Ja, was denn nun? Wirkt es fünf Jahre lang, wirkt es drei Tage oder spürt das Mittel, was der Gärtner gepflanzt hat und was von selbst wächst? Zwanzig Euro für die Flasche, dazu Expertise von einem nicht existierenden Wissenschaftler – warum nicht mal probieren? Ich denke, diese zwanzig Euro kann man sinnvoller ausgeben.100% Glyphosat-frei, 8x schneller, 5 Jahre kein Unkraut, Wirkung in 3 Stunden, Nach 3 Tagen pflanzen, 100% abbaubar!
News: Problem bei der Anmeldung? Bitte Mail über das Kontaktformular ganz unten! | garten-pur unterstützen mit einer Spende oder über das Partnerprogramm!
Frage zu Glyphosat (Gelesen 884635 mal)
Moderatoren: Nina, Phalaina, cydorian, partisanengärtner, AndreasR
- Staudo
- Beiträge: 36154
- Registriert: 7. Jul 2007, 08:39
- Wohnort: Südbrandenburg
- Höhe über NHN: 84
- Winterhärtezone: 7a: -17,7 °C bis -15,0 °C
Re: Frage zu Glyphosat
Derzeit taucht immer mal Werbung für ein total wirksames und total unschädliches Unkrautvernichtungsmittel auf, dass sofort und dann für fünf Jahre wirkt und nach dessen Anwendung man nach drei Tagen wieder pflanzen kann:
„Am Ende entscheidet die Wirklichkeit.“ Robert Habeck
Re: Frage zu Glyphosat
Das ist nicht die einzigste Werbung für gedankenlose Leute. Diese Artikel bekommt man alle für EIN ZEHNTEL des Preises bei Aliexpress. Viele davon sind sehr nützlich und dort auch sehr preiswert. Einige davon sind allerdings völlig falsch beschrieben und existieren in der beworbenen Art gar nicht - reine Abzocke.
Gruß aus Karl-Chemnitz-Murx
- thuja thujon
- Beiträge: 24149
- Registriert: 28. Apr 2016, 21:50
- Region: Gemüsegarten Vorderpfalz
- Höhe über NHN: 90
- Winterhärtezone: 8b: -9,4 °C bis -6,7 °C
Re: Frage zu Glyphosat
Ich habe die Werbung noch nicht gesehen.
Geht es da um ein KI-generiertes Video mit dem erfundenen Professor einer bekannten deutschen Uni, wo Glufosinat-Ammonium beworben wird?
Der Wirkungseintritt mit 3 Stunden könnte da durchaus hinkommen. Bekannt ist die Verbindung schon seit langem, sie wurde erstmals nicht vom Menschen, sondern in der Natur durch ein Bodenbakterium hergestellt und nennt sich Bialaphos. Manche Firmen haben den Wert dieses Totalherbizids erkannt, haben es entwickelt und vermarktet, bevor die EU sagte es ist Fruchtschädigend (Humanfrucht, ungeborenes Leben) und es in der EU vom Markt verschwunden ist. In anderen Teilen der Welt wird es nach wie vor eingesetzt, dabei spielt nicht die Rolle dass es natürlich ist, sondern dass es herausragende agronomische Eigenschaften hat.
Kann die Werbung, ist ja eigentlich keine, sondern schlicht Fakenews, mal jemand verlinken?
Geht es da um ein KI-generiertes Video mit dem erfundenen Professor einer bekannten deutschen Uni, wo Glufosinat-Ammonium beworben wird?
Der Wirkungseintritt mit 3 Stunden könnte da durchaus hinkommen. Bekannt ist die Verbindung schon seit langem, sie wurde erstmals nicht vom Menschen, sondern in der Natur durch ein Bodenbakterium hergestellt und nennt sich Bialaphos. Manche Firmen haben den Wert dieses Totalherbizids erkannt, haben es entwickelt und vermarktet, bevor die EU sagte es ist Fruchtschädigend (Humanfrucht, ungeborenes Leben) und es in der EU vom Markt verschwunden ist. In anderen Teilen der Welt wird es nach wie vor eingesetzt, dabei spielt nicht die Rolle dass es natürlich ist, sondern dass es herausragende agronomische Eigenschaften hat.
Kann die Werbung, ist ja eigentlich keine, sondern schlicht Fakenews, mal jemand verlinken?
gesundes und krankes Gemüse in Amish-Qualität
- Staudo
- Beiträge: 36154
- Registriert: 7. Jul 2007, 08:39
- Wohnort: Südbrandenburg
- Höhe über NHN: 84
- Winterhärtezone: 7a: -17,7 °C bis -15,0 °C
Re: Frage zu Glyphosat
Ich habe es probiert. Ein Link funktioniert nicht.
