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100qm eklektischer Wildnis in der Innenstadt (Gelesen 69291 mal)

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semicolon
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Re: 100qm eklektischer Wildnis in der Innenstadt

semicolon » Antwort #555 am:

hobab hat geschrieben: 21. Jul 2026, 19:13 Acanthus sennii ist hier jeden Winter erfroren, ebenso Bupleurum fruticosum, trotz Hausnähe und Schutz. Einen einzigen Winter hat der Bupleurum überstanden, war aber so geschwächt, das er im Laufe des Sommers verendete. Den Bupleurum versuche ich weiter (falls ich Saatgut kriege), dem Acanthus geb ich keine Chance - der wächst nur in Freiburg. Also, falls jemand Saatgut hat: auf ein sechstes….
Dass der Bupleurum nicht überlebt, finde ich schon sehr seltsam. Liegt vielleicht am Boden und Nässe? Der wird problemlos mit -15 oder sogar -18° angegeben. Vielleicht hilft etwas erhöhte Hügelpflanzung in Schotter? Ich versuche die Samen abzusammeln, bei den vielen Blüten sollte doch was zusammen kommen. Mit einer Pflanze wärst Du aber sicherer - der ist als Jungpflanze irre langsam unterwegs.
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Gartenplaner
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Re: 100qm eklektischer Wildnis in der Innenstadt

Gartenplaner » Antwort #556 am:

semicolon hat geschrieben: 21. Jul 2026, 12:39
Eine meiner Lieblingspflanzen: Baccharis genistelloides aus Südamerika. Ich liebe den aufrechten und gleichmäßigen Wuchs und die extreme Standfestigkeit. Ich zwinge sie bisher in Staudenform, habe aber bereits ganz viel Nachwuchs in der Bewurzelung und möchte dann mit Straucherziehung im Kübel experimentieren. Sie wird mit ca. -8° angegeben, was ich nicht bestätigen kann - aus meiner Erfahrung verträgt sie auch 2-stelligen Frost und vermutlich sogar deutlich 2-stellig bei Trockenheit!
Die Pflanze kriegt im Spätsommer sehr viele winzige weiße Blüten, die für Insekten sehr attraktiv sind.
20260721_120110.jpg
Hm.
Hatte ich letztes Jahr in Holland gefunden, recht trocken gepflanzt, sah über den Winter auch erstmal ganz gut aus.
Als es dann im Frühjahr wärmer wurde, wurden immer mehr Triebspitzen braun und trocken und das setzte sich nach unten fort 🫤
Ich glaube, eine hat unterhalb wenige Neuaustriebe gemacht, die andere nicht mehr.
Was könnte das Problem gewesen sein?
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semicolon
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Re: 100qm eklektischer Wildnis in der Innenstadt

semicolon » Antwort #557 am:

Gartenplaner hat geschrieben: 21. Jul 2026, 21:10
semicolon hat geschrieben: 21. Jul 2026, 12:39
Eine meiner Lieblingspflanzen: Baccharis genistelloides aus Südamerika. Ich liebe den aufrechten und gleichmäßigen Wuchs und die extreme Standfestigkeit. Ich zwinge sie bisher in Staudenform, habe aber bereits ganz viel Nachwuchs in der Bewurzelung und möchte dann mit Straucherziehung im Kübel experimentieren. Sie wird mit ca. -8° angegeben, was ich nicht bestätigen kann - aus meiner Erfahrung verträgt sie auch 2-stelligen Frost und vermutlich sogar deutlich 2-stellig bei Trockenheit!
Die Pflanze kriegt im Spätsommer sehr viele winzige weiße Blüten, die für Insekten sehr attraktiv sind.
20260721_120110.jpg
Hm.
Hatte ich letztes Jahr in Holland gefunden, recht trocken gepflanzt, sah über den Winter auch erstmal ganz gut aus.
Als es dann im Frühjahr wärmer wurde, wurden immer mehr Triebspitzen braun und trocken und das setzte sich nach unten fort 🫤
Ich glaube, eine hat unterhalb wenige Neuaustriebe gemacht, die andere nicht mehr.
Was könnte das Problem gewesen sein?
Dieses plötzliche teilweise Vertrocknen nach dem Winter ist normal für unsere Klimazone und betrifft zunächst das dünne photosynthetisch-aktive Gewebe am Stängel wie Blätter bei Laubpflanzen, der Spross bleibt aber noch eine ganze Weile vital und treibt bei mir gut aus. Darum schneide ich erst im Frühjahr ca. handbreit über dem Boden. Ich weiß nicht, wie regenerativ die Pflanze aus dem Wurzelstock ist und mache das daher wie bei anderen Halbsträuchern. Baccharis liebt Hitze. Sie treiben erst aus wenn auch die Nächte konstant warm sind, das kann bei uns ja bekanntlich dauern, deshalb Geduld mitbringen. In Deinem Fall kann ich nicht sagen, ob es doch zu kalt wurde oder die Pflanze dabei zu nass stand. Meine sitzt im fast 100% groben mineralischem Substrat, aber mit Wurzelanschluss zum lehmigen Mutterboden. Ausgepflanzt hatte ich sie im Frühjahr, sie hatte also den ganzen Sommer Zeit anzuwurzeln. Was bei solchen Pflanzen auch sehr oft das Problem ist, ist das Kultursubstrat, was im nassen Zustand natürlich wesentlich besser leitet und schnell zu einem Klotz gefriert. Da nützt auch die entwässernde Umgebung nichts. Baccharis bewurzelt easy am Spross durch Absenker, deshalb könntest Du versuchen, die Pflanze bestmöglich von Kulturerde zu befreien, im Frühjahr tiefer zu setzen und dick mineralisch zu mulchen, sodass einfach viel neue Wurzelmasse direkt am Spross gebildet wird und das alte Topfsubstrat unter dem Mulch besser vor Frost geschützt ist, bis es irgendwann zerfällt. Oder direkt mit dem diesjährigen Austrieb neue Absenker an Ort und Stelle produzieren.
Habe mir noch eine große Pflanze bestellt für das extrem trockene Kiesbeet, dort will ich sie einfach wuchern und verholzen lassen, vielleicht gibt uns das weitere Aufschlüsse.
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Re: 100qm eklektischer Wildnis in der Innenstadt

