Und weil ich gerade dabei bin, Vergessenes nachzuholen...
Im ersten Winter ist so einer (Schreber-)Gärtnerin ja durchaus auch mal langweilig, so ganz ohne Garten. Da flaniert man in der Anlage, holt sich dort Ideen, genießt das winterliche Ambiente.
Manchmal, wenn man Glück hat, entpuppt sich das hasenförmige Loch in der Ligusterhecke dann als Hase... Wenn man Pech hat, ist man sowohl mit der Kamera lahm und hat zusätzlich die Brille zu Hause liegenlassen.
Aber schön wars trotzdem!
Hatte ich eigentlich schon geschrieben, dass ich die Idee hatte, dass ich meine durchaus etwas andere Vorstellung von einem Schrebergärtchen durch eine Plakette absichern zu lassen? Wahrscheinlich auch durch das Forum hier stieß ich auf das Konzept von Naturgärten oder Natur im Garten oder Naturgarten oder wie sie alle heißen. Stundenlange Internetrecherchen folgten, bis ich eine grobe Idee vom Konzept hatte und auch auf eine Info-Seite unseres Landesverbandes gestoßen war. Dort sah man das Ganze durchaus auch etwas stiefmütterlich, so interpretierte ich jedenfalls die versteckte und nicht gut zu findende Internetrubrik zu diesem Thema.
Eine Haltung, die sich auch in verschiedenen Editorals der Gartenzeitschrift, auf Internetseiten und in Gesprächen mit dem Vorstand widerspiegelte. Auf der einen Seite ist Umweltschutz und Biodiversität "natürlich" groß geschrieben, aber gleichzeitig misstraute man dem auch ganz gehörig. Wahrscheinlich hatten sich schon einige Schrebergärtner:innen die Biodiversität auf die Fahnen geschrieben und damit ihren ungepflegten Garten gerechtfertigt? Oder die Strukturen waren eingefahren und man war von neuen Ideen etwas überfallen und generell eher skeptisch eingestellt?
Auf einer Gartenbegehung in unserer Anlage wurde über einen kleinen wilden Streifen in einem (nicht unserem) Garten jedenfalls durchaus skeptisch geurteilt, aber das Machtwort "der Rest des Gartens gut bewirtschaftet, da lassen wir das mal außer Acht!" des Vorsitzenden galt.
Aber zurück zum Kern: viele der Kriterien erfüllte unser Garten eh schon, bzw. war das schon die Stoßrichtung, in die ich gehen wollte. Ich auf jeden Fall. Der Gatte war als ehemaliges Dorf- später dann Megacitykind mit dem Konzept eines Kleingartens jedenfalls nicht vertraut, bei ihm gab es nur "Farm" oder die schnurgeraden Beete mit betonierter Einfassung und den kurzgeschorenen Rasen (ihr erinnert euch an kurz und knusprig?) unseres linken Nachbarn.
Die Bibliothek versorgte mich mit tollen Büchern über das Anlegen von Gärten, den wertvollen Tipp, erst einmal zu beobachten, die Lage, Sonnen- und Schattenbereiche zu erkennen, ein Ideenbuch anzulegen und -völlig wertfrei- Ideen zu sammeln und auch zu visualisieren. Das hatte ich ja schon beim Staudenbeet gemacht, das hatte dem Gatten schon geholfen. Also suchte ich mich durch das Internet und druckte alle möglichen und unmöglichen Gartenfotos aus. Hatte ich schon erwähnt, dass ich nicht immer stilsicher bin? Daher war das eine gute Idee und perfekt, dass es Winter war und ich nicht sofort loslegen konnte. Als hilfreiches Buch (aber nicht so gut, dass ich es kaufen würde) empfand ich Adam Frost "So geht Gartengestaltung". Aber auch Bücher, die sich mit dem Gestalten von "Kleinen Gärten" befassten.
An dieser Stelle würde ich jetzt weiterschreiben, darüber, dass der generelle Tipp ist, dass man den Garten in kleine Areale unterteilt, auch um Blickachsen zu unterbrechen und "Räume zu schaffen". Generell gerade ein Riesenthema, findet ihr nicht? Räume schaffen, Räume "lesen" und Raum zu lassen, Raum einzunehmen?
Im Kleingarten ist es etwas leichter als im sozialen Leben, aber auch da nicht ganz ohne. Diesem Thema widme ich mich aber später.
Jetzt geht es zurück zu den Kriterien für die Plakette "Natur im Garten", die unseren Garten vor den Vergleichen mit den äußerst akkuraten Nachbarn (und familieninternen Kritikern) etwas schützen sollte. Was in sich irgendwie lustig ist, weil mein Mann gerne mal darüber witzelt, dass die Deutschen für alles ein Zertifikat brauchen.
Es gibt also recht viele Punkte, manche unabdingbar, andere durchaus variabel und als "Ausgleichskriterien" möglich. Eines der Ausgleichskriterien war eine Beschilderung der Pflanzen. Das ist ja ein sehr schönes Winterprojekt, fand ich. Nicht nur Planung, sondern auch ein Bastelprojekt, wie toll!
Ich organisierte mir einen mitteldicken Ast (ich meine, es war Buche) von einem Kollegen, nahm die beiden "kleinen" Jungs (9,13) in den mir zur Verfügung stehenden Werkraum und führte meine Kreissägen- bzw. Bandsägenkünste vor. Das sollte eigentlich Bewunderung hervorrufen, aber die Schutzbrille, die ich aus Vorbilds- und Sicherheitsgründen trug, sah wohl wenig vorteilhaft aus. Geschenkt. Das Bohren mit der Ständerbohrmaschine und das Schleifen mit der Schleifmaschine wurde dann aber Streitpunkt zwischen den Beiden. Nicht streiten! Jeder darf, ihr wechselt euch einfach ab! Macht Schnick-Schnack-Schnuck, wer anfangen darf! Nein, nur dreimal. Nein, bei Schnuck musst du schon gemacht haben. Gleichzeitig machen. Ok, nochmal, jetzt bin ich Schiedsrichter und passe auf.
Die Astscheiben wurden dann zu Hause mit dem Brandmalkolben beschriftet, das war relativ schwierig und langwierig, was zu deutlich abflachendem Interesse der Jungs führte, aber für mich hatte es etwas Meditatives, die Gedanken wanderten in die Zeit, in der die jetzt gesetzten Pflanzen und Bäume groß sein würden und der Garten nicht nur eine wundervolle Aussicht, sondern insgesamt ganz wunderschön nach meinen Vorstellungen gestaltet sein würde. Hach, wenn nur endlich der Frühling käme!