News: Problem bei der Anmeldung? Bitte Mail über das Kontaktformular ganz unten! | garten-pur unterstützen mit einer Spende oder über das Partnerprogramm!
Dürregejammer (Gelesen 1029445 mal)
Moderatoren: Nina, Phalaina, cydorian, partisanengärtner, AndreasR
- hobab
- Beiträge: 5667
- Registriert: 20. Apr 2008, 17:05
- Wohnort: Berlin
- Bodenart: Sand
- Winterhärtezone: 7b: -14,9 °C bis -12,3 °C
Re: Dürregejammer
Ein paar Argumente die mir hier fehlen, oder die ich überlesen habe: Landwirtschaft mit Gärten zu vergleichen macht nur begrenzt Sinn, erstens weil die meisten Kulturen in der Landwirtschaft einjährig sind, da ist es schwierig, anders als mit Sprengern zu arbeiten. Es gibt zwar auch Wegwerftropfschläuche, die würde ich jedenfalls als zusätzliche Plastikvermüllung ablehnen, auch wenn sie sehr viel billiger sind als permanente. Durch das Sprengen bei Nacht kann die Verdunstung erheblich verringert werden, auch mit höheren Tropfgrößen - technisch nicht so schwer.
Zweitens sind die meisten Gärten lange nicht so windexponiert wie Ackerflächen, es gibt Hecken, Mauern, Häuser, Garagen und so weiter, so dass beim Sprengen sehr viel weniger Abdrift stattfindet. Und man kann bei bestehenden Beeten Tropfschläuche verwenden, die kaum Verdunstung haben. Bei guten Tropfschläuchen bleibt die Oberfläche nämlich trocken und das Wasser geht nur nach unten.
Zu den Wildpflanzen: ich bilde mir ein, dass sich in meinem Garten ungefähr vier mal so viel Insekten tummeln wie in der dürren, relativ blütenlosen Natur drumherum. Auch die Vielfalt ist um einiges höher, Wildpflanzenwiesen sind nicht unbedingt besser für Diversität und Menge an Insekten, jedenfalls hier im dürren Osten.
Zweitens sind die meisten Gärten lange nicht so windexponiert wie Ackerflächen, es gibt Hecken, Mauern, Häuser, Garagen und so weiter, so dass beim Sprengen sehr viel weniger Abdrift stattfindet. Und man kann bei bestehenden Beeten Tropfschläuche verwenden, die kaum Verdunstung haben. Bei guten Tropfschläuchen bleibt die Oberfläche nämlich trocken und das Wasser geht nur nach unten.
Zu den Wildpflanzen: ich bilde mir ein, dass sich in meinem Garten ungefähr vier mal so viel Insekten tummeln wie in der dürren, relativ blütenlosen Natur drumherum. Auch die Vielfalt ist um einiges höher, Wildpflanzenwiesen sind nicht unbedingt besser für Diversität und Menge an Insekten, jedenfalls hier im dürren Osten.
Berlin, 7b, Sand
- Staudo
- Beiträge: 36197
- Registriert: 7. Jul 2007, 08:39
- Wohnort: Südbrandenburg
- Höhe über NHN: 84
- Winterhärtezone: 7a: -17,7 °C bis -15,0 °C
Re: Dürregejammer
Tropfschläuche können auch Wasser sammeln, wenn sie an der Oberfläche liegen. An den kalten Schläuchen kondensiert die Luftfeuchtigkeit.
Hier war die Wasserverteilung in den letzten Tagen extrem unterschiedlich. Manche Dörfer bekamen 0 mm, manche 40 mm. Ein guter Anzeiger für Trockenheit in der Landschaft sind Mais und Sonnenblumen. Bei uns geht es gerade noch. Das Gras auf den Wiesen ist nach der Heuernte zwar kaum gewachsen, aber noch grün.
„Am Ende entscheidet die Wirklichkeit.“ Robert Habeck
- Gartenlady
- Beiträge: 23098
- Registriert: 3. Mai 2004, 20:30
- Region: östl. Ruhrgebiet
- Höhe über NHN: 240m
- Bodenart: lehmig humos
- Winterhärtezone: 8a: -12,2 °C bis -9,5 °C
Re: Dürregejammer
Es ist ja auch nicht so, dass Wildpflanzen kein Wasser brauchen. Bei länger anhaltender Dürre vertrocknet die Blumenwiese auch und mit ihr die Insekten.