„Am Ende entscheidet die Wirklichkeit.“ Robert Habeck
- thuja thujon
- Beiträge: 24149
- Registriert: 28. Apr 2016, 21:50
- Region: Gemüsegarten Vorderpfalz
- Höhe über NHN: 90
- Winterhärtezone: 8b: -9,4 °C bis -6,7 °C
Re: Frage zu Glyphosat
Danke, also Glufosinat-Ammonium. China schwemmt dann mal den deutschen Markt mit illegalem Zeugs. Selbst schuld wers kauft und da drauf reinfällt. 3 Jahre unkrautfrei ist da nichts. Wirkt wie Pelargonsäure nur auf die Teile die getroffen werden, also nicht systemisch.
Im Gegensatz zu Glyphosat ist es übrigens ein Totalherbizid. Glyphosat ist bekanntermaßen keins, auch wenn das immer wieder behauptet wird.
Im Gegensatz zu Glyphosat ist es übrigens ein Totalherbizid. Glyphosat ist bekanntermaßen keins, auch wenn das immer wieder behauptet wird.
gesundes und krankes Gemüse in Amish-Qualität
- hobab
- Beiträge: 5456
- Registriert: 20. Apr 2008, 17:05
- Wohnort: Berlin
- Bodenart: Sand
- Winterhärtezone: 7b: -14,9 °C bis -12,3 °C
Re: Frage zu Glyphosat
Ok - wird als Breitbandherbizid verkauft - aber wirkt ja auf fast alles - die behandelten Flächen sind gelb.
Unbenommen, dass es bei einigen Sachen wie Giersch nicht besonders gut funktioniert, aber vermutlich ist das bei anderen Totalherbiziden auch nicht anders. Warum also ist es kein Totalherbizid?
Unbenommen, dass es bei einigen Sachen wie Giersch nicht besonders gut funktioniert, aber vermutlich ist das bei anderen Totalherbiziden auch nicht anders. Warum also ist es kein Totalherbizid?
Berlin, 7b, Sand
- thuja thujon
- Beiträge: 24149
- Registriert: 28. Apr 2016, 21:50
- Region: Gemüsegarten Vorderpfalz
- Höhe über NHN: 90
- Winterhärtezone: 8b: -9,4 °C bis -6,7 °C
Re: Frage zu Glyphosat
Es gehört offiziell zu den selektiven Herbiziden, hat aber ein ungewöhnlich breites Spektrum. Vieles wie Giersch, Sedum, Ackerkratzdisteln, Kratzbeere und weitere Gartenpflanzen gehören nicht dazu. Im allgemeinen kann Glyphosat Gräser besser als Zweikeimblättrige, da reichen niedrige Aufwandmengen vollkommen aus.
Die Lücken von Glyphosat könnte ein Totalherbizid, da die meisten aber nicht systemisch sind, findet keine aktive Bekämpfung der Wurzel statt und somit treibts wieder aus. Also auch nicht gerade das, wovon ein Gärtner träumt.
Man muss unterscheiden zwischen Totalherbizid und einem Herbizid, dass auch große Pflanzen kann. Letzteres ist selten, viele Herbizide wirken nur auf den sich gerade entwickelnden, noch unsichtbaren Keimling, andere wirken nur sicher bis zum 2-Blattstadium des Unkrauts. Glyphosat und Wuchsstoffe (Rasenherbizid) sind ungewöhnlich, weil sie auch große Pflanzen können. Vielleicht sind da die Gärtner verwöhnt, weil sie kaum andere Herbizide kennen. Das Mittel, das alles plattmacht und danach jahrelang nichts auf dem Weg oder Parkplatz wächst, das gibts nicht.
Die Lücken von Glyphosat könnte ein Totalherbizid, da die meisten aber nicht systemisch sind, findet keine aktive Bekämpfung der Wurzel statt und somit treibts wieder aus. Also auch nicht gerade das, wovon ein Gärtner träumt.
