News: Problem bei der Anmeldung? Bitte Mail über das Kontaktformular ganz unten! | garten-pur unterstützen mit einer Spende oder über das Partnerprogramm!

Feigen Ficus Carica: Sorten, Erfahrungen, Winterhärte (Gelesen 5300920 mal)

Obstgehölze, Beerensträucher und Wein (Veredlungen, Unterlagen, Schnitte und Selektionen) sowie Staudenobst (Erdbeeren)

Moderator: cydorian

Antworten
philippus
Beiträge: 5477
Registriert: 29. Mär 2007, 11:05

Re: Feigen Ficus Carica: Sorten, Erfahrungen, Winterhärte

philippus » Antwort #34200 am:

husar2003 hat geschrieben: 22. Sep 2026, 09:28 Zu überlegen ist daher von Herbstfeigen gänzlich abzusehen und sich auf Sorten mit zeitlich versetzten Brebas zu konzentrieren.
Im kühlen Nordklima lohnt es sich, den Fokus auf sehr früh reifende Herbstfeigen und auf Sorten mit starker Breba-Ernte zu legen, bei denen man die Herbstfeigen im Zweifel ignoriert – aber damit sage ich dir ja nichts Neues. Im ersten Fall riskierst du, dass nichts reif wird. Im zweiten, dass die Blütenfeigen Spätfrösten zum Opfer fallen.

In deinem Fall müsste man gezielt nach Erfahrungsberichten aus ähnlichen Klimazonen (Polen, südliches Skandinavien) suchen. Bo Blomquist aus Göteborg hat viele Sorten getestet, leider ohne großen Erfolg. Seit über 10 Jahren hört man nichts mehr von ihm; es kann sein, dass er resigniert hat. Das Klima in Göteborg sollte aber noch deutlich feigenunfreundlicher sein als das in Hamburg. Da gibt es selbst in Schweden günstigere Regionen.

Ich würde in deinem Fall einfach weitere Sorten mit sehr früher Reife bei den Herbstfeigen testen, die sich in einem kühleren Sommerklima bereits bewähren konnten. Zusätzlich aber auch solche mit großer erster Ernte, bei denen du dich primär auf diese Brebas konzentrierst und die Herbstfeigen einfach vergisst.

Zur ersten Kategorie fallen mir neben RdB ein: Pastilière, Bécane, Campanière – eventuell auch Condé, Hardy Chicago und Nerino (Figo moro). Bei den beiden Letzteren kann es auch eine kleinere Blütenfeigenernte geben. Pastilière gilt als eine der winterhärtesten und frühesten Sorten. Auch Hardy Chicago wird explizit für kühlere Regionen nördlich der Alpen empfohlen.

Zur zweiten Kategorie fallen mir neben Desert King (DK), die ja im Hamburger Raum durchaus anständige Ernten liefern kann, und Isi d’oro noch Dauphine und GdSJ ein: Dauphine wurde im kühlen, späten 19. Jahrhundert in Argenteuil nordwestlich von Paris wegen ihrer Blütenfeigen nicht ohne Erfolg kultiviert und versorgte damals die Hauptstadt mit frischen Feigen. Bei GdSJ gehe ich davon aus, dass sie wärmeres Klima bevorzugt, aber ich habe vor einigen Jahren einen Bericht mit Bildern aus Nordfrankreich, unweit der belgischen Grenze, gelesen, in dem eine dort gepflanzte große GdSJ voller Brebas war. Das ist zwar nicht so nördlich wie Hamburg, aber doch schon ziemlich sommerkühl.

Fig growing in Sweden (Bo Blomquist): http://www.planetfig.com/articles/fareng2584.html
Benutzeravatar
DerTigga
Beiträge: 1364
Registriert: 10. Aug 2014, 19:27
Region: Weinbaugebiet
Höhe über NHN: 120m
Winterhärtezone: 9a: -6,6 °C bis -3,9 °C

Balkongärtner

Re: Feigen Ficus Carica: Sorten, Erfahrungen, Winterhärte

DerTigga » Antwort #34201 am:

Problem ist da wohl auch etwas, das tendenziell Feigen mit 2 maliger Ernte pro Jahr dazu neigen, das hauptsächlich die 2te Ernte die geschmacklich so richtig leckere ist.
Zumindest meinem Lesen nach sind Sorten, wo auch die Brebas einen sozusagen geschmacklich vom Stuhl hauend sind, nicht sooo zahlreich.
Ich hab mir beim lesen mal die Grise de Saint Jean und die Paradiso Feige gemerkt, als Vertreter dieses: schon bei der ersten Ernte gleich ordentlich gut. Obs stimmt kann ich nicht sicher sagen, hab beide nicht im Bestand.
philippus
Beiträge: 5477
Registriert: 29. Mär 2007, 11:05

Re: Feigen Ficus Carica: Sorten, Erfahrungen, Winterhärte

philippus » Antwort #34202 am:

