Im kühlen Nordklima lohnt es sich, den Fokus auf sehr früh reifende Herbstfeigen und auf Sorten mit starker Breba-Ernte zu legen, bei denen man die Herbstfeigen im Zweifel ignoriert – aber damit sage ich dir ja nichts Neues. Im ersten Fall riskierst du, dass nichts reif wird. Im zweiten, dass die Blütenfeigen Spätfrösten zum Opfer fallen.
In deinem Fall müsste man gezielt nach Erfahrungsberichten aus ähnlichen Klimazonen (Polen, südliches Skandinavien) suchen. Bo Blomquist aus Göteborg hat viele Sorten getestet, leider ohne großen Erfolg. Seit über 10 Jahren hört man nichts mehr von ihm; es kann sein, dass er resigniert hat. Das Klima in Göteborg sollte aber noch deutlich feigenunfreundlicher sein als das in Hamburg. Da gibt es selbst in Schweden günstigere Regionen.
Ich würde in deinem Fall einfach weitere Sorten mit sehr früher Reife bei den Herbstfeigen testen, die sich in einem kühleren Sommerklima bereits bewähren konnten. Zusätzlich aber auch solche mit großer erster Ernte, bei denen du dich primär auf diese Brebas konzentrierst und die Herbstfeigen einfach vergisst.
Zur ersten Kategorie fallen mir neben RdB ein: Pastilière, Bécane, Campanière – eventuell auch Condé, Hardy Chicago und Nerino (Figo moro). Bei den beiden Letzteren kann es auch eine kleinere Blütenfeigenernte geben. Pastilière gilt als eine der winterhärtesten und frühesten Sorten. Auch Hardy Chicago wird explizit für kühlere Regionen nördlich der Alpen empfohlen.
Zur zweiten Kategorie fallen mir neben Desert King (DK), die ja im Hamburger Raum durchaus anständige Ernten liefern kann, und Isi d’oro noch Dauphine und GdSJ ein: Dauphine wurde im kühlen, späten 19. Jahrhundert in Argenteuil nordwestlich von Paris wegen ihrer Blütenfeigen nicht ohne Erfolg kultiviert und versorgte damals die Hauptstadt mit frischen Feigen. Bei GdSJ gehe ich davon aus, dass sie wärmeres Klima bevorzugt, aber ich habe vor einigen Jahren einen Bericht mit Bildern aus Nordfrankreich, unweit der belgischen Grenze, gelesen, in dem eine dort gepflanzte große GdSJ voller Brebas war. Das ist zwar nicht so nördlich wie Hamburg, aber doch schon ziemlich sommerkühl.
Fig growing in Sweden (Bo Blomquist): http://www.planetfig.com/articles/fareng2584.html