Es war Ende Mai / Anfang Juni, unser erstes Gartenjahr war vorbei. Eigentlich wollten wir das schon irgendwie ein bisschen feiern, aber die innere Kritikerin war ja so laut... und dann tue ich oft das, was mich hinterher ärgert, weil die Stimme, die einen fragt, wie es denn hier schon wieder (oder in diesem Fall: immer noch) aussieht und so kann einen ja keiner besuchen, da muss man sich ja schämen, eigentlich nicht die eigene ist.
D.h. die Familie feierte mit einem Grillabend und leckerem Essen und ich lud mir ab und zu hauptsächlich Freundinnen ein, mit denen ich mal frühstückte, mal nachmittags die Aussicht genoss. Was immer vom Besuch verlangt wurde: einen der vielen Flusssteine, die im Garten überall zu finden waren, hübsch mit meinen neu erstandenen Acrylstiften zu bemalen. Später versiegelte ich die Steine mit Outdoorlack und reihte sie vor der Gartenlaube auf. So blieb immer ein schöner Gruß von liebem Besuch.
Ansonsten lief gartengestalterisch nicht viel, aber die Blauhilde-Bohnen an den geschnittenen und zusammengebundenen Holunderzweigen und der Hokkaido, der sich an der niedrigeren Version der Holunderwigwams emporhangelte und dort ganz von alleine sehr pittoresk einen Kürbis wachsen liess, hatten schon auch etwas Schönes fürs Auge beim Flanieren in der Anlage.
Der Birnbaum und die Khaki waren gut angewachsen, zwischen ihnen blühte jetzt eine Blütenmischung sehr hübsch.
Ich setzte 3 Rosen vor den Kirschbaum (Königliche Hoheit, Silver Jubilee und Sutter's Gold) und wartete auf Blüten.
Aber ich hatte in der Frühjahrserzählung etwas übersprungen... Das Pfefferminzbeet- zumindest die vordere Hälfte war ja im Gartenplan mit Erdbeeren, Tomaten, Zuckerschoten und Salatversuchen (spoiler: nix geworden) belegt- war nun geteilt. In "das alte Pfefferminzbeet" und das "Pfefferminzbeet", wo sich die Pfefferminze immer noch den Platz mit Jostabeeren, roten und schwarzen Johannisbeeren und zwei Stachelbeeren (Eine flog beim Nachbarn raus und zog bei mir ein, die andere hatte ich vorher im Pfefferminzdschungel übersehen.) teilte.
Im hinteren Teil jätete ich ab und zu Minze. Dabei sah ich: sie hatte sich an den Kräuterhügel rangemacht und begann schon dort ihre kleinen, noch zarten Stengel rauszuschieben. Den alten Salbei, Rosmarin und einen guten Teil des Thymians hatte sie bereits zum Absterben gebracht oder war es der Winter gewesen? Ich machte es mir jedenfalls zur Aufgabe, bei jedem Gartenbesuch den Kräuterhügel* akribisch abzusuchen und jedes Pflänzchen bzw. jeden Ableger gnadenlos rauszureißen.
Der Salbei konnte eh ausgegraben werden, Rosmarin und Thymian waren ebenfalls tot. Unter den Steinen entfernte ich alles, was nach Pfefferminze aussah.
Damit eventuelle Ausläufer nicht schon wieder die Kräuter umbringen würden, sah ich etwas, was ich für eine tolle Idee hielt. Viele Tontöpfe auf eine Eisenstange "aufgefädelt" und darin die schönen Kräuter. Man gießt einfach oben und alles tröpfelt nach unten. Eine super Idee.
Tontöpfe hatte ich ein paar übrig, die restlichen kaufte ich zusammen mit der Eisenstange beim Dehner. 10%! Ich liebe Kräuter und der Gedanke an 500kg Tomaten mit selbstgeernteten Kräutern sorgte für einen Turm mit vielen verschiedenen Kräutern.
Es sah soooo schön aus. Und viel platzsparender ist es ja auch in die Höhe anzubauen.
Warum hatte ich nur keinen hängenden Salbei gekauft, sondern einen normalen?
Die Antwort gab das Wetter bald: Weil es keinen Unterschied macht. Beide wären eingegangen. Die Tontöpfe zu klein, das Wasser sickerte nur hindurch, nach einer Woche Abwesenheit war alles trotz dieser kleinen Tonpipetten zum Bewässern (ein Mitnehmsel vom Verschenketisch auf der Arbeit) vertrocknet.
Mit: Naja, kann man alles wiederverwenden, Tontöpfe braucht man immer und auch die Eisenstange kann man sicher mal brauchen, versuchte ich es mir schönzureden.
*Zum Kräuterhügel schreibe ich mal wann anders etwas.