ich die Sorten die ich möchte von meinem Lieferanten, Reisergarten in Forchheim, nur jetzt im Frühjahr bekomme.
Aber im Grunde hast du wahrscheinlich recht und Sommerveredelung wäre zu bevorzugen.
Zuletzt geändert von Obstliebhaber am 8. Apr 2026, 09:21, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Obstbaumveredler-Adepten-Fragen

Obstliebhaber » Antwort #2866 am:

Thuja, sag mir lieber mal welche Milben das sind. Mit bloßem Auge sind sie aufgrund der Winzigkeit fast nicht auszumachen, allein aufgrund der leuchtenden gelben Färbung kann man sie gerade noch erkennen.
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mirabelle-veredelung_gelbe-milbe.jpg
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Sie wuseln über die Zweige der Mirabelle. Offenbar ist dieser Veredelungsaustrieb angeknabbert, der zeigt Welkeerscheinung weswegen die Nebenknospe schiebt. Vor ein paar Wochen habe ich auf dem Apfel nebenan adulte rote Blutläuse zerquetscht. Sind das die Nachkommen? Links ein kaum sichtbarer Spinnfaden.
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thuja thujon
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Re: Obstbaumveredler-Adepten-Fragen

thuja thujon » Antwort #2867 am:

Bei der Sommerveredlung hat man das Problem, dass man ein Auge in der Nähe haben sollte, weil Reiser gibts ja nicht so einfach im Sommer. Die Winterreiser kann man auf einer Mehrsortenspindel parken, dann kann man im Sommer drauf zurückgreifen.

Mir gehts da hauptsächlich um eine gute Wurzel am Pflanzfähigen Baum, ob ich die Arbeit im Winter oder Sommer mache und ob das eine 2 Minuten dauert und das andere 3 ist mir egal.

Das mit dem 3 mal abschneiden und immer noch zu kurz: wenn Veredlungen verhocken und im ersten Jahr keine 80 oder mehr cm schaffen, können sie im Winter zurückgeschnitten werden, um einen kräftigeren Austrieb zu bekommen. Schaffen sie es wieder nicht auf etwas mehr als die Stammhöhe, kann man auch keine Krone anschneiden. Also wieder Rückschnitt. Und so hat man nach Jahren einen Stamm mit 3 Wunden drin.
Beim okulieren hat man mehr Wurzel, kommt nach dem ersten Jahr eher auf die Kronenanschnitthöhe plus Reserve. Damit hat man auch automatisch einen Wundfreien Stamm.

Hier mal Ananasrenette auf M9 in 2018, 2016 Unterlagen aufgeschult und okuliert, 2017 ausgetrieben und im Herbst gepflanzt, Winter angeschnitten auf Verzweigung in Drahthöhe.
Ananasrenette M9.jpg
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Re: Obstbaumveredler-Adepten-Fragen

thuja thujon » Antwort #2868 am:

Könnten Thripslarven sein. Kann man auf dem Foto kaum erkennen. Notfalls mal eine Isektizidmaßnahme einleiten, Kontaktmittel Lambdy-Cyhalothrin etwa, geht noch vor der Blüte da B1.
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Re: Obstbaumveredler-Adepten-Fragen

Obstliebhaber » Antwort #2869 am:

thuja thujon hat geschrieben: 8. Apr 2026, 09:25 Bei der Sommerveredlung hat man das Problem, dass man ein Auge in der Nähe haben sollte, weil Reiser gibts ja nicht so einfach im Sommer. Die Winterreiser kann man auf einer Mehrsortenspindel parken, dann kann man im Sommer drauf zurückgreifen.

Mir gehts da hauptsächlich um eine gute Wurzel am Pflanzfähigen Baum, ob ich die Arbeit im Winter oder Sommer mache und ob das eine 2 Minuten dauert und das andere 3 ist mir egal.

Das mit dem 3 mal abschneiden und immer noch zu kurz: wenn Veredlungen verhocken und im ersten Jahr keine 80 oder mehr cm schaffen, können sie im Winter zurückgeschnitten werden, um einen kräftigeren Austrieb zu bekommen. Schaffen sie es wieder nicht auf etwas mehr als die Stammhöhe, kann man auch keine Krone anschneiden. Also wieder Rückschnitt. Und so hat man nach Jahren einen Stamm mit 3 Wunden drin.
Beim okulieren hat man mehr Wurzel, kommt nach dem ersten Jahr eher auf die Kronenanschnitthöhe plus Reserve. Damit hat man auch automatisch einen Wundfreien Stamm.