Gartenplaner » Antwort #558 am:

Danke erstmal für die ausführliche Antwort!
Ich hatte eine auf den Rest Betondecke der “Ruine” gepflanzt, auf dem eine Schubkarre Lehmboden liegt 😬
Da das in 2,5m Höhe ist und ich ne Leiter hinschleppen muss, um da oben kleine Pflegearbeiten zu erledigen und ich das dieses Jahr noch nicht gemacht habe, könnte es ja vielleicht sein, dass es da oben Neutriebe gibt - von unten seh ich bisher nur das Vertrocknete.
Die 2. Hatte ich im Vorgarten in einen Trog mit lauter Trockenkünstlern gepflanzt, die scheint auch von unten etwas ausgetrieben zu haben…Ich muss nächste Woche mal genauer nachschauen, das Braunwerden hat mich etwas frustriert, so dass ich keine Aufmerksamkeit mehr schenkte :-\
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Re: 100qm eklektischer Wildnis in der Innenstadt

hobab » Antwort #559 am:

Wir haben hier fast puren Sand mit stellenweise mehr oder weniger Humus. Aber -15° über eine Woche mit Kahlfrost ist wirklich nicht ungewöhnlich.
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Re: 100qm eklektischer Wildnis in der Innenstadt

semicolon » Antwort #560 am:

Gartenplaner hat geschrieben: 22. Jul 2026, 00:12 Danke erstmal für die ausführliche Antwort!
Ich hatte eine auf den Rest Betondecke der “Ruine” gepflanzt, auf dem eine Schubkarre Lehmboden liegt 😬
Da das in 2,5m Höhe ist und ich ne Leiter hinschleppen muss, um da oben kleine Pflegearbeiten zu erledigen und ich das dieses Jahr noch nicht gemacht habe, könnte es ja vielleicht sein, dass es da oben Neutriebe gibt - von unten seh ich bisher nur das Vertrocknete.
Die 2. Hatte ich im Vorgarten in einen Trog mit lauter Trockenkünstlern gepflanzt, die scheint auch von unten etwas ausgetrieben zu haben…Ich muss nächste Woche mal genauer nachschauen, das Braunwerden hat mich etwas frustriert, so dass ich keine Aufmerksamkeit mehr schenkte :-\
Das ist ja eigentlich eine Art der nassen bis wechselfeuchten Gewässerränder, ausgepflanzt funktioniert sie bei uns aber besser im durchlässigen Beet. Ganz ähnlich wie Oleander, die in der Natur und in Kübeln Staunässe lieben, ausgepflanzt aber viel besser als Garrigue-Pflanzen funktionieren. Dach- und Trogbepflanzung ohne regelmäßiges Gießen ist aber nochmal etwas ganz anderes. Chance, dass Deine Pflanzen einfach vertrocknet sind? 😅
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Re: 100qm eklektischer Wildnis in der Innenstadt

Gartenplaner » Antwort #561 am:

🤷‍♂️
Das Braunwerden war jedenfalls lange vor den Hitzewellen und der Dürre.
Dann hab ich wohl bei den noch recht spärlichen Kultivierungsangaben die falschen erwischt 🤪
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Re: 100qm eklektischer Wildnis in der Innenstadt

semicolon » Antwort #562 am:

Dann bleiben eigentlich nur noch Frost und Nässe. Wie gesagt, etwas Dieback ist völlig normal bei einer südamerikanischen Pflanze. Meine Pflanze hatte nach mehreren Frosttagen und 3-4 Nächten T-Min von -10°C bei Wärme im Frühjahr auch versengte Triebe bekommen und wurde großzügig zurück geschnitten. Auf dem Bild ist alles Neutrieb zu sehen.

