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Unterlagenwahl Birne (Gelesen 15916 mal)

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Moderator: cydorian

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Re: Unterlagenwahl Birne

Obstliebhaber » Antwort #75 am:

Wir haben einen städtischen Pachtgarten. Kein gewachsener Boden. In den 80ern von der Stadt halbherzig angelegt im Uferbereich eines Baches. Aufgeschüttet wurde grobes Steinmaterial größergleich 2 bis 3 Handteller groß darauf eine 10 cm Tonschicht, darauf sehr toniger, schwerer Lehmboden, zudem überreich an Kalk. Die "Mutterbodenschicht" falls man das so nennen kann ist maximal 40 bis 45 cm stark.

Der Vorgänger hat wohl mit Sand verbessert, so wie es jeder hier tut. Dasselbe tun wir auch fortwährend. Man könnte tonnenweise Sand einarbeiten.... aber über dem Pachtgarten hängt das Damoklesschwert der Umwidmung. Vor diesem Hintergrund ist sowieso alles was hier auf Dauer angelegt ist, wie Bäume pflanzen etc., übertrieben. Insofern bin ich sicher verrückt. Aber die Lebensuhr tickt weiter, unaufhaltsam, und man will mit der Restlaufzeit noch etwas anfangen solange man kann ...

Nichtsahnend habe ich 2019, im Jahr als wir den Garten bekamen, gleich ein paar Bäume gepflanzt darunter 2 Birnen auf Quitte A. Nur mit großer Mühe bin ich etwa 50 bis maximal 60 cm runtergekommen indem ich etwas von dem massiven Steinmaterial rausgebuddelt hatte. Was sehr, sehr mühsam war. Eigentlich hätte ich im Durchmesser 1,2 m buddeln sollen um dann mit dem Pickel Steine rauszuholen was geht. Das war wirklich ein heftiger Schockmoment, da so nicht erwartet. Diese auf Quitte gekauften Birnbäume kümmern vor sich hin trotz voluminösem Bodenaustausch mit viel Sand.

Daraufhin habe ich schon 2021 eine Boscs und eine Condo jeweils auf Pyrodwarf veredelt. Die Condo auf Pyrodwarf hat letztes Jahr etwas getragen. Die Boscs hat bis jetzt noch nicht einmal geblüht! Die Boscs auf Pyrodwarf ist am Anfang sehr schleppend gewachsen, ich schob es auf die Wurzelausscheidungen der Eibe und der Forsythie.

Als ich die beiden Bäumchen erstmals verpflanzt hatte sind sie sehr gut gewachsen. Doch im darauf folgenden Jahr gab es kaum noch Zuwachs an Zweigen. Wobei die Boscs im ersten Jahr der Verpflanzung meterlange Zweige schob.

Da ich hier las, dass es Pyrodwarf als Birnenwurzel tiefgründig mag oder besser verlangt, passt der verhaltene Wuchs. Ergo falsche Unterlage am falschen Standort.
Deshalb probiere ich jetzt BA29 aus. Hoffe die geht besser. Habe drei Unterlagen eingebuddelt und in Kürze wird veredelt.

Wie sind eigentlich die Erfahrungen mit Pyrodwarf auf Sandboden (Hat mein Schwager in Ungarn) Besser als Quitte A, C, BA?
Wie ist eigentlich Quitte Eline von den Bodenansprüchen und Sortenverträglichkeit
markoxyz
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Re: Unterlagenwahl Birne

markoxyz » Antwort #76 am:

Meine 5 Bäume auf Quitten Unterlagen haben ewig gebraucht um nennenswerten Ertrag zu liefern. Und das bei gutem Boden und Wachstum.

Vielleicht wäre ja ViruTherm 1 (S) bzw. 2 was für dich gewesen. Die sollen kalktolerant sein, wachsen stärker als Pyrodwarf und sollen frühen Ertrag bringen.
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cydorian
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Re: Unterlagenwahl Birne

cydorian » Antwort #77 am:

Obstliebhaber hat geschrieben: 27. Mär 2026, 20:47 Deshalb probiere ich jetzt BA29 aus.
Gut so. Das ist die einzige Quittenunterlage, die ich für Birnen nehmen würde. Alles andere ist zu schwach.