Hier mal Ananasrenette auf M9 in 2018, 2016 Unterlagen aufgeschult und okuliert, 2017 ausgetrieben und im Herbst gepflanzt, Winter angeschnitten auf Verzweigung in Drahthöhe.

Ananasrenette M9.jpg
Leider, leider habe ich erst vor Kurzem realisiert, dass man auch zum Zeitpunkt der Sommerveredelung von einigen Reiserschnittgärten Veredelungsmaterial beziehen kann.

Dennoch vielen Dank für deine wertvollen Ausführungen, die sich wenn ich an 2021 zurückdenke, quasi am lebenden Beispiel bestätigen lassen. Die Veredelungen waren im ersten Jahr wirklich nicht gut los gegangen. Ich hatte es bislang darauf zurückgeführt, dass die seinerzeit lang ersehnten Reiser erst auf den letzten Drücker Ende April geliefert wurden. Jetzt bin ich 3 Wochen früher dran und hatte mir erhofft dass die frisch veredelten Jungbäume deutlich besser starten werden. Aber wie du schon bemerkt hast, ist da noch die Einschränkung wegen der frisch gepflanzten Unterlagen.
Zuletzt geändert von Obstliebhaber am 8. Apr 2026, 09:56, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Obstbaumveredler-Adepten-Fragen

Obstliebhaber » Antwort #2870 am:

thuja thujon hat geschrieben: 8. Apr 2026, 09:27 Könnten Thripslarven sein. Kann man auf dem Foto kaum erkennen. Notfalls mal eine Isektizidmaßnahme einleiten, Kontaktmittel Lambdy-Cyhalothrin etwa, geht noch vor der Blüte da B1.
Danke. Die gelben Tierchen bewegen sich sehr flink, Thripse verhalten sich wohl eher träge
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Re: Obstbaumveredler-Adepten-Fragen

Obstliebhaber » Antwort #2871 am:

thuja thujon hat geschrieben: 8. Apr 2026, 09:25
Hier mal Ananasrenette auf M9 in 2018, 2016 Unterlagen aufgeschult und okuliert, 2017 ausgetrieben und im Herbst gepflanzt, Winter angeschnitten auf Verzweigung in Drahthöhe.

Ananasrenette M9.jpg
Wunderbar!
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Re: Obstbaumveredler-Adepten-Fragen

Balder » Antwort #2872 am:

Jetzt wird es spannend, da es ja drum geht, wie sich der Baum in der Folge am besten und schnellsten entwickelt.
Habe ja auch schon durchaus ein paar Apfel-Veredelungen durchgeführt - gerade bei Schwachwachsendem. Da potenziert sich dann so einiges.
Entscheidend ist meines Erachtens auch die Blattmasse, die gebildet werden kann.
Eine schwache Unterlage mit wenigen Wurzeln abzuschneiden und zu veredeln bringt meiner Erfahrung nach in der Folge keine rasende Entwicklung.

Mir drängen sich da folgende Überlegungen für Unterlagen mit wenigen Wurzeln auf:
  • Seitliches Anplatten, am besten auch mit einem Kopulationsschnitt mit Gegenzunge. Dann kann die Unterlage noch schön einwurzeln und die ganze Energie bleibt erhalten.
  • Chippen: Austreiben tut der Chip ohnehin erst im nächsten Jahr, da kann man die Unterlage dann im Frühjahr über dem Chip kappen. Wann wäre da Eurer meiner nach der ideale Zeitpunkt? Ob der Chip angewachsen ist, sieht man ja meist oder man muss halt ein wenig die anritzen und schauen, ob es grün drunter ist. Zwei Chips gegenüber und in der Höhe versetzt erscheinen mir zuviel, da werden ja die Leitungsbahnen auf beiden Seiten beschädigt.
  • Okulieren im Sommer: Da hat man das Problem der verletzten Leitungsbahnen nicht und die Unterlagen sich auch schon angewachsen. Also für den Fall, dass man zwei Versuche gegenüber versetzt machen will. Oder ein Chip und eine Okulation.
Was meint Ihr?
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Re: Obstbaumveredler-Adepten-Fragen

mybee » Antwort #2873 am:

Obstliebhaber, setze deine Frage nach den flinken, winzigen Tierchen doch in 👉🏼 Pflanzengesundheit ein.