Für Nahrungspflanzen gelten andere Regeln, die brauchen Wasser, im Garten wie durch die Landwirtschaft.
Für Nahrungspflanzen gelten andere Regeln, die brauchen Wasser, im Garten wie durch die Landwirtschaft.
Re: Dürregejammer
Die Insekten, die bei Dir im Garten erscheinen müssen sich ja irgendwo fortpflanzen. Dafür brauchen sie überwiegend einheimische Pflanzen. Das sieht man in Westrichs Pollenliste und an den bekannten Raupenfutterpflanzen der Tagfalter, beispielhaft was Wildbienen und Tagfalter betrifft. Dass sie, wenn in der freien Landschaft alles gemäht ist in Deinem gegossenen Garten Nektar trinken kommen ändert ja nichts daranhobab hat geschrieben: ↑16. Jul 2026, 08:23 Zu den Wildpflanzen: ich bilde mir ein, dass sich in meinem Garten ungefähr vier mal so viel Insekten tummeln wie in der dürren, relativ blütenlosen Natur drumherum. Auch die Vielfalt ist um einiges höher, Wildpflanzenwiesen sind nicht unbedingt besser für Diversität und Menge an Insekten, jedenfalls hier im dürren Osten.
Ja, das ist der Einfluss des Klimawandels auf die Artenvielfalt. Sicher gibt es da eine Verschiebung. Aber natürlich passen sich Wildpflanzen am schnellsten an die veränderten Klimabedingungen an, nennt sich Evolution. Ich habe ja auch nicht nur Blumenwiesen (also Mähwiesen mit Gräsern) sondern komplette Staudenpflanzungen aus Wildpflanzen. Das ist das was neudeutsch den unglücklichen Namen "Staudenwiese" trägt aber bei mir überwiegend aus Wildpflanzen bzw. eigentlich Pollen- bzw. Raupenfutterpflanzen besteht. So etwas, das ist ja ein Blumenbeet, keine Wiese.Gartenlady hat geschrieben: ↑16. Jul 2026, 08:47 Es ist ja auch nicht so, dass Wildpflanzen kein Wasser brauchen. Bei länger anhaltender Dürre vertrocknet die Blumenwiese auch und mit ihr die Insekten.
Das funktioniert völlig ohne Gießen im trockenen Lausitzer Sand.
Der schönste Garten ist der, der kurz vor dem Verwildern steht.
Dr. med. Daniel Gottlob Moritz Schreber (1808-1861)
Dr. med. Daniel Gottlob Moritz Schreber (1808-1861)
- Gartenlady
- Beiträge: 23098
- Registriert: 3. Mai 2004, 20:30
- Region: östl. Ruhrgebiet
- Höhe über NHN: 240m
- Bodenart: lehmig humos
- Winterhärtezone: 8a: -12,2 °C bis -9,5 °C
Re: Dürregejammer
Natürlich ist das der Klimawandel und der macht auch nicht Halt vor Deiner Blumenwiese. Blumenwiesen oder Wildpflanzenstauden hier bei mir haben andere Voraussetzungen, hier ist kein trockener Sand, die Pflanzen sind ausreichend Wasser gewohnt, also leiden sie jetzt auch mehr und Evolution geht nicht von jetzt auf gleich. Letztes und vorletztes Jahr war noch ziemlich feucht.
- hobab
- Beiträge: 5667
- Registriert: 20. Apr 2008, 17:05
- Wohnort: Berlin
- Bodenart: Sand
- Winterhärtezone: 7b: -14,9 °C bis -12,3 °C
Re: Dürregejammer
Chica, du hast vielleicht etwas idyllisches Vorstellung von der Natur hier: da leben keine Knautien Sandbienen, einfach weil es hier keine Knautien gibt - außer in meinem Garten. In Berlin gibt es angelegte Mittelstreifen und öffentliche Parks mit relativ viel ausgebrachten einheimischen Pflanzen, ansonsten sehe ich hier hauptsächlich
Berteroa, Medicago, Solidago, Erigeron annuus, ab und zu Cichorium - also nicht besonders artenreich. Und Natur ist Wandel, die stellt sich schon auf Stadt ein - hier Wiesen anzulegen im Garten bringt gar nichts. Großflächig im Umland vielleicht- aber nur wenn sie beweidet werden. Oder willst du ganz Deutschland umwandeln in einen romantischen Freizeitpark mit halbjährlich gemähten Wiesenlandschsften? Wär schön, aber wer bezahlt es? Die Bauern haben Silage und brauchen keine Wiesen.