Eline basiert auf Quitte C. Sie ist robuster gegenüber Klima und zu mehr Birnensorten affin, aber nicht deutlich toleranter gegenüber Kalk oder Trockenheit als klassische Quitten. Ihre Wuchsstärke halte ausserhalb gut versorgter Plantagen für zu schwach.
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Re: Unterlagenwahl Birne

thuja thujon » Antwort #78 am:

Ich finde es schwierig solche Fragen zu beantworten, ohne ein Bild der Bäume für eine Baumansprache zu haben.
Der Boden würde mit Bewässerung vermutlich mehr hergeben, als man gemeinhin annimmt.
Manche Quittenunterlagen sind hier für manche Gärtner schon zu stark (meist sandiger Lehm, über 10% Carbonatanteil, 4 und mehr % Humus). Pyrodwarf geht hier auch kaum als Spindel, eher was für Buschbäume.
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Re: Unterlagenwahl Birne

Obstliebhaber » Antwort #79 am:

thuja thujon hat geschrieben: 27. Mär 2026, 22:22 Ich finde es schwierig solche Fragen zu beantworten, ohne ein Bild der Bäume für eine Baumansprache zu haben.
Beispiel #1

Boscs auf Pyrodwarf, 15.5.2025.
Sie bekam danach etwas Ferromol-Blattdünger.
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boscs_auf_pyrodwarf_crop.jpg
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Gewachsen ist sie ab dem Zeitpunkt nicht mehr. Zweites Jahr nach der endgültigen Verpflanzung.
Sie hat keinerlei Blütenknospen ausgebildet. Auffällig ist auch dass sie schon ab dem Zeitpunkt der Veredelung nur schleppend wachsen wollte. Erst schob ich es auf den Standort. Sie stand am nähesten zu Forsythie und Eibe.
Als ich sie dort wegnahm und umpflanzte wuchs sie sehr gut, hat einen richtigen Satz gemacht und schob Seitenäste mit 1,5 m Länge. Diese waren sehr schwach, weswegen ich sie auf circa 40 cm einkürzte. Seit letztem Jahr ist wieder Ruhe eingekehrt und ich weiß nicht mehr wie ich da noch Wachstum rausholen soll außer indem ich sie nochmal verpflanze.
Zuletzt geändert von Obstliebhaber am 29. Mär 2026, 13:32, insgesamt 4-mal geändert.
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Re: Unterlagenwahl Birne

Obstliebhaber » Antwort #80 am:

Beispiel #2

Condo auf Pyrodwarf. Auch von mir in 2021 veredelt. Sie ging anfangs eigentlich ganz gut ab.
Gemessen am Alter bisher wüchsiger als die Schreiber Williams auf Quitte A und Boscs auf Pyrodwarf.
Der Stammumfang dürfte bereits etwas stärker sein als bei den Williams.
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condo_auf_pyrodwarf_crop.jpg
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Dennoch hätte ich mir letztes Jahr mehr vegetatives Wachstum gewünscht.
Die Birnenpockenmilbe habe ich mittlerweile zwar zu 85% im Griff jedoch schlägt alljährlich irgendeine Triebwespe bei allen Birnenbäumchen heftig zu. Vergangenes Jahr besonders bei der Condo.
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condo_frucht_crop.jpg
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Geschmacklich finden wir sie o.k., sie hat deutlich Aroma wenn auch nicht sehr aufdringlich. Etwas intensiver als Conference aus dem Laden mit einem Hauch von Würze. Wahrscheinlich jedoch mehr Birne fürs Weibchen aufgrund des Zuckergehalts, für meinen einen fehlt noch ein Ticken Säure. Aber insgesamt finde auch ich sie gut und ich werde sie deshalb auch nicht umveredeln.
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Re: Unterlagenwahl Birne

Obstliebhaber » Antwort #81 am:

Hier die Williams die eigentlich reif für die Tonne war. Auf dem Bild im S E C H S T E N Standjahr!
Die war DHL-, bzw. versandtechnisch bedingt an der Veredelung auseinander gebrochen und hing nur noch an einem Faden. Deshalb bekamen wir Ersatz und haben jetzt zwo Williams. Ich habe sie ordentlich mit Bast verbunden und geschient und nun hat sie sich als das wüchsigere der beiden Bäumchen entpuppt. Den Boden habe ich sehr tiefgründig bearbeitet und alles an Quecken und sonstigem Kraut was die Quitte A einengen könnte beseitigt. Gedüngt wurde genau zum Zeitpunkt des Erreichens der Grünlandtemperatursumme.
Die andere Willi will erst recht nich produzieren. Auf der saßen mal eine Menge Blattsaugerlarven drauf ohne dass ich die Art seinerzeit bestimmen konnte. Vielleicht hat es damit zu tun. Vlt. nehme ich mir auch mal ein Herz und besorge mir eine Akku-Flex und säge die Veredelung ein. Als Notbehelf soll das durchaus taugen um die fiesen Phytoplasmen einzudämmen.

Die abgebildete Williams hat nach dem krassen Totalausfall wegen Blütenfrost in 2024 dann in 2025 angesetzt wie nie zuvor. Beide Willies blühen zu Lasten des vegetativen Wachstums überreich weswegen ich heuer gleich von Anfang an die Hälfte aller Blütenknospen weggeschnippelt habe damit, so meine Hoffnung, endlich deutlich mehr Zweige und Blätter wachsen werden.