Ohne Makro oder Lupe ist es schwer zu sagen, ich denke aber, es müssten Spinnmilben sein.
Nur als Anmerkung:
https://de.jardineriaon.com/gelbe-Spinne.html
Zuletzt geändert von mybee am 8. Apr 2026, 12:01, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Obstbaumveredler-Adepten-Fragen

thuja thujon » Antwort #2874 am:

Wegen dem gelben Vieh, es könnte auch eine Blattsaugerlarve sein, ich bin mit der Frage auch schon seit Jahren unterwegs, aber die Entomologen hatten da in der Vergangenheit nicht so die Muse, da wiederfindbare Literatur bereitzustellen. Also bei mir seit 15 Jahren unbeantwortet.
Wenn ich Copilot für das obere Bild frage, ich denke das dürfte deine sein, nur eben mit Umkehrring oder Makro aufgenommen, sagt das Blattlaus, das kann man aber sicher ausschließen.
Hier sitzt die Larve auf einem Rosenblattstiel im Mai, und ja, schnell unterwegs. Dürfte das erste Larvenstadium sein.
Rose_Mai_unbekanntesInsekt.jpg


Das hier ist eine Zikadenlarve.
Rosenzikade.jpg
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Re: Obstbaumveredler-Adepten-Fragen

Obstliebhaber » Antwort #2875 am:

mybee hat geschrieben: 8. Apr 2026, 10:27 Obstliebhaber, setze deine Frage nach den flinken, winzigen Tierchen in 👉🏼 Pflanzengesundheit.
Ohne Makro oder Lupe ist es schwer zu sagen, ich denke aber, es müssten Spinnmilben sein.
https://de.jardineriaon.com/gelbe-Spinne.html
Danke, jetzt hab ich mir glatt eine Milbenphobie eingefangen! ;-)
Leider funktioniert dein (Pseudo)Link nicht und weder intern noch extern ist die Rubrik Pflanzengesundheit zu detektieren.
Edit: Jetzt geht der Link. Tankeschönn

@Thuja
Auch an den Blüten von Birne und Zwetschge sehe ich undefinierbare Schadsymptome. Muss mal auf die Pirsch gehen. Mit Insektiziden bin ich bisher sparsam umgegangen und warte normalerweise bis zur abgehenden Blüten wenn überhaupt. Das gelbe Vieh, ich glaube es in Vorjahren nur auf Blättern von Tomate und Paprika, recht flink rumwuseln gesehen zu haben.
Zuletzt geändert von Obstliebhaber am 8. Apr 2026, 12:53, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Obstbaumveredler-Adepten-Fragen

Rib-2BW » Antwort #2876 am:

Zwei Chips auf gegenüberliegenden Seiten ist besser als, wie weiter oben gezeigt (Die Okulationen; Siehe Kerbschnitt-technik.), direkt übereinander. Das obere Auge wird vom unteren schon stark beeinträchtigt. Das Problem hat man bei gegenüberliegenden Veredelungen nicht. Am besten ist zwar immer eine Veredelung aber wir sind hier nicht in der Baumschule, wo wir hunderte Veredelungen gemacht haben. Mehrere Veredelungen an einer Unterlage ist die Erhöhung des Erfolgs, bei begrenzten Mitteln. Daher legitim. Der Schnittzeitpunkt liegt bei mir beim frühen Austrieb. Da kann ich sehen wer sich gut entwickelt und wer nicht.

Wofür soll eigentlich eine Gegenzunge beim Seitlichen Anplatten gut sein? Da macht man gleich eine richtige Kopulation daraus. Die entwickeln sich im Vergleich zur Anplatterung besser, wenn man beide an eine Unterlage zum Vergleich gemacht hat.

Ob man Okuliert oder Chipt bleibt leiterbahnmäsig Jacke wie Hose. Das Okulat/Chip muss anwachsen. Der Kallus muss also eine Verbindung schaffen. Und diese wird bei beiden eh nur am Rand des Okulats/Chips passieren. Die Verbindung ist also vergleichbar. Das geht bei beiden schnell.
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Balder
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Re: Obstbaumveredler-Adepten-Fragen

Balder » Antwort #2877 am:

Ich meine diese Anplatten-Technik:
Anplatten mit sichtbaren Schnitten
Anplatten mit sichtbaren Schnitten
Anplatten fertig
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