Berteroa, Medicago, Solidago, Erigeron annuus, ab und zu Cichorium - also nicht besonders artenreich. Und Natur ist Wandel, die stellt sich schon auf Stadt ein - hier Wiesen anzulegen im Garten bringt gar nichts. Großflächig im Umland vielleicht- aber nur wenn sie beweidet werden. Oder willst du ganz Deutschland umwandeln in einen romantischen Freizeitpark mit halbjährlich gemähten Wiesenlandschsften? Wär schön, aber wer bezahlt es? Die Bauern haben Silage und brauchen keine Wiesen.
Berlin, 7b, Sand
- Staudo
- Beiträge: 36197
- Registriert: 7. Jul 2007, 08:39
- Wohnort: Südbrandenburg
- Höhe über NHN: 84
- Winterhärtezone: 7a: -17,7 °C bis -15,0 °C
Re: Dürregejammer
Nein, das ist Selektion. Arten, denen es zu trocken ist, verschwinden. Meine Gärtnerei steht auf einer Sandkuppe, auf die in den Sechzigerjahren eine Rinderstallanlage gebaut wurde. Diese wurde vor 20 Jahren abgerissen. Zurück blieb eine weitgehend humusfreie Fläche aus Sand und Betonschotter. Der Bewuchs in den nicht bewässerten Bereichen ist kniehoch, obwohl noch nicht gemäht wurde. Dort, wo Wasser der Beregnungen hingelangt, ist die Artenvielfalt höher. Zusätzliche Nährstoffe gibt es logischerweise nicht.
„Am Ende entscheidet die Wirklichkeit.“ Robert Habeck
- RosaRot
- Beiträge: 18078
- Registriert: 11. Mai 2007, 20:53
-
Regenschatten Schattenregen Nordöstliches Harzvorland, Podsol, Regosol 7b 123m
Re: Dürregejammer
Hier auf dem Berg funktioniert Wildnisgarten wie bei Chica defintiv nicht, die Boden- und Wasserverhältnisse sind (völlig) anders.
Knautia vertrocknen schneller als ich gucken kann, die Natternköpfe sind durch und in der Samenphase, wie viele der sonstigen Wildpflanzen auch. Das Gelände wird raschelig...
Einige mittelmeerische Heiden, die ich mal vor dem Wegwerfen gerettet hatte in einem Gartencenter, stehen ungerührt und werden demnächst blühen. Einheimische sicher auch, nur sie zum Anwachsen zwecks Vergrößerung der natürlichen Population zu bringen ist nicht ganz einfach.
(Die Cistus stehen auch ungerührt da und manche blühen nach wie vor, einige jüngere Pflanzen werden ab und an gewässert. Man sieht es ihnen an, wenn sie noch nicht richtig eingewurzelt sind.)
Die Trockenflächen der Umgebung verwandeln sich mangels Pflege(durch Schafe,früher) in Ligusterwüsten.
Knautia vertrocknen schneller als ich gucken kann, die Natternköpfe sind durch und in der Samenphase, wie viele der sonstigen Wildpflanzen auch. Das Gelände wird raschelig...
Einige mittelmeerische Heiden, die ich mal vor dem Wegwerfen gerettet hatte in einem Gartencenter, stehen ungerührt und werden demnächst blühen. Einheimische sicher auch, nur sie zum Anwachsen zwecks Vergrößerung der natürlichen Population zu bringen ist nicht ganz einfach.
(Die Cistus stehen auch ungerührt da und manche blühen nach wie vor, einige jüngere Pflanzen werden ab und an gewässert. Man sieht es ihnen an, wenn sie noch nicht richtig eingewurzelt sind.)
Die Trockenflächen der Umgebung verwandeln sich mangels Pflege(durch Schafe,früher) in Ligusterwüsten.
Zuletzt geändert von RosaRot am 16. Jul 2026, 10:08, insgesamt 1-mal geändert.
Viele Grüße von
RosaRot
RosaRot
Re: Dürregejammer
Ich will gar nichts und schon gleich nichts Romantisches
Wenn der Klimawandel erst richtig zuschlägt haben wir eh andere Probleme als unsere vertrockneten Blümchen im Garten
Der schönste Garten ist der, der kurz vor dem Verwildern steht.