Die Birnen sind alle reif geworden und hatten in der Größe noch etwas zugelegt. Ein wenig vermisste ich jedoch das Williams-typische Aroma, der Säuregehalt war nen Ticken übertrieben, Zuckergehalt o.k. Ob die Netzschwefelbehandlung vor dem Austrieb damit in Zusammenhang steht weiß ich nicht. Es wird mit Ammonsulfatsalpeter gedüngt. Womöglich hat auch die Düngung Einfluss auf die Säureausbildung der Frucht. Quod erat demonstrandum?

Auch Condo und beide Williams bekamen Ferromol-Blattdünger, zweimal in schwachen Dosen auf die Blätter.
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willi_auf_quitte_a.jpg
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Zeitpunkt Anfang August 2025, circa 4 Wochen vor der Ernte.
Obwohl unser Garten sommers eine sehr warme Lage hat kann ich für 2025 die im Forum öfters geäußerte Meinung einer deutlichen Ernteverfrühung für unsere Kulturen an diesem Standort keineswegs bestätigen. Gilt auch für Mirabelle, Aprikose und Pfirsich (letzterer hat exakt zur Reifezeittabelle gepasst).
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Re: Unterlagenwahl Birne

thuja thujon » Antwort #82 am:

Danke für die Bilder.
Bei der Boscs auf Pyrodwarf fällt mir der Spinat daneben auf. Die Unterlage zeigt hier auch auf tonigeren Ecken keine Chlorose, deshalb denke ich, dass da eher ein Bodenstrukturfehler vorliegt, wie man ihn eben in der Spinatreihe beobachten kann. Vielleicht beim Baum pflanzen im Herbst mit der Gießkanne angegossen und deshalb jetzt Boden verdichtet?
Fetrilon (Eisen-EDTA, nicht das Schneckenkorn) wirkt übrigens nur bei noch nicht ausgewachsenen Blättern, haben sie ihre Endgröße erreicht, ist das Eisen wirkungslos.

Die Williams, ja, erschöpft sich eben schnell mit den ersten Erträgen. Ist die Jugendphase schon nicht supervital, fehlt schnell die Kraft für den 4ten oder 5ten Ertrag.

Condo kenne ich nicht.

Morgen evtl mehr. Spannendes Thema. Hier gibts auch Probleme mit Birnen in einem gewissen Alter. Liegt vielleicht an der Wurzeltiefe und Grundwasserstand.
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Re: Unterlagenwahl Birne

cydorian » Antwort #83 am:

thuja thujon hat geschrieben: 27. Mär 2026, 22:22 Ich finde es schwierig solche Fragen zu beantworten, ohne ein Bild der Bäume für eine Baumansprache zu haben.
Der Boden würde mit Bewässerung vermutlich mehr hergeben, als man gemeinhin annimmt.
Bei fraglichen Bodenverhältnissen ohne Erfahrung bestehender Bäume sollte man immer von oben nach unten vorgehen. Das bedeutet: Mit wuchsstärkeren Unterlagen anfangen, wenn man neu pflanzt, bevor man gleich mit schwachen Quitten als Unterlage anfängt. Wächst der Baum zu stark, ist das dann mehr Schnittarbeit, aber kein Totalverlust. Ein Krüppel mit einer Handvoll Birnen wäre es, zudem hat man Jahre verloren.

Noch zur Tiefgründigkeit: Hatte hier eine Birnenreihe übernommen, alte Bäume, mittel bis klein. Aber standfest und jährlich gute Ernten, einziges Dauerproblem neben den üblichen Sortennachteilen war nur: Recht kleine Fruchtgrössen. War nicht zu ändern, Düngen, wässern brachte da nichts. Standen auf Quitte, Stockausschläge zeigten es. Welche, das weiss ich nicht.

Zwei hab ich rausgemacht, Sortenprobleme. Eine vertrug die Hitze des neuen Wetters nicht (Alexander Lucas), die andere war einfach zu vergreist. Wollte dann unseren flachgründigen Boden verbessern, habe die alte Wurzel ausgegraben. Überraschung: Nur in 15cm Tiefe war eine riesige Betonplatte drin, quadratmetergross, nur leicht zerbrochen. Das war ein >50 Jahre altes Relikt, als dort offenbar noch eine Gartenhütte stand. Rinne in der Mitte, vermutlich zur Ableitung von Regenwasser.

Der langen Rede kurzer Sinn: Hut ab vor der Quittenunterlage. Trotz dieser wirklich beschissenen Verhältnisse schaffte es die Birne 50 Jahre lange, dort gerade zu stehen und jährlich zu fruchten. Boden in der Tiefe fraglich und ph <7,2: Nur Quitte. Notfalls nicolieren.
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