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Feigen Ficus Carica: Sorten, Erfahrungen, Winterhärte (Gelesen 4591096 mal)

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Moderator: cydorian

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cydorian
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Re: Feigen Ficus Carica: Sorten, Erfahrungen, Winterhärte

cydorian » Antwort #32790 am:

datou hat geschrieben: 2. Feb 2026, 07:08 Zwar bin ich kein Biologe, meine aber mal aufgeschnappt zu haben, dass Mutationen auch vegetativ auftreten und ohne Vermehrung durch Aussaat zu neuen Sorten führen können.
Klar, passiert ja auch. Auch bei anderen Obstarten. Das ist halt nur der steile Fussweg für Veränderung. Sex ist die Autobahn, deswegen ist sexuelle Vermehrung auch so erfolgreich - sie lohnt die Mühe. Sex ist das heissere Ding, das mischt Gene neu ab und verbreitet günstige Mutationen schneller. Vegetativ vermehrt sind die meisten (nicht alle) Veränderungen nur aktivierte oder deaktivierte vorhandene Genabschnitte. Veränderung langsam und gering.
datou hat geschrieben: 2. Feb 2026, 08:38 Die Antwort war schlicht und einfach: Die dort sind drüben sind "nero", diese hier ist "bianco". "Nero" war eine dunkle aber nicht schwarze Sorte. "Bianco" war grün. Mehr war nicht bekannt.
Reicht ja auch meist. Auch hier wissen die meisten Nachbarn nicht, welche Apfelbaumsorte da im Vorgarten steht. "Den hat der Opa gepflanzt, der ist gut". Wer aber professionell vermehrt und verkauft, der sollte es wissen. Dafür gibts Reiserschnittgärten, deren Akzessionen eindeutig identifiziert sein sollten. Auch dabei passieren Fehler, aber die Richtung ist klar.

Uns Hobbyfeigenleuten sollte eben klar sein, dass wir da mit den vermeintlichen Feigensortennamen "unserer" Feigen auf weit weicherem und unsichererem Grund stehen wie es den Anschein hat und wie wir es bei anderen Arten gewöhnt sind.

Ich denke auch, dass die vermeintlichen Mutationen irgendwelcher Sorten gar keine sind. Das dürften einfach andere Sorten sein in diesem Riesenwirrwar unidentifizierter Vermehrungsketten.
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Roeschen1
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Re: Feigen Ficus Carica: Sorten, Erfahrungen, Winterhärte

Roeschen1 » Antwort #32791 am:

LMF und Negronne sind sich schon ähnlich, hab beide,
beide spät, sehr dunkle Haut, dunkelrotes Fruchtfleisch, guter Geschmack.
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cydorian
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Re: Feigen Ficus Carica: Sorten, Erfahrungen, Winterhärte

cydorian » Antwort #32792 am:

Ich zweifle daran, ob vermeintliche Ähnlichkeit bei Feigen dabei hilft, Sorten zu klären oder sagen zu können "das ist eine Mutante des anderen".
Rotbackige, milde Äpfel sind auch nicht deshalb miteinander verwandt oder gar Mutanten einer Sorte, weil sie rotbackig und mild sind...
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Mediterraneus
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Re: Feigen Ficus Carica: Sorten, Erfahrungen, Winterhärte

Mediterraneus » Antwort #32793 am:

datou hat geschrieben: 2. Feb 2026, 08:38
Mediterraneus hat geschrieben: 1. Feb 2026, 10:03 Wie auch sonst bei Sorten, die nach einer Farbe benannt sind. Weiße Blumen, weiße Tomaten, weiße Trauben, weißer Apfel.
Weiß man die Sorte nicht, isses die Weiße ::)
Wir haben 2024 in der Nähe von Grado/Norditalien Urlaub auf einem Bauernhof gemacht. Die hatten auch leckere Feigen. In der Hoffnung, hier etwas von meinen neuerworbenen Fachkenntnissen zur Anwendung bringen zu können, habe ich mal vorsichtig nach Sorten gefragt...
:D

Die Antwort war schlicht und einfach: Die dort sind drüben sind "nero", diese hier ist "bianco". "Nero" war eine dunkle aber nicht schwarze Sorte. "Bianco" war grün. Mehr war nicht bekannt. Beide Sorten waren aber sehr lecker und von nun an haben wir von unseren Gastgebern jeden Tag frische Feigen bekommen. Irgendwann konnten wir keine Feigen mehr sehen. 8)

Wir haben keine Stecklinge mitgebracht, da zu unsicher, ob die bei uns was werden würden. Aber vielleicht wären "Nero da Aquileia" und "Bianco da Aquileia" ja doch wertvolle neue Sorten geworden? ::)
Genauso läuft es wohl oft. ;)

Und schon hat man eine "Bianco" = "Blanche" mehr im Sortendschungel, obwohl es einfach nur eine schon bekannte alte Sorte ist. (.... und von der ein Steckholz Dann locker Mal 50 Dollar kostet :-X )
LG aus dem südlichen Main-Viereck
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Andere haben schließlich auch irgendeine Ahnung
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Re: Feigen Ficus Carica: Sorten, Erfahrungen, Winterhärte

Roeschen1 » Antwort #32794 am:

cydorian hat geschrieben: 2. Feb 2026, 11:03 Ich zweifle daran, ob vermeintliche Ähnlichkeit bei Feigen dabei hilft, Sorten zu klären oder sagen zu können "das ist eine Mutante des anderen".
https://feigenhof.wien/feigenbaume/2720 ... figgy.html
Hab über die Herkunft auf anderer Seite darüber gelesen, die das bestätigen.
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Re: Feigen Ficus Carica: Sorten, Erfahrungen, Winterhärte

Arni99 » Antwort #32795 am:

