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Hesperis - Identifikationsfragen (Gelesen 3407 mal)

Einjährige, Zweijährige, mehrjährige Stauden, Farne, Gräser, Zwiebelpflanzen ...

Moderatoren: Nina, Phalaina, AndreasR

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Gartenlady
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Hesperis - Identifikationsfragen

Gartenlady »

Vor einigen Jahren wurde auf einem brachliegenden Grundstück in der Nachbarschaft Erdaushub offenbar aus einer Baumaßnahme abgekippt. Im Jahr darauf begann es dort üppig zu blühen, muss ein schöner Garten gewesen sein, der da plattgemacht wurde :-\ Es blühten u.A. weiße und die üblichen pinkfarbenen Nachtviolen, ich habe mir Samen einer der weißen Pflanzen mitgenommen, ausgesät und habe seither weiße Hesperis matronalis im Garten. Ich war bisher davon ausgegangen dass es H. m. ´Alba´ wäre, aber dann habe ich Sämlinge davon im weißen Beet im boga ausgepflanzt, und nun beginnt das Problem: Einer unserer Mitglieder, Leiter des schulbiologischen Zentrums am boga, stellt hin und wieder Schilder am Beet auf, auf denen er gerade schön blühende Pflanzen genau spezifiziert. Hesperis blüht gerade so schön und er wollte wissen, was es nun genau ist und stieß bei der Recherche auf Hesperis matronalis ´Alba´ das offenbar eine Hybride aus was auch immer ist und Hesperis matronalis ssp. candida die weiße Nachtviole. Weiß jemand, wie man die beiden weißen Formen unterscheiden kann? Im Internet habe ich die Info gefunden, dass H. m. ssp candida behaarte Stängel hat, aber nirgends steht geschrieben, ob die Stängel von H. m. ´Alba´ unbehaart sind. Meine Pflanzen haben jedenfalls behaarte Stängel. Außer den weißen Pflanzen habe ich noch einen Sämling (?) in rosalila, sie hat auch behaarte Stängel, die Behaarung ist aber weniger ausgeprägt.Hier eine weiße Pflanze im boga, bei mir im Garten sind sie schon weitgehend verblüht.
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pearl
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Re:Hesperis - Identifikationsfragen

pearl » Antwort #1 am:

das ist eine Nomenklaturfrage, - für die ich prädestiniert bin -->Lateinbotanische Namen ... - die ich für mich so entschieden habe, dass ich meine weiße Nachtviole Hesperis matronalis subsp. candida , Weiße Nachtviole, nenne. Warum? Der Zusatz 'Alba' mit den Strichelchen oben wird oft an weiße Formen einer Pflanze vergeben, bei denen es nicht sicher ist, ob es sich um eine Subspecies, eine Variante oder eine Form handelt. Die Striche sind für Kultivare vorgesehen, Sorten also. Jetzt haben wohl ein Herr Gustav Hegi und Herr Emil Schmid herausgeforscht, dass es sich bei der Weißen Nachtviole um eine echte Unterart, Subspecies, handelt. Das entspricht meiner Beobachtung, dass sie echt aus Samen fällt, alle Sämlinge werden wieder weiß. Das alles verrät mir der Zander und darüber hinaus, dass Hesperis matronalis 'Alba' und Hesperis matronalis subsp. candida Synonyme sind. Also zwei Worte für ein Ding. Homonym wäre ein Wort und zwei Dinge. Gibt es auch bei Pflanzen.
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Gartenlady
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Re:Hesperis - Identifikationsfragen

Gartenlady » Antwort #2 am:

Den Zander habe ich nicht, wohl aber das Staudenbuch von Phillips/Rix und dort steht:
Am Naturstandort sind die weiße und die purpurfarbene Unterart getrennt, in Kultur jedoch treten sie gemischt auf.
was auch nicht erhellender ist, jedenfalls hat meine Pflanze einen Nachkommen hervorgebracht, der nicht weiß ist, aber auch nicht purpurfarben. Purpurfarbene Nachtviolen gibt es hier nirgendwo.Ist meine Pflanze eine vom Naturstandort? Keine Ahnung woher der Erdaushub kam.
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altrosa
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Re:Hesperis - Identifikationsfragen

altrosa » Antwort #3 am:

Woher kommt die Nachtviole? Aus dem Mittelmeergebiet? Hier in der Schweiz ist sie meines Wissens nicht einheimisch.
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Gartenlady
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Re:Hesperis - Identifikationsfragen

Gartenlady » Antwort #4 am:

Dazu schreibt Fritz Encke in Pareys Blumengärtnerei:Hesperis matronalis:
Europa, West- und Mittelasien, in Deutschland verwildert.
und Phillip/Rix
Alpen, Pyrenäen und Südosteuropa und verwildert in anderen Teilen Europas, Kaukasus, Nord-Türkei, Sibirien und Zentralasien.
Danach müsste es sie auch in der Schweiz geben.
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Phalaina
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Re:Hesperis - Identifikationsfragen

Phalaina » Antwort #5 am:

Im Aichele/schwegler, Die Blütenpflanzen Mitteleuropas Band 3, wird Hesperis matronalis erwähnt als u.a. mit der südosteuropäischen H. sylvestris als in einer Sammelart H. matronalis agg. zusammengefaßt. Die Pflanze wird als im Tiefland fast überall und in den Alpen oberhalb 800 m fehlend beschrieben. Sie fehlt in kalkarmen Mittelgebirgen.
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pearl
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Re:Hesperis - Identifikationsfragen

pearl » Antwort #6 am:

ein botanisches Werk, das auch Autorennamen nennt - ohne diese Nennung sind botanische Namen unvollständig - würde ich als Referenz unbedingt bevorzugen. Die Werke von Roger Phillips & Maryn Rix schätze ich sehr, nur beziehen die sich häufig auf andere Autoren. Im Falle der Hesperis matronalis auf L. das bedeutet Carl von Linne. Seit dem Jahre 1753 gab es nun eine Reihe von Botanikern, die sich ebenfalls mit der Nachtviole befasst haben und die habe ich oben erwähnt. Sie haben im 20. Jahrhundert publiziert.Nun steht im Zander unter Bezug des Tokyo Code von 1994 hinter Hesperis matronalis L. - ok. Dann werden zwei Unterarten aufgeführt subsp. candida und subsp. matronalis. Nun ist es so, dass bei der Bennennung einer Unterart automatisch eine zweite definiert wird, die keinen zusätzlichen Autorennamen bekommt.Hinter candida steht in Parenthese (Kit.) Paul Kitaibel - Kitaibelia ein Gattungsname! Dieser Mensch hat früher gelebt und früher publiziert als Herr Hegi und Herr Schmid. Im wissenschaftlichen Betrieb ist es üblich, dass neue Erkenntnisse - also auch neue Namen - durch die Veröffentlichung in einer Wissenschaftszeitung zur Diskussion gestellt werden. Findet die Fachwelt sie nachvollziehbar, wird darauf aufgebaut und der entsprechende Autor zitiert. Je mehr er zitiert wird, desto größer sein Ruhm - manchmal auch sein Auto. Carl von Linne wird andauernd zitiert, hinter fast jedem botanischen Namen steht dieses L., deswegen ist er so berühmt und Schweden so stolz auf ihn.Die Herren Gustav Hegi und Emil Schmid haben also das letzte Wort in Sachen Weiße Nachtviole,Hesperis matronalisL.- subsp. candida (Kit.) Hegi et Em. Schmid zweijährig oder Staude Z3 VI-VII Eur.: Sp F I A Slovakei Pyrenäen Alpen Carpaten- subsp. matronalis zweijährig oder Staude Z3 V-VI Eur.: außer Britische Inseln und Skandinavien, aber in der Türkei Kaukasus Iran West-Sibirien Central-Asien und! naturalisiert - eingebürgert - in England und SkandinavienSo. Auf Pareys Blumengärtnerei brauch man nicht näher einzugehen.Ob die Weiße Nachtviole von Gartenlady vom Naturstandort ist? Definitiv nicht! Es ist immer nur der Standort wo man selber eine Pflanze gefunden hat relevant. Und der ist eben Bauschutt. Persönlich darf man natürlich spekulieren und sich Phantasien hingeben. Bei meinen Bartiris denke ich auch gerne an alte Burgen, Römische Soldaten und Orientalische Gärten. Bloß weiß davon kein Schwein, wo sie tatsächlich herkommen, unsere Schwertlilien.
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Re:Hesperis - Identifikationsfragen

brennnessel » Antwort #7 am:

Die Herren Gustav Hegi und Emil Schmid haben also das letzte Wort in Sachen Weiße Nachtviole,Hesperis matronalisL.- subsp. candida (Kit.) Hegi et Em. Schmid zweijährig Staude Z3 VI-VVII Eur.: Sp F I A Slovakei Pyrenäen Alpen Carpaten- subsp. matronalis zweijährig StaudeZ3 V-VI Eur.:....
mich wundert da jetzt , dass dies zweijährige Stauden sein sollen.... meine Hesperis ist langlebig, auch die weiße !???
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pearl
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Re:Hesperis - Identifikationsfragen

pearl » Antwort #8 am:

Oh padong! Es ist im Zander das Symbol für zweijährige und das für Stauden verwendet. Dh. die Pflanzen verhalten sich so und so. Bei mir verhälte sich die Weiße Nachtviole wie eine Staude. Allerdings bezieht sich das auf den Wurzelstock und nicht auf die einzelne grundständige Blatt-Rosette. Die ist klar zweijährig. Im ersten Winter ist sie sehr schön dunkelgrün - Hesperis ist also eine wintergrüne Pflanze - im Sommer blüht sie wie verrückt und stirbt dann ab. Inzwischen haben sich Tochterrosetten gebildet und auch Kindel. So ist das.
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brennnessel

Re:Hesperis - Identifikationsfragen

brennnessel » Antwort #9 am:

aha, danke ;) !
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Re:Hesperis - Identifikationsfragen

pearl » Antwort #10 am:

noch was, Kitaibelia ist soviel ich weiß eine Staude und sie ist ein Malvengewächs, Malváceae
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sarastro

Re:Hesperis - Identifikationsfragen

sarastro » Antwort #11 am:

Einspruch, euer Ehren! In meinem Garten steht eine Kitaibelia balansae, von mir aus Samen gezogen, der in der Nordosttürkei gesammelt wurde. Sie ist definitiv ein Halbstrauch, verholzt an der Basis. Im Übrigen kann sich Hesperis sehr wohl zu Tode blühen. Davon kann ich ein Lied singen, denn wir kultivierten jahrelang die beiden gefüllten Versionen, die 'Lilacina Pleniflora' und 'Alba Plena' genannt werden. Auch diese sollten einen Sortennamen verpasst bekommen, denn es können ja noch zehn andere weiß gefüllte und lila gefüllte Sorten auf der Welt existieren. Wer kennt dann noch den Unterschied??? Wenn jedenfalls nicht sofort nach der Blüte ein Rückschnitt verpasst wird, sind die Dinger einjährig überwinternd, also als Zweijährige zu betrachten.
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Re:Hesperis - Identifikationsfragen

Gartenlady » Antwort #12 am:

Eigentlich weiß ich jetzt genau so viel wie vorher: es gibt eine Hesperis matronalis ssp. candida, das war doch schon immer klar, wozu also diese ausführlichen Erklärungen ??? Und warum kann man auf die Angabe aus Pareys Blumengärtnerei bzgl. des Vorkommens von Hesperis matronalis verzichten? Es ist ein Werk aus den 60er Jahren, ich denke zu dieser Zeit kam diese Pflanze an den gleichen Standorten vor wie jetzt.
Ob die Weiße Nachtviole von Gartenlady vom Naturstandort ist? Definitiv nicht! Es ist immer nur der Standort wo man selber eine Pflanze gefunden hat relevant. Und der ist eben Bauschutt.
;D ;D ;D ich fass es nicht
sarastro

Re:Hesperis - Identifikationsfragen

sarastro » Antwort #13 am:

Belass es mal bei der Parey'schen Version, obgleich die nicht immer ganz korrekt in der nomenklatorischen Bezeichnung gewesen sind.
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pearl
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Re:Hesperis - Identifikationsfragen

pearl » Antwort #14 am:

Eigentlich weiß ich jetzt genau so viel wie vorherich fass es nicht
geht mir auch so. Wieso stellst du Fragen, wenn du die Antworten nicht wissen willst?
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