Würde ihr durchaus -12 zutrauen und mit etwas Schutz und an einem optimalen Standort auch -15
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semicolon
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Re: 100qm eklektischer Wildnis in der Innenstadt

semicolon » Antwort #563 am:

20260726_111642.jpg
Wüstenmalve 'Childerley'
Neuanschaffung wegen "genau meine Farbwelt"
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Gigantischer Echinodorus palaefolius. Unglaubliche Pflanze für sehr feuchten Gartenboden oder im Teich, verträgt aber auch kurzzeitiges Austrocknen. Steht bei mir seit Jahren ganzjährig ungeschützt in einem wassergefüllten Untersetzer. Tagelanges Durchfrieren zu einem Klotz ist absolut kein Problem für das holzige Rhizom. Blüht zuverlässig und lang. Die steifen Blätter erinnern an Kunststoff oder stabile Pappe. Wer das Besondere schätzt und Aquascaping im Garten betreiben will, braucht diese Art!
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Lagerstroemia 'Dynamite' leuchtet förmlich. Aktuell ist sie kaum einen Meter hoch. Kaum auszudenken, was ein eingewachsener Baum in Blüte für ein Schauspiel sein wird.
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Re: 100qm eklektischer Wildnis in der Innenstadt

semicolon » Antwort #564 am:

20260726_110742.jpg
Kellertreppe, Modell "Kontrollverlust".
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Neue Perspektiven
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Salvia leucantha. Im Dezember als Mini-Steckling von Madeira mitgebracht, inzwischen zu einem 70cm Strauch geschnitten. Interessanter Blattduft nach Kannabis. Spektakuläre Blütenrispen im Frühsommer. Nächstes Jahr wage ich einen Auspflanzversuch.
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Re: 100qm eklektischer Wildnis in der Innenstadt

semicolon » Antwort #565 am:

20260726_110548.jpg
20260726_110553.jpg
Es geht mal nicht um Aronstabgewächse ;-)

Taro, das Tropfenschildkröten-Mädchen, durfte dieses Jahr die neue großzügige Sommerresidenz beziehen. Ein Corten-Hochteich mit einem eingelassenen großzügigen Wasserteil und einem nicht minder großzügigen Landteil und Eiablageplatz. Wer Clemmys guttata nicht kennt: Es ist die zweitkleinste Wasserschildkröte überhaupt, die kaum die Größe einer Handfläche erreicht und die Einsamkeit einer Einzelunterbringung in stark verkrauteten Gewässern schätzt. Für mein finales Setup fehlen mir noch ein paar Teile, daher wird es irgendwann später eine richtige Projektvorstellung geben.
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Re: 100qm eklektischer Wildnis in der Innenstadt

Aramisz78 » Antwort #566 am:

Hehe.. "Kontrollverlust" . So sah früher mein Balkon immer aus. ;)

Ich mochte sehr deine dichte Dschungel, aber die Umgestaltung tat dein Garten echt gut. Die luftige und sonnige Teil tut den richtig gut und Dir eröffnete neue Möglichkeiten. Insgesamt finde ich super was Du alles ausprobierst. :)

Bei mir blühte salvia leucantha nie, erst im mitte Nov. kamen nur die Knsopen..
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Re: 100qm eklektischer Wildnis in der Innenstadt

hobab » Antwort #567 am:

Ich glaub, so geht es vielen. Mir ist erst über die Jahre aufgefallen, wie extrem die Wetterbedingungen sich innerhalb von Deutschland unterscheiden. Im Westen und vor allem im Südwesten blühen die Sachen oft über einen Monat früher als bei uns. Und was dort selbstverständlich seit Jahrzehnten durch den Winter kommt, hätte bei uns immer noch keine Chance.
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Re: 100qm eklektischer Wildnis in der Innenstadt

RosaRot » Antwort #568 am:

Die Schildkröte! :D
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Wir hatten mal eine Weile eine zugelaufene Sumpfschildkröte (zum Glück konnte der ehemalige Sandkasten schnell zum Teich umgerüstet werden), bis sich deren Besitzer fand.
Viele Grüße von
RosaRot
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Re: 100qm eklektischer Wildnis in der Innenstadt

hobab » Antwort #569 am:

Im Engelbecken in Keuzberg, ein ehemaliger Hafen an dem ich lange wohnte, wimmelt es von amerikanischen Sumpfschildkröten, die von Aquarienbesitzern entsorgt wurden. Es werden immer mehr und sie teilen sich das flache Becken mit lauter anderen Neozoen wie amerikanischen Welsen, Goldfischen und vermutlich Piranha (oder was immer die Kreuzberger loswerden wollen, Anaconda könnte ich mir auch gut vorstellen).
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