Chica hat geschrieben: ↑22. Jun 2026, 13:37
Zum Nachweis des gleichen ökologischen Nutzens bezüglich Schmetterlingen wie die Wildform sie hat brauchen wir das jetzt mindestens 100 mal wiederholt und dann für die
26 anderen Schmetterlingsarten auch noch. Und dann alles andere Krabbel- und Flugzeugs.
Ja, da stimme ich zu. Es ist erst einmal nur anekdotische Evidenz (n=1) und wissenschaftlich betrachtet natürlich schwach. Aber ich habe das Ganze – bis auf die letzten zehn Tage – für den Zitronenfalter sehr engmaschig kontrolliert und dabei auch nicht interveniert.
Was man meiner Meinung nach definitiv daraus ableiten kann: Der Zitronenfalter legt seine Eier auf dieser Sorte ab, die Raupen fressen die Blätter und erreichen auch erfolgreich das Endstadium. Das erscheint absolut logisch und plausibel, da bei dieser Sorte höchstwahrscheinlich nur die Blattform, nicht aber die Blattchemie verändert ist.
Wie sich das auf andere Tiere übertragen lässt und ob andere Insekten in einem ähnlichen Ausmaß von der Sorte profitieren wie von der reinen Wildform, ist fraglich. A priori würde ich davon ausgehen, dass die Wildform überlegen ist. Dennoch ist es plausibel, dass auch die Sorte eine Reihe weiterer Arten anzieht. Der Faulbaumbläuling geht beispielsweise an die Blütenknospen; diese sind bei der Sorte meines Kenntnisstandes nach identisch mit der Wildform, vielleicht nur etwas weniger zahlreich. Gleiches gilt dann für die Früchte, die von Vögeln, Insekten und anderen Tieren verzehrt werden.
Spannend, wie gut gemini das bewertet hat:
Ja, da stimme ich zu. LLMs wie Gemini und Co. sind mittlerweile schon ganz gut.
Was Geminis konkrete Einschätzung angeht, war diese an sich gut, aber den Punkt mit der Blattmasse müsste man noch genauer betrachten. Mir ist nämlich im Vergleich zur Wildform aufgefallen, dass meine ,Asplenifolia‘ deutlich längere Blätter hat. Dadurch nimmt die Blattmasse natürlich wieder etwas zu – auch wenn es insgesamt weniger bleibt, da eine rundlichere Form mathematisch gesehen einfach schneller Quadratzentimeter generiert.
Diese verlängerten Blätter habe ich eher als Vorteil empfunden: Die Raupen sehen mit ihrer länglichen Form ähnlich aus wie diese Blätter! Obwohl sie zahlreich und später sichtbar größer an dem Bäumchen waren, musste ich ziemlich genau hingucken, da ich sie manchmal glatt für ein Blatt gehalten habe. Ob ihre Fressfeinde das auch so sehen ist natürlich fraglich.
Ein weiteres Problem war hier, dass die Pflanze noch nicht richtig eingewachsen war und zusätzlich noch die Sommerhitze dazukam. Ein voll etabliertes Exemplar hätte vermutlich schneller regeneriert. Viel wandern mussten die Raupen jedenfalls nicht, vermutlich erst ganz zum Schluss auf der Suche nach einem Verpuppungsplatz – aber diese Phase habe ich ja leider verpasst.
Die Wildform habe ich ja auch hier, aber an der war leider keine einzige Raupe zu finden. Wie gesagt: Ich schätze, dass der genaue Standort für die Eiablage am Ende deutlich wichtiger ist.
Auch wäre noch interessant zu klären, ob die reduzierte Blattmasse und der daraus resultierende langsamere Wuchs nicht sogar von Vorteil sein könnten. Einige Falter bevorzugen ja sogenanntes Kümmerwachstum – möglicherweise wegen der geringeren Distanz zum Boden und der damit verbundenen Abwärme oder aus anderen Gründen. Es wäre also hypothetisch möglich, dass die Sorte in bestimmten Kontexten und für bestimmte Falter der Wildform im Gartenkontext sogar überlegen ist. Aber das ist zugegebenermaßen höchst spekulativ.
Summa summarum: Bitte wer den Platz hat die Wildform pflanzen

. Aber besser 'Asplenifolia' pflanzen als gar keinen Faulbaum.
Grundsätzlich bin ich auch ein großer Befürworter davon, auf Wildformen zu setzen und habe es selbst auch getan. Allerdings bin ich der Meinung, dass Naturschutz und Gartenkultur zwei verschiedene Dinge sind, die sich keineswegs ausschließen, sondern wunderbar ergänzen und Synergien bilden können.
Man muss nämlich auch kritisch sehen: Ein Faulbaum unklarer Baumarkt-Herkunft kann je nach Provenienz eine echte Florenverfälschung bedeuten. Da die Beeren durch Vögel sehr schnell in die freie Landschaft getragen werden, wäre es an dieser Stelle deutlich sinnvoller, auf zertifiziertes, regionales Saatgut zurückzugreifen. Viele werden aber nicht diese Geduld nicht mitbringen, aber das ist natürlich ein Problem das man lösen kann. Sicherlich gibt es auch Anbieter mit regionalen Herkünften, aber ob das schon flächendeckend für jede Region verfügbar ist?
Ein weiterer wichtiger Aspekt: Der Faulbaum ist in der Natur keineswegs überall selten. In bestimmten Biotopen kann er sogar problematisch werden, da er maßgeblich zur Verbuschung von Offenlandflächen beiträgt und von Weidevieh oft verschmäht wird. In genau so einem Kontext hätte die Zuchtform ‚Asplenifolia‘ einen klaren Vorteil, denn soweit ich weiß fruchtet sie zwar, die Samen sind aber nicht keimfähig ( könnte sein das es nur für Fine Line gilt). Alternativ wäre es auch denkbar, dass ihre Keimlinge in der Natur schlichtweg so konkurrenzschwach sind, dass sie sich nicht durchsetzen können und die Pflanze nur deshalb für steril/ nicht keimfähig gehalten wird.
Im Patent von
'Fine Line' steht:
4. Low seed set; seed is not viable.
https://patents.google.com/patent/USPP14791P2/en
Behaupten also die Sorte wäre nicht keimfähig.
Oregon State schwächt diese Aussage für
'Fine Line' etwas ab:
Reportedly it produces few fruit and its seeds have low viability, hence non-invasive.
https://landscapeplants.oregonstate.edu ... -fine-line
Eine eigene Keimprüfung speziell für
'Asplenifolia' gibt es zwar nicht, aber das Sortenpatent von 'Fine Line' liefert nebenbei eine direkte Vergleichsbeobachtung:
5. Seeds of plants of the new Rhamnus were not viable whereas some seeds of plants of the cultivar Asplenifolia were viable.
Dort wird 'Asplenifolia' als Pollenelter (Vater) mit moderatem Samenansatz und teils keimfähigem Samen beschrieben – sie ist also keimfähig, aber "some" impliziert, dass die Keimfähigkeit reduziert ist.
Interessant finde ich dabei die Anreizstruktur: Weil der Faulbaum in den USA als invasiv gilt, haben Züchter neuer, patentierter Sorten ein klares Interesse, geringe Keimfähigkeit zu belegen, um eine Ausnahme von den Invasivitäts-Listungen zu erreichen. Wie wenig das zählt, zeigt 'Fine Line' selbst: trotz „nonviable seed"-Charakterisierung darf die Sorte in rund zehn US-Bundesstaaten nicht verkauft werden. Für die nicht patentierte 'Asplenifolia' fehlt dieser kommerzielle Anreiz schlicht – niemand verdient daran, ihre Keimfähigkeit sauber zu prüfen. Festhalten lässt sich daher nur: 'Asplenifolia' ist nachweislich fruchtbar; ob ihre Sämlinge sich in der freien Landschaft durchsetzen, ist offen – das bleibt Spekulation meinerseits.