DerTigga hat geschrieben: 22. Sep 2026, 13:46 Problem ist da wohl auch etwas, das tendenziell Feigen mit 2 maliger Ernte pro Jahr dazu neigen, das hauptsächlich die 2te Ernte die geschmacklich so richtig leckere ist.
Zumindest meinem Lesen nach sind Sorten, wo auch die Brebas einen sozusagen geschmacklich vom Stuhl hauend sind, nicht sooo zahlreich.
Ja... das ist bei der großen Mehrheit der Sorten so.
Gute Brebas gibt es aber zB bei Negronne, auch wenn meiner Meinung nach die Herbstfeigen geschmacklich noch einmal um einiges vielschichtiger und konzentrierter schmecken. In Sachen Textur würde ich fast die Brebas im Vorteil sehen, weil ihre Haut dünner und zarter ist.
Der Nachteil ist aber, dass der Ertrag der ersten Ernte vergleichsweise gering ist. Bei mir nicht mehr als 12-15% der Jahresernte, wenn es nach der Anzahl der Feigen geht - und kaum 20%, wenn man vom Gewicht ausgeht. Das ist bei vielen Sorten ähnlich.

Bei GdSJ erreichen die Brebas etwa die Qualität der Herbstfeigen und sind dabei auch noch größer. In manchen Jahren übertreffen sie qualitativ sogar die Herbstfeigen.
Zuletzt geändert von philippus am 22. Sep 2026, 16:04, insgesamt 1-mal geändert.
Niblar
Newbie
Beiträge: 11
Registriert: 12. Okt 2025, 20:09
Region: Niedersachsen
Bodenart: sandig
Winterhärtezone: 6b: -20,4 °C bis -17,8 °C

Re: Feigen Ficus Carica: Sorten, Erfahrungen, Winterhärte

Niblar » Antwort #34203 am:

Es lohnt auch immer einen Suchauftrag bei Kleinanzeigen mit 30/50km Radius zu schalten. Dadurch findet man keine namentlich bekannten Sorten, aber einige die im Klima der Region zuverlässig tragen.
husar2003
Full Member
Beiträge: 430
Registriert: 13. Jul 2025, 18:51
Wohnort: Hamburg
Bodenart: Bauschutt
Winterhärtezone: 7a: -17,7 °C bis -15,0 °C

Re: Feigen Ficus Carica: Sorten, Erfahrungen, Winterhärte

husar2003 » Antwort #34204 am:

Nachvollziehbare Antworten. Vielen Dank
Ach wisst ihr was, ich baue einfach ein Gewächshaus über meinen ganzen Garten ;)

"Frühe Herbstfeigensorten" werden wohl so wie letzten Tage gerne vom Sturm geerntet oder gehen vielleicht dann Richtung Oktober im Regenwasser unter hm.

Und ja, die Brebas frieren gerne mal total ab, wie 2024, gar nichts war zu ernten - außer RdB, die sich später mit Herbstfeigen darüber kaputt lachte.

Und ich habe ja einige neue Kandidaten (Turca, All years Hector, Gota de Miel, Ungarn....), die sich ja auch noch als gut erweisen könnten, wenn sie jetzt den ersten Winter überstehen.

Sollte es im Sommer dann irgendwann eine Feigenschwemme geben, wäre es auch o.k. , dann wird getrocknet.

Das Problem mit RdB in Schweden, Ha ! Wie bei mir :
"May, June and the beginning of July were unusually cold and rainy, with temperatures during most days below 20°C. During the last three weeks however, we had very hot weather, with temperatures ranged between 27-30°C. 'Ronde de Bordeaux' grew quite well, with a lot of shoots between 30cm and 50 cm. No signs of figs yet, however. "

Die Feigen kommen ab ca. August, Trieblänge stimmt auch. Ich sage immer noch "dürres Zeug" und dann schenkt sie mir doch noch einige dieser sauleckeren Feigen ;)
Hamburg : Isi d'Oro, BT, Ronde de Bordeaux, Peretta?!, Petrovača (Kempf), Faruks Turca, Gota de Miel, All Years Hector, Amacord, Desert King, Twotimer Early Blue, Gustis Hellas, Unbekannte aus Ungarn, La Favière
Wendland/Drawehn : BT
blackforestfigs
Newbie
Beiträge: 20
Registriert: 18. Aug 2026, 16:55
Winterhärtezone: 7b: -14,9 °C bis -12,3 °C

Re: Feigen Ficus Carica: Sorten, Erfahrungen, Winterhärte

blackforestfigs » Antwort #34205 am:

Gab es da nicht mal eine extrem harte Feige, die jedes Jahr die irre kalten Bodensee-Winter von bis zu -25°C überlebt? Darüberhinaus hat die von Jahr zu Jahr eine Ernte mehr hervorgebracht. Inzwischen müssten es vier oder fünf sein. Lindau Gold oder so hieß die ;D lol
NDC, MB, MN, IC, LDA, Mt.Et., Dott., Ersi, Préc. de Dal., Genoa, Panaché, Firoma, Figality, P. bijela, Past., DK, Mdds, Joki, Sult., M-10, N. 600m, 9 div. UNKs
Töpfe: Cel., LSU Gold. Cel., Negronne, BNR, DT, Crv. hrvat, Mt.nera, HC(MB), Capris A + B
Antworten