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Es blüht so blau... der Enzian (Gelesen 4046 mal)

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Sabine G.

Es blüht so blau... der Enzian

Sabine G. »

Hallo,wollte Euch diese nicht vorenthalten. Fotografiert heute auf einer der LechheidenViele GruesseSabine
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enzianlechheiden_1.jpg
Sabine G.

Re:Es blüht so blau... der Enzian

Sabine G. » Antwort #1 am:

Es handelt sich uebrigens um - keine Ahnung. Frühlingsenzian haben wir auch gesichtet. Allerdings nur genau einen, mitten auf dem Weg. Und das Bild ist leider auch nicht scharf geworden.
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knorbs
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Re:Es blüht so blau... der Enzian

knorbs » Antwort #2 am:

Es handelt sich uebrigens um den stengellosen Enzian.
unter der deutschen bezeichnung "stengelloser enzian" werden aber sowohl gentiana acaulis als auch gentiana clusii bezeichnet ::) . was ist nun deine fotografierte art? wir hatten ja mal einen epischen thread über die sinnhaftigkeit der verwendung der botanischen namen. ;D bei den webprojekt "lechheiden" wird seltsamerweise aber gentiana clusii als vorkommende art genannt, obwohl diese art kalkböden benötigen soll. bei "lechheide" unterstellte ich, dass sich hier die kalkmeidende art gentiana acaulis eigentlich wohlfühlen sollte. so kann man sich irren. ;D warum man den "stengellos" nennt erschließt sich mir bei betrachtung des fotos nicht...was soll denn das dann sein, wo die blüte rauswächst...ist doch ein stängel ::)...wer weiß die namensgebenden hintergründe?
sapere aude
Eva

Re:Es blüht so blau... der Enzian

Eva » Antwort #3 am:

Ich finde, für einen "stengellosen" Enzian hat der gezeigte einen ganz schön langen Hals. In den Alpen sieht man die oft direkt an der Blattrosette aufsitzen mit den Blüten.
Sabine G.

Re:Es blüht so blau... der Enzian

Sabine G. » Antwort #4 am:

Dann werde ich jetzt meinen Beitrag aendern.
Sabine G.

Re:Es blüht so blau... der Enzian

Sabine G. » Antwort #5 am:

Ich habe da noch eine Verstaendnisfrage:Warum soll der Clusius nicht in der Lechheide wachsen? ::)
Tollpatsch

Re:Es blüht so blau... der Enzian

Tollpatsch » Antwort #6 am:

Hallo Sabine.Auf jeden Fall ein schönes blau und zeigenswert.Es dürfte G- clusii sein.G-aucalis kommt aus den Blattrosetten, die aber je nach Konkurrenz und Nahrungsangebot auch länger austreiben.Zählt zu den Frühjahrsblüher, obwohl er im Herbst gernenoch einmal nachblüht.Es sind auch nicht alle blau,Beispiel Blattrosette -G-aucalis alba
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aucalis_-alba.JPG
Blauaugenwels
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Re:Es blüht so blau... der Enzian

Blauaugenwels » Antwort #7 am:

Grüß Euch, ah, meine Lieblingspflanzen, da muss ich mich zu Wort melden ;DBeim Bild von Sabine handelt es sich eindeutig um Gentiana clusii, den Stengellosen Kalkenzian. - Spitze Blätter, spitze Kelchblätter, spitze Kelchbuchten und keine grünlichen Flecken im inneren Kelchrand. Hauptverbreitungsgebiet sind ganz klar die (nördlichen und südlichen Kalk-)Alpen. Die Art wächst zwar meist auf kalkhaltigem Gestein, genau genommen jedoch nicht auf dem blanken Fels, sondern auf den Matten darüber und die sind nicht unbedingt saurer Natur. Ich hab auch schon G. clusii zusammen mit Primula minima wachsen sehen. Haben sich offenbar nebeneinander wohl gefühlt, auch wenn das kein Gärtner machen würde. Gentiana clusii wagt sich deutlich weiter ins Voralpenland vor als G. acaulis. Bei mir in der Nähe (Dachau, nordwestlich von München) kenne ich zwei Vorkommen von G. clusii. In den Alpen wachsen die Pflanzen gedrungener und die Blütenstengel sind kürzer oder "unsichtbar". Vorhanden sind sie schon, aber eben nur extrem kurz. - Daher der Name "Stengelloser Enzian".Bei vielen ausgelesen Gartentypen wurde Wert auf einen langen Stengel gelegt, so lassen sie sich auch für die Vase verwenden. (Ja, da halten sie durchaus ganz gut, wenn sie nicht zu warm stehen. Sie öffnen sich allerdings nur bei viel Licht.)An der Stengellänge lassen sich G. clusii und G. acaulis weder am Naturstandort noch in Gartenkultur unterscheiden!Bei den Volksnamen wird übrigens nicht zwischen G. clusii und G. acaulis (Synonym G. kochiana) unterschieden. Namen sind z.B. nach Hegi:Gloggn, Almgloggn, Fingerhut,Guggerhandschin, Kukuhantsche, Guggerschuh, Schneller, Schnöller, Pflotschge, Tusch´n, Schwizer Höseli, Chessler, Pluffers, Flur da schlops, CalderonMit Sicherheit gibt es noch eine Reihe weiterer...In Bestimmungsbüchern wird oft unterschieden: Stengelloser Kalkenzian und Stengelloser Silikatenzian. - Finde ich auch nicht glücklich gewählt, aber einen Hauch besser als bloß Stengelloser Enzian.Bei mir ist die Hauptblüte der G. acaulis-Gruppe (acaulis, angusitfolia, clusii, dinarica) schon fast vorbei. Bilder hab ich gemacht, allerdings bisher nicht die Zeit zur Bearbeitung gefunden. Hole ich nach. Ein paar G. verna var. angulosa müssen noch aufblühen. Ein paar Weiße sind das schon.G. orbicularis ist verblüht (erste Blüte), ebenso G. verna ssp. verna.Viele GrüßeMarkus
Blauaugenwels
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Re:Es blüht so blau... der Enzian

Blauaugenwels » Antwort #8 am:

Hab noch was vergessen: Nachblüte im Herbst. Eine Nachblüte zeigen fast nur gärtnerisch ausgelesene Typen oder solche, die vom Naturstandort bereits lange Sommer gewohnt sind. Pflanzen oder Sämlinge von Exemplaren, die weiter oben wachsen, gedeihen im Flachland nicht besonders oder gar nicht. Das hab ich bei mir schon beobachtet:Sie sind im ersten Jahr (Steckling) wunderbar gewachsen, haben überwintert, im zweiten Jahr geblüht, dann sind sie gewachsen und waren Ende Sommer von der Entwicklung fertig für den Winter. - Aber jetzt das Problem: Der Herbst kommt ja noch und damit idR auch ein paar warme Tage. An diesen hatten die Enziane (es waren G. clusii) wieder das Treiben angefangen, dann kam der Winter und den Geweben fehlte der innere Abschluss. Im nächsten Frühjahr gab es dann natürlich keine Blüte, dafür aber kaputte Triebe. Die daraufhin gebildeten Seitentrieben hat dann im nächsten Winter das gleiche Schicksal ereilt und weiteren 2 Jahren war Schluss. Soll heißen: Wer Enziane pflegen möchte, kaufe sich (nicht nur aus naturschutzfachlicher Sicht) welche beim Gärtner. Die sind meist großblumiger, einfacher in der Pflege und ans Flachlandklima angepasst. Wer dann tiefer in die Materie einsteigen und sich an Wildarten oder Formen probieren möchte, kann Saatgut von Wildstandorten erwerben oder von ein paar wenigen kleinen Gärtnereien Jungpflanzen kaufen.Eine Nachblüte gibt es bei den frühjahrsblühenden Enzianen nicht wirklich. Wenn man den gesamten Stock betrachtet, sieht es nach einer Nachblüte aus, es ist aber nie der gleich Trieb, der bereits im Frühjahr geblüht hat, sondern ein anderer. (Ausnahme bilden hier die Enziane der G. verna-Gruppe, allen voran die gärtnerischen Auslesen von G. verna var. angulosa .)Genau genommen handelt es sich bei einer Blüte im Herbst um eine vorgezogene Blüte vom nächsten Frühjahr. Viele GrüßeMarkus
Sabine G.

Re:Es blüht so blau... der Enzian

Sabine G. » Antwort #9 am:

Danke Dir Markus fuer Deine ausfuehrliche Erklaerung ;)Im Schmeil Fitschen ist clusii in der Verbreitung eben auch das Lechtal angegeben. Und wenn ich mich dunkel an eine botanische Fuehrung durch die Lechheiden erinnere, dann gehoert der doch zu den Alpenschwemmlingen, die ja auch mit die Besonderheit dieser alpenvorlaender Heide sind. Wie ebenso auch Pflanzen von trockenen und feuchten Standorten nebeneinander stehen. Die feuchten, die eben noch aus "frueherer" Zeit da sind und die trockenen sind dann eben die moderneren :)Viele GruesseSabine
Tollpatsch

Re:Es blüht so blau... der Enzian

Tollpatsch » Antwort #10 am:

@ MarkusDeine Ausführung ist korrekt und ausführlich.Ich als Laie bin aber mit dem Blütenstengel nicht einverstanden.Aucalis hat wohl einen Blattstengel ,und auf der oberen Rosettesitzt die dann stengellose Blüte -selbst bei Hybrieden-Während der von Sabine eine Blütenstengel hat.siehe aucalis:
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Re:Es blüht so blau... der Enzian

Blauaugenwels » Antwort #11 am:

@ TollpatschHm, ich verstehe, was Du meinst, aber daran lassen sie sich wohl nicht auseinander halten. Muss ich aber morgen mal überprüfen. Hab dazu grad keine Bilder parat und jetzt ist es dunkel. Es handelt sich aber dennoch in beiden Fällen um Blütenstengel, die mal mehr, mal weniger von sogenannten Hochblättern "begrünt" werden. Dein Exemplar steht recht schattig, oder? Alle Internodien erscheinen mir ziemlich gestreckt. Macht prinzipiell nichts aus, aber die Blüten fallen dann besonders leicht um. @ alleAnbei noch ein Bild von Gentiana verna ssp. verna. Das Bild ist bescheiden, aber den Enzian hab ich nicht richtig erwischt.
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Re:Es blüht so blau... der Enzian

Blauaugenwels » Antwort #12 am:

Hier nun die allmählich aufblühenden Gentiana verna var angulosa. Wenn sie richtig blühen, mach ich noch mal ein Bild. Im Vergleich zu Gentiana verna ssp. verna sind hier die Blattrosetten deutlich größer und wachsen gedrungener. Die Blüten sind außerdem größer.
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Re:Es blüht so blau... der Enzian

Blauaugenwels » Antwort #13 am:

Und zu guter letzt noch ein Bild von ein paar Exemplaren in Töpfen. Es sind G. acaulis, G. clusii und G. dinarica drauf. - Es handelt sich um übrige Pflanzen bzw. um "Ersatzpflanzen", falls meinen Mutterstöcken was passieren sollte. Die ausgepflanzten Exemplare blühen dieses Jahr eher mäßig bis schlecht. (Muss mich da nach der Blüte mal am Substrat bzw. Standort spielen.)Das weiße ist eine G. acaulis alba, dieser Typ hat offenbar aufsitzende Blüten :o Hab ich letztes Jahr aus England bekommen.
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Re:Es blüht so blau... der Enzian

Blauaugenwels » Antwort #14 am:

Es sind auch nicht alle blau,Beispiel Blattrosette -G-aucalis alba
Weils mir gerade auffällt: Die Blüte erinnert mich (auch wegen des Blaus darin) mehr an eine helle Morphe von G. angustifolia. Ich kann mich nicht erinnern, bei G. acaulis sowas schon mal gesehen zu haben. Hast Du ein Bild von den Blattrosetten und der Blüte von seitlich?
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