Man muss unterscheiden zwischen Totalherbizid und einem Herbizid, dass auch große Pflanzen kann. Letzteres ist selten, viele Herbizide wirken nur auf den sich gerade entwickelnden, noch unsichtbaren Keimling, andere wirken nur sicher bis zum 2-Blattstadium des Unkrauts. Glyphosat und Wuchsstoffe (Rasenherbizid) sind ungewöhnlich, weil sie auch große Pflanzen können. Vielleicht sind da die Gärtner verwöhnt, weil sie kaum andere Herbizide kennen. Das Mittel, das alles plattmacht und danach jahrelang nichts auf dem Weg oder Parkplatz wächst, das gibts nicht.
gesundes und krankes Gemüse in Amish-Qualität
- hobab
- Beiträge: 5456
- Registriert: 20. Apr 2008, 17:05
- Wohnort: Berlin
- Bodenart: Sand
- Winterhärtezone: 7b: -14,9 °C bis -12,3 °C
Re: Frage zu Glyphosat
Gibt es eine Erklärung was Gräser anfälliger macht für den Wirkstoff? Spannendes Thema - und Danke für die Erklärung, auch wenn ich eher selten Herbizide nutze, der Mechanismus ist spannend und macht vielleicht auch die Anwendung berechenbarer.
Berlin, 7b, Sand
- thuja thujon
- Beiträge: 24149
- Registriert: 28. Apr 2016, 21:50
- Region: Gemüsegarten Vorderpfalz
- Höhe über NHN: 90
- Winterhärtezone: 8b: -9,4 °C bis -6,7 °C
Re: Frage zu Glyphosat
Da gibts sehr gute Erklärungen im Detail. Verallgemeinert und besser verständlich kann man sagen, dass Gräserbekämpfung eher vom pH-Wert saure Herbizide benötigt um die Mobilität in der Pflanze zu gewährleisten. Gräser sind architektonisch und evolutionär doch deutlich anders wie Zweikeimblättrige.
Für Dikotyle kann man beim Wirkstoffdesign auch mit anderen hydrophilen Atomen oder Gruppen wie Stickstoff und entsprechenden polaren Linkern wie Ketone, Amide, Sulfonamide, Harnstoffe usw arbeiten, da muss zwar auch der logP stimmen und es darf nicht ins basische gehen wie bei Fungiziden, aber es muss nicht wirklich sauer bzw CH-azide sein.
Ist schwierig zu erklären, wenn Chemie, molecular modeling und Pflanzenphysiologie nur am Rande bekannt ist.
Selbst der Wiki-Artikel taugt nicht um zu verstehen, um was es da geht: https://de.wikipedia.org/wiki/Molekulare_Modellierung
Kurz zusammengefasst: eigentlich ist Glyphosat zu sauer, um ein gutes Herbizid zu sein, Carbonsäure plus Phosphonsäure mit geringer Molekularmasse des Moleküls (keine um die 300, die man für small molecules, die in der biologischen Welt sowohl bei Pflanzen- als auch bei Tier- bzw Humanmedizin die größte Rolle spielen, so als Faustregel nimmt). Ausnahmen bestätigen die Regel.
Die agronomisch vorteilhafte Anwendung ist nochmal eine andere Geschichte. Wird auch nicht weniger kompliziert. Und: wer macht sich schon Gedanken über das Tropfenrückprallverhalten von seiner Spritzbrühe? Das sollte einen Anwender gar nicht groß interessieren müssen, egal ob Kohlrabi, Zwiebel oder Löwenzahn.
Für Dikotyle kann man beim Wirkstoffdesign auch mit anderen hydrophilen Atomen oder Gruppen wie Stickstoff und entsprechenden polaren Linkern wie Ketone, Amide, Sulfonamide, Harnstoffe usw arbeiten, da muss zwar auch der logP stimmen und es darf nicht ins basische gehen wie bei Fungiziden, aber es muss nicht wirklich sauer bzw CH-azide sein.
Ist schwierig zu erklären, wenn Chemie, molecular modeling und Pflanzenphysiologie nur am Rande bekannt ist.
Selbst der Wiki-Artikel taugt nicht um zu verstehen, um was es da geht: https://de.wikipedia.org/wiki/Molekulare_Modellierung
Kurz zusammengefasst: eigentlich ist Glyphosat zu sauer, um ein gutes Herbizid zu sein, Carbonsäure plus Phosphonsäure mit geringer Molekularmasse des Moleküls (keine um die 300, die man für small molecules, die in der biologischen Welt sowohl bei Pflanzen- als auch bei Tier- bzw Humanmedizin die größte Rolle spielen, so als Faustregel nimmt). Ausnahmen bestätigen die Regel.
Die agronomisch vorteilhafte Anwendung ist nochmal eine andere Geschichte. Wird auch nicht weniger kompliziert. Und: wer macht sich schon Gedanken über das Tropfenrückprallverhalten von seiner Spritzbrühe? Das sollte einen Anwender gar nicht groß interessieren müssen, egal ob Kohlrabi, Zwiebel oder Löwenzahn.
gesundes und krankes Gemüse in Amish-Qualität