Dr. med. Daniel Gottlob Moritz Schreber (1808-1861)
Dr. med. Daniel Gottlob Moritz Schreber (1808-1861)
- Staudo
- Beiträge: 36197
- Registriert: 7. Jul 2007, 08:39
- Wohnort: Südbrandenburg
- Höhe über NHN: 84
- Winterhärtezone: 7a: -17,7 °C bis -15,0 °C
Re: Dürregejammer
Dann machen die Italiener in der Lausitz Urlaub, weil es am Mittelmeer zu heiß ist. 
„Am Ende entscheidet die Wirklichkeit.“ Robert Habeck
- RosaRot
- Beiträge: 18078
- Registriert: 11. Mai 2007, 20:53
-
Regenschatten Schattenregen Nordöstliches Harzvorland, Podsol, Regosol 7b 123m
Re: Dürregejammer
Vermutlich ist bei Dir Chica das Grundwasser erreichbar, für Knautia z.B.?
Viele Grüße von
RosaRot
RosaRot
- RosaRot
- Beiträge: 18078
- Registriert: 11. Mai 2007, 20:53
-
Regenschatten Schattenregen Nordöstliches Harzvorland, Podsol, Regosol 7b 123m
Re: Dürregejammer
Johanniskraut wächst hier auch nur da üppig, wo durch einen Zufall etwas mehr Wasser hinkommt, etwa weil ich Töpfe wässere oder frisch gesetzte Pflanzen.
Viele Grüße von
RosaRot
RosaRot
- hobab
- Beiträge: 5667
- Registriert: 20. Apr 2008, 17:05
- Wohnort: Berlin
- Bodenart: Sand
- Winterhärtezone: 7b: -14,9 °C bis -12,3 °C
Re: Dürregejammer
Und was sind Wildpflanzen? Erigeron annuus und canadense, Solidago gigantea und canadensis, Ailanthus altissima? Neophyten wie eingeschleppte Hirsen können mit den neuen Klima schon besser klarkommen, als ‚einheimische‘ Pflanzen.
Ich finde es toll, wenn wir noch ein bisschen von der Natur, wie ich sie aus meiner Kindheit kenne und wie sie teilweise in den Alpenregion noch lebendig ist, erhalten könnten. Aber ich denke, dass die Zerstörungen, die wir angerichtet haben, jetzt nicht mehr rückgängig zu machen sind. Bäuerliche Wirtschaftsweisen, die über Jahrhunderte relativ gleichmäßig geblieben waren und so der Natur eine Anpassung erlaubt haben, sind verschwunden. Wir haben so starke Eingriffe in die Natur gemacht, dass man kaum einschätzen kann, wie sie darauf reagiert. Irgendwie wird sie sich anpassen, aber in welchen Zeiträumen?
Werden unsere Wälder überleben und wieviel unserer gewohnten Natur? Wir müssen uns auf den Wandel einstellen, ich denke das Bewahren der gewohnten Ökosysteme ist ein Luxus, schön wenn man sich das leisten kann - aber das geht nur auf wenigen Flächen.
Ich finde es toll, wenn wir noch ein bisschen von der Natur, wie ich sie aus meiner Kindheit kenne und wie sie teilweise in den Alpenregion noch lebendig ist, erhalten könnten. Aber ich denke, dass die Zerstörungen, die wir angerichtet haben, jetzt nicht mehr rückgängig zu machen sind. Bäuerliche Wirtschaftsweisen, die über Jahrhunderte relativ gleichmäßig geblieben waren und so der Natur eine Anpassung erlaubt haben, sind verschwunden. Wir haben so starke Eingriffe in die Natur gemacht, dass man kaum einschätzen kann, wie sie darauf reagiert. Irgendwie wird sie sich anpassen, aber in welchen Zeiträumen?
Werden unsere Wälder überleben und wieviel unserer gewohnten Natur? Wir müssen uns auf den Wandel einstellen, ich denke das Bewahren der gewohnten Ökosysteme ist ein Luxus, schön wenn man sich das leisten kann - aber das geht nur auf wenigen Flächen.
Zuletzt geändert von hobab am 16. Jul 2026, 10:24, insgesamt 2-mal geändert.
Berlin, 7b, Sand
- Staudo
- Beiträge: 36197
- Registriert: 7. Jul 2007, 08:39
- Wohnort: Südbrandenburg
- Höhe über NHN: 84
- Winterhärtezone: 7a: -17,7 °C bis -15,0 °C
Re: Dürregejammer
Es könnte mal wieder regnen.
„Am Ende entscheidet die Wirklichkeit.“ Robert Habeck