Der Feigenhof hat die Infos zum Patent der LMF von mir:
https://patents.google.com/patent/USPP27929P2/en
Wien Umgebung
WHZ: 8b(20/21), 9a(21/22), 8b(22/23), 8b(23/24), 8b(24/25)
Letzter Frost: 20.3.2025
Süd-Loggia: Ponte Tresa, Italian-258, Cessac, Negra d‘Agde (in Bewurzelung)
Garten: LdA, Bozener, RdB, Pfälzer, Desert King, Figo Moro da Caneva
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Re: Feigen Ficus Carica: Sorten, Erfahrungen, Winterhärte

datou » Antwort #32796 am:

cydorian hat geschrieben: 2. Feb 2026, 10:22
datou hat geschrieben: 2. Feb 2026, 07:08 Zwar bin ich kein Biologe, meine aber mal aufgeschnappt zu haben, dass Mutationen auch vegetativ auftreten und ohne Vermehrung durch Aussaat zu neuen Sorten führen können.
Klar, passiert ja auch. Auch bei anderen Obstarten. Das ist halt nur der steile Fussweg für Veränderung. [...] Veränderung langsam und gering.
Genau darum ging es mir. Wir stellen immer wieder fest, dass es sehr ähnliche, aber vielleicht doch nicht 100%ig identische Formen gibt. Z.B. Desert King, Isi d'Oro, Amatrice Casale, evtl. die eine oder andere "Blanche". DK "Lokalrunde" vs. DK "Kempf". Vielleicht alles ein und dieselbe Sorte, vielleicht aber auch nur nahezu gleich, aber bezüglich einiger weniger Eigenschaften von einer oder mehr Mutation(en) betroffen.

Könnte auch sein, dass solche Sprossmutationen bei der Ausbildung besonderer Winterhärte eine Rolle gespielt haben. Wenn an einem Baum ein Ast mutiert ist, diese Mutation aber ein klein wenig frostresistenter ist, könnte dies der kleine Rest sein, der (neben dem Stamm) einen harten Winter übersteht und ab dann auch bevorzugt vermehrt wird.

Oder eine RdB, die durch Mutation wie blöde wächst, aber weniger Früchte macht, "im Prinzip" aber noch eine RdB ist.

Uswusf. Ist natürlich alles nur eine Idee, reine Spekulation.
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Re: Feigen Ficus Carica: Sorten, Erfahrungen, Winterhärte

cydorian » Antwort #32797 am:

Vielleicht sinds auch verschiedene Sorten, von denen einer anfing zu behaupten, das Eine wäre eine Mutation des Anderen.

Bislang sind Feigen nicht mehr wie andere Obstarten durch überdurchschnittlich viele oder andere asexuelle Mutationen aufgefallen. Bislang, das bedeutet bei Feigen mindestens 8000 Jahre, schon im Buch Genesis in der Bibel tauchen sie auf. Sind meistens keine Mutationen, sondern vorhandene Genabschnitte werden blockiert oder aktiviert. Häufig geht nur was kaputt bei der Zellteilung oder durch starke Reize von aussen. Zwergwuchs ist nicht selten als Folge. Eigentlich ein Zonk, aber natürlich kann man auch da ein neues Etikett dranhängen und alles als "besonders topfgeeignet" verkaufen.

Frosthärte ist extrem multifaktoriell. Selbst mehrere günstige Mutationen nutzen da nichts. Kein Wunder, dass es da nie Fortschritte gab. Das müsste gleichzeitig an der Zuckerakkumulation drehen, an geringem freien Zellwasser, an membranstabilisierenden Lipiden, an kälteinduzierten Schutzproteinen, an einem effektiven antioxidativen System, an sekundären Pflanzenstoffen, an
Abscisinsäure-gesteuerter Winteranpassung, an der Reduktion von Gibberellinen... sehr zäh, das. Typisch, dass beim durchaus nicht immer schnellen Eintritt von Kaltzeiten massenhaft Arten ausgestorben sind statt sich "anzupassen".
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Re: Feigen Ficus Carica: Sorten, Erfahrungen, Winterhärte

datou » Antwort #32798 am:

cydorian hat geschrieben: 2. Feb 2026, 22:46 Bislang sind Feigen nicht mehr wie andere Obstarten durch überdurchschnittlich viele oder andere asexuelle Mutationen aufgefallen. Bislang, das bedeutet bei Feigen mindestens 8000 Jahre, schon im Buch Genesis in der Bibel tauchen sie auf.
Von den 8000 Jahren sind wir aber nur seit ca. 30 Jahren in der Lage, quasi in Echtzeit über unsere Pflanzen und deren Früchte zu berichten und uns auch über subtile (eventuelle) Unterschiede auszutauschen. Unterschiede, die vorher niemandem aufgefallen wären. Z.B. wäre wohl niemand auch nur auf die Idee gekommen, dass DK Kempf evtl. von DK Lokalrunde abweichen könnte (die eine macht manchmal eine gewisse Menge an Herbstfeigen, die andere nicht, IIRC), weil es nicht realistisch möglich war, sich so leidenschaftlich und detailliert darüber auszutauschen. Ebensowenig hätte wohl jemand überhaupt Isi d'Oro, Amatrice Casale und Co. evtl. in den Formenkreis von DK gestellt. Erst recht nicht, wer nur "nero" oder "bianco" kennt.

Das macht die Sache gerade so spannend. Sehr große Lücken im Wissen um unsere Pflanzen können durch Foren wie dieses hier vielleicht nicht geschlossen werden, aber zumindest mit Leben gefüllt. Ich finde das mega-interessant, unabhängig vom Ausgang der Frage, ob DK Kempf und DK Lokalrunde wirklich verschieden sind